Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 9. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 7)
- Language
- German
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71 2) wären doch jedenfalls die Worte rCV!למטי schon dem Verse 'לדמה אפריט ובו und nicht erst dem später folgenden Manasse vorzusetzen gewesen. Wir glauben aber den wahren Grund dieser ganzen Versverschiebung gefunden zu haben. Im Vers 7 wird der Kundschafter vom Stamme Issachar aufgeführt; sein Name war: *יגאל כ! יופו. Der Schreiber der Namen, oder der Ordner derselben, oder der Versabtheiler, liess sich nun durch die Schlussworte בן יוסף täuschen und in der Meinung, dass dieser יזסף der Stammvater Joseph sei, liess er sofort den anderen ״Sohn Josephs“, Ephraim, darauf folgen. So kam der Vers ,ימטד. אפרים זכי gleich hinter יגאל יוסף n zu stehen. Aber damit nicht genug, auch der folgende Vers 9 0מטה בנימין וכ*“) wurde mit V. 8 an die unrichtige Stelle mitgezogen. Denn die übliche Reihenfolge bei Aufzählung der Stämme ist sonst die, dass auf Issachar stets Sebulun folgt, mit welchem die Söhne der Leah scliliessen, und auf Joseph’s Söhne (Ephraim und Manasse) pflegt Benjamin, der andere Sohn der Rahel, zu folgen. (Man vergl. Num. I. 8, 9, 10 und 11, ferner ibid., V. 28, 30, 32, 34, 36, auch ibid. C. 2, V. 5 und 6, sowie V. 18, 20 und 22; c. 7, V. 48, f>4, 00; c. 10, V. 10, 16 und 22, 23, 24. c. 26, V. 23 und 26, sowie V. 28, 29, 35 und 38). Und so reihte sich wohl auch hier ursprünglich an V. 7 (Issachar) der V 10 (Sebulun), dann folgten die Söhne Rahels: Joseph (Manasse und Ephraim) und Benjamin (V. 9) und zum Schluss die Söhne der beiden Mägde (V. 12—15) promiscue. Als nun der Schreiber oder Ordner auf r0v יגאל בן irrthümlicli Efraim folgen liess, musste er den stets auf Efraim folgenden Benjamin mitnehmen, wodurch Sebulun von Issachar getrennt wurde. In jedem Falle stehen Ephraim und Benjamin jetzt an unrichtiger Stelle; sie gehören hinter Manasse (V. 11). — Unbegreiflieh ist es, dass weder einer der Talmudlehrer und der scharfsichtigen Massoreten, noch einer der uns zugänglichen älteren und neueren Commentatoreu diese Versverschiebung bemerkt haben. Dieselbe muss sehr alt sein, da sie sich auch bei den ältesten Versionen (Targ., IXX״), Pescliitto) schon findet. Ueber ״Schema“ und ״Dilma“. In Nr. 8 des gesch. Litteraturblatt befindet sich eine Erörterung über dieses Thema ebenso reich an Kenntnis der Sprache, wie an Anregung. Es sei mir aus diesem Anlasse gleichfalls gestattet, eine anspruchslose Bemerkung über die Termini שמא und דלמא zu machen. Vielleicht sind die beiden Worte ursprünglich griechischer Abstammung und Bezeichnuug gewesen. שמא — aüjpa (Zeichen), 5 דלמאÖ.Y)(1pa (fraglicher Satz). Wo nämlich in talmudischer Diskussion, beispielsweise Chulin 10a, eine Behauptung nur dem allgemeinen äusserlichen Merkmale nach, aber nicht der innerlichen gesetzlichen Folgerichtigkeit entspricht, wird das Wort שמא zum Zeichen des Einwandes angebracht, wo aber >) Nur in Vers 11 lesen die LXX 1* לבל מנשהCV למטה, um das doppelte למטה zu vermeiden; richtiger wäre es umgekehrt לבני יוסף למ״ה וג׳. die ganze Behauptung durch den Einwand hinfällig geworden ist, wird jene mit dem Worte דלמא als dilemmatisch widerlegt. So wird auch der kategorischen Behauptung gegenüber (ברי) ein blos den äusserlichen Anzeichen nach zutreffender Einwand mit שמא angeführt (Ketuboth 12b). Erst im übertragenen Sinne wird der Zweifel am Thatbestande und zwar den Bedingungen nach mit שמא (Chagigah 15a), der ganzen Voraus- Setzung nach mit דלמא bezeichnet. Ich möchte daher שמא mit ״wie denn“, דלמא mit ״vielleicht“ übersetzen- I)r. S. Nascher.*) Litteraturbericht. Recensionen. Der Talmud, sein Wesen, seine Bedeutung und seine Geschichte. Dargestellt von Fr. S. Bernfeld. Verlag von S. Calvary & Co. Berlin 1900. (120 S.) Ein grosses Resultat, das namentlich unserer Zeit angehört, ist: die Popularisirung der Wissenschaft. Fort und fort sind Schriftsteller beschäftigt, die Wissenschaften und ihre Resultate, so weit es geht und dienlich ist, in populärer allgemein verständlicher Weise darzustellen, und jedem, der es wünscht, nach seiner Fassungskraft mit dem Wissenswürdigsten bekannt zu machen. Es ist unberechenbar, wie viel Wissen, richtiges Urteil und Geistesent- Wickelung überhaupt auf diesem Wege verbreitet worden ist und wird. Ein anderer Weg ist in den letzten Jahren mit immer grösserem Erfolge darin beschritten worden, dass die mündlichen Vorträge aus den Hörsälen der Universitäten sich in die verschiedenen öffentlichen oder geschlossenen Vereine verpflanzt haben. Das lebendige Wort, dessen Zündkraft immer jedwede Schrift übersteigen wird, streut auch hier mannigfache Keime der Bildung und Aufklärung aus, die, wie alles im Reiche des Geistes, nicht verloren gehen. Wenn sich dies im Allgemeinen von der Wissenschaft und Uitteratnr überhaupt sagen lässt, so darf die Wissenschaft des Judenthums darin durchaus nicht zurückstehen. Popularität! Im breiten, gewaltigen Strome die weitersehütternden, erhabenen Ideen des Judenthums über alle Herzen und Gemiither sich ergiessen zu lassen, das ist die Aufgabe des heutigen Judenthums, worin uns England und Amerika mit naehahmungswerthen Beispielen vorangegangen sind. Auch vorliegende Arbeit hat sich zum Ziele gesetzt, das Riesenmeer des Talmuds in seiner kulturhistorischen Bedeutung in populärer Form dem Geiste des Durchschittslesers zu assimilireu. Wir können von vornherein über diese Arbeit, deren Verfasser durch seine bisherigen publizistischen und litterarischen Arbeiten sich nicht nur als einen Mann von umfassenden Kenntnissen gezeigt, sondern auch als einen, der es zugleich versteht, schwierige Materien leichtfasslich und anregend darzustellen, das Urteil abzugeben: חבר אינו מוציא מתחת ידו דבר שאינו מתוקן. . Mit fast spielender Leichtigkeit gleitet man in dieser Arbeit über die lange Reihe von Zeiten und Männern, denen der Talmud entstammt und denen er zum Gegenstand seiner emsigen Thätigkeit diente. Auf einem kurzen Raum von etwa 120 Quartseiten verstand es der Verfasser alles, was nur dem gebildeten Leser in Bezug auf den Talmud von Interesse sein kann, zu bieten. *) In voriger Nummer ist S. 63, Z. 8 v. o., statt ״ein“ zu lesen ״mein“.