Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 43. (26.10.1894)
- Date
- 1894-10-26
- Page
- Seite 170 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Marcus, Albert. Giebt es einen persönlichen Gott als Schöpfer und Regierer und eine Un- Sterblichkeit der Seele oder nicht? Zürich 1892. Verlags-Magazin. Wer begierig ist, die Antwort des Herrn Albert Marcus auf die zwei von ihm gestellten Fragen zu erfahren und doch die Mühe scheut, sein Büchlein zu lesen, dem wollen wir nur gleich von vorn herein verrathen, dass Herr Alhert Marcus sie mit einem kategorischen Nein beantwortet. Wenn es einen persönlichen Gott giebt, muss er den Schmerz über sich ergehen lassen, dass kein Geringerer als Herr Albert Marcus ihn verläugnet. Und wer ist Herr Albert Marcus? Das wissen wir nicht. Wir sind ihm — pardon! — seinem Schriftchen heute zum ersten Male begegnet. So viel aber wissen wir, dass wir in ihm einen orthodoxen Dogmatiker vor uns haben, einen orthodoxen Dogmatiker des radicalen, krassen Materialismus von der Spielart Darwin-Haeckel. Er will absolut nichts wissen von einem persönlichen Gotte, von einer Unsterblichkeit der Seele und ewiger Seligkeit. Habeat sibi! Der Philosoph auf dem Throne hat die tolerante Forderung ausgesprochen, Jeden nach seiner Facon selig werden zu lassen. Folgen wir seinen Spuren und lassen wir Herrn Albert Marcus nach seiner Fa$on unselig werden! Ueber seine Dogmen wollen wir mit ihm nicht rechten, ob er uns auch die unsrigen streitig macht. Wenn ihm die Theorien und Hypothesen des zünftigen Materialismus die höchsten Probleme befriedigend erklären, befriedigender, als die Weltanschauung, welche sich auf die Grundsätze unserer positiven, geoffenbarten Religion stützt, wollen wir seine Cirkel nicht stören. Wir bewundern im Gegentheile seine logische Harmlosigkeit und seine dogmatische — Befangenheit — wollen wir nicht sagen, sondern lieber seine dogmatische Glaubensfestigkeit. Was Herr Albert Marcus vorbringt, mag für ihn und seine Gesinnungsgenossen alle möglichen Reize haben, den Reiz der Neuheit hat es nicht. Da haben wir schon ganz andere Versuche vor Augen gehabt, welche nach Form und Inhalt eine überzeugende, Geist und Gemiith mehr ansprechende Motivirung des modernen Materialismus auf Kosten des historisch-dogmatischen Positivismus anstrebten. Einen Vorzug müssen wir aber auch diesem Schriftchen nachrühmen, den Vorzug der Kürze. Auf knapp 30 Seiten wird das Dogma des modernen Materialismus auf den Schild gehoben, das Dogma der positiven geoffenbarten Religion in die papierene Acht erklärt. Das ist eine grandiose Leistung, der pure Bosko in der Westentasche. Uns hätte die Kürze des Verfassers noch mehr imponirt, wenn Herr Albert Marcus sein Schriftchen um 30 Seiten gekürzt hätte. Wo die hl. Schrift von Herrn Marcus bekämpft wird, begegnen wir natürlich immer dem Grundirrthume, als erhebe die heilige Schrift den Anspruch, ein Lehrbuch der zünftigen Kosmogonie, Physiologie, Geschichte und anderer modernen Wissenschaften zu sein. Ihm ist der taimudische Kanon unbekannt: דברה תורה בלשון בני אדם Einzelne exegetische Schwierigkeiten zieht Herr Marcus־ heran, um damit die Weltanschauung der positiven, geoffenbarten Religion mundtodt zu machen. Wir könnten Herrn Marcus mit viel gravirenderen exegetischen Schwierigkeiten dienen. Trotz derselben wird die Grundanschauung über die höchsten Probleme nicht erschüttert. Die Exegeten haben sich mit ihnen abzufinden. Kann uns Herr Albert Marcus alle die Stellen der Bibel aufweisen, in welchen wiederholt berichtet wird, dass »das axiserwählte Volk die gefangenen Weiber auf Gottes Befehl geschändet habe«? (Vgl. S. 25.) Uns sind solche Stellen in der Bibel noch nicht begegnet. Wo finden sich dieselben, Herr Albert Marcus? Dr. Deutsch-Sohrau. Literarische Notizen zu den ״Literarischen Curiosa“. 1. ln No. 41-42 wird unter 4 No. 16 (nicht 15) des Gal-Ed מרדכי צבס״דשביב צם דנרין als Curiosum bezeichnet, ln Synh. 296 iieiest es allerdings von einem Geizigen צל ברא דש3'ב אדינרי, er hatte einen Genuss von seinem Golde, »wie eino Maus, die auf den Gcldmünzon liegt«. Hier aber will das צם דני־ין die Wohlthätigkeit des M. Meisel hervorheben, dass seine Schätze: der Un vergängliahkeit ihn begleiteten, mit ihm waren, nicht wie seine Hinterlassenschaft, die der Fiscus. einzuziehon vermochte. Vcrgl. Baba bathra 11a über Monobazes: »Meino Väter haben Güter gesammelt, die die weltliche Macht nehmen kann, ich aber sammle Güter, die nicht die weltliche Macht antasten kann.« 2. Zu No. 5 (No. 83 in Gal-Ed). Das זכה לסיד אי ויין ist nach rabbinischer Anschauung zu rechtfertigen. Siehe Berachot 34 b.. צין לא ראתה אר״־־ב״ל זה יין וכו verg1. ferner Pes. 119b die Hagadah zu לנדל דצלר und Juma 76a über *TWI ׳כסא 3. Dass vom Fleisse eines talmudischen Gelehrten (No. 84) gesagt wird כסום מאם בשינה ist nicht so sonderbar, da der Talmud Berachot 3b von David sagt ה, ה מתנמנם כסיס. 4. Zu No. 7 כצגלה (No. 91 Gal-Ed.) ist zu bemerken, dass derartige Vergleiche in der Bibel nicht solten sind. S. 1. B. M. 49,14. Hohol. 4,1 und 2: »Dankbarer als der Sprachgebrauch moderner Völker wendet die biblische Redeweise keines nützlichen Thieres Namen, weder Ochs noch Esel ... als Schimpfwort an.« (Cassel, Die biblische Literatur I, S. 90.) Vgl. noch Jer. 46,20 und Richter 14,18, Auerbach-Dresden. Druckfehler-Berichtigung. In dem Artikel »Ueber den Ursprung u. s. w.« (in No. 40) sind folgende Druckfehler zu berichtigen: S. 159 Sp. 1 Z. 8 v. 0. liest »Psalliren«; das. Z. 12 lies: »beziehen könnte«; das. Sp. 2 J. 9 v. u. lies: »vorboreiteten«. S. 160 Sp. 1 Z. 15 ist »sei er« zu streichen; חונן הדצת. — Die Anfänge der Eulogien das. sind als alphabetische zu markiron; erst dann wird die Anmerkung das, verständlich■ Inhalt. Moses Mendelssohn und sein Zeitalter. X. — Der Caialog der Hebralca Im British Museum. Recenslonen: Predigten Joels. Von B. R. — Marcus, L., Giebt 08 einen persönlichen Gott als Schöpfer und Regierer und eine Unsterblickeit acr Soelo oder nicht? Von Dr. Immanuel Deutsch. Literarische Notizen zu den Literarischen Curlosa. Berichtigung. Literarische Anzeigen. Literarischer Anzeiger. ÜT #ir jübifebe Schulen als £et)rmittel beftens empfohlen finb bic {0 fcf)r betoftbrten mib über gattj £cutfd)lan& bcrbrciteteit Haljtucr fdjEii feMifdjen ^djufimdjei: ♦ ♦ 1. Die ftcbräifctyc Sc^rciblcfc * jur leisten imb grünblid)cu (Srlermmg beb t)cbräi)<t|cn iiejeiio utib jübiidj-beutidjeu Schreibend. (‘JJlit litljograpljirtcn ^oridjriften.) Siebente Hinflüge. @cb. 50 ftf. 2. Tetilla kezara. ZjcbtnifdjCf (ficbctbii dl lein für bie iSrnelitifdje Sitgcnb gum rrjtcit Unterricht im Ucbcr[e|)cn metfjobijd) georbuet mib mit einem Slntjauge: iieidjte Ucbetfeiumgiftücfc aub beut fentciteud). Crftcr Curfu». Siebte ftarf oermefjrte Vlufinge, ®cbmiben nur 65 3)f.;3. 2>a*felbc. ^weiter Curfuf, mit einem ״Huntbulariunr, fotnie bem SSifieiioiuertljefhn aus Der l)cbrÄiid)rtt ®rammnttf unb betn 'Jiotlpuenbigeu für beit Bar-Mizwah-llitterridit nerjetjeu. jpF‘ £in »oUftänbigcr CrfaQ bc• Kiddur für bic ^ssgenb. 'VS reebfte, jtnrr ucvmrhrtr Hluflnge. 'flreiä gebunbeu: 1 3)1 arf. 33ei tiinfüljnmg in Sdjuleu ober fßnvtic־!öe}ug bin idj gern bereit, bejonbere SJcrgünjtigungen 51t grucifjren. __J. Kaufmann, Verlagsbuclihandlung in Frankfurt a. NI. Verantwort!. Redacteur Dr. M. Ralimer, Druck Leistncr & Drowfts, Verlag der »Expedition«, sämmtlich in Magdeburg.