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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 11. (1901) · p. Seite 88

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 11. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 Bleichröder? was uns das Bankhaus Mendelsohn n. Co.? was das Haus Rothschild? Doch wir merken auch hier die Absicht. Zuletzt marschieren die jüdischen ״Konzert-, Opern-, Operetten- und Oratorien-Sängerinnen“, ״Schauspielerinnen“, ״Ralondamen“ auf. Da ist Herr Kohut sichtlich so ganz in seinem Elemente. Freilich befinden sich daranter auch notorisch getaufte — aber was tliuts? non ölet. Es schmeichelt doch ihrer Eitelkeit, sich in dem elegant ausgestatteten Werke unter den ״berühmten israelitischen Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit“ anfgeführt zu sehen. Dieses Prachtwerk muss in ihrem Boudoir ausliegen, es koste was es koste. Wir hatten zum Schluss das Gefühl, dass es für wirklieh bedeutende Männer in Israel — und wahrhafte Grösse ist mit Bescheidenheit gepaart — doch eine sehr zweifelhafte Ehre sei, in dieser״Rnh1neshalle berühmter israel. Männner“, zu der bei Herrn Kohut die Einlasskarten zu haben sind nnd der darin die nummerirten und uunnmmerirten Plätze anweist, einen solchen zu erhalten. — Möge das Buch weniger Unheil stiften, als wir befürchten. M. U. Proben aus Ehrlich’s hebräischem Bibelcommentar. (Verlag M. l’oppelaiier’s Buchhandlung in Berlin.) (Fortsetzung.) 11. Genes, c. 7. v. 23. Ehrlich macht einen feinen Unterschied zwischen den Synonymen השאיר nnd הותיר; ersteres bezeichnet ein beabsichtigtes Zurücklassen, letzteres ein zufälliges Zurückbleiben. So heisst es bei Ruth (2,14): ״Sie ass, wurde satt, und es blieb übrig (ותותר)“, dagegen 1. Sam. 9,24: ״Hier ist das Zurückgelassene (חנשאר), für dich Aufgehobene“. — Darum heisst es auch hier bei Noa וישאר (und nicht ויותר), es lag in der Absicht und im Plane der Vorsghung, dass Noa und was mit. ihm in der Arche war, gerettet werde. 12. Das. 8,21. Das מ׳ in מנעוריו fasst E. als מ׳ comparatiouis. ״Der Trieb des Menschenherzens ist jetzt schlechter als zurZeitder Jugend des Menschengeschlechts“; die Menschheit wird immer schlimer. 13. Das. 9,6. Das כ׳ in באדם nimmt er wie in נפש בנפש (Deut. 19,21) und übersetzt ״um des|Mensche!1 willen (dessen Blut er vergossen hat) 8011 sein Blut vergossen werden“. 14. Ibid. V. 26. Warum — fragt Ehrlich — nennt Noa den Ewigen ״Gott Sems“ (אלהי שם) uud nicht ״Gott Japhet’s“? Zudem findet man in der Bibel nicht, dass der Name Gottes bei Lebzeiten des Vaters in Verbindung mit einem Sohne gebraucht wird? Und endlich worauf bezieht sich das להם ) למו) am Schlüsse des Verses? Darum liest er: ברן הי אחלי שם. — lm folgenden Verse ist auch das Subjekt zu וישכון nicht, wie alle Erklärer (auch Luzzatto) annehmen, א^הים, sondern das zunächst stehende יפת. 15. Das. 11,1. דברים אחדים bedeutet, wie ימים אחדים (Gen. 27,44) ״einige d. h. wenige Worte“. Die Sprache war noch nicht ausgebildet. Das ונבלה in Vers 7, bedeutet auch nicht ״verwirren“, sondern wie in Ps. 92,19 ״befruchten“ und davon ״blühend und fruchtbar machen“, hier ״die Sprache vermehren“. 16. Ibid. V. 5. Solche crassen Anthropomorphismen, wie ״Gott stieg herab, um zu sehen“ (vgl. auch Gen. 18,19, Exod. 19,20) finden sich nur in den biblischen Erzählungen vor der Offenbarung am Sinai. 17. Cap. 13, v. 6. Dass das Prädikat (נשא) im masculimim steht, während doch das Subjekt (חאר־ן) feinenin. ist, erklärt er einfach durch den Hinweis auf die grammatische Regel, dass bei Voranstellung des Prädikats dieses sich nicht nach Genus und Numerus des Subjekts zu Tichten brauche. 18. Die doppelte Erzählung von Hagar (c. 16 und e. 21) sind nach ihm zwei verschiedene Berichte über dasselbe Factum. 19. ״Gott hat gehört dein Elend.“ Er verweist sehr passend auf die Stelle in der ״Braut von Messina“: ״Täuscht ein Blendwerk mein Ohr?“ 20. Cap. 16,13. הנם das auffallende Frage - ה erklärt er durch Dittographie vom vorangehenden אמרה; umgekehrt sei Cap. 16,33 bei בלילה הוא das ,ה auch herabzulesen בלילה ההוא• 21. Cap. 18,10. בעת חיה. Da diese Zeitbestimmung, die Luzzatto sich nicht zu erklären weise, nur hei Geburtsverheissungen an Kinderlose vorkommt (cfr. II. Könige 4,16), so erklärt Ehrlich diese Redensart als Umschreibung für die Zeit der Schwangerschaft (Zeitraum von 9 Monaten), ״w׳ie die Zeit des Lebens, des Lebenwerdens“ (חיים חיה). (Vielleicht hängt damit die mischnische Bezeichnung von חיה für ״Wöchnerin“ zusammen. Red.) 22. Das. V. 22. ״Und Abraham stand noch vor dem Ewigen.“ Diese Stelle wird bekanntlich von den Massoreten als תקון סופרים bezeichnet. (Es hätte eigentlich umgekehrt heissen sollen: ״Der Ewige stand noch vor Abraham“, darum sei die Stelle von den Sopherim geändert worden.) Ehrlich erklärt dieBezeichnung: ״Tikknn Soferim“ sehr rationell, nicht als eine Aenderung resp. Verbesserung des Textes durch die Soferim (aus der Zeit Esra’s), vielmehr habe die Stelle ursprünglich so gelautet, das eben gehöre zur Wohlanständigkeit der heil. Schreiber der Thora dass sie sich hüteten, durch irgendwelche Wendung der Ehre Gottes nahe zu treten — das sei Tikkun Soferim, schöner Sprachgebrauch der Schriftsteller. 23. 19,27. וישכם hat nichts, wie die Lexicographen erklären, mit ״ שיםSchulter, Rücken“ zu thun, weil die am frühen Morgen aufbrechenden Nomaden den Rücken der Lastthiere zu beladen pflegten (cfr. Fürst Wörterbuch), da man in der ganzen Bibel bei Thieren nicht die Bezeichnung שכם finde; die Wurzel bedeute vielmehr wie im Arabischen, etwas mit Eifer und grosser Hingebung thun; ein eifrig Thätiger gehe schon des Morgens früh an die Arbeit. 24. 20,7. נביא. Nach dem 1. Sam. 9,9 erwähnten Auf tauchen des Wortes נביא (früher רואת) müsste dieser Vers in der Samuel’schen Zeit geschrieben sein. 25. 20,16. Zur Erklärung dieses schwierigen Verses meint Ehrlich, das Abirnelech der Sarah beim Abschied eine Mahnung mitgab. Das הוא bezieht sich nicht auf das Geldgeschenk, sondern auf. das kurz vorherstehende אחיך d. h. auf Abraham, den Sarah als ״Bruder“ ausgegeben hatte (Abirnelech nennt ihn selbst jetzt noch, obwohl er nun weise, dass er ihr Gatte sei, ״Bruder“). ״Siehe er (dein ״Bruder“) ist dir eine Maske (כסות עינים), eine Verhüllung des wirklichen Verhältnisses (in welchem du zu ihm stehst), bei Allen, die mit dir in Beziehung treten, mit dir zu schaffen haben“; ״ ואת כל ונוכחתund was den ganzen Vorgang betrifft, so hast du wohl eine Lehre gehabt“, oder: ״so bist du nun gewarnt“. M. K. (Wird fortgesetzt.) BQcherschau und Litterarische Anzeigen mussten Raummangels wegen zurdekbleiben. Inhalt der No. 11. Wissenschaftliche Aufsätze: Poesie und Religion. Von Dr. B. Seligkowitz-Cöthen. — Aus Hieronymus' Comiueutar zu Micha. (Fortsetzung.) Von Dr. M. Ru hm er. Utteraturbericht. ltecensionen: Berühmte israelitische Männer und Fruucu. (Schluss.) Von Dr. A. Ko h u t. — Proben ans Ehrlich's. hebräischem Bibelcommentar. (Fortsetzung.) Von Dr. M. K.. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahmer, Magdeburg Druck von I.eistner <!t Drewfs, Magdeburg.

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