Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 47. (23.11.1894)
- Date
- 1894-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 47. Jüdisches Jahrg. XXIII. Litteratur-Blatt. Zur BeJeuchtnng aller Judenthum und Juden betreffenden litterarischen Kr* schelnungen auf dem (iebiete der Philo* sophie, Geschichte, Ethnographie, Theo* logie Orientalia, Exegese, Homiletik, Liturgik 11. Pädagogik. Heran Rabbiner Dr. Magdeburg, den sgegeben von Moritz Rahmer. 23. November 1894. Bücher der einschMfdKen Uiteratur, welche der Re<lactlon zufresandt werden, Anden in diesem Blatte eingehende | Besprechung. Bei Klnsendnng ronl'z w <7i Recensions - Exemplaren erfolgt^ einmalige kurze Gratia-Insertion. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich. Preis bei allen Bnchhandlungen (in Magdeburg bei der »Expedition de Isr. Wochenschrift«) pro Quartal: 2 Mark, der Einzelnummer: 15 Pfennig. 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Aber natürlich hatte das Wort Lavater'8 ein Echo gefunden: es gab auch in dem damaligen Deutschland rohe und infame Gesellen, die, was Lavater in feinen Formen versucht hatte, roher, gröber und niederträchtiger in Scene setzten. M. weiss auch einen Gegner dieser Art, Namens Kölbele, in der entsprechenden Weise abzufertigen. Diese Abfertigung ist der Anhang zu einer Nachinnerung, die Mendelssohn einer Antwort Lavater’s anfügt. (Bd.III, S. 70—78.) Brief Mendelssohn’« an den Krbprlnzen von Braunschweig-WolPeubttttel. Dieser Prinz hatte am »Pliädon« Wohlgefallen gefunden, war mit Mendelssohn in Korrespondenz getreten, und als der Lavater-Mendelssohn’sche Streit ausbrach, wandte er sich an Mendelssohn mit heiklen Fragen, deren Beantwortung, einem damaligen deutsehen Fürsten gegenüber, für einen Juden nicht leicht war. Mendelssohn vergab auch in diesem Falle der Wahrheit und seiner Ueberzeugung nicht ein Jota, und stellte nur die Bedingung, dass dieses Schreiben das Geheimniss des Fürsten bleiben solle. Wir geben zuerst den Brief des Erbprinzen und sodann die Antwort Mendelssohn’s: »Mit aufrichtiger Erkenntlichkeit habe das Vergnügen gehabt, sowohl die dritte Auflage des »Phädon«, wie auch das Schreiben an Herrn Lavater zu erhalten, welches mit dem Glimpf und Grad der Menschenliebe geschrieben, welchen man im Voraus zu erwarten hatte von einer von göttlichen Wahrheiten so durchdrungenen Seele als die Ihrige. Wie sehr wünschte ich die Betrachtungen über den Bonnet zu sehen; denn nichts kann Einem unsere Glaubens wichtiger sein, als zu bemerken, wie ein unter dem Mosaischen Gesetz lebender Philosoph den historisehen Beweis von Moses führt, in welchem wir mit ihm einstimmig sind, und wie zugleich denen historischen Beweisen ausgewichen wird, auf welchen der christliche Glaube sich gründet, welcher ja grösstentheils auf Zeugniesen beruht, welche unter dem Mosaischen Gesetz als Göttliche Eingebung angenommen worden. Ob icli wünsehen soll, (lass ferner in Sie gedrungen werde, diese Betrachtungen öffentlich bekannt zu machen, muss dahin gestellt sein lassen aus den in dem Antwortschreiben angeführten Gründen. Glücklich würde ich mich schätzen, Denenselben Proben von der wahren Hochachtung geben zu können, mit welcher zeitlebens verbleibe Der08elbe11 ganz ergebener Braunschweig, Carl W. S., Erbprinz zu Braunden 2. Jan. 1770. schweig und Wolfenbüttel. Mendelssohn s Antwort: Durchlauchtigster Prinz! Gnädigster Herr! Ew. Durchlaucht würde ich keinen Anstand nehmen, meine Betrachtungen über den ßonnct gehorsamst zu übersenden, wenn solche nicht immer noch mehr in mir als auf dem Papiere existirten. Was davon aufgezeichnet ist, bestehet in abgerissenen Betrachtungen, die das Licht eines erleuchteten Kenners noch scheuen müssen. Ich habe die beste Hoffnung, dass es unnöthig sein wird, sie weiter auszuführen und in Ordnung zu bringen. — Um aber Ew. Durchlaucht gnädigstem Befehl zu gehorchen, werde zur Beantwortung der mir vorgelegten Fragen das Nöthige aus meinen Gegenbetrachtungen anführen, in dem festesten Zutrauen zu Dero Weisheit, dass das freimüthige Bekenntniss, welches ich nur Ihnen ablege, Niemanden zu Gesichte kommen wird, dem es zum Aergerniss oder Missbrauch Gelegenheit gehen könnte. — Erste Frage. »Was hat ein unter dem Mosaischen Gesetze lebender Weltweise für Grund, die historischen Beweise des A. T. anzunehmen und des Neuen za verwerfen?« Durchlauchtigster Prinz! Ich kann keinem Zeugnisse trauen, das, meiner Ueherzeugung nach, einer ausgemachten, unumstösslichen Wahrheit widerspricht. Nach der Lehre des N. T. (wenigstens wie dieses in öffentlichen Lehrbüchern erklärt wird) muss ich 1) eine Dreieinigkeit in dem göttlichen Wesen, 2) die Menschwerdung einer Gottheit, 3) das Leiden einer Person der Gottheit, die sich ihrer göttlichen Majestät entäussert hat, 4) die Genugthuung nnd Befriedigung der ersten Person in der Gottheit durch das Leiden und den Tod der erniedrigten zweiten Person und noch viele andere diesen ähnliche oder aus diesen fliessende Sätze bei Verlust meiner ewigen Seligkeit glauben. — Nun kann ich zwar und will auch meine Urtheilskraft keinem vernünftigen Wesen zur Riehtschnür aufdringen. Wer bin ich elendes Geschöpf, der ich mich Dieses vermessen sollte? Aber ich selbst kann die Wahrheit nicht anders als nach meiner Ueberzeugung annehmen und ich gestehe, dass mir die angeführten Sätze den ersten Gründen der menschlichen Erkenntnis» schnürstracks zu widersprechen scheinen. Ich kann sie meiner Ueberzeugung nach mit Dem, was mich Vernunft und Nachdenken von dem Wesen der Gottheit und ihren Eigenschäften gelehrt hat, nicht in Harmonie bringen, und hin also gezwungen, sie zu verwerfen. — Wenn ich diese Lehren im A. T. fände, so würde ich auch das A. T. verwerfen müssen, und wenn ein Wunderthäter, sie zu hewähren, vor meinen Augen alle Todten erweckte, die seit Jahrhunderten begraben werden, so würde ich sagen: der Wunderthäter hat Todte erweckt, aber seine Lehre kann