Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 11. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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83 י Liebe in den Bildern natürlicher Empfindungen. U11möglich kann das Verlangen der menschlichen Seele nach der innigsten Vereinigung mit Gott schöner und glühender ausgedrückt werden, als dies in der Schilderung des nächtlichen Suchens der Braut nach dem verlorenen Bräutigam im Hohen Lied geschieht. Beide Dichtungen stehen aber im direkten Gegensatze zu der griechischen dramatischen und lyrischen Poesie, indem statt des Kampfes und seines unlösbaren Gegensatzes die Lösung durch die göttliche Vorsehung, und statt des Versinkens des geistigen Lebens und Liebens in Sinnlichkeit die Erhebung über diese uns entgegentritt. Ebenso ist es mit dem Abschluss der hebräischen Poesie überhaupt. A,ucl1 dieser vergegenwärtigt den direkten Gegensatz zu der griechischen. ' Während in der griechisch-römischen Poesie die versuchte Erhebung des Geistes über die Welt in dessen vollständiger Verweltlichung sich verliert, tritt die hebräische, wie sie von Anfang aus dem Glauben an die göttliche Offenbarung hervorgegaugen ist, am Schluss wieder in die Zelte Gottes zurück und erhebt sich in Verbindung mit dem Prophetenthum wieder zu ihrem himmlischen Ursprung. In der hebräischen Dichtkunst ist der Geist das Höchste, die äussere Form dagegen unwesentlich. Die Natur wurde nicht um ihrer selbst willen, um an ihren Schönheiten sich zu ergötzen, betrachtet; sie war ein Geschöpf des unsichtbaren geistigen Gottes, dessen Allmacht und Weisheit sich in ihrer Gewalt und Planmässigkeit kundgab. Plastik und Architektonik blieben daher den Hebräern fremd; die Einbildungskraft versenkte sich in die Tiefen der Gemüthswelt und schuf dort geistige Kunstwerke, Dichtungen, die rein aus dem Geinüth quollen, die, weil sie die subjektive Stimmung, die innerliche Bewegung ausdriicken, dem Volk der Religion recht angehören Es ist darum nicht das plastische Epos, das sich bei den Ariern findet, sondern die musikalische Lyrik das Ergebniss der hebräischen Gemüthsstimmung und Weltaufifassung; es ist die Innerlichkeit des Gemütlis in seinem Verhältniss zu Gott; es ist die Weihe des Irdischen durch seine Beziehung auf das Ewige und der sittliche Gehalt, wodurch diese Lyrik das religiöse Gepräge und die klassische Grösse für alle Zeit erhält. Sie ist hymnisch in dem Preise Gottes, für den sie alle Pracht und Fülle der Natur verwendet, sie ist didaktisch, insofern es ihr weniger um die Schönheit, als tun die Wahrheit, um das Heil der Seele, um die Erbauung des Gemütlis ZU thun ist. Seligkowitz-Cöthen. Aus Hieronymus’ Commentar zu Micha. Von I)r. M. Rahmer. (Fortsetzung.) 14. Cap. V,3 וישבי Hieronymus übersetzt ״et convertentur‘• und fügt hinzu sive ut melios interpretatus est Symmachus, et ״habitabunt“. ״Jasubu“ enim verbuni Hebraicum utrumque significat. Dass H. bei dem unvocalisirten hebr. Text, der ihm vorlag, ישבו mit ישבו identificirt, ist verzeihlich. Die anomale Form ישבו י *T (weil in Pausa) veranlasste auch die jüdischen Commentatoren zu diflferirender Uebersetzung; dasTargum, auch die Pesch., und ihm folgend Raschi nahmen es gleich ישיבו; Kimchi und Ibu Esra für מ2זבי sitzen in Sicherheit wohnen. 15. Cap. v,5. שבעה רועים ושמונה נסיכי אדם. Was zunächst die Uebersetzung des נם*כי anlangt, so bemerkt H. dazu; Ubi nos posuimus primates hominum, et in Hebraico scriptum est Nesiche Adam, Symmachus interpretatus est xPtax0״? hominum, Theodotion et Quinta edito principes hominum dvöp.) graves vel constitutos homines i. e. xa&eaxa|j1ivoo5 dv8p. Die LXX führt er hier nicht auf, doch wenn er später von den octo primates vel morsus hominum spricht, so ist unter letzteren der Uebersetzer der LXX gemeint, die das Nesiche mit Neschiche (v. נשך beissen) verwechselten und mit (Bisse) übersetzen, was gar keinen Sinn giebt. Aquila und Sym., bleiben ihrer Uebersetzung auch an der Parallelstelle (Ezechiel 32,30) treu — der Erstere nahm נסד in der Bedeutung von ,,einsetzen“ (cfr. Ps. 2.6 u. Prov. 8,23), der Andere in der Bed. von ״weihend begiesBen, salben“ — die LXX übersetzen es daselbst mit äpxovTe? Das 1 רברבי אנשאm Targum entspricht dem ״primates“ des H. Wer aber unter den 7 Hirten und 8 Fürsten verstanden sei, darüber äussert sich H. wie folgt: Septem pastores omnes patriarchas, et prophetas et sanctos viros arbitror esse, qui hebdomadi, i. e. veteri servierint instrumento ( testamento). Octo autem morsus hominum, sive octo primates, et ut Sym. interpretatus est XptOTGu; universos novi testamenti, qui ab Apostolis usque ad lianc aetatem momorderint Assyrium etc. Unde in Eöclesiaste (c. 11,2) praecipitur, ״ut demus partes septem, demus et octo“. Et in templo Ezechielis septem et octo gradibus ascenditur, (Ez. 40,26 u. 31). Et in psalterio quindecim gradus sunt, quibus ad canendas Deo laudes scandimus. Im Talmud (Succa 52b) wird auch die Frage aufgeworfen מאן נינהו שבעה רועים und mit der Aufführung folgender biblischer Persönlichkeiten beantwortet: *Tn באמצע, אדם (•שת ומתושלח מ*מינו. אבייהם יעקב ומשה בשמאלו, und als Antwort auf die Frage ומאן נינהי שמנה נסיכי אדם werden aufgeführt: ישי ושאול ושמואל עמום (nach and. la. bei Kimchi וצפניה צז־־קיה (חוקיה ואליהו ומשיח. Warum gerade diese Personen ausgewählt sind, dafür weiss selbst Raschi (Succa a. a. O. u. hier) weder Gruud noch Quelle auzugeben לא דעתי בהם טעם, איני יודע מהיכן למת). H., dem der jüd. Lehrer ebenfalls die verschiedenen Namen aufgezählt haben mochtet), gruppirt sie ganz richtig als patriarchas, prophetas et sanctos viros; er erblickt von seinem Standpunkt in der Siebenzahl das A. T. und in der Achtzahl das N. T., auf die Uebersetzung des Symmachus (xpta'uou;) sich stützend, der *) Kimchi zu Micha hat eine andere LA. שת חנוד ומשותלח t) Dass H. die einzelnen Namen auch gehört aber als unwichtig nicht weiter berücksichtigt hat, geht aus seinen späteren Worten zum Hchluss des V. ö hervor, wo er in wegwerfender Weise sagt: C'eterum Hebraei istiusmodi deliramenta somniant, postquum septem quos figunt et quos volnnt pastores et octo principes etc.