Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 3. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 8)
- Language
- German
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24 ist, wie in Genesis!t, 2 ומוראבס — die Vorsicht überträgt dem Menschen die Herrschaft über die Tiere und Wesen. I n Richter 13 bedeutet ,.״מודה nicht ״Scheermesser, sondern: ״Es soll keine ״Herrschaft“ über das Haupt Simsons walten.“ In Jesaia 8, 13 heisst es ״ והוא מוראכסGott der Allmächtige ist euer Herrscher.“ In Joel 2 und im Deuterononium יורה ist deshalb für Krühregen פורה oder יורה angewandt worden, ■weil der Frühregen die Herrschaft über alles Vegetabilische ausübt. In gleicher Weise ist in der Bibel und im Talmud מרה oder מר“) als ״Herrscher, Besitzer, hoher Herr“ angewand, worden, ״ מאורleuchten“ (im selben Begriff wie Durchlaucht), ebenso auch in der aramäischen und in allen semitischen Sprachen. Demnach hat Renan, den wir aus seiner Geschichte Israels etc. etc. als einen der grössten Philologen und Historiker der klassisch-biblischen Sprache kennen, der mit der tiefsten Seelenreinheit die poetischen Begriffe der vielen Psalmen erläutert, — auch richtig den Spruch Antigonos wiedergegeben, also wie folgt: ״La rosee du eiel sera sur vous.“ St. Petersburg, 19. Januar. Mit vorzüglicher Hochachtung Isidor Goldberg.“ 1 In Prediger 7, 2(1 ist מר nicht als ״bitter“ zu verstehen, sondern wie folgt: I)a der Tod als Herrscher galt, so ist die sehlcehte Kran noch als etwas Mächtigeres bezeichnet. Wir hatten ursprünglich nicht die Absicht, die grundfalschen, ungrammatischen Ansichten und Beweise des Herrn G. zu widerlegen, da es dessen in den Augen jedes Sprachkundigen nicht erst bedarf. Wir theilten unsere Absicht auch sofort der geehrten Kedaction der ,.Allg. Zeit. d. Jiulentlinms“ mit, ihr zugleich unsere Verwunderung darüber anssprechend, dass sie solchem ,,blühenden Unsinn“ die Spalten ihres Blattes geöffnet, ja ohne jede redactionelle Gegenbemerlcung gelassen habe. Die genannte Redaction ersuchte uns hierauf um Einsendung einer Widerlegung, die Sache erfordere sie. Inzwischen ist bei derselben von Herrn Lehrer Gutman in Vlotho a. W. eine Entgegnung eingegangen, die der geehrte Herr Redacteur der ״Allg. Zeit. d. Judenthums“ uns mit dem Ersuchen einsendet, unsere Bemerkungen daran anzufügeu. Wir haben uns gefreut, dass es ein jüdischer Lehrer ist — freilich einer der älteren —, der sich von den im Tone unum- 8tö881icher Wahrheit aufgestellten Behauptungen des Herrn Goldberg-Petersburg nicht beirren liess. sondern mehrere derselben widerlegte. Mehrere, aber nicht alle. Herr Goldberg muss erschöpfender und gründlieber abgeführt werden. Wir unterziehen uns im Folgenden dieser unerquicklichen Arbeit: 1: Herr Goldberg wirft מורה (Frühregen), מורא (Ehrfurcht), מורה (Lehrer, Meister), מורה (Scheermesser) in einen Topf, sie müssen ,.nach klassischem Begriff der hebräischen Sprache“ allesannnt als ״Herrschaft. Macht“ verstanden werden — dekretirt Herr Goldberg. Aber besitzt denn Herr Goldberg gar kein, noch so kleines, hebräisches Lexicon (von Fürst oder Gesenius), das er vorher nachschlagen konnte und das ihn darüber belehrt hätte, dass die vier aufgeführten Wörter ganz verschiedenen Wurzeln entstammen und zwar von רוה (befeuchten, bewässern), ירא (fürchten) הורה (lehren), ברה (stechen, schneiden — die Lippenbuchstaben ב und מ wechseln bekanntlich mit einander). 2. Dass ״durch differirende Endungen verschiedeue Worte und Begriffe entstehen“, ist Herrn Goldberg ganz unbegreiflich. Aber darüber kann ihn ja jede Grammatik jeder Sprache belehren. Doch bleiben wir bei der hebräischen, beiin klassischen Pentateucli. Lese Herr Goldberg doch Numeri 12, (J und 8, woselbst zwischen מראה (Mar’eh) und מראה (Mar’oh) unterschieden wird. (Der ganze Unterschied zwischen der Prophetie Mose s und Anderer hängt von der differirenden Endung ab.) Doch weiter: 3. Nach Herrn Goldberg bedeutet מורא oder מורה ״Herrschaft oder Macht“; er beruft sich auf Gen. 9,2 רמואבם und erklärt: ״die Vorsicht (Herr Goldberg meint: Vorsehung) übertrügt dem Menschen die Herr- Schaft über die Tliiere und Wesen“. Hat Herrn Goldberg das daneben stehende וחתבם nicht eines besseren belehrt? Hat er nichts von einem Genetivus objectivus gehört? ״Die Furcht vor Euch und der Schrecken vor Euch wird auf allen Thieren sein.“—Herr Goldberg beruft sich ferner auf Je8. 8, 13, er übersetzt ״ והוא מוראבםGott der Allmächtige ist euer Herrscher“ statt: ״Er ist der Gegenstand eurer Ehrfurcht“. 4. Köstlich ist, wie Herr G. in der Anmerkung 1 historisch motiviert, auf welche Weise מורא zu der irrthümlichen Uebersetzung ״Furcht“ kam. Er schreibt: ״Den Ausdruck יראת שמים mit ״Gottesfürchtiger“ (muss heissen: ״Gottesfurcht“! R.) wiederzugeben, ist überliaupt ein Irrtlium, welcher in der letzten Periode des Talmuds, unter der sassanidisclien Herrschaft sowie im Mittelalter in Gebrauch kam und dadurch ist in der kanonischen, wie in der Zupz’sehen Uebersetzung das Wort מורא oder מורה als ״Furcht“ erklärt worden. Nuu wissen wir doch die Quelle des Irrthums! 5• Wie kann man Deut. 10, 12 mit ״fürchten und lieben“ übersetzen, Liebe hatte nie etwas mit Furcht gemein. Es muss übersetzt werden: ״Du sollst Gott ehren und lieben“. — Darüber hätte Herrn G. jeder einigevmassen aufmerksame jüd. Religionsschüler belehren können. Nicht ״fürchten“, sondern ״e h r fürchten und lieben“ sollst du Gott; hier ist nicht von der knechtischen Furcht, sondern von der kindlichen Ehrfurcht die Rede, die sich recht wohl mit der Liebe verträgt. Wenn Hr. G. תירא-mit ״sollst du ehren“ übersetzt, dann geht ihm ja der ganze Unterschied zwischen כבד (im Zehngebot) u. איש אמו ואביו תיראו (Levit. 19, 3) verloren. 6. Doch mit Jemaud, der das aram.מר (Herr, Lehrer) von ״ מאורleuchten (Durchlaucht)“ ableitet, und damit gar (in der Note 2) das ״ מרbitter“, Pred. 7, 26, in Zusammenhang bringt — ist eigentlich nicht zu rechten, dergleichen gehört in den Papierkorb1). — Wenn Herrn Renan kein besserer Vertheidiger ersteht, dann bleibt es bei dem Schnitzer, den Hr. Goldberg um viele noch vermehrt hat. Rabb. Dr. Kahmer. *) Die Erklärung von רואי פני המר1!־ (Ester 1,2) als die ״Milchtigen“{des Staates, oder der Majestät — ist eine komisch wirkende l’urim-Taurol Hier verwechselt Hr. Gg. ja sogar ראה mit ירא! Welche Confnsionl! Inhalt! Theologie und Naturwissenschaft. Von Dr. Seligkowitz. — Der Thurm von Babel. Von M. K. — Der Peututeuehcommentar des Nachmanides. III. Von M. K. — Ein Vertheidiger des Renan'schen Schnitzers. Von Rabbiner Dr. Kahmer. Racanaionan und ״BAeherschau1* musatan Raum• mangeln wegen eurAckblelben. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rah liier, Magdeburg. Druck von Leistner & Drewfs, Magdeburg.