Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 52. (30.12.1894)
- Date
- 1894-12-30
- Page
- Seite 206 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/5367336-6582189-5991495--2643-5369445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
20C Auch sei bei dieser Gelegenheit hervorgehoben, dass in derselben (IV.) Tafel (S. 40) die Begebenheit Esther’s mit dem Ereignis des Ablebens Sokrates’ zugleich in die Zeit des Artaxerxes Mnemon versetzt wird. Doch bin ich der Ansicht, dass die Geschichte Esther’s unter Darius II. Nothus (424—405) gespielt hat, welcher ursprünglich O c h u s hiess (אחשורס אחט — ודא־ט). Unter Waschti rn’wl פרשת* ־) ist wohl Parysetis zu verstehen. In Folge der Uebermacht der Satrapen war ja die Empörung derselben um diese Zeit eine häufige Erscheinung (Esther 1,14 und 0,2). Die als Anhang in syrischer Sprache beigefügte handschriftliche Berechnung der LX1II Geschlechter von Adam bis Christus, deren Verfasser anonym ist, schliesst sich ergänzend und berichtigend den Zeittafeln an. — Die gelehrte Arbeit ist lobens- und empfehlenswerth. I)r. S. Nasalier. Literarisch gewürdigt zu werden verdienen zwei Schriftchen von Herrn Prof. Arpäd v. Török (Budapest). Das eine »Ui hangok« (Neue Klänge) besingt in poetischer Sprache die milde Behandlung und den Schutz der Thierweit. Die andere Schrift »Korunk sziovmiivesege« (»die Herzensbildung unserer Zeit«) erhebt die Stimme für die Bildung des Herzens in Schule und Gesellschaft und kehrt sich gegen jene einseitige Verstandesbildung, welche mitunter eine Verrohung und Verwilderung der Sitten, Verkennung und Missachtung der heiligsten Menschenrechte nicht ausschliesst. Die humane Tendenz verdient Achtung und Beachtung. N. Literarische Notizen. R. I)ic Wittwe des Ende 1891 verstorbenen Orientalisten Paul de I.agardo veröffentlicht ein Buch »Paul do Lagarde, Erinnorungen aus seinem Loben« (Böttingen, Dietrichscho Univorsitätsbuchliandlung). Den Hauptbestandtheil des Werkes bilden Briefe und Aufzeichnungen Lagardes. Ergänzt werdon diese durch die Wiedergabe von Selbstcrlebtem, wovon die vieljährige Lebensgelahrten viel zu melden weiss. Mancho Eigenheit Lagarde's wird durch das leichter verständlich, was man über seine Kmderjahrc erfahrt. Lagarde’s Vator, ein Schulmann, war ganz in pietistischen Anschauungen befangen. Er gab reichlich hin, wo er fromme Ziele zu fördern meinte, und vergass darüber fast, dem Sohne zukommen zu lassen, was er nöthig hatte. Das Verhältnis» zwischen Vater und Sohn war unleidlich. Vielleicht wird dadurch verzeihlicher, dass Di» gardo seinen ursprünglichen Familiennamen Bötticher aufgab. Entscheidend war für seine ganze Lebensarbeit, dass Bunsen ihm ein Reisestipcndinm vom König Friedrich Wilhelm IV. verschaffte. Er benutzte das Stipendium, an das Britische Museum in London und die Nationalbibliothek in Paris zu gehen, um orientalische Hand- Schriften zu studiren. Rührend klingt, wie Lagnrdo in ]׳ondon sich alles bis auf die kärglichste Nahrung versagte, nur 11m seinen Aufenthalt 80 lange wie nur möglich auszudehnen. Mehlsuppe war der ständige Hauptbestandtheil seines Küchenzettels. Mit der Wohnung war es nicht besser bestellt, als mit dem Essen. Ihre hohe Lage hinderte aber nicht Gelehrto von Ruf, den jungen Deutscheu aufzusuchen, um in wissenschaftlichen Dingen sein Urtheil zu hören. In Paris schloss er Freundschaft mit Ernst Renan. Renan, Bibliothekar an der Nationalbibiothck, lieh für Lagardo Handschriften, die dieser als blosser Benutzer nur in den Bibliotheksräumen hätte benutzen dürfen. Eine schwere Lcidenszeit für Lagardo waren die Jahro, in denen er um des Brodes willen in Berlin nicht nur in der Schule, sondern auch privatim übermässig viel unterrichten musste. Obwohl er an Johannes Sohulzo, dem sonst viel vermögenden Vortragenden Rath im Unterrichtsministerum, einen Gönner hatte, gelang es ihm nicht, ein mit einem auskömmlichen Gehalte ausgestattetes akademisches Lehramt zu erreichen. Erst ein unmittelbares Gesuch an den König führte einen Wandel herbei; zunächst wurdo Lagardo ein Jal1re8gehnlt ohno Gegenleistung bewilligt, damit or seine oriontalisehen Studien, die or als I״ehrer nur überaus langsam hatte vorwärts bringen können, zu einem gewissen Abschluss führte. lSljü aber erhielt Lagarde eino Professur in Göttingen. Eingehend beschäftigt sich auch Frau Lagarde in ihrem Denkbuche mit den socialpolitischen Ideen und Bcstrebüngen ihres Mannes. Man erfahrt, dass or den Kaiser Wilhelm I., den damaligem Prinzen Wilhelm und den Fürsten Bismarck für seine »deutschen Reformgedanken« zu gewinnen trachtete. Von besonderem Interesso sind einige Notizen, die Frau do lagarde mittheilt, um ihres Mannes Stellung in der .111 den frage zh kennzeichnen. Eino davon lautet: »Judenknaben entwickeln sich in einer deutschen Schule, falls ilinon ein liebender deutscher!׳obrer gegenübersteht, und die Klasso von deutschen Kindern mit einiger Begabung und oiniger Sonnenhaftigkeir, besucht ist, allemal — sogar in ihrer äusseren Erscheinung — vom Judenthume weg, dass in ihnen erst dann wieder die Oberhand gewinnt, wonn sie als Erwerbende in den Kreis ihrer Nation zurücktreten oder in reiferen Jahren von ihnen fremden Deutschen zuriiekgestossen worden. Mischdien liefern deutsche Nachkommenschaft, sowie der deutsche Theil der Ehe mehr als proussischo Durchschnittswaare, und der jüdische irgend einem nicht specifisch jüdischen Lebensinhalte zugowaiidt ist, so deutsche Nachkommenschaft, dass die nicht Wissenden gar nicht, daran denken, in diesen Mischlingen nicht rein deutsche Kinder vor sich zu haben.« Pari«. Die Acaclemie hat für das Jahr 1895 für den Preis Victor Cousin, der 4000 Franken beträgt, die Aufgäbe gestellt: Entwicklung und Prüfung der Philosophie Philo’s und der alexandrinischen Schule. Inhalt. David Friedländer. II. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rh. Recensionen: Zolinsky, Josoph, Dr., Zur Chronographie des Grogorius Abulpharagius. Literarische Notizen: Literarischer Anzeiger. «nfaiifl (Januar |ז.(»א crfrfjctiit etile 14 Jage ppr üteaditifcfje |Jugenöfr1mn6. »tottrr Mir «rlrljrimn uu'ö Untrrl)alt1ntn. . . .Verniiägcgeben 0011 «. ,{lauter. 1r״rl F 2'11\1?1';■ 6״Ifr׳ Sct)l0t Süti'üari), Tv. (Englänöcr, fVöS ~״ל •^l "י",01״ Poiirer 3Frrutljnl׳Jfatton>ijj, Pefjrer clriin* ™0flfis r1‘'"'’' Ar• *״,,־tmann-iVilin, LVbrcr 3. Jicrjticrn Slvombcrn ־f «?•löMllfim״• duill. 3aroü|aIjn, 3>r. jliarprlcÄi..£r » TV'j'i'.s Cberlefjm■ £r. Sdjäfcr, Cbevlelner Ar. ‘vrijinörr, '«rotrfun «Mrintljal, fr 3 ן. «Wrrn frnu i' S ^%onr״hin״“r.c״i״n ‘*r״ in .rSn"i״«IfU"t Em1.9Jimtfter\ B., & KXlh.״" ä: .׳״•‘״,, ״•״״ •*״ * W0Ij16cr!ן•$>a 111barg, Beöaction tmö <£j'jjföition Berjin, Weinbergsweg 11D1• 1001)11^11110 ccnbimgni pi abvrffircu jinb. 'lH.1t?!:j־?m״öv°"sÖj7“"ö'״<• 'י ü0^’t)cu buvd) bic 1t, 1c!' ''t״cl)lla!P׳ bind) )cbc llhuljlwitbluiii], joinic bivcct Srl d ״U,׳״«‘» '"״* "״nu'mcnlwcifc Om, I Wf. ük'iVc Literarischer Anzeiger. למוטים מספר הנפש 1המיוחם לאריסטו auch 11. d. T.: Pseudo-Aristoteles lieber die Seele enthält ein bisher unbekanntes psychologisches Werk des Salomo ibn Gabirol stiitt M. 3.— für M. 1.50 gegen Frankoziiseiiduiig des Betrages zu beziehen vom Verf. Rabb. Dr. I.ocwcntlial, 77] Tarnowitz O.-S• Bei Alfred Htilder in Wien erschien: Grabreden Von OberinIminei• Dr. Gttdemann. Preis M. 1,5(1. Im Verlag von R. Löwit in Wien erschien soeben: [5;!א Eine absterbende Rebe am Weinstocke Israels. ו mi Rnhh. Pp. S. Gelbhaus. Im Selbstverläge des Verfassers und durch allo Buchhandlungen beziehbar: 1) Zur Chronik von Wiener XeuNtadt. 5 Mark. 2) Da» Juden buch und da» Cliriateubuch der österreichischen Herzoginnen. 2 Mark. 3) Studien eines Feldmarschalls über das l'rieMier-Orukrl der nlleu ilobriier von S. Schweinburg-Eibenschütz in \\ ien, 11. Brigittagasse Ci. Preis: 2 Mark. Verantwort!. Redactcur Dr. M׳."'Rahme r, Drui^LeTsOier'& 17־,• e^^Verh^t; Briefkasten der Expedition. Titel und Inhalt erscheint mit No. 52 de!• »Lsr. Wochenschrift« Anlangs midister Woche. Expedition«, säunntlich in Magdeburg.