Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 49. (7.12.1894)
- Date
- 1894-12-07
- Page
- Seite 194 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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194 Viel besser wäre es gewesen, wenn Dr. Münz das, was in der Recension über die ersten Zeilen des Horowitz’schen Buches gesagt ist, einfach widerlegt hätte. Dr. Münz hebt noch hervor, dass Horowitz in Bielitz sehr gut gefällt und dass auch hervorragende Rabbiner sich günstig über die Predigten geäussert haben. Ungefähr dasselbe geht auch aus der Recension hervor. Was 'Herr Münz über eine Animosität des Recensenten gegen Horowitz- Bielitz, die gar nicht existirt, vorbringt, übergehen wir lieber aus Rücksicht auf Herrn Münz, dessen Begeisterung für seinen Rabbiner ihn ehrt und sogar in ihren Auswüchsen entschuldbar ist. — Trotz aller Pressfreiheit ist es heutzutage zuweilen nicht leicht, seine Ansicht selbst in literarischen Dingen offen auszusprechen. Literarischer Notizen. Von in ungarischer Sprache verfassten wissen־ scliaftlichen Schriften seien zwei interessante Abhandlungen hier erwähnt: 1. Leo de Modena (1591—1(548) von Dr. Ignatz Fried lieh er. Der im geistlichen Amte inKolnok seiner Aufklärung wegen vielfach verkannte und verfolgte Herr Verfasser, welcher der Empfehlung schon als ehemaliger Zogling des Breslauer Rabbiner-Seminars vollkommen würdig ist, hat in seinem Buche Leben und Lehre Leo de Modena’s, eines Vorkämpfers für religiösen Fortschritt, überzeugungstreu und mit lobenswerther Fachkenntniss dargestellt. Leo de Modena verkennt aber die rationelle Fortentwickelung des jüdischen Lehrgehalts im Talmud und die ethische Metaphysik als den innersten Kern der ursprünglich von allem un- und widernatürlichen Wunderglauben freien Kabalah. Das w׳ird wohl dem Herrn Autor nicht entgangen sein, der den Ausbau religiöser Ueberlieferungen in seiner Schrift in gediegener Weise behandelt. 2. Die Paraphrase <les Onkoles zu den poetischen Stellen des Pentateuch von Dr. Wilhelm Adler. In dieser Dissertation weiss der Herr Verfasser, der Sohn des ehern. Herrn Rabbiners, in Baja den Einfluss der Targum-Uebersetzung auf die Exegese einleitungsweise klar und in schöner ungarischer Diction darzustellen. Die Betrachtung erstreckt sich auf den Sang Lemech’s (1, 47, 29—24), den Gesang am Meere (II, 14, 90—31 und 15, 1—18), die Reden Bileam’s (IV, 23, 7—10, 18—24 und 24, 3—9,15—24), Mose’s Schwanensang (V, 32, 1—43) und den Segen Moses' (V, 33, 1—29). Der Autor weiss in den Stellen, welche in der Paraphrase vom Texte abweichen, die Verschiedenheit der Uebertragung mit hagadistischen Sentenzen zu motiviren, durch welche die Paraphrase lichte Reflexe gewinnt, an denen Raselii so reich ist, dessen Methode die recht empfelileiisworthe Schrift befolgt.Dr. Nascher. ProteMsor C'ornill Uber den larnelittachen ProphetIsmus. Wir sind überzeugt,! dass wir uns den Dank vieler Leser dieses Blattes verdienen, wenn wir sie darauf aufmerksam machen, dass die fünf Vorträge, wclsho Hr. Prof. D' Carl Cornill aus Königsberg im vorigen Winter in seiner Vaterstadt Frankfurt a. M. gehalten hat, nunmehr im Druck erschienen sind. Sk* schildern den israelttisehen Prophetismus, sein Wesen und seino Ucschichto. Das Alto Testament wird in den Jugendtagen wohl von Vielen gelesen, don Erwachsenen ist sein Inhalt kaum bekannt; die meisten gluuben über Propheten und Psalmen weit hinaus zu sein. Es fehlt ihnen der Schlüssel zum!richtigen Verständnis». Der Schlüssel, dessen sich die Leser der heiligen Schrift seit alten Zeiten bedienten, die Lehre von der Inspiiation, ist rostig geworden und schliesst nicht mehr;, dio Theologen haben ihn langst bei Seite gelegt, aber der neue Schlüssel, dessen sich die wissenschaftlichen unter ihnen bedienen, die geschichtliche Auffassung der alttcstamentlichen Religionsgeschichte ist den Laien, moistcntheils auch den gebildeten unter ihnen, bisher ganz unbekannt geblieben; sie verzweifeln daran, dass das heutige Geschlecht wiederum eino lebendige Beziehung zu dem Alten Testament gewinnen könnte; mit andern Kinder- und Schulbüchern haben sie, wenn nicht die ganze Bibel, doch gewiss den grössten Theil derselben abgethan. Wie sollen sie auch sich ein Herz fassen zu dem unbekannten Buche, wenn sie hören, dass ihre Kinder der Mohrzahl nach im Alten Testamente gerade so unterwiesen werden, wie sie selbst einst unterrichtet worden siud. Mit sieben nnd acht Jahren lernen sie, das die Welt 5000 Zabre alt sei, dass Himmel und Erde in sechs. Tagen geschaffen seien, dass Gott am siebenten Tage geruht habe; an einer der heiligsten und ohwürdigsten IJrkunden lernen die Kinder doch kaum nur das religiöse ABC. Von der Schönheit jener Schöpfungsgeschichte, von ihrer Bedeutnng für dio religiöse Geschichte der Menschheit bekommen sie selbstverständlich keine Ahnung. So geht, cs, nicht zahlreiche Ausnahmen abgorechuet, weiter im hergebrachten Religionsunterricht. Alan will dio Jugend vor jeder geschichtlichen. Erkenntniss der Bibel hüten und man erreicht nur grösscro Entfremdung von der Bibel. Dank deshalb Jedem, der es unternimmt, die gebildeten Zeitgenossen in das geschichtliche Vcrständniss des Alten Testamentes oinzuführen und doppelt Dank dom, der solches,, unternimmt, 80 ausgerüstet wie Professor Cornill. Der Wahrheitsmuth dio geschichtliche Unbefangenheit, dio lebendige Schilderung, die Schönheit der Form, bei allem Freimuth der Kritik, die fromme ehrfurehtsvolle Scheu vor den Heiligthiimern des Alten Testamentes, wolche die Comill’schen Vorträge auszcichnen, lassen den Wunsch entstehen, sie machten von Tausenden und Tausenden gelesen werden; sie bieten verständigen Lesern für das Alte Testament einen Schlüssel, der wirklich schliesst und wenn ihnen einmal eine Ahnung aufgegangen von den roligiösen Schätzen, welche in dem alttestamentliehen Prophetismus aufbewahrt sind, so werden sie gewiss mit Benutzung neuerer Hilfsmittel, wie Reuss und Kautzsch sie darbieten, sich an■ die ],oetüro der prophetischen Schriften selbst machen und zu ihrer freudigsten Ueberraschung linden, dass •der israelitiscko Prophetismus eine der grössten geistigen Mächte ist, welche dio Geschichte der Menschheit je gesellen hat, das wichtigste und herrlichste Stück der Religionsgeschichte. (Das Büchlein ist im Verlag von Karl J. Trübner in Stuttgart erschienen.) Frankfurt a. M. D. Ehlers. Inhalt. Moses Mendelssohn und sein Zeitalter. XVI. — Hebräische Handschritten in Sofia. Von I)r. M. Grünwald-Bulgarien. Recensionen: Grab reden v. Oberrabbiner Dr. M.G ii de mann. — Entgegnung auf eine Recension. Literarische Notizen: Leo de Modena. Diu Paraphrase des Onkolos. — Prof. Co rnill über den isr. Prophetismus. Literarischer Anzeiger. In ineinem Verlag erschien soelien; [780 Sifre Süta, ספרי זוטא (d. i. eig. SilW1 \u1u<*ri in 2. Reeension) zum erNton Male tiaeh (Irin laudseliriftlielieu Mi- «IruscJi l1H-g:1<loI, Jiilkut- Simconi u. a. grxammeil und 111. Anmerk, vers״ nebst einer ausfiilirl. Einleitung, llcraiisgegeben von ttr. K. Kl>mg-,l>crg1r, 1. I.ielerimg. PrciN M. 1.— Der in litterariselien Kreisen auf das Vnrtlieilliafteste bekannte Verfasser veröffentlicht hiermit eines der lUtestc» Werke der jüdischen Littcrntnr, das er, zumal es jetzt zum ersten Male erscheint, mit eingehenden erläuternden Noten u. einleitenden Bernerklingen versieht. Das langersehnte Werk verbreitet sowohl über die einsehlägigen talnmdischen Gegenstände, wie besonders Uber den Inhalt des niaimonidischen Haupt- Werkes ״.Iu<l liiicimsnka*• Klarheit. Dieses Werk bildet eine wichtige Ergänzung jeder rabbiniseheu Bibliothek. Fraiikliirt a.M. J.Huutlkuaim. להוטים מספר הנפש 1 המיוחם לאריסטו auch 11. d. T.: Pseudo-Aristoteles lieber die Seele enthält ein bisher unbekanntes psychologisches Work des Salomo ibn Gabirol statt M. 3.— für M. 1.50 gegen Erankozusemlung des Betrages zu beziehen vom Vorf. Rabb. Dr. IiOcwenthal, 777] Tarnowitz O.-S- Bei Alfred Hölder in Wien erschien: Grabreden Von Oocrvabbincr Dr. Güdemann. Der soeben erschienene Katalog No. XI des Antiquariats von J. Kauffmann in Frankfurt a. M. gehört zu den reichhaltigsten auf dein Gebiete der Hebraica und Judaica; er enthält 3097 Munirnern, darunter liiiehst werthvolle Handschriften und Erstdrucke von Bibeln, wie die Bombergschc, Venedig 1548 11. a. und Talmudausgaben aus den Jahren 1520—28 (Venedig, Bömberg), wie auch Seitenheiten, wie z. B. die erste Ausgäbe von Eiseumeiigers »Entdecktes Judenthum«, Ugolino’s Thesaurus u. v. a. — Der Katalog sei den Studirendcii der hebr.-jüd. Literatur Vorantwortl. Rodactour Dr. M. Rulimor Preis M. 1.50. bestens cmptolilc Druck Leistner & Drcwfs, Verlag der »Expedition«, sümratlioh in Magdeburg.