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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 4. (1900) · p. Seite 32

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 4. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 nach Erlösung ringende Volk durch das Ewige im Zeitlichen das Göttliche im Menschenthum die Seligkeit gewinnen zu lassen (vgl. S. 74). Die Abirrungen von dieser reinen kabbalistischen Anschauung erfolgten in Zeiten des Druckes, ähnlich wie die Verirrungen im reinen Gottesglauben im Zeitalter der Propheten. Nicht aus der Verkeimung des Ewigen ist der Götzendienst entstanden, sondern aus Nachahmung der das Volk unterjochenden fremden Völker, wobei die Unterdrückten der Gewalt zu Liebe den Glauben geopfert hatten, die Verachteten die Religion verachteten, die auf ihre äusserliche Stellung nur von uaclnheiligem Einflüsse war (vgl. S. 28). Hei der Betrachtung der Neuzeit hätte denn doch Friedrich der Grosse, der Philosoph auf dem Throne, als Hort der Gewissensfreiheit, wie sein grosser Zeitgenosse der Kaiser Josef II in Oesterreich gewürdigt werden mögen. Auch durfte der Name des Regenerators talmudischwissenschaftlicher Forschung, des sei. Dr. Z. Frankel, des verehrten Oberhauptes der ersten Rabhinerschule Deutschlands, nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Nicht minder verdient der Gaon von Wilna*) als talmudischer Methodologe hohe Beachtung. Ebenso wird die segensreiche Institution der Alliance Israelite universelle in der sonst so gediegenen Studio vermisst werden. Dieser Verband schlingt ja doch das Band der einheitlichen Gottesidee um alle Bekenner des jüdischen Glaubens, schützet und stützet alle Glaubensgenossen, welche um des Glaubens willen leiden. Hingegen verdient das Buch für die warme Vertheidigung gegen den Antisemitismus (S. 84) gerechte Anerkennung. Die Schrift macht in Form und Inhalt dem Verfasser und dem Uebersetzer alle Ehre. Dr. S. Nasehör. Levinstein, Gustav. Die Taufe. Berlin, Franz Weber 181)1). Mit grösserer Wärme kann nicht leicht eine Uerie an die (jeliihlcten unter den Verächtern für die Treue zum Glauben und zu der Glaubensgemeinschaft der Juden gehalten werden, deren Mittel-!milkt das reine Bekenntnis» des einig einzigen (Jettes ist, aus welchem die heiligste Liebe für Gott und Menschen stammt. Unsere Gemeinschaft mit dem göttlichen Geiste begründet die Liebe zu den Menschen, welche alle Gottes Kinder sind und den gleichen Antheil am (feiste Gottes Indien. Die Wurzel und Krone des göttliehen Ghuibeus liegt im sittlich - wahren und wahrhaft sittlichen Mcnschenthmn., Das Ideal des Menschenthums aber führt die heilige Lehre Israels nicht in einem einzigen Prbilde vor, sondern durch einige sittliche Wahrheiten, welche der ganzen Menschheit Wahrbeiten sind, und deren Träger die geistigen Väter unseres Volkes sind. Wir dürfen also keine fremden Götter haben neben uuserm einzigen Gotte, noch eine Theillialiersehaft au der Majestät des Weltcnkünigs. (Vgl. 8. 15 u 26 . Gott ist der Vater, von dem unser Sein und unser!•eben stammt und zu dein unsere Seele einkelirt. wenn die Harmonie der Seele mil <b.<1 in diesem ).eben niisklingt, um im seligen und ewigen Lehen in unvergänglicher Weise und Weihe forlzu tönen zum GInuhen und zur Liehe. Wer sollte diesem Glauben und dieser Liehe nicht treu sein wollen für sich, sein Haus und in der Gemeinde? Dr. S. X. Lcrinstcill, Gustav. Warum die Juden nicht Christen werden können? Antwort auf den offenen Brief des Herrn Pastor Gebhardt. — Gr.-Lichterfelde 181)51. Aus den Ideen der vorgenannten Schrift ״Die Taufe“ ergiebt sieh der Inhalt der vorliegenden. Die!Entgegnung ist durchaus maassvoll und würdig gehalten und iierulit auf richtiger Kenntniss des alten und neuen Hundes. Nur einige Bemerkungen vermöchte ich mir bei dem hohen Interesse, welches diese zeitgemässe Schrift einllossl, nicht zu versagen. Zunächst und vor Allem bilden der * Vgl. ״Der Gaon von Wilna als taliniidischer Forscher“ von nr'r im ״Jüdischen l.itteruturhlatt“ Jg. lHIKi. Glaube und der Gedanke in! Jndvnthume einen so unlösbaren Hinklang, dass es schade wäre, den letzteren zu Gunsten des ersteren preiszugelven. .'Vgl. S. 4,. Ebenso wichtig ist es, anf Erden das Himmelreich zu gewinnen, uud nicht darf nm der Ideale willen di״ Wahrheit der Wirklichkeit mul die Wirklichkeit der Wahrheit geopfert werden. ״Die Lehre ist nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres, sondern im Kühlen, Denken und Reden aus dem Geiste des Herrn heraus zu linden“ (Deuter. 30, 11 —15). Vgl. S. 18). In dem Glauhcii an die Herrschaft des liiminlichen Königs auf Erden liegt nicht nur der Glaube an die Persönlichkeit Gottes, dessen Ichheit in das Ich unserer Seele hinein klingt, sondern auch der Glaube an unsere Erlösung im Einzel- und Gcsnmmtlehen. Wir werden erlöst sein, wenn die ganze Menschheit erkennen wird die erlösende Wahrheit des Herrn die Religion der Liehe im Hause Gottes verkündet wird, welches ein Haus der Andacht werden wird für alle Völker der Erde. Vgl S. 8 . Der Jude hnt nur einen Pessimismus dem des göttlichen Ideals eutrnthenden Materialismus gegenüber. (Vgl. S. Hb. Wo aber der göttliche (Jeist waltet, schwinden Nacht, Tod and Trülmiss, wöllit sich ein Hinuuel auf Erden, blühet ewiges Lehen. Braucht, der Jude mehr, uni glücklich und selig zu sein? Dr. S. N. Bücherschau. M. Kayserling, Ludwig Philippson. Eine Biographie. Leipzig, H. Mendelssohn, 18118. 4,00 M.) T. K. Cheyoe, Jewiali religiou«• life after the exile. New York and London, G. P. Piitnum's Sons, 18i)8. 270 S.!6 Sh.) Lichten8tein, Gustav. Die Taufe. Berlin 1811!). •Selbstverlag. — —, Warum die Juden nicht Christen werden können. Antwort anf den offenen Biief des Herrn Pastor Gehhardt. Hirschfeld, Dr. L., Rabbiner. Reden beim Auszüge aus der alten lind zur Einweihung der neuen Synagoge der isr. Religionsge- Seilschaft zu Giessen, liehst einer Sabbath Nuchmn-Predigt. J. Kauffmann, Frankfurt 11. M. 1891). 11• S. Mk.—.00. Mandl, Simon Dr. Der Bann, nach der Bibel und der rabbinisclien Litterutiir. Ein Beitrug zum mosuisch-ruhbinischeu Strafrecht. Bernhard Epstein & Co., Brünn. 02 S. (80 Pf.1 Eckstein, Dr. A. Nachträge zur Geschichte der Juden im ehern. Bamberg. V'eriug «!er Haiidelsdriiekerei zu Bamberg 18111). 06 S. (Den Besitzern des Haupt welkes gratis) Die fünf Bücher Moses mit deutscher Cehersetzung von Dr. J. Woh 1 - gemiitli und .1. Bleichrode, nebst den Haplnuroth übersetzt von 1״ H. I.öwenstein, und den Megilloth:‘ Rödelheim, S. Lehrberger A Co. 1899. 620 S., geh. 8 Mk. Tozeoth Chajim, Jsruelitisches A ndaeli tsbucli. Sammlung aller bei Kranken, Sterbenden, im Truuerliuuse und beim Besuch der (Jriilier zu verrichtenden Gebete und Gebräuche. Ein Krhuiiiingslmch für die trauernde Familie in hebräischer und deutscher Sprache, herausgegeben von Dr. S. Baer, vollständig neu bearbeitet von Rabbiner Josef Nobel. Rödelheim, S. I^ehrberger & Co 11)00. 430 S., im feinen Leinwundbund 3 Mk. Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit. Mit besoliderer Beriicksiehtigiing der Volksmedizin und des jüdischen Blutritus, von Prof. Dr. H. L. Struck“ Siebente Auflage. München, C. 11. Beck'sche Verl.-Buchh. 19U0. 520 S. '2,50 Mk. 'Fortsetzung folgt.) Inhalt der No. 4. Wissenschaftliche Aufsätze: Nikolaus Lenau und das Judeiithum. — Chronik der Synugogen-Uemeinde Sohrau O.-S Von Rabbiner Dr. 1. Deutsch. — Der alte Orient II. Von Rabbiner Dr, Seligkow itz. — Zum Mischnucommentur des Miiimonides IV. Von Dr. M. Kahm er Recensionen: Kornfeld, Moses Mendelssohn und die Aufgalie der Philosophie. Von Dr. Seligkowitz. — Duhiiow, Die jüdische Geschichte. Von Dr. S. Nascher. — Levi nsteiu, G., 1) Die Taufe. 2) Warum die Juden nicht Christen werden können? Bücherschau. Verantwortlicher Redaeteur: Rabbiner Dr. M. Kali mer. Magdeburg Druck von Leistner 4 Drewfs, Magdeburg.

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