Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 41-42. (14.10.1894)
- Date
- 1894-10-14
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 phien der einzelnen Propheten an. Hierauf folgt ein Anhang über die Gedenktage der alttestamentliehen Prophcten in den christlichen Kalendern und ein zweiter Anhang über Zahl und Namen der Weisen aus dem Morgenland. Obgleich mir ausser dem vom Herausgeber in der vorliegenden Schrift und in der Chrestomathia zur ersten Ausgabe seiner syrischen Porta Gebotenen kein weiteres Material vorliegt, muss ich doch entschieden erklären, dass diese Berichte der »rabbinischen Deuterosis« nicht entnommen und von Juden nicht verfasst worden sind. Wäre R. die Grundlage, so brauchte man bloss darauf hinzuweisen, dass Ainos, der Prophet, mit Amoz, dem Vater des Propheten Jesaja, identilicirt wird, um evident nachzuweisen, dass der Verfasser kein Jude ge» wesen war. Gegen diese von Christen erdichtete Identilication spricht sich bereits Hieronymus in der von Nestle selbst in der literaturgeschichtlichen Notizen21) citirten Stelle aus und gegen diesen Irrthum richtet sich auch die Bemerkung, welche Mai NPB. 4, 319 in Q. vor Jesaja zum Namen seines Vaters gemacht ist und von Nestle25) citirt wird. Nur sind in diese Bemerkung Fehler eingeschlichen. Der Name des Vaters des Propheten Jesaja wird nicht mit: aev (*') sondern mit P) geschrieben; der Name des dritten der zwölf kleinen Propheten wird nicht mit: aaSf; (ץ) sondern mit: D — aapx»1K dessen die Bemerkung gelegentlich noch erwähnt als eines dritten Sigmalautes bei den Hebräern. Aus dieser Bemerkung folgt meines Erachtens, dass die irrige Identification des Vaters des Jesaja mit dem Propheten Arnos in der Vorlage des Q. gleichfalls gestanden hatte, wozu dann ein besser unterrichteter Leser die fragliche Bemerkung hinzugefügt hatte. Der Copist des Q. nahm dann diese Bemerkung in den Text auf und liess aus dem Texte die irrige Identification weg. Genau unterrichtet war auch der Glossator nicht. Wir können so ermitteln, woher die gerügten Irrthümer des Glossators stammen. In der Agada wird der Name des Propheten Ainos •]!etXAd?, »der Stammler, Stotterer» gedeutet2״) von welcher Deutung der Glossator einige Kunde erhalten haben mag. Ferner hörte der Glossator, dass es, in! Hebräischen dreierlei Sigmalaute gebe: 0£v(tD, aaSrj (צ) und oapxa^סי ־) und dass aa5vj oSovel ׳jaX06|iev6v sa׳u atY|1a. Da der Glossator des Hebräischen gleichfalls nicht sehr kundig war, so glaubte er, der Name des Propheten werde ׳jaXö{ gedeutet und sei <]aX0u(1l(j) oiypati geschrieben. Weder der Verfasser dieser Biographien noch der Glossator aber kennen die alte Tradition der Juden:27) משורת היא בידינו מאבותינו, dass Amoz, der Vater des Jesaja, und Amazja hu, der König von Juda, Brüder waren. Ebensowenig wissen die fraglichen Biographien, dass Jeremia und und Jecheskel Nachkommen der Gastwirthin Rahab waren.28) Ich kann auf eine Vergleichung der Angaben der fragliehen Biographien mit den einschlägigen midraschischen und talmudischen Angaben abgesehen von dem mir eng zugemessenen Raume schon darum hier nicht eingehen, weil mir die in den literaturgeschichtlichen Notizen genannten Werke nicht zu Gebote stehen, ich aber von Anderen bereits Mitgetheiltes nicht wiederholen möchte. Nur zu denjenigen Biographien will ich einige Bemerkungen hinzu־ fügen, zu denen Nestle keine literatui geschichtliche ־*) S. 49 (Hieronymus od. Vallarsi IV, col. 71). ״) S. 01 l.agarde’s Aufsatz über »Samceh« kenno ich nicht ״'') Posikta dr. Kahana od. Buber S. 125 b. nebst Pari. bei Huber, wozu noch »Midrasch Agada« cd. Huber zu 5. H. 3,23, 8. 179-180 kommt. Aus letztere:• Stelle ist gleichfalls zu cr3ehen, dass dor Ver- Jasser des M. A. nicht in griechischer l'mgebung gelebt hat. ־T) Megilla l'ol. 10b, Sota Fol. 10b. 3״) Sifre zu 4. H. M. § 78; zu 5. H. M. S; 357 : l’esikta dr. Kahana ed. Huber S. 115b; Megilla Fol. 14 b und die Pari.-Verzcichnisse von Huber und Friedmann. Notizen gegeben hat, oder wo ich anzunehmeu glaubte, die betreffende Mittheilung sei in den von Nestle verzeichneten Arbeiten noch nicht berichtigt worden. Hosea war nach der jüdischen Sage nicht aus dem Stamme Isachar wie Ps. Epiphanius angiebt,. sondern aus dem Stamme Rüben29); Joel war nicht aus dem Stamme Rüben wie Ps. Epiphanius annimmt, sondern ein Sohn des Propheten Samuel30); Obadia war nicht aus Sichern, wie Ps. Epph. angiebt, sondern er war ein edomitischer Proselyt31), Nachkomme des Eliphas, Sohnes Esau’s.32) Micha, der Morasti, wird von Ps. Epph. mit Michajahu, dem Sohne Jimla's, verwechselt. Maleaclii soll nach Ps. Epph. nur nomen ornans des sogenannten Propheten sein &YY£^°C• Ini Talmud herrschen darüber verschiedene Meinungen :(33) Maleaclii soll Mardechai sein, nach Andern soll Maleaclii Esra sein und die allgemeine Ansicht ist, Maleaclii sei der Name des betreffenden Propheten. Wenn man den Epilog genau liest, besonders wenn man die Lesart des Q. berücksicht: 'eyp&yovzo Y*P ttäv ־id yho^ TaparjA xat’ Svojxa kommt man nicht zu dem Resultate, zu dem Hamaker im Jahre 1833 gelangt war, dass der Ursprung des Epiloges sicher hebräisch sei, sondern dass oer christliche Verfasser, um seinen Mittheilungen Glauben zu verschaffen, sich auf ein Buch beruft, welches nie existirt hat und dessen Namen nach Analogie von 1. B. M. 46,8 und 2. M. 1,1 gebildet ist. Die Verschiedenheit der Recensionen erklärt sich aus der Freiheit, mit der Werken gegenüber, welche viel und gerne gelesen wurden, die Leser sich benommen hatten. Interessante Bemerkungen, welche man gehört oder in anderen weniger zugänglichen Manuscripten gefunden hatte, wurden in dem eigenen Exemplar an den Rand geschrieben und spätere Copisten nahmen die Glossen in den Text auf. Aus demselben Grunde besitzen wir auch so viele verschiedene Recensionen von dem vielgelesenen Midrasch Tanchuma. Recensionen. Fcilchenfeld, W., Dr. Rabbiner der Synagogen- Gemeinde zu Posen. Das Hohelied, inhaltlich und praktisch ei'läutert. Breslau, Verlag von Wilhelm Koebner. 1893. Der Verfasser hat in diesem Buche eine neue Auffassung zu Tage gefördert, welche er mit den grammatischexegetischen Gesetzen der textuellen Fassung des Hohen Liedes geschickt und originell in Flinklang zu bringen verstanden hatte. Nach dem vom Autor auseinander gesetzten Standpunkte würde sich das Hohelied in zwei Theile gliedern: in einen grossen und in einen kleinen Theil. Der erste Theil Cap. 1 bis VII, 11 stellt das Leben der Heldin Sulamitli als Traum, der zweite Theil, Cap. VII, 11 bis zu Ende den Traum als Leben dar. Im ersten Theile erträumt sich Sulamith ein Liebesglück am Hofe und!in der Seite des Königs Salomon. Im Traumleben aber hanget und bangetj sie in der reinen, idealen Liebe zu ihrem urspriingliciien Geliebten, einem Hirten, welche über die himmlische Liebe des Königs den Sieg erringt, welche glücklicher Weise nur ein Traum gewesen ist. Sie erwacht aus diesem beängstigenden Traum und bleibt dem Herzensbunde mit dem Geliebten treu, dessen Liebe eine heilige Gottesflammo ist, die unauslöschlich auf dem Altäre ihrer Seele glüht. — Die eonsequente Durchführung dieser Idee, die Behandlung des hohen Liedes als dramatische Dichtung, ist im hohen Grade anerkennenswerth und der •״) l’esikta dr. Kahana ed. Buber S. 159 nebst Pari. s") Midrasch zu 1. Sam. cap. 1, S 6 cd. Huaer; Midrasch zu den Psalmen cap. 80, § 1 ׳■d. Huber. "י) Synhedrin Fol. 30b. 3■) Tanchuma ed. Huber zu 1. H. M. 33,14. Megilla Fol. 15a; vgl. Tanchuma ed. Buber zu 3. B. M. Anfang und die dort verzeichneten Pari.