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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 4. (1902) · p. Seite 32

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 4. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 Duhm eine gründliche Behandlung der metrischen Frage zu erwarten war, giebt in dem vorliegenden Schriftchen der auch in jüdischen Kreisen durch seine Vorträge wohlbekannte Breslauer Theologie-Professor aus den Reden des Jcremia diejenigen!Stücke heraus, in denen sich deutlich ein bestimmter Srrophenbau nachweisen lässt. Nach seiner Meinung ist der Oktastich, der achtzeilige Knittelvers, die metrische Grundform der Jeremianischen Dichtung. Alle übrigen Arten von Strophenbildung, selbst eorrekte Tetrastiebe, wie 1, Ith 7, 29. 13, 14 u. a. weist der Verfasser der rhythmischen Prosa zu und schliesst sie von der Behändlang aus. Ks lässt sich denken, dass bei dieser Sucht, gleichmässigen Strophenbau zu finden und nachzuweisen, der ׳|Vxt mancherlei Veränderungen erleidet und bald Zusätze bald Streichungen als nothwendig erscheinen. Da jedoch der Verfasser sich die nähere Begründung seiner Textesiinderungen für eine besondere Schrift vorbehält, so liegt vorläufig für uns keine dringende Veranlassung vor, gegen die heutzutage so sehr beliebte Behandlung der prophetisehen Schriften, welche die metrische Frage in den Vorder- ״rund stellt und in den Propheten nichts Anderes als grosse Dichter sieht, Stellung zu nehmen. Nur soviel sei bemerkt, dass es nach unserem Dafürhalten keinem Zweifel unterliegt, dass, die prophetische Rede, besonders bei ihren hervorragendsten Vertretern, sich in Sprache und Rhythinus der dichterischen nähert, dass sie aber hinsichtlich der Strophenbildung auseinandergehen. Während der Psalmdichter, der doch haben will, dass sein Lied in Musik gesetzt und gesungen werde, sich eines gleichmässigen Strophenbaues befleissigen muss, kann der Prophet sich freier bewegen und die ihm gewordenen Offenbarungen oder seine persönlichen Kmpfindungen bald in dieser, bald in jener Form zum Ausdruck bringen, und es ist nicht nöthig, eine Lücke anzunelnnen oder ״ominöse Striche“ zu setzen, wenn z. B. mitten unter vierzeiligen Strophen sich — horribile dictu — ein Tristichon findet. (Jeher eine seiner Textesänderungen äussert sich der Verfasser S. VI. Für 13 ,8 ואתן?‘חס יעברום liest er ואין'1הם חניטה, und das soll heissen: ״sie haben keine Knospen, keine Fähigkeit, Knospen zu treiben“. Aber abgesehen von der radikalen Vernichtung des iiberliefertenTextes, bedeutet ״ חנטzur Reife!)ringen“ und ״ חניטהReife“. — (Diese Stelle ist bekanntlich ein wahres crux interpretum, an dem sich fast alle Exegeten schon versucht haben, ohne jedoch eine einigermaassen befriedigende Lösung zu bieten. Graetz’ Vorschlag — Monatsschrift 1883 p. 102 und 183 —, für die 3 letzten Worte zu lesen: ״ ואתיק מהם עבורםich entrücke, entziehe ihnen ihren Fruchtertrag“ befriedigt ebensowenig, wie A. Khrlich’s, der für יעברום gelesen wissen will: ״ יעברוםobwohl ich ihnen (Leute) gal), welche sie (die Aecker) bebauen sollten“. Wir bemerken noch, dass S. 1). Luzzatto auch bezüglich der beiden Anfangsworte dieses Verses אסוף אסיפם) die Lesart אסף אסיפם (Ossef Assifom) ״ich will ihre Kr 11 tu vernichten" als sinnentsprechender vorschlug. — Red.) Esch weg«■, im April 1902. .1. (1)1)11. Proben aus Ehrlich’8 hebr. Pentateuchcommentar. 35. Kxod. 1,0. רב ועצום ממני. Dass die Kinder Israel wirklich zahlreicher als die Acgypter und letztere dieser Ansicht gewesen und sie ausgesprochen haben sollen, hält Ehrlich für unwahrscheinlich. Die Agada greift zu einem Wunder, um es plausibel zu machen. K. übersetzt desshalb viel rationeller: ״Das Volk ist zahlreicher und stärker, als burtshelferinnen, die den Hebräerinnen bei der Geburt beistanden. העבריות ist Objekt. 37. Ibid. 2, 11 מכה איש עברי nicht ״schlug“, sondern ״erschlug“, wie im folgenden Verse דך את המצרי. 38. Ibid. 2, 22. מגרת ביתה heisst nicht ״von der in ihrem (der Hebräerin) Hause sich aufhaltenden d. 11. bei ihr wohnenden Aegypterin“, sondern ״von der Aegypterin, in deren Haus die Hebräerin sich aufhielt“, d. h. wohnte. 30. Ibid. 8, 8. על דבר הצפרדעים אשר שם לפי• Das Zeitwort שם ist nicht auf צפרדעים zu beziehen, sondern auf דיר, das hier prägnant als Hauptwort zu nehmen ist und nicht verbunden mit 1עי als Präposition. Man übersetze: ״Wegen des Wortes (d. 11. Versprechens), bezüglich der Frösche, das er dem Ph. gegeben“. 40. Ibid. 16, 34. ליפני העדות ist wieder ein Anachronismus, denn zur Zeit gab es noch kein עדות, sondern erst nach dem Bau der Stiftshütte. Ebenso ist die Bezeichnung כהנים in der Offenbarungsgeschichte (Exod. 10, 24) ein Anachronismus, weil die Einsetzung von Priestern erst später erfolgte. 41. Ibid. 17, 16. יד על כס יה. Diese Bezeichnung bezieht sich darauf, dass der Sieg nur dadurch erfochten war, das Mose seine Hand hoch empor hielt (zum Throne Gottes) — dann wäre אל . על; oder man müsste lieber (meint E.) נם für כס lesen: ״die Hand (Mose’s) war zum Gottespanier“ (על; לנס יה für ל komme häufig, besonders in Hiob, vor). Diese Leseart (0נ) sei durch הי נסי motivirt. 4*2. Ibid. מדר דר heisst nicht, wie alle Uebersetzer und Erklärer annehmen, ״von Geschlecht zu Geschlecht“ — dann müsste מדור לדור oder לדור ודור stehen —, sondern ״seit frühester Zelt“. Ibid. 10,10 *יעננו בקול ist nicht mit ״lauter Stimme“ oder ״mit Donner“ zu übersetzen, sondern im Einklang mit Deut. 4,12, dass Israel am Sinai nur eine ״Stimme“ (זולתי קול) vernommen. (Forts, folgt.) Br. M. R. Biichorschiiu. Bacher, I)r. Wilhelm, Professor, Bibelstellenregister zu seiner ״Agada der Tiuinuiteii und Amoräer“, nebst einem Anhänge: Namcn-Begister der babylonischen Amoriier. Verlag von Karl .1. Triibner in Strassburg i. E. 1902. — (94 S. Preis 3 M.) Baron, l)r. S. Saadja Al-fujjumi's arabische Psnlnienübersetzung und Commentur (Ps. 50—72) — Verlag von M. l'oppelauer in Berlin. (XXIX u. 81 8. — 2,50). Lehmann, Dr. S. Snadin Al-fujjumi's arab. Psalmen Übersetzung u. Commentar (Ps, 21—41). M. Poppelauer, Berlin. 1901. (XXIX u. 71 8. — 2,80). Bloch, Dr. Josef. Die sauiaritanisch-arabische Pentateuchlieber- Setzung. (Deuteronomium 1—XI; mit Einleitung n. Noten. (Preis 3 M. M. l’oppelauer, Berlin. 1901). Galliner, I)r. Julius. Abraham ihn Esra's Hiohcommentar auf seine ())teilen untersucht. — M. Poppelauer. 1901. (59 8.) Grzymlsch, Dr. 8. Spinoza’» Leliren von der Ewigkeit und Un- Sterblichkeit. Verlag von 8. Calvary & Go., Berlin. (59 S.) Holzer, Dr. J. Zur Geschichte der Dogmenlehre in der jüdischen lieligionsphilosophie des Mittelalters. Mose Maimuni's Einleitung zu Chclek im arab. l’rtext und in der hebr. lieber- Setzung kritisch herausgegeben und mit erklärenden Ainner klingen versehen. — M. Poppelauer, Berlin. 1901. (30 u. 42 S.) Inhalt der No. 4. Wissenschaftliche Aufsätze; Berühmte jüdische Aerxte des Mittelalters. Von Oberstabsarzt Dr. II. ltoseuthal. — liandhemerkungen zur Pentateuch-l'ebersetzuiig des Onkelos. Von Dr. Immanuel Deutsch. Litteraturbericht. Hcceusiouen: liol/.er, Dr. J. Zur Geschichte der Dogmenlehre in der jüdischen Keligionspliilosophie des Mittelalters. Von Dr. B. Scligkowitz. — Goruill, I». Carl Heinrich. Die metrischen Stücke des Bliebe» Jcremia reconstruirt. Von J. Colin. — Proben aus Elul ich's hebr. Pentateucbcoinmcntar. Von Dr. M. K. Biicherschuu. uns lieb ist“. 36, Ibid. 1,15 ימילדוה העברייה sind nach K. nicht die ,,hebräischen Hebammen“, sondern die iägyptischen) Ge- Verantwortlicher Hodacteni■• Itabbiner Dr. M. Ualuner, Magdeburg. Druck von Leistucr & Drewfs, Magdeburg.

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