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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 5. (1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 5. (1902)
Date
1902-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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—1902. Jüdisches Jahrff• XXVL Litteratnr-Blatt. Zur Beleuchtung aller Juäenthnm und Juden betreffenden litter&rtachen Gr• ■cheinungen auf dem Gebiete der Philo• Sophie, Geschichte, Ethnographie, Theo• logle, Orientalin, Exegese, Homiletik, Liturgik lind Pädagogik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahm er in Magdeburg. Verlag und Expedition: Arthur Scholem, Berlin C., Rossstr. 3. Bücher der einschlägigen Lltteratur* deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe nnd Manuskripte sind an die Redaction, Inserate u. Beilagen an dieExpedition franco einzusenden. Rahmsr’s ״Jfidlsoliss Uttsrstsr-Blstt“ erscheint monatlioh im Umfange eines ganzen Bogens u. kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Arthur 8cholem, Berlin, Rossstr. 8) vierteljährlich •ln• Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden .,Itraelltisoli•■ WoohSRtohrlft4* welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— M. kostet, erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ als Qrätls-Beilage. — Isssrsts __werden mit 20 die viergespaltene Zelle berechnet und sind an die Expedition lu Berlin m »enden._ Abdruck einzelner Artikel nur mH der Angabe! ״Aus Rihmer’s JOd. Litteratui—Blatt*‘ gestattet. Zur ״Hethiter-Frage. Nach einem Vortrage des Dr. Felix v. I.oschau. Seit einem Vierteljahrhundert, ungefähr richtet sich die Aufmerksamkeit grösserer Kreise auf eigenthümliche, oft sehr rohe Bildwerke, die, manchmal zusammen mit einer Art Bilderschrift, in Kleinasien und im nördlichen Syrien Vorkommen. Bisher sind nahezu dreissig solcher Fundorte bekannt. Im centraten Kleinasien ist besonders das schöne Felsen-Relief von Ihris bemerkenswerth und die grosse Inschrift von Kölutolu unweit von Koniah, dem alten Iconium. Die silber- und kupferreichen Hochgebirgsorte im Bulgar- Dagh haben auch eine Reihe von hierher gehörigen Bildwerken und Inschriften geliefert. A. H. Sayce war 1870 der Erste, der diese Monumente in Zusammenhang mit den Hethitern (החתי oder בני חת) brachte, und diese sind seither gewaltig zu Ehren gekommen. Es giebt jetzt zahlreiche Gelehrte, die sich mit ihnen beschäftigen, und es giebt Leute, die Alles, was sie in Kleinasien und Syrien nicht ״dekliniren“ können, für hethitisch ansehen. Natürlich giebt es auch wiederum Andere, die das Kind mit dem Bade ausschütten und von den Hethitern gamichts wissen wollen. Zur Klärung des wirklichen Sachverhaltes ist es nöthig, zwei Umstände zunächst festzuhalten: — erstens, dass wir die Kenntniss der eben angeführten Denkmäler grösstentheila nur dem blinden Zufalle, nicht etwa systematischen Ausgrabungen verdanken, und zweitens, dass diese Bildwerke untereinander stilistisch nicht derart übereinstimmen, dass man sie sämmtlich einem Volke und einer Zeit zuschreiben könnte. Ebenso muss gleich vorweg gesagt werden, dass unsere Kenntniss von Schrift und Sprache dieser angeblichen Hethiter bisher noch recht gering ist; ihre Hieroglyphen haben zwar noch weit mehr als ihre schriftlosen Denkmäler das Interesse der Fachleute erregt, aber der Liebe Mühe ist einstweilen noch nicht recht von Erfolg gewesen. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir bis jetzt noch keine grössere bilinguis (doppelsprachige Inschrift) gefunden haben — das Silberplättchen, das wir unter dem Namen Tarkutimme kennen, ist zu arm an Worten, und besonders auch in seinem assyrischen Texte zu unsicher, als dass es die Entzifferung der ״hethitischen“ Inschriften wesentlieh hätte fördern können; nicht einmal ob wirklich alle Inschriften dieser Gattung thatsächlich in ein und derselben Sprache geschrieben sind, kann bisher mit Sicherheit angenommen werden, aber Eines scheint schon jetzt festzustehen, dass nämlich die Sprache wenigstens der Mehrheit dieser Inschriften keine 8emitische gewesen ist. Sayce, Peiser und Jensen haben sich um die Kenntniss dieser Inschriften grosse Verdienste erworben nnd ganz neuerdings scheint eine Entdeckung von Hilprecht es zu ermöglichen, die Hethiter, oder wenigstens das Volk, von dem das Tarkutimme-Plättchen stammt, enge an dieselben Mitanni anzuschliessen, die uns aus dem Thontafelfunde von Teil el Amarna bekannt sind. Was wir sonst über Hethiter wissen, ist in Kürze Folgendes: In der Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends waren sie ein mächtiges Volk, das Be- Ziehungen mit Egypten und im Nord westen bis nach der Troas hatte. Rhamses II. belagerte und eroberte ihre Hauptstadt Kadesch am Orontes, das heutige Teil Neb-u-Mind, nahm aber dann eine hethitische Prinzessin zur Frau nnd schloss einen Vertrag mit dem Hethiterkönig, der u. A. auch etwas wie eine Amnestie der gegenseitigen Verbündeten enthalten zu haben scheint. Jedenfalls erscheinen iu der nächsten Zeit die Hethiter als Freunde der Egypter. Aus assyrischen Quellen aber wissen wir, wie schon bald nachher die aufstrebende Macht der Assyrer-Könige die hethitischen Nachbarn Schritt für Schritt zurückdrängt: wir hören von der Zerstörung einer anderen hethitischen Hauptstadt, Karkemisch; wir sehen, wie besonders vom 9. vorchristlichen Jahrhundert an die Macht der in einzelne Kleinstaaten zerfallenen Hethiter mehr und mehr abnimmt und wie schliesslich Sargon 717 ihre politische Selbstständigkeit für immer zerstört. Hiermit steht wohl auch in Zusammenhang, dass diesen alten egyptisehen und assyrischen Quellen gegenüber die dritte Hauptquelle, die wir für die Hethiter haben, die Bibel, sie uns in wenig hervorragender Stellung schildert. Sie werden gewöhnlich zusammen mit den

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