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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 8. (1900) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 8. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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58 die Existenz der Individualität, der Gott des Geistes aller Persönlichkeit, der Freiheit, des Willens und der Gnade. Der Mensch könnte, aus der blossen Allmacht hervorgegangen, wie Pflanze und Thier, eine blosse Gesetzesformel, eine KraftäusseruDg der Natur vorstellen, eine blosse Idee sein, ein Gemälde, eine Schattirung, ein Ton in der Schöpfung; aber das Bewusstsein von unserer eigenen individuellen Existenz ist von dem Begriffe יהוה״“ bedingt, der eine Wesenheit ausdrückt, die Trägerin der Idee ist. Gleicht der ganze Idealismus einem Traum, der Idealist einem Träumer, so ist dennoch nicht zu leugnen, dass der Träumer Träger seiner Träume ist — dies macht eben den Charakter eines Individuums aus. Das Setzen des Begriffs "יהוה“ bildet also ein System des Individualismus der einzelnen Personen in einem Volke sowohl, als auch der einzelnen Völker in der Menschheit, insofern sie sich durch moralischen Werth und geistige Physiognomie von einander unterscheiden. Daher zeugt nach der Darstellung der Bibel die ganze Schöpfung, ausser dem Menschen, bloss von אלהים״“, während "יהוה“ ,,der Elohim der Geister alles Fleisches“, heisst. Die Schlange spricht blos von אלהים״“, aber die Schrift selbst spricht von אלהים״“ und ״!“IW“. Daher ist es auch ״JTCTV‘ und nicht "אלהיט“, welcher das Kastenwesen beim Thurmbau von Babel auseinandersprengt, welcher dem Abraham verbietet, den Isaak zu opfern, nachdem אלהים״“ das Opfer verlangt. Es ist ferner אלהים״“. welcher von Abimelech im Nachtgesichte und von Pharao der ägyptischen Glaubenslehre nach anerkannt wird. Mose erbittet sich für die ״Gottheit“ eine speciellere Bezeichnung, da ״Elohim' ein Name sei. unter dem sie zwar aller Welt bekannt, aber vor Missdeutung nicht sicher wäre, worauf ihm denn in den erhabenen Worten אהיה אשר אהיה״“ die israelitische Auffassung der יהוה״“, gegeben wird. Mose will anfangs mit Pharao von יהוה״“ sprechen, und erst dann, als dieser ihm sagte, dass er יהוה״" nicht kenne, sieht er sich gezwungen, den allgemeinen Begriff ״Elohim“ zu gebrauchen. Ferner ist es יהוה״“, welcher Israel aus Aegypten befreit und ihm Gesetze giebt. Nicht unbeachtet darf auch bleiben, dass sowohl die Schrift, als auch später das Volk als höchsten Beweis von Gotteserkenntniss den Ausruf thut יהוה הוא אלהיט״" (1. B. Könige 18, 39). Der Begriff Elohim ist demnach der Repräsentant aller Kräfte der Natur selbst, insofern alle ihre Aeusserungen auf gewissen Gesetzen beruhen, weil aber in der Natur Kraft und Gesetz fast eins und dasselbe ist, so wurde auch das Wort ״Elohim" später auf ״Richter“ übertragen, die ebenfalls Gesetzeskraft repräsentiren. Der Begriff ,.יהיה" dagegen ist der Repräsentant des Individualismus. Das Recht, das Gesetz ist allgemein, aber die Gnade ist von Individuen nur für Individuen zu leisten; denn Gnade ist ein Akt der Freiheit, und Freiheit kann nicht geschehen, sondern ist da, oder kann ganz und gar nicht sein, war da seit Ewigkeit, oder kann niemals geschaffen werden. Das Gesetz wird in der ganzen physischen Welt vollzogen, aber die Verzeihung und die Gnade gehört nur dem individuellen Geiste; daher auch die Wege des "יהוה“, nur durch Gnade und Sündenvergebung, durch Erbarmen und'Verzeihen von Mose bezeichnet werden. Charakteristisch ist es, dass in dem Buche Kohelet, welches die Zweifel uud Bewegungen schildert, die den Skeptiker erfüllen, und ihn von dem Glauben eines in der Welt waltenden Gottes abwendig zu machen drohen, kein anderer Name als Elohim vorkommt. In den schreckensvollen Zeiten, die unter Nebuchadnezar das Leben Daniels bedrohten, wird Gott der ״Eloha“ des Himmels, den Dauiel aber um Barmherzigkeit anfleht, dass er Adonai sei (Dan. 2. 18). So nennt er ihn auch vor dem Könige. Prägnant und bezeichnend charakterisirt ist dieser Unterschied in den Psalmen. In den davidischen Psalmen entsprechen die Namen Gottes ganz der Situation, in welcher David sich befand. Wir greifen beispielsweise den dritten Psalm heraus, welchen David aus Anlass seiner Flucht vor Absalom sang: ״Viele sagen zu mir, er hat keine Hülfe bei ״Elohim“, du aber ״Adonai“ bist mir ein Schild“. In den nacliexilischen Psalmen steht überall, wo sich Gott als der Israel schützende und rettende Gott manifestirte, des Tetragram maton. Das ist auch der tiefe Sinn der Mechilta 37, wenn sie hinsichtlich des Unterschiedes zwischen dem Tetragrammaton und Elohim erklärt: ״Elohim“ bezeichne den strengen Richter, der vierbuchstabige Name den liebenden Gott, oder mit andern Worten. ״Elohim“ ist der Repräsentant der allgemeinen Naturkraft und des allgemeinen Naturgesetzes, der vierbuchstabige Name dagegen der Repräsentant des Individualismus, weil, wie gesagt, Gnade nur von Individueu für Individuen geleistet werden kann. Landauer in seiner Schrift ״Jehova und Elohim“ sucht, nachdem die Hypothese von einem aus dem abwechselnden Gebrauch der beiden Gottesnamen zu schliessenden verschiedenen Ursprung der Stücke und Verse in ihrer Grundlosigkeit naehgewiesen, die keinesfalls zufällige Abwechslung derselben dadurch zu erklären, dass das Tetragrammalon das Sein und das Wirken der Gottheit innerhalb der Dinge der Welt bezeichne, d. h. die in die Werke der Schöpfung sich niedergelassene, dieselben erhaltende und belebende Kraft Gottes; Elohim hingegen bezeichnet das aussernnd übernatürliche Walten und Sein der Gottheit. Alleiu die Auffassung des Maimonides ist dieser Ansicht direkt entgegengesetzt. ״Adonai so wie Elohim, meint er, sind Apellative, welche die Aktion Gottes ausser sich, sein Wirken inmitten der von ihm geschaffenen Welt bezeichnen. Es giebt nur einen Namen, den die Schrift den eigentlichen Namen Gottes nennt; dieses ist der vierbuchstäbige Name Gottes, der Schein kamforasch (d. h. der deutlich und klar ausgesprochene Gottesname) und nur dieser allein ist die Bezeichnung des von jedem andern Begriff abstrahirten göttlichen Wesens“. Diesen Sinn findet Maimonides in der Midraschsteile: ״Vor Erschaffung der Welt existirten nur Gott und sein Name“; da die andern ausser dem Tetragrammaton Gott beigelegten Namen bloss die Wirkungen bezeichnen, die in der geschaffenen Welt sich kundgeben. (Mose I, 50—00). Wir bemerken noch hinzu, dass beide Namen absichtlich vom zweiten Buche Mosis au mit einander verbunden werden, 11m endlich den

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