Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 6. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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48 }׳«■führt und gleichsam von sich selbst erlöst wird? Hier ist das Centrum gefunden, um welches das menschliche Leben sich drehen kann, und hier geht es aufwärts, ohne dass man sich fürchten müsste, man werde sich in nebelige Fernen verlieren. Nach einer andern!Seite hin zeichnet sich die jüdische Ethik dadurch aus, dass sie nicht auf die Ertötung des Fleisches und der Triebe ausgeht. Das Mönchthum ist vom Judenthum ausgeschlossen; vielmehr will sie die Triebe des Menschen leiten, dass sie Leben er• haltend und Cultur fördernd wirken. Das praktische Leben der Menschen soll durch die Moral geweiht und erhöht werden. Ist nun Gott das höchste Maass für die sittlichen Dinge, so entgeht nun das Judenthum somit der Gefahr, durch Aufstellung eines menschlichen VTorhildes allmählich zu veralten. Dieser Gefahr ist aber die moderne protestantische Theologie ausgesetzt, welche bekanntlich von einer Göttlichkeit Jesu nicht wissen will.. Denn auch das erhahenste menschliche Vorbild vermag kaum in Folge seiner beschränkten Natur alle idealen Züge in sich znr Darstellung zu bringen. Innerhalb des Judenthuras ist das Wesen der Sittlichkeit niemals anders angeschaut worden, als dass sie der Ausfluss einer göttlichen Ordnung, die Erfüllung eines göttlichen Gebotes ist. Aus dem Ideal: ״Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“ fliessen nun alle Gebote und Verordnungen, in welchen die Israeliten leben sollen. Fügen wir noch hinzu, dass der Verfasser dem alten festgewurzelten Vorurtheil: das Judenthum sei lediglich eine Religion der starren Gesetzlichkeit, energisch zu Leibe geht und aus zahlreichen Stellen aus dem alten und neuen Testament das Gegentheil zu beweisen sucht, so können wir unser TJrtheil dahin zusammenfassen, dass das Schrift- «•hen wohl geeignet ist, die ■wahre Auffassung der jüdischen Ethik den Gebildeten unseres Volkes nahe zu bringen. S e 1 i g k o w i t•1. - Cöthen. Proben aus Ehrlich’s hebr. Pentateuchcommentar. Von M. K. (Fortsetzung.) 4V>. Exod. 32,25. DITÖM לשמצה• Wer sollen denn dort in der Wüste bei Anfertigung des goldenen Kalbes, nachdem doch vorher die Amalekiter besiegt waren, die DITOp ״die wider Israel aufstehenden Feinde“ gewesen sein? Ehrlieh meint darum, dass darunter nicht die למיס צליחם, sondern die למים תחתיהם d. h. ״die Kinder“ verstanden seien (cfr. Num. 32,14 קמתם תחת אבותיכם). 50. Exod. 34,21. הנה מקום איד. Das wort מקום ist hier nicht als ״Ort“ in lokalem Sinne zu nehmen, sondem (wie Hiob 16, 18 מקום לזצלתי) im Sinne von ״Gelegenheit, Veranlassung“. Die Stelle wäre also hier zu übersetzen: ״Siehe, ich werde schon Gelegenheit Anden“. 51. Lev. 1,1. וילרא אל. Was Ehrlich hier über die Entstehung des kleinen ‘א im Worte ויקרא bemerkt, hat vor ihm schon S. I). Luzzatto hier zur Stelle und zu Genes. 27, 47 (קצתי) gesagt. 52. Levit. 13,15. וצמד הנגע בצירו• Die meisten Erklarer folgen dem Targ. Onkelos ״der Schaden blieb wie <>r war“ (in seiner bisherigen Farbe und Ausdehnung). K. bemerkt richtig, dann müsste בצינו (im Singular) stehen, wie weiter in Vers 55; darum bezieht er es auf den Priester ״in den Augen, d. h. nach der Ansicht des Priesters“; dien so in Vers 37. In diesem Sinne fassten es auch die LXX. 53. Lev. 19,3. אמו ואביו תיראו ואת שבתתי. nie Zusammenstellung resp. besondere Hervorhebung der Elternehrfurcht und Sahhathheiligung erklärt E. psychologisch damit, dass durch die Häufigkeit, sei es des Eingangs mit Jemand, Rei es des Vorkommens eines Ereignisses, die Achtung und Beobachtung geschwächt wird. Beides trifft bei dem Umgang der Eltern mit den Kindern, sowie bei der allwöchentlichen Wiederkehr des Sabbaths zu. 54. Ibid. 19,16. רכיל ist gleich רוכל; der Krämer, der von Haus zu Haus ging und seine Waaren anpries, pflegte bei dem Einen zu erzählen, was er bei dem Andern sah oder hörte; dadurch erhielt das Wort später die schlimme Nebenbedeutung des ״Verlänmdens". 55. Ibid. 19,18. Dass לער nicht den ״Freund“ ausschliesslich bedeutet, wie Viele meinen — auch Hieron. übersetzt tendenziös: diligas amicumtnum — ersieht man־ aus der Anwendung des Wortes bei notorischen Nichtfreunden, wie Saul und David. Samuel sagt zu Ersterem, Gott• hat Dir die Königswürde genommen und sie dem David gegeben (1 (ונתנה ליצן־. B. Sam. 15,28. 56. Lev. 21,4. בצל בצמיו ist, soviel wie הגדול בצמ׳, d. i. der Hohepriester. 57. Numeri 3,39. Die Punkte über dem Worte אהרן wollen andeuten, dass das Wort verdächtig sei; Aron war garnicht mit der Zählung beauftragt (siehe V. 14). 58. Ibid. 4,20. כבלצ. Der Stamm bedeutet nicht ״bedecken, verhüllen“, sondern wie das verwandte פלג (cfr. P8. 55,10, wo beide Ausdrücke parallel stehen) ״zertheilen, vernichten“. Wenn das Heiligthum auseinandergenommen und in seine Theile zerlegt wurde, da wurde die Einheit desselben zerstört. Das sollte nicht gesehen werden, weil die Achtung vor dem Heiligtlmm dadurch verloren geht. 59. Ibid. 11,1. Etwas ungeziemend Gesprochenes ist ׳רצ באוני etwas hässlich Anzusehendes רצ בציני• Im Verlage von M. Poppelauer’s Buchhandlung in Berlin erschien soeben: Hieronymus’ Commentar zu den zwölf kleinen Propheten Durch Vergleichung mit den jüdischen Quellen und ältesten Versionen kritisch beleuchtet von Rabbiner Dr. 91. Rabiner. Erste Hälfte: Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha. — 12 Rogen M. 4.50 Audi eizueln: Hosea (1.60); Joel (0.76); Amos (1.60) Obadja, Jona, Micha (1.60). Briefkasten der lledaction. An mehrere Verlagsbuchhandlungen. Die zugesandteu Kecensionsexemplare befinden sich in guten Händen bei den Herren Recensenten, die z. T. sich lange Zeit lassen. — Herrn Rabbiner Dr. K. in P. AVir bitten um Rücksendung des Buches. — Herren Rabbiner DDr. S. in C., C. in E., G. in B.-T. Ihre gesch. Beiträge und Recensionen adressiren Sie gell, getrost hierher (Magdeburg, Kaiserstr. 1.); es wird mir Alles nachgesandt. N0T" Zur gef!. Notiz. Da der Herr Redacteur des ,,Jüdischen Litte• raturblatts“ eine mehrmonatliche Bade■ und Epholungsreise unternimmt, werden die im Juli und August fälligen Nummern im September und October durch Doppelnummern ersetzt werden. Die Expedition• Inhalt der No. 6. Wissenschaftliche Aufsätze; Die Bedeutung des AVassers und des Baumes bei den Hebräern. Aron Dr. B. Seligkowitz-Cöthen. — Der J’entateuchcommentar des Nachnianides V. A׳on M. K. — Die Juden in der klassischen Litteratur. Von Dr. M. G. — Ueber den Namen יהו׳. — Der XA’I. l’salm. Von Überrabbiner Dr. CaroLemberg. — Litteraturbericht. Recensionen; Joseph, Dr. M. Zur Sitten- . lehre des Judenthum. Von Dr. B. Seligkowitz-Cöthen. — Proben aus Ehrlieh's hebr. Pentateuchcommentar (Fortsetzung). Von M. R. — Briefkasten. Verantwortlieber Redacteur: Rabbiner Dr. M. Ralimer, Magdeburg. Druck von I.eistner & Drewfs, Magdeburg.