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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 6. (1901) · p. Seite 48

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 6. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 48 (sequence 8)
Language
German
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48 Siege schreiten lässt. Hinsichtlich der Kanzelberedsamkeit führt Dr. Neumark die Reden des Orandrabbin Zadoc Kahn als mustergültig an; weil sie auf das Herz, den Verstand und den Willen der Zuhörer anregend wirken. (6.102). Der Tadel der Wissenschaftlichkeit der Reden ist bei Gemeinverständlichkeit derselben eher als Lob zu betrachten. Gerade deshalb aber pflichte ich dem Herrn Dr. Neumark bei, dass die Kanzelexegese mit den Prinzipien wissenschaftlicher Schriftauslegung im vollen Einklänge sein müsse. (S. 188). Hinsichtlich der Poesie des Judenthums redet Dr. S. Rapoport dem jüdischen Volksliede das Wort, welches ethisch-religiösen Inhaltes ist, aus der Vergangenheit glorreiche Erinnerungen, für die Zukunft beseligende Hoffnungen erweckt. Nur müsste das Volkslied nach den Gesetzen der Grammatik textirt und nach den Gesetzen der Tonkunst komponirt und gesungen sein. — Vortrefflich ist die Unterscheidung, welche der Bchlussartikel des IV. Bandes aus der Feder des Schrift- Stellers A. Sch. Jehudah zwischen der arabischen und hebräischen Lyrik des Mittelalters anfweist. Während der Araber mit Flamme und Schwert den Weg über Trümmer und Gräber zum Ideal der Liebe sich ebnet, lieber stirbt und sterben lässt, ehe er darauf verzichtet, der Liebe zu leben: lebt der Held der hebräischen Lyrik und lässt leben dem Hochgefühl der Liebe, die Klüfte überbrückt und Gräber öffnet, um zu Sieg und Glanz sich zu erheben, ln diesem Sinne wird auch der heroisch-idyllische Charakter des hohen Liedes geschildert. Das Sammelbuch hat gediegene Arbeiten und Arbeiter, wirkt in Wissenschaft und Litteratur bildend und anregend und belebt den Sinn für Sprache und Glaubensgemeinschaft der Hebräer. Es ist daher jedem Freunde hebräischen 8chriftthums warm zu empfehlen. Zum Schlüsse sei mir gestattet, ein hebräisches, den IV. Band abschliessendes Gedicht von M. M. Horviz in deutscher Uebertragung von mir hier mitzutheilen. Frei! Einst im Käfig war gefangen Vögelein. das voll von Sang. Ach, sein Lied war voll von Bangen. Unserm Vogel war so bang. Und das Lied war voll von Sehnen Freiheit tönt ans jeden! Laut. Jedes Ang’ zerfloss in Thränen .... Frei der Vogel ward und traut. Da verstummten rasch Gesänge, Herzenslieder, die erschallt, Ach, wo sind die süssen Klänge, Die so schmerzensreich erschallt? Und der Vogel hebt die Schwingen, Seufzend giebt er matten Klang, Kann mehr keine Lieder singen, In dem Kerker starb der Sang. Dr. S. Naschör. Zif gier, Dr.Ignaz, Rabbiner in Karlsbad, Geschichte des Judenthums von dem babylonischen Exile bis auf die Gegenwart. Ein Familienbuch. Prag u. Breslau bei Jacob R. Brandus, 1900. (244 S.) Die Verbreitung einer richtigen Kenntniss des geschichtlichen Werdeganges des Judenthums innerhalb der jüdischen Kreise hat sich in dem andauernden Kampfe, den das Judenthum der Gegenwart für seine Existenz zu führen hat, als die beste Waffe gegen Verspottung und Ignoranz erwiesen, so dass jedes Buch, weiches von Sachkundigen auf diesem Gebiete erscheint, als willkommen begrüsst werden nruss. An grösseren Werken, an Schul- und Lehrbüehern fehlt es jetzt nicht mehr, aber an einem gut geschriebenen, jüdischen Geschichtsbuch für die Familie, das auf der Höhe der Wissenschaft steht und sich doch nicht zu sehr mit den Details derselben beschäftigt, an einem mit Wärme und Begeisterung geschriebenen, klar und übersichtlich den immensen Stoff darstellenden Familienbuche mangelte es bislang. Herrn Dr. Ziegler ist der kühne Wurf gelungen; sein Buch füllt das Bedürfniss aus. Er schöpft aus dem Vollen, verwirrt aber den Leser nicht durch Quellennagaben und gelehrte Noten; sein Styl ist dem erhabenen Inhalte stets angemessen, frisch und anregend. Der Verfasser hat gezeigt, dass nicht nnr pectus facit oratorem, sondern dass der Brustton der Ueberzeugnng auch den Schriftsteller macht, er verleiht dem geschriebenen Worte das rechte Leben, und die Begeisterung und Wärme, die dem Autor entströmt, theilt sich auch dem Leser mit.*) Kurz, das Buch erfüllt seinen Zweck in vollem Masse; es ist ein Familienbuch im besten Sinne des Wortes und sollte darum in keiner gebildeten jüdischen Familie fehlen. R. Nachtrag zum Artikel: ״Zur neuern rabbinischen Litteratur“. (NN. 11 u. 12 des v. J.) Identisch ist auch der im Verzeichnisse No. 45 genannte Rabbinats-Assessor Abraham in Nikolsburg mit dem No. 31 genannten Abraham Rabbiner in Neuhaus. Er war ein Schüler des R. Jecheskel Landau 8. A., was im Verzeichnisse fehlt. Er war Rabbiner der Kreise Tabor und Budweis und hatte ״seinen Amtssitz von der Hauptgemeinde Kaledei nach der kaum ein Minjan zählenden Gemeinde Neu haus verlegt“, um unbehelligt von den Angelegenheiten der Grossgemeinde dem Unterrichte der Bachurim in der Jeschibha mit ungestörtem Fleisse obliegen zu können. Sein Familiennamen war FiBchmann. Er starb im Hause seines Sohnes, des Rabbiners Moses Jecheskel Fischmann in Schaffa in Mähren, in der Nacht zum 26. Tischri 5590 23. Oktober 1829. Er war nämlich im Alter erblindet und legte in Folge dessen, trotzdem seine Gemeinden in ihn gedrungen hatten, es beizubehalten, sein Rabbineramt nieder. Nach seinem Tode folgte sein oben genannter Sohn Moses J. Fischmann einem Rufe als Rabbiner nach Miskolez in Ungarn, wo er am 16. Dezember 1874 das Zeitliche segnete. Ausführ• lichere Mittheilungen findet der geneigte Leser in der Schrift: קרית »רבע״ Vier Nachrufe gewidmet dem gesegneten Andenken, des nach sechzigjährigem Wirken, am 8. Tebheth 5635 verewigten Moses Fischmann, Oberrabbiner in Miskolez, nebst dessen Nekrolog von seinem Sohne Simon H. Fischmann, Rabbiner in Kecskemöt“. Letzterer,, mein unvergesslicher Lehrer 8. A., starb am 20. Tebheth 6639 15. Januar 1879. Auch Rabbiner Phöbus Fischmann s. A., Darschan in Pressburg, war ein Sohn des Rabbiners M. J. Fischmann s. A. Oberrabbiner Markus Hirsch in Hamburg, mein Herr Lehrer, und Rabbiner Dr. Mayer Austerlitz in Eperies נ״י, sind Schwiegersöhne des Rabbiner M. J. Fischmann 8. A. Goldfahn. *) Aus dieser Begeisterung des Autors erklärt sich auch mancher Ueberschwall der Epitheta ornantia, die sich in den etwas verschwenderisch angewendeten Superlativen kundgiebt, so z. B. S. 4: ״der grösste, erhabendste, (8. h. erhabenste), glühendste und religiöseste (?) aller Propheten“. Religiös waren doch wohl alle Propheten in gleichem Grade._R. Inhalt der No. 6. Wissenschaftliche Aufsätze: — Israels Religion und ihre dauernde Bedeutung für Gegenwart und Zukunft. Von Dr. R. II. — Aktenstücke zur Geschichte David Friedländers. Von Dr. R. (Schluss). — Aus Hieronymus' Commentar zu Obadjah. Von Dr. M. Rahm er. Litteraturberioht. Recensionen: Mimisrach umimaarab. Von Dr. 8. Nascher. — Ziegler, Geschichte des Judenthums. Von R. — Nachtrag von Goldfahn. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahmer, Magdeburg. Druck von Leistner & Drewfs, Magdeburg.

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