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Das jüdische Literaturblatt · 1894-11-16 · No. 46. (16.11.1894) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 46. (16.11.1894)
Date
1894-11-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 46. Jüdisches Jahrg. XXIII. Litteratur-Blatt. Zur HelfMM'litting: aller Juttenthum und Juden >>etreH*onden littorarisehen Kr* seheinunsren auf dem Gebiete der Philo* Sophie, Geschichte, Kthnnjrraphie, Theo* loirie Orientalia, Kxepose, Homiletik. Mtur*rik 11.!,}ida^o^ik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahnier. Magdeburg, den 16. November 1894. niieher der einschYtif&gon Litterntur, welche der Uedaetion zujresan<U werden, finden in diesem Blatte eingehende Th»• sprechuntr. B<*i Kinsemlunjr von z w e i Reeensions-Kxemplaren erfolgt ein* malige kurze Grati 9 *Insertion. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich. Preis bei allen Buchhandlungen (in Magdeburg bei der *Expedition de Isr. IVochenschrift«) pro Quartal: 2 Mark, der Einzelnummer: 15 Pfennig. Abonnenten der »Israelitischen Wochenschrift«, die viertel jährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das »Jüdische Litteratur-Blatt« gratis. — Inserat© werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeih?, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer,■ welche direkt an die Expedition Inserate einsenden, erhalten 25 °/0 Rabatt. Moses Mendelssohn und sein Zeitalter. Von B. R. XIII. Wir lassen hier das Wesentlichste ans Mendels- 801111s Schreiben an Lavater folgen (Bd. III S. 40 lf.): »Die Bedenklichkeit, mich in Religio »«Streitigkeiten einznlassen, ist von meiner Seite nie Furcht und Blödigkeit gewesen. Ich darf sagen, dass ich meine Religion nicht erst seit gestern zu untersuchen angefangen. Die Pflicht, meine Meinungen und Handlungen zu prüfen, habe ich gar frühzeitig anerkannt, und wenn ich, von früher Jugend an, meine Ruh- und Erholungsstunden der Welt- Weisheit und den schönen Wissenschaften gewidmet habe, so ist es einzig und allein in der Absicht geschehen, mich zu dieser so sehr nöthigen Prüfung vorzubereiten. Andere Bewegungsgründe kann ich hierzu nicht gehabt haben, zu der Lage, in welcher ich mich befand, durfte ich von den Wissenschaften nicht den mindesten zeitlichen Vortheil erwarten. Ich wusste gar wohl, dass für mich ein glückliches Fortkommen in der Welt auf diesem Wege nicht zu finden sei. Und Vergnügung? — O mein werthgeschätzter Menschenfreund: der Stand, welcher meinen Glaubensbrüderu im bürgerlichen Leben angewiesen worden, ist so weit von aller freien Uebung der Geisteskräfte entfernt, dass man seine Zufriedenheit gewiss nicht vermehrt, wenn man die Rechte der Menschheit von ihrer wahren Seite kennen lernt. Ich vermeide auch über diesen Punkt eine nähere Erklärung. Wer die Verfassung kennet, in welcher wir uns befinden, und ein menschliches Herz hat, wird hier mehr empfinden, als ich sagen kann. Wäre nach diesem vieljährigen Forschen die Ent- Scheidung nicht völlig zum Vortheile meiner Religion ausgefallen, so hätte sie nothwendig durch eine öffentliche Handlung bekannt werden müssen. Ich begreife nicht, was mich an eine dem Ansehen nach 80 iiherstrengc, so allgemein verachtete Religion fesseln könnte, wenn ich nicht im Herzen von ihrer Wahrheit überzeugt wäre. . . Ich werde es nicht liiiignen, dass ich hei meiner Religion menschlich»! Zusätze und Missbräuehe walirgenommen, die, leider! ihren Glanz nur zu sehr verdunkeln. Welcher Freund der Wahrheit kann sieh rühmen, seine Religion von schädlichen Meiisehensatzungcn frei gefunden zu haben? Wir erkennen ihn alle, diesen vergiftenden Hauch der Heuchelei und des Aberglaubens; so viel unserer shpl, die wir die Wahrheit suchen, und wünschen, ihn ohne Nachtheil des Wahren und Guten abwischen zu können. Allein von dem Wesentlichen meiner Religion hin ich so fest, so unwiderleglich versichert, als Sie oder Herr Bonnet mir immer von der Ihrigt‘11 sein können, und ich bezeuge hiermit vor dem Gott der Wahrheit, Ihrem und meinem Ersehöpfer und Erhalter,, bei dem Sie mich in Ihrer Zuschrift beschworen haben, dass ich hei meinen Grundsätzen bleiben werde, so lange meine ganze Seele nicht eine andere Natur annimmt. . . . l'nd gleichwohl hätte meinetwegen das Judenthum in jedem polemischen Lehrbuche zu Boden gestürzt und in jeder Schulübung im Triumph aufgeführt werden mögen, ohne dass ich mich hierüber jemals in einen Streit eingelassen haben würde. . . . Die verächtliche Meinung, die man von einem Juden hat, wünschte ich durch Tugend, und nicht durch Streitschriften widerlegen zu können. Meine Religion meine Philosophie und mein Stand im bürgerlichen Leben geben mir die wichtigsten Gründe an die Hand, alle Religionsstreitigkeiten zu vermeiden, und in öffentlichen Schriften nur von den Wahrheiten zu sprechen, die alleii Religionen gleich wichtig sein müssen. Nach den Grundsätzen meiner Religion soll ich Niemand, der nicht nach unsern Gesetzen geboren, zu bekehren suchen. Dieser Geist der Bekehrung, dessen Ursprung Einige so gern der jüdischen Religion aufbiirden möchten, ist derselben gleichwohl schnurstracks zuwider. . . . Unsere Rabbiner sind so weit von aller Bekehrungssucht entfernt, dass sie uns sogar vorschreibeu einen Jeden, der sich von selbst anbietet, durch ernst hafte Gegrnvorstellungen von seinem Vorsatze abzu führen Wir sollen ihm zu bedenken geben, dass er sich durch diesen Schritt, ohne Notli, einer sehr beschwerliehen Last unterziehe .... . . . Endlich sollen wir ihm auch das Elend, die Bedrängniss und die Verachtung getreulich vorstellen, in welcher die Nation gegenwärtig lebet, um ihn von einem vielleicht übereilten Schritte abzuhalten, den er in der Folge bedauern könnte.« »Ich habe das Glück, so manchen vortrefflichen Mann, der nicht meines Glaubens ist, zum Freunde zu haben. Wir lieben uns aufrichtig, oh wir gleich vermuthen und voraussetzen, dass wir in Glaubenssachen ganz verschiedencr Meinung sind. Ich geniesse die Wollust ihres Umgangs, der mich bessert und ergötzt. Niemals hat sich mein Herz heimlich zugerufen: »’Schade für die schjönje Seele!« Wer da glaubet, dass ausserhalb seiner Kirche keine Seligkeit zu finden sei, dem müssen dergleichen Seufzer oft in der Brust aufsteigen.« (Fortsetzung folgt.) Professor H. Brugsch und die Bibel. Als 1S41 der Professor Hengstenberg Die Bücher Moses und Aegypten« herausgab. da envgte dieses Werk mit Recht ein grosses Interesse, denn er wies zuerst eingehend nach, dass die ägyptischen Sitten u. s. \v., wie sie in den Büchern Moses, besonders in der Geschichte Joseph s Vorkommen, richtig und genau angegeben sind; z. B. ist «las. was über die Haartracht 1. Mos«■ 41, 14 gesagt ist, «,cht ägyptisch. ') Aber Heugsttmberg war kein A»*gyptologe und hatte st'ine ') Flu■ .liist-ph aus dom «iefangniss vor Pharao trat, »Hess er sich scheren׳. Diu Argypter schnitten nämlich Haar nml Bart ab, und dieser Sitto fügte sich .loscjih, als er vor dem König erscheinen sollte.

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