Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 4. (1902) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 4. (1902)
Date
1902-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492408-5990882-5999253--3014-5369666
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 4. —1902. Jüdisches Jahrfr XXVI: Litteratur-Blatt. Zur KHcni'iitimu all!*!־ .iiuhMithum nml J1hI<m1 bnrwleiulc» liUerHrisehen Kr* B«’ht»m1111R<Mi auf «k»m 1i«*UU*ic der Philo* {t0)d1i<v (vosrhichtc, KU1m>Rr11|>hie, Tlieö* 10«|<*י Orientalin, KxeR«•»«*, Homiletik. Ulurtiik und l'MiiKORik. Verantwortlicher Redactenr: Rabbiner I)r. M. Rnlstuer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Arthur Scholen!, Heil in C., Rossstr. 3. Hüeher der t>i11N1.‘hUigiK«»11 Litterntur, deren B<»sj>reohunR In dioMom Hi alte *ewünseht wir»1, nowie Brief«» nnd Mauuskriid«» sind an die R e<1 ae t i o u , Inserate 11. BeilRffen an die K x ין c ■ dl t io 11 franco einxusendcn. Rahmer's ,,Jüdisches Litteratur-Blatt“ erscheint monatlich im l'iufai!«?«» «»ine« Rttnz«»11 Borcus u. kostet t>ci allen Buchhandlungen (oder bei direkten! Bezüge durch Arthur Schülern, Berlin, Rossstr. 31 viertoljilhrlich eine Mark. — I)ic Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden .,leraslltlsohen Woohensohrift“ welch« bei allen Postanstalteti und KuchhandlniiKen vierU‘ljlihrii«*b 3.— ■. kostet, erhalten «las ״Jüdische Litteratur-Blatt" als Bratls-Bellage. — Int erste _ werden mit 20 Pfg. die vlergespaltem? Zeile!►erecln.et nnd sind an die Expedition in Berlin an senden.___ Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe! ״Aus Rahm er’• 40d• Litteratur-Blatt“ gestattet. Berühmte jüdische Aerzte des Mittelalters. Vortrag des Oberstalmarztes a. I). I)r. H. Kosentlial in Magdeburg, gehalten am 27. Msir/. d. .1. im Verein fiir jüdische Geschichte nnd I.itteratnr. In einer auf dein iuternatioiialen Aerzte-Congress zu Rom vor 8 Jahren gehaltenen Rede hat der grösste Arzt unserer Zeit, Prof. Dr. Virchow, den folgenden bemerkenswerthen Ausspruch getlian: ״Die Juden gehörten schon im Anfänge des Mittelalters zu den angesehensten Lehrern der Medicin. Erst unsere Zeit hat hebräische Manuseripte an das Licht gefördert, welche erkeunen lassen, mit welchem Eifer und welcher Gelehrsamkeit jüdische Aerzte des früheren Mittelalters für die Erhaltung und Förderung der Medicin thätig gewesen sind; man darf wohl sagen, dass bis in diese Zeit zurück sich die oft erbliche Befähigung der Juden, die bildend so Grosses für die Wissenschaft geleistet haben, verfolgen lässt". In diesen anerkennenden Worten Virchovvs liegt meines Erachtens nach gleichzeitig das wichtigere und ehrende Zugeständniss, dass die Juden an den höchsten Aufgaben der Menschheit überhaupt d. h. an der fortschreitenden Bildung und Erziehung des Menschengeschlechtes stets rühmlichen Antheil genommen; denn wie in derselben Rede hervorgehoben wird, steht die Geschichte der Medicin im engsten Zusammenhänge mit der Geschichte der menschlichen Cultur und jeder Fortschritt auf dem Gebiete des medicinischen Wissens bedeutet auch ein siegreiches Vordringen׳ der allgemeinen Bildung und Gesittung. Ich habe mir nun die Aufgabe gestellt, Ihnen einige thatsächliche Belege fiir die Richtigkeit der Vircliow'schen Behauptungen vorzuführen und will zu diesem Zwecke eine kurze, über jüdische Aerzte haudelnde Geschichtsskizze geben, die aber nicht bis in die Gegenwart hinabreichen, sondern sich lediglich auf das Mittelalter beschränken soll. Das Mittelalter umfasst, bekanntlich den ca. 1000 jährigen Zeitabschnitt, der vom Jahre 500 unserer Zeitrechnung bis 1500 oder genauer bestimmt von der Zertrümmerung des weströmischen Weltreichs im Jahre 476 bis zur Entdeckung Amerika s i. J. 1402 reicht. Mit der Zerstörung des einst weltbeherrschenden, allmählich aber abgelebten, morsch und ohnmächtig gewordenen römischen Culturstaats durch die un widerstehlich anstürmenden, jugendkräftigen, deutschen Volksstämme der Cimbern und Teutonen war ein grosser Theil der werthvollen Cultur- und Bildungsschätze des classisclien Alterthums für immer verloren nnd versunken: In unmittelbarer Folge davon breiteten sich zunächst dunkele Nebel der Unwissenheit nnd Barbarei über die bisherige Culturwelt, doch nicht für die Dauer und nicht überall. Ansehnliche Reste der antiken Geistesschätze waren gerettet und erhalten in dem noch fortbestehenden oströmischen oder byzantinischen Kaiserreich, das bis gegen Ende des Mittelalters ein kümmerliches Dasein fristete. Diese reichen Schätze lagen aber nicht offen zu Tage, sondern gleichsam verschüttet und vergraben, sie blieben längere Zeit ziemlich unbeachtet und unbenutzt, weil die fleissigen Arbeiter fehlten, um sie aus der Verborgenheit hervorzuziehen und nutzbringend zu verwerthen. Bevor ich nun dazu übergehe zu berichten, wann, wie und durch wen dies geschah, muss ich mit ein paar Worten sagen, in wie weit die mediciuisclie Wissensclnift an den bezeichnete» Schätzen des classisclien Alterthums betheiligt war. Für die Medicin handelte es sich ' hauptsächlich um die!unterlassenen Werke der zwei grössten Aerzte nicht blos des Alterthums sondern aller Zeiten, des Hippokrates und des Galen. Erstem•, der Vater der Medicin, der schon 400 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Griechenland lebte, ist der eigentliche wissenschaftliche Begründer der Medicin, er hat die ewig gültigen Grundsätze der Krankheitslehre, der Krankheitsbehandlung und Krankheitsverhiitung festgestellt; Galen, der um die Mitte des 2. Jahrhunderts nach Christus in Rom pruktizirte, ein Mann von staunenswerther Gelehrsamkeit und scharfsinnigem Forschergeist, hat auf den von Hippokrates geschaffenen Grundlagen weiterbauend, das gesummte mediciuisclie Wissen des Alterthums systematiscli geordnet und damit ein Lehrgebäude von solcher Vollkommenheit hergestellt, dass davon Niemand bis zur neueren Zeit herab zu rütteln wagte. Die Werke Galens waren und sind während des Mittelalters die Bibel des Medieiuers geworden, seine gelehrte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.