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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 9. (1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 9. (1901)
Date
1901-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 9.— 1901. JüdiSChöS Jahrg. XXV. Litteratur-Blatt. Zur KfloueluiinK nll״*r JiKtoiilhiim mnt Juilan mternris<*ln*n Kfmif dem (;<*)>u־te drr Philo• soplii»•, <t1»H‘l1irl1t<». KlhnoKraplnp. Theo* loj»h\ Oriontiiliii, Kw*ki*m», Homiletik, UtnrKik und i*j1d״u*»«ik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner l>1\ M. Rahmer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Sieatrled ('loiibacli in Berlin W. 67. Hiichor dor einschUiRiKon l.ittoratur, doren HesprtM’hniig in diosem Blatte uowunsoht wird, «owio Rriefo und Manuskripte sind an die Ke d n0 11 o n , Inserate u. lioilHKen an dleKxpe- 1י i t ו o 11 f r a 11e o einznsenden. Rahmer's ,jüdisches Lltteratur-Blatt“ erscheint monatlich im Inifnnno eines *ranzen U1»Kens 11. kostet hei allen Bueldmndlnnjren (oder hei direktem Bezüge durch Siegfried t'mnhaeii in Berlin \V, r>7) vierteljährlich eine Mark. Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״Israelitischen Wochensohrift“ (Kcdactem M. A. Klausner), welche hei allen Postaiistallen und ]hichlinndlungen vierteljährlich 3.— ■. kostet, erhalten das ,,Jüdische l.itteratur-lllrttt“ als Bratis-Bcllage Inserate werden mit 30 die vicrKfitpaltenc Zeile hereehnet und sind an die Kxpedltion in Berlin zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mif der Angabe 1!!Aus Rahmer*® Jfld. Utteratur-Blatt“ gestattet. Zacharias Frankel. Geboren am Simchas Thora 5562, den 30. September 1801. Ein Gedenkblatt zu seinem hundertsten (Geburtstag. Von K’iiliHinci׳ Dr. M. Rahmer. Humlert■ Jubve sind es am bevorstehenden äiinchas Tlioni. dass der Mann das Licht der Welt, erblickte, der fast ein halbes Jahrhundert ..seines Volkes Licht und Leuchte‘׳ war und der, nachdem seine freundlich und mild strahlenden Augensterne bereits seit über einem Vierteljahrhuiidert sich für immer geschlossen, durch seine zahlreichen grundlegenden Schriften noch fort und fort, erleuchtend, belehrend, anregend und hegeisternd wirkt. Rappaport, Znnz. Frankel bilden das leuchtende Dreigestirn, das in den ersten Dezennien des XIX. Jahrhunderts am Himmel der wiedererwac-henden jüdischen Wissenschaft erglänzte und die Sonne wissenschaftlicher Erforschung des Jndenthmns in Deutschland heraufführte, von der die Verjüngung des jüdischen Geistes, die Erneuerung und Hebung unserer Litteratur in vielen Strahlenbrechungen ausgiug. Frankels Geburtsort war Prag. Einer daselbst von ulterslier — väterlicher- und mütterlicherseits -— in hohem Ansehen stehenden Gelehrtenfamilie entsprossen, wurde er frühzeitig an den Born tulinudischer Wissensehaft geführt und sein Geist versenkte sich so sehr in die Tiefen des jüdischen Schriftthums, dass schon des Jünglings bedeutende Kenntnisse auf diesem Gebiete ob seines Scharfsinns bewundert wurden. Gleichzeitig aber eignete er sich auch eine tüchtige Gymnasialbildiuig an, und legte so den Grund zu jenem klassischen Wissen, das allen seinen späteren litterarischen Arbeiten das Gepräge echter Wissenschaft verlieh. Mit solcher jüdisch theologischen und allgemeinwissenschaftlichen Bildung ausgerüstet, bezog Frankel die Pester Universität; wo er u. A. mit besonderem Eifer mathematischen Studien oblag: noch in späteren Jahren konnte man in seinen talmmlisehen Vorträgen hei den tiefere mathematische Kenntnisse voraussetzenden Stellen (in den Traktaten Kilajhn, Erubin. Mikwaoth u. A.) seine Vorliebe für dieses das Denken bildende Wissensfaeli beobachten. formale Tm Jahre 1831 kehrte er mit der philosophischen Doctorwürde nach Prag zurück, und wenige Monate* darauf (Frühjahr 1832) folgte er einem Rufe als Leitineritzer Kreisrabbiner nach Teplitz. Hier sehen wir ihn bereits das ganze Gebiet praktischer rabbinischer Wirksamkeit in Angriff nehmen, der Regelung des Gottesdienstes mit deutscher Predigt, sowie der Förderung des Jugendunterrichts mit ganzem Eifer obliegen; hier schon trat an ihn die Aufgabe heran, Anfragen der Regierung in wissenschaftlich ausgearbeiteten Gutachten zu beantworten. Nur wenige Jahre genoss die Teplitzer Gemeinde den nachhaltigen Segen seiner erspriesslichen Amtsführung, denn schon nach 4 Jahren — 183(! — wurde er zuin Oberrabbiner des Königreichs Sachsen berufen und nahm seinen Sitz in Dresden. Hier eröffnete sich für ihn ein Feld erspriesslich- 8ter Wirksamkeit, hier entfaltete er durch nahezu zwei Dezennien eine staunenswerthe rabbinische Thätigkeit. Den Juden in Sachsen fehlte bei Frankels Amtsantritt in gemeindlicher und politisch-socialer Bezie- Innig noch fast Alles: Gotteshaus, Religionsschule, Bürgerrecht, Meisterrecht. Hier wur noch das alte Gesetz von 1718 in Kraft, das den Juden ״weder einen öffentlichen Cultus noch einen Ankauf von Immobilien“ gestattete. Der Erlangung des Bürgerrechtes stand das Misstrauen, das man in den von Juden zu leistenden Unterthuneneid setzte, entgegen. Der Landtag von 183(! sollte Abhilfe bringen, da aber erklärte die Staatsregiernng durch Königliebes Decret vom 13. November 183(!, ״die Erwägungen und Vorarbeiten, ob und welche veränderte Gesetzgeb 11 ng über die Verhältnisse der Juden angemessen seien, seien noch nicht so weit gediehen״. Hierdurch waren alle bisherigen Bemühungen in Frage gestellt׳. Da trat Frankel auf, suchte eine Audienz beim Krönprinzeu. dem nachmaligen Könige Johann, nach uud stellte demselben das Betrübende der Lage der isruelitischen Gemeinde vor. Er schloss mit den liiannesmuthigen Worten: ..Die von mir vertretene Gemeinde hat nur Eines, worauf sie ihren Anspruch begründet: das Recht., das auch im Schwachen geehrt werden muss“. Der Kronprinz versprach ihm. mit seinem Bruder, dem Könige, über diese Angelegenheit zu

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