Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 7. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Wo. 7. - 1902. Jüdisches Jahrg. XXVI. Litteratur-Blatt. Zur Ht'h'iK'htiiiiK aller J11<l*n)llt11m und Juden la'lrertenden liUernrieelien Kr- »eheitniiiKeii mif dem (ielilete der Philo- *ophli». (iOMdiielile, KthnoKraphie, Theo• l״Kfe, Orient*]!«, Kxejfese. Homiletik, UluruiU und PlhlagoKik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Kahiuer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Arthur Scholem, Berlin C.. Rossstr. 3. Hüeher der einttehUlKiKOti MUeratur deren Besprechung In diesem Blatte «ewmiseht wird, sowie Briefe und Ma1mskrl|tie sind *11 die K e d a c 11 o n , Inserate 11 Belingen tut die K x p e d 111 o n f r a n e o clnznaenden. ItalHMr’i ״J&ditch•• UtteretHr-Blatt“ erscheint menfttlloh im Cmfnnge eines putzen Bogens u. kostet bei allen Bnchhftiutlttngen (oder l>ei direktem Bexnge durch Arthur Scholcm, Berlin, Rossstr. 8) vierteljlihrlleh Sias Mark. — Hie Abonnenten der 111 demselben Verlage erscheinenden ״Israslltltclisa Wtobtasolirift“ welche bei allen J>o*t11ust*)tcn und HnrhliHnülnngcn vierteljährlich 3.— ■. kostet, erhalten das ,,Jüdische Mlteratur-BlaU" als Britls-Keilnge. - lassrats _werden mit >0 Pffc. die viergespnltene Zelle!»erechnet und sind an die Kxpedition In Berlin zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe! ״Au* Rahnter*• JAd. Litteratur-Blatt•‘ gestattet. Die Verbindung des Universaiismus und Particularismus im iudenthume. Von liuhhiner Dr. M. 11';111111 er. Iin grossen Weltall giebt es zwei verschiedene, ganz entgegengesetzt wirkende Kräfte, durch deren Verbindung die Bestandteile sich so vereinigen, dass aus ihnen ein Ganzes, das Universum, entsteht und besteht. Es sind dieses die Centralkräfte, die Centripetal- und Centrifugalkräfte genannt werden. Aehnlich diesen beiden Kräften in der Natur giebt es in den Bestrebungen des Menschengeschlechtes zwei, die sich einander entgegengesetzt sind, aber verbunden sein müssen, wenn aus den Menschen eine Menschheit werden 8011. Das eine Bestreben ist das des Partieularismns, das andere das des Universaiismus. Diese beiden letzteren sind aber insofern von den oben genannten im Universum wirkenden Centralkräften sehr verschieden, dass diese unbewusst nach bestimmten Naturgesetzen wirken, jene dagegen als bewusster Wille der menschlichen Seelenthätigkeit angeboren und je nach dem höheren oder geringeren Grade des entwickelten geistigen Seins einander entgegen, sich abschliessend, bekämpfend, oder sich einigend und verbindend das höhere Ziel der Menschheit fördern oder hemmen. Zu den Vorzügen des Judenthums gehört es, dass in seinen Gesetzen Particularismus und Universaiismus mit einander verbunden sind und zwar so, dass beide sich einander durchdringen Das Farticularistische ist universal, das Universale ist particularistisch. In dem Pentateuch, dem ursprünglichen Gesetzbuche des israelitischen Volkes, wird sehr oft und sehr nachdrücklicli auf drei Gegenstände hingewiesen: 1) auf das Land, in dessen Besitz Israel gelangen soll: 2) auf den Tempel, den Israel erbauen soll, und 3) auf die staatliche Selbstständigkeit, zu der Israel gelangen soll, um als ein israelitischer, selbstständiger Staut unter deu übrigen Staaten zu bestehen. Alle drei Gegenstände sind particularistische Besitztliümer. die das israelitische Volk, wie jedes andere Volk, zunächst für sich besitzen und als seinen Besitz zn erhalten die Aufgabe batte. Dennoch, wenn inan die darauf bezüglichen pentateuchisclien Gesetze, sowie die prophetischen Reden aufmerksam in Betracht zieht, so ergiebt sich ein sehr bedeutender Unterschied zwischen diesem Particularismus und dem aller übrigen Völker, denn es ergiebt sich die Universalität des Particularistischen und die innigste Verbindung Beider. Das Land war allerdings das Land Israels (ארץ ישראל), denn ein Volk, das existieren, sich vvolil fühlen und dauernd soll erhalten können, muss ein Heimathland haben, ein Land, das ihm gehört, von dessen Ertrag es sich ernährt und je fruchtbarer der Boden, je edler die Früchte seines Erdreiches, je reicher die Schätze, die es in seinem Schoosse birgt, um so besser ן ist es für dieses Volk. Ein solches Land war das verheissene (Palästina), — in .,ein Land wo Milch und Honig fliesst", sollte das Volk geführt werden, das im Lande der Knechtschaft schmachtete (ני מצרים>' siehe 2. B. M. 3,7.) Als ein solches hatten es auch die Kundschafter gefunden und Moses rühmt es als ein ״gutes Land ", ״wo Bäche und Quellen, Weizen und Gerste, Weinstock und Granatäpfel, Eisen und Kupfer'6) ־. B. M. 8, 7— 8). Das Volk sollte das auch gemessen und befriedigt werden, aber — .,Du sollst auch preisen den Ewigen Deinen Gott für das gute Land, das Er Dir gegeben hat“. Sehr oft wird bei Gesetzen des Cultus und der ,Ethik darauf hingewiesen, dass es der Ewige sei, der ihnen das Land giebt (כי יביאך)■ Das Land ist und bleibt Gottes Eigenthum, •las dem Volke gegeben wurde, weil Er es den Vätern verheissen und er hat es den Vätern verlieissen. weil ״durch ihre Nachkommen alle Völker der Erde gesegnet werden sollten“. Sie sollten sich nicht einbilden, ״durch ihre Kraft und Stärke sei es in ihren Besitz gekommen־־, und sie würden sich auch durch diese nicht in ihm erhalten können. Nur wenn sie die Gebote Gottes beobachten, würde der Besitz ein bleibender sein. (Vergl. 5• B. M. 8, d — 7; 11 —18 und 1U. 12—21). Welcher Art sind aber diese Gebote? Sie sind nebst, dem treuen Festhalten an Ihm. der allein Gott ist. Gebote der Menschlichkeit, der Wohlthätigkeit und Vermeidung aller Ungerechtigkeit sowohl gegen Fremde, wie gegen Einheimische. Das Land