Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 46. (16.11.1894)
- Date
- 1894-11-16
- Page
- Seite 182 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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182 Katz, Albert. Die Juden im Kaukasus. Berlin 1SÜ4. Verla״ von H. Schildberger. Friedrich Badenstedt, welcher längere Zeit unter den Gebirgsvölkern des Kaukasus gelebt hat, hat auf Grund eigener Beobachtungen die Bewohner des Kaukasus geschildert, ihre Sprache, ihren Glauben, ihre Trachten, Sitten und Gebräuche. Indes» auch bei Bodenstedt vermissen wir einen ausführlichen Bericht Uber die im Kaukasus in beträchtlicher Anzahl lebenden Juden. Katz hat nun in der vorliegenden Schrift die zerstreuten Mittheihingen sowohl über die im Kaukasus lebenden Juden, als auch über die Juden-Abkömmlinge gesammelt, auf ihren wahren Werth geprüft und in knapper Darstellung wiedergegeben. Ein russischer Forscher, W. Miller aus St. Petersbürg, welcher im Jahre 1 HH.'i den Kaukasus bereist hat und in seinem vor Kurzem erschienenen russischen Buche »Materialien zur Erlernung der hebräischen Tati-Sprache« höchst lehrreiche Aufschlüsse über die kaukasischen Juden giebt, vertritt die Ansicht, dass »die kaukasischen Juden es gewesen seien, welche das Judenthum in das Chazaren reich getragen hüben <. Die grusinischen Juden haben sich, im Gegensatz zu ihren übrigen Glaubensgenossen in Russland, des vollen Bürgerrechtes gleich den anderen Kaukasiern zn erfreuen. Die Zahl der heute, im Gebirge, des Kaukasus zerstreut lebenden Juden beträgt nach Professor Hahn ungefähr 70,00(1. Neuerdings hat Bernhard Stern interessante Daten zur Geschichte der Juden im Kaukasus beigebracht. Aus der in der Bibliothek zu Göttingen befindlichen Copie eines alten Manuskripts in persischer Sprache erhellt, dass schon vor Alexander dem Grossen die Juden im Kaukasus, insbesondere am Kaspi, gelebt haben. Sie unterhielten Verbindungen mit Palästina schon zurZeit der Seleukiden. Um 1180 soll aus Jerusalem und Bagdad ein anderer Zuzug stattgefunden haben, nach allmählichem Vorrücken durch Persien, daher auch die Tati-Sprache. Jedenfalls hat Katz Recht, wenn er in seiner Uebersicht diese Hypothesen als solche nur summarisch aufzählt und seine Arbeit mit dem Satz(* sehliesst: »Für uns kommen nur diejenigen unseres Stammes in Betracht, welche nicht bloss durch die Bande des Blutes, sondern durch die Heilighaltung des mosaischen Vermächtnisses mit uns verwandt sind.« Auch eine Recension. Ein Beitrug zum literarischen Antisemitismus.* Christoph Coluinbus und der Antheil der Juden an den spanischen und portugiesischen Entdeckungen. Nach zum Theil ungedruckten Quellen bearbeitet von Dr- M. Kayserling. Berlin 18!)4״ Das vorliegende Buch ist ein neues Glied in der neuerdings grossen Reihe von Werken, welche sich bemühen, die Einwirkung der Juden auf die Geschicke der europiiisehen Völker darzutluin, wo man von ihnen bisher nichts gehört hatte. Vor allem kommt es darauf an, den Einfluss der Juden in das beste Licht zu setzen. Der Kayserlingsch(> Christoph Columbus ist davon ein sprechendes Zeichen; seine Darlegungen sind den Archiven zu Barcelona, Madrid, Saragossa 11. s. f. entnommen, sie sind aber häufig von einer unwillkürlichen Komik, namentlich, da sie zu Vergleichen mit unseren heutigen Verhältnissen führen. Int ersten Kapitel lernen wir einige Juden in Südwest-Europa kennen, welch(‘ als Mathematiker, Schifffahrtskumlige Kartographen und Verfertiger von nautischen Instrumenten hervortraten. Einen Bewohner von Mallorca nannte man nur den ־.Karton-Juden׳ oder Kompass-Juden Dann werden die Beziehungen des dir. Columbus zu den Juden erwähnt, und im Zusammenhang(‘ damit erfahren wir, dass *) Die oltige ilceensioii ist ans von geschützter Seit(! als Aascluiitt aas der Kreuzzeitung׳• zar Verötl'entlichang in anserin Blatt eingesandt worden. _ die edelsten Geschlechter Spaniens mit jüdischem Blute untermischt waren: in den Adern des Herzogs von Medina- Celi rann jüdisches Blut: König Juan II. von Aragonien heirathete in zweiter Ehe Juana Enriquez, die Tochter des kastilianischen Admirals, die Enkelin einer Jüdin. In Spanien waren einzelne Juden von grossem Einfluss, lieben ihnen besonders die Marranen, d. h. solche Juden, welche sich in Zeiten der Verfolgung äusserlich zum Christenthum bekannten, die aber selbst als Würdenträger der katholischen Kirche im Geheimen die Satzungen der jüdischen Religion beobachteten. Dann werden eine Anzahl sehr »reicher« jüdischer Familien in Spanien aufgezählt, welche den Königen in ihren Finanznöthen beistanden und zu hohen Würden gelangten. Als'Columbus’ Unterhandlungen mit dem spanischen Königspaare 14Ü2 abgebrochen worden waren, traten nach Kayserling vier reiche und einflussreiche Juden für ihn ein, liehen das Geld her und brachteil somit die Entdeckungsfahrt erst zu Stande. Als die Vertreibung der Juden aus Spanien verkündet und die Inquisition eingesetzt war, wurden am;10. Juli 1400 Simon de Santangel und seine Frau, von dem eigenen Sohne denunzirt, in Lerida verbrannt. Recht charakteristisch! Auf den Karavellen des Columbus fanden sich unter der Bemannung einige Juden, die mit Namen aufgeführt werden. Auch wird in versteckter Form angedeutet, dass ein Jude es gewesen sein könnte, der zuerst das amerikanische Land entdeckte. Der erste Europäer, der den amerikanischen Boden betrat, und den Gebrauch der Cigarren entdeckte, war natürlich ein Jude. Auf dem päpstlichen Stuhle sass damals der Aragonese Alexander VI,, der sich grossmiithig gegen die Juden zeigte; er wurde allgemein der Marrane, Jude genannt. Dieser Einzelnheiten aus dem Buche sind wohl nun genug, sie sprechen eine klare Sprache. Auffallend in dem Buche, welches deutsch geschrieben ist, sind eine Anzahl ganz undeutscher Konstruktionen; zuerst denkt man an einen Druckfehler, vielfache Wiederholungen belehren aber, dass dies nicht der Fall sein kann. So heisst es S. 27: die Neu-Christen hingen desto zäher an das Judenthum; S. 72: den Hauptantheil an die gegen die Juden geübte Grausamkeit hatte jedoch der König; S. 70: das herrliche Land, an das sie mit allen Fasern ihres Herzens hingen u. s. f. — Schon damals nahmen die Juden andere, den spanischen Familien von Einfluss entnommene Namen an. Am 14. Juli 1480 wurden in Taragona Andreas Colom und Francisca Colom bei einem grossen Autodafe mitverbrannt. Dazu bemerkt der Verfasser: Welchen Eindruck mag das wohl auf Christoforo Colom gemacht haben, als er hörte, dass Glieder des jüdischen Stammes seinen Namen führen und dem Tribunal des Glaubensgerichts verfallen waren? Inhalt. Kloses Mendelssohn und sein Zeitalter. XIII. — Professor H. Brugsch und die Bibel. Recensionen: Predigten von Dr. 8. Horwitz. Von 1!. R.— Katz. Alln-rt. Die Juden im Kaukasus. Von M. F. Auch eine Recension. Christoph Columbus von Kayserling. ^^^^^UnbefugteMjachdrucl^u^liesem^^BlatteJstjintersajt^^^^^ Literarischer Anzeiger, Contra Adler Her Ruin unserer Zukuuft. 50 Pf. Drauf! I 50 Pf. Eine Sutyro von Leopold Landau in Pforzheim. »Contra Adler« wird auf Wunsch vom Verfasser gratis und Iranco an die D-ser der «Isr. Wochensehrilt« gesandt. [772 Bei Mayor & Müller in Berlin erschienen: |712 Studien zum Buche Tobit. Von Dr. X Kosennianu. Grabreden. Von Oberrubbiner Dr. M. Güdemann. 75 8. Mk. 1,50. [711 Alfml llttldei• in Wien. Im Verlage von L. Goldschmidt in Hamburg erschien: [710 Psalterklänge Homiletische Einleitung in die Psalmen. Von Dr. Dav. Leimdörfer. Verantwort 1. Hedacteur Dr. M. Rabiner, Druck L׳‘istn״r K־ Drewl's, Verlag der Expedition , sämmtlich in Magdeburg.