Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Literaturblatt · 1894-11-23 · No. 47. (23.11.1894) · p. Seite 186

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 47. (23.11.1894)
Date
1894-11-23
Page
Seite 186 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5367336-6582189-5991489--2618-5369425
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

186 ihren schriftlichen Abschluss fand sie sicherlich etwa 4 Jahrhunderte später, um tausend Jahr nach Joseph’s Lebenszeit .... Ihr fester Kern blieben die sieben Jahre der Hungersnoth, die uns die Inschrift von Sehel in so unerwarteter und deshalb doppelt überraschender Weise bestätigt.« Recensionen. Lclintlorfer, Dr., Psalterklänge. Hamburg 1894, A. Goldschmidt’s Buchhandlung. Herr Dr. Leimdörfer erfreut uns fast alljährlich mit den Früchten seines Fleisses und seiner Gelehrsamkeit; nebenher pflegt er auch die Worte, mit denen er seine Zuhörer begeistert, dem grösseren Publikum von Interessenten, dem aus dem Hamburger Tempel schon so Vieles und Erhebendes dargeboten wurde, als sinniges Angebinde zu bringen, um es immer mehr zu überzeugen, dass seine Auslegung des Gotteswortes, so sehr sic auch, mangels der dem Kanzelredner zu Hülfe stehenden Attrihüte, nur abgeschwächt auf dem Druckpapier erscheint, dennoch interessant ist. So auch seine homiletische Einleitung in die Psalmen, welche er im vergangenen Jahre öffentlich vorgetragen hat und die er unter obigem Titel weiteren Kreisen zugänglich macht; dielben eignen sich sowohl zum Vorlesen in Gemeinden, die des Rabbiners entbehren, als auch zum Confirmandengeschenk zn welchem Zwecke in der Uebersetzung der Talmudpredigt (Berachot lü) über Ps. 104 auf S. 11 das irrthümlich hingerathene Wort »Sünder« in »Sünden« umgewandelt werden muss. Aus dem unerschöpflichen Borne der ewigen Psalmen hat Leimdörfer eine sehr reiche und vielversprechende Einleitung geschöpft; er führt uns mit sanfter und liebevoller Hand in die Familienpsalmen, Naturpsalmen, Berufspsalmen, ethische Psalmen, historische Psalmen und lebensphilosophische Psalmen. Was er giebt, ist aber auch mehr als ein bescheidener Beitrag in den Ideengehalt der Psalmen; seine Homilien gestatten uns einen vollständigen Ueberblick auf die Schönheiten und Herrlichkeiten dieses goldenen Buches, denn er kennt und berücksichtigt das bereits Vorhandene, was die Wissenschaft von talmudischer Zeit bis auf die neueste Epoche der Bibelforschung gewonnen hat und fügt dem Gegebenen aus seinem eigenen philosophischen Schatzkästlein und mit dem ihm innewohnenden ästhetischen Gefühle so viel Mannigfaltiges und Originelles hinzu, dass seine Homilien eine Fundgrube der Belehrung und Erbauung sind. Dr. Sing&r-Coblenz. Antisemitismus und Strafrechtspflege. Zur Auslegung und Anwendung der §§ 130, 1(56, 185, 193, 36011 des Strafgesetzbuchs von Dr. jur. Maximilian Parmod. IV. und 138 S. Berlin, Siegfried Cronbach. Die Entwickelung der antisemitischen Bewegung hat gezeigt, dass sie gezwungen ist, zu neuen stärkeren Mitteln i zu greifen, wenn die für ihre Existenz nothwendige Aufregung wachgehalten werden soll. Diesem aus den Tiefen | der Demagogie sich herleitenden Gesetze folgend, hat der | Antisemitismus, nachdem seine wirtschaftlichen und nationalen Waffen stumpf geworden sind, versucht, aus : den Religionsquellen die Immoralität und die verbreche-! rische Tendenz des Judenthums nachzuweisen. Damit J kam er aber hart an die Grenze und vielfach auch in i indirecten Conflict mit dem Strafrichter. Dass hierbei die j Judicatur und die Praxis der Staatsanwälte nicht überall | und zu jeder Zeit eine constante gewesen ist, kann nicht! bestritten werden, allein ein derartiger Zustand ist im Wesen der Rechtspflege bedingt und eine ganz gewöhnliehe Erscheinung. Nur tritt sie eben da, wo die Kontroverse eine politische ist, aus dem Fachkreise heraus und erregt dann um so mehr Aufsehen, als politische Befangenheit Factoren in die Discussion mengt, welche der rein I juristischen Erwägung fern bleiben müssen. Das vorliegende Buch hat sich die Aufgabe gestellt, nachzuweisen, dass eine Anzahl Urtheile, welche antisemitische Agitatoren freigesprochen, sowie einige staatsanwaltliche Bescheide, welche die Strafverfolgung abgelehnt haben, unrichtig sind. Darin mag es Recht haben. Auch wir sind der Ansicht, dass namentlich in dem Fall Strack die Staatsanwaltschaft die, Anklage hätte erheben sollen, und wir können der objectiven und sachlichen Kritik, die in diesem; Buche geübt wird, sowie der rein rechtlichen Beurtheilung; der Fälle unter Vermeidung jeder politischen Digression I nur zustimmen. Allein die Gefahr ist vorhanden, dass der Leser die Ansicht gewinnt, als ob unbewusstermassen hier die deutsche Rechtsprechung eine falsche Richtung I einschlage. Vor einer solchen Verallgemeinerung der vorliegenden Ausführungen, die nicht dem Willen des Verfassers entsprechen dürfte, möchten wir warnen. Der Ver-; fasser erwähnt selbst auch verurtheilende Erkennisse, und ausserdem sind auch sonst eine Reihe von Verurtheilungen ergangen, die unerwähnt gelassen wurden. Dagegen kann ] das Buch nach einer Seite hin gut eine Wirkung thun, i die vielleicht dem Ideengange des Verfassers ganz fern j gelegen hat. Es ist nämlich eine sehr gute Streitschrift gegen das Anklagemonopol der Staatsanwaltschaft, das vielfach hier ungünstigen Einfluss geübt hat. Um dessentwillen kann das Buch auch für Diejenigen Interesse haben, welche den hier behandelten Rechtsfällen weniger Aufmerksamkeit entgegenbringen. Jedem, der die ganze Schrift aufmerksam durchliest, wird sich die Ueberzeugung aufdrängen, dass der Antisemitismus nicht wie ein bösartiger Aussatz hätte um sich! greifen können, wenn dem Judenthum von vornherein der t Rechtsschutz der Gesetze zu Theil geworden wäre._ ■ Inhalt. Moses Mendelssohn und sein Zeitalter. XIV. — Professor H. Brugsch und die Bibel. (Schluss.) Recensionen: Leimdör fer. Dr., Psalterklängo. Von Dr. Singer- Coblenz, — Antisemitismus und Strafrechtspflege. Literarische Anzeigen. Unbelugter Nachdruck aus diesem Blatte ist untersagt. Literarischer Anzeiger. ln uieini'm Verlag erschien soeben: [760 Sifre Suta, ספרי זוטא 1י). i. eig. SifrC \ 11 meri in 2. Rooonsion) zum erslcn Male nach dem handschriftlichen .Mi• «Iruscli lia-gmlol, Jalkut- Simconi 11. a. gesammelt und m. Aiimerk. vers., liehst einer ausfiihrl. Einleitung. Herausgegeben von Dr. H. KlinigNberger. I. I.ictcrung. 1'roin II. I.— Der in litterarisohen Kreisen auf das Vnrtlieilhaftesto bekannte Verfasser veröffentlicht hiermit eines 11er ftlteNtcn Werke der jüdischen Litteratur, das er, zumal es jetzt zum ersten Male erscheint, mit eingelienden erläuternden Noten u. einleitenden llemerklingen versieht. Das langersehnte Werk verbreitet sowohl über die einschlägigen talnmdisclion Gegenstände, wie besonders über den Inhalt des maimonidisidien Haupt- Werkes ״Jutl lin-cli itNiika“ Klarheit. Dieses Werk bildet eine wichtige Ergänzung jeder ralihiniselien Bibliothek. Frankfurt a.M. J.Kauflkitaiin. Trauungsformulare hebräisch mit deutscher Ueber• Setzung sind wieder vorriitliig bei der Expedition ds. Blattes in Magdeburg, Preis 30 Pf. (4 Ex. fiir 1 M. freo.) ü®׳“ Hei Bestellungen wolle man allgehen, ohMinliag Aschk e 11 u s oder Polen gewünscht wird. Im Vorlage der Handeisdruckerei in Bamberg erschien: 1. Hundert Jahre nach Lrselng’s ״Nathan“. Von Carl Scholl. »Den Judeniiasscrn zur Beschämung, ernsten Juden zur Selbstprlifung.« Preis M. 2,40. Druckfehler - Berichtigung. In No. 45 S. 174b Z. 7 v. u. 1. »jüdischen«; S. 177a Z. 36 v. 0. 1. »zorklii fteto«; S. 178a Z. 6 v. 0. 1. » a 11 sserliehen«• Z. 24 v. o. 1. »Kaufobjcctos«; 8. 178b Z. 8 v. 11. 1. »Poali«; Z. 23 v. 11. 1. »Bcchoroth s. v.« Voraiitwortl. Itedaetcur Dr. M. Kalimer, Druck Loistner de ilrewfs, Verlag der »Expedition«, säinmtlich in Magdeburg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.