Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 40. (5.10.1894)
- Date
- 1894-10-05
- Page
- Seite 160 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5367336-6582189-5991483--2588-5369401- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
160 hat es einen der angesehensten Geonim zu seinem Patron gehabt und darin liegt das Geheimniss der Lebenskraft all der alten Tonweisen, dass sie sich von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzen konnten. Die späteren Dichter, mit ihnen Jannai, Kalir, Jose ben Jose, Saaöja und die ganze römisch - fränkische Schule der Pajtanim, mussten die gegebene i'orpi beibehalten, um nicht gegen die Autorität eines der geachtetsten Geonim zu verstossen, der der Wächter über die dichterischen und gesanglichen Formen und Traditionen des jüdischen Gottesdienstes war. Es ist dies kein Geringerer als B. Jehudaj Gaon, der 759 bis 7ö4 Rector der Hochschule zu Sura gewesen ist, also fast 150 Jahre vor R. Saadja Gaon lebte. Dass nämlich der blinde Gaon R. Jeliuda als der erste Lehrer der »״זנים הדא טונים« zu betrachten sei er sei, erfahren wir ganz gelegenlich von R. Zeinach Gaon (A. 873). Auf die Frage, ob der שי׳ץ die Pflicht des Betens für solche, die das Minchagebet bis zur Dunkelheit versäumt haben, übernimmt, meinen die letzten Geonim, R. Scherira und R. Hai: א־ן בנו 0־1 לפטור צמר בתפלת ש׳־ץ. Von R. Zemach Gaon wird dagegen ein kleines Alphabet angeführt, dass in diesem Falle an Stelle der Mincha - 7 ש gebetet werden könne. Die im אשבול I. cap. 25 S. 55 angeführte Stelle aus den Responsen des R. Z. G. lautet nun wörtlich: ורב צמח כתב מנהג אצ״נו החזנים בעש״רוט מתפילין אבית וגבורות ואה״ב אומרים גדלך תקדש בנו בא״י האל הקדוש, דעת והבמה למדנו הדעת הדור אצלך תש־בנו הרוצה בתשובה, ובן שאר הברכות(* וחזנים הראשונים קבלו ממר רב יהודאי והוא מרבו עד רבו. Die letzte Stelle עד רבו scheint fehlerlmft zu sein, möglicherweise war da noch ein Name genannt, aber genug, wir sehen, dass die חזנים der alten Tage ihre Traditionen von R. J. Gaon u. s. w. überkommen haben und sich auf die Geonim beziehen konnten. Man legte daher nicht nur den Pijutim, sondern auch den Pijut- Melodien Gewicht bei, indem man auch diese als von den Geonim herrührend betrachtete.**) Auf die Verfasser der Melodien bezieht sich meiner Meinung nach der Passus ומלמד דעת מכינים im מסיד חבמ״ם. Dies lässt sich aus der Sprache der Masoretiker nachweisen, würde aber hier zu weit führen. Die Fassung בסוד חכמים ונמנים in Bezug auf die Dichter allein leite ich vom taimudischen אין עומדין להתפלל מתוך שיחה׳.... ולא מתוך דברים בטלים אלא מתוך דברים של חכמה ובר (Tosefta Berach. III, 21, Jeruschalmi VIII, 4, Babli 21a) her, wie nach den weiteren Ausführungen a. a. 0. die in den Pijutim vorkommenden דברי הלכות sich begründen Hessen. — lm Alterthum hatte man den Zusammenhang der Synagogenmelodien mit den masoretischen Accenten und mit der alten Psalmodie noch gekannt und in ihnen eine Ornamentik heiligen Ursprungs zu erhalten gesucht. Im Laufe der Jahrhunderte vergass man diesen heiligen Ursprung, bis er nach und nach selbst dem Bewusstsein der Vorbeter entrückt wurde. Die Melodien blieben bestehen, weil sie de facto — und das lässt sich bei eingehender Forschung nachweisen — überall, wo sie altes Gepräge zeigen, ihre historische Begründung zur Seite haben. Schon darum konnten sie nicht ganz verblassen. Um mit einem Beispiel einer bekannten »Keroboth-Melodie zu schliessen, sei an das אז שש מאות der אוה״ות erinnert, welches darum in der »Aboda-Melodie« *) Der liuehstabo א scheint in;מג, der Buohstabo ב in מחיה gewesen zu sein, analog der alphabetischen Ausschmückung Kalir’s in der y r von c'־nc. **1 In vor. Xr. ist S. 155 b 9 st (eichen, ln den Amu. 1 ist hinter durs. Zeile: »! eher« (st. Kebcr) gesungen wird, weil diese Textworte schon in den »Halachoth Gedöloth Vorkommen, die unsern R. Jehudaj Gaon zum Mitverfasser haben. Gabirol und die anderen Asharoth-Dichter haben sich nur an den alten Text angelehnt, und zur Kennzeichnung des älteren Ursprungs dieser Schlusszeilen haben die הזרם hier die alte Melodie beibehalten. Sehr treffend bemerkt daher hierüber Michael Sachs im קובץ מעש* ידי גאונים S. 99 unten: והסיום אז שש מאות בו• הוא מסחר הגאונים החתימה המורגלת ומוהר הרמונית אשר השתמשו בה כתחלה ומפר זה היא מונחת במק־־ם כבמה כנחלת אבית המשה מימי קדם. (Vgl. Hildesheimer ד,״נ S. 9 oben.) In Spanien scheint man die Traditionen schneller vergessen zu haben, als in den lombardischen und fränkischen Landen, wo die Midraschim’ und Responsen der Geonim sehr verbreitet waren und von wo das חזנית seinen Lauf genommen haben mag. Denn kein Geringerer als Maimonides klagt über den Verfall der Psalmodie, indem er (Hilcli. Chanuka III, 14) in Bezug auf den Vor• trag des »Hallel« sagt: זהו המנהג הראשון ובו ראוי לילד. אבל בזמני ־ אלו ראיתי בכל המקומות מנהגות כשונות בקריאתו ובעניית העם ואין אחד מהם דומה לאהד. - Recensionen. Buddhistischer Katechismus von Sublmdra Bhikschu. Braunschweig, Scliwetschke. 1894. Der Buddhismus wird verschiedenartig dargestellt; es wäre kein Wunder, wenn ein an sich guter Kern im Laufe von Jahrtausenden, unter Hunderten von Millionen Anhängern verkannt und entstellt worden wäre. Unser Autor — Bihksehu ist eine hohe Stufe der Erleuchtung — will den Buddhismus möglichst vernunftgemäss darstellen und fast sieht es aus, als halte er Europa für reif und fähig den Buddhismus anzunehmen. Das Büchlein ist nicht ohne Interesse. Der Autor hält fest an der Wiedergebürt. Aber die Wiedergeburt hätte nur einen sittlichen Werth, wenn die Erinnerung an die vorangegangene, sei es niedere oder höhere Lebenstufe im gegenwärtigen Zustände vorhanden wäre. Der Verfasser hält ebenso ■wie der jüngst so viel angefeindete Nitowitsch daran fest, dass Jesus ein Schüler der Buddhisten gewesen ist, dass er als Arahä die höchste Stufe der buddhistischen Heiligkeit erreicht habe; er hält es für sehr wahrscheinlich, dass Jesus von seinem zwölften bis zu seinem dreissigsten Jahre, also die grösste Zeit seines Lebens, bei den Buddhisten gelernt habe. Pcrlitz, Dr., Rabbiner in Nakel. Das Geburtsfest der Thora. Predigt am Wochenfest. 1894. Die Predigt ist so wohl gegliedert, dass mein alter Lehrer Rosin an ihr seine rechte und berechtigte Freude haben wird. Einleitung, drei Theile und Schluss. Dieses Ebenmaass wird erreicht ohne den Gedanken zu pressen une zu quälen. Am Geburtsfest der Thora wird erstens erwogen, wie alt die Thora, unsere Mutter ist, zweitens welchen Anspruch sie anf unsere Verehrung hat und drittens, was ihr Wunsch ist. Bei diesem dritten Thoil hat es Berlitz zu Stande gebracht, der alten abgebrauchten Parabel »Baum womit soll ich dich segneu«, noch eine originelle Wendung zu geben, indem er der Mutterreligion wünscht, dass die Tochterreligionen wie die Mutter Erkenntuiss und Liebe predigen. Dr. Berlitz schickt aus Nakel uns eine Perle ohne Makel; wir hotten, dass er einmal uns eine ganz(! Perlenschnur reichen wird. Inhalt. Moses Mendelssohn und sein Zeitalter. VIII.— lieber Heinrich Helne’s Abstammung. Von Prof. Dr. D. Kaufmann. (Schluss.) — Ueber den Ursprung der Traditionen im Synagogengesang. 11. Von Kd. Bim hu um. Recensionen: Huddhischcr Katechismus von Subhadra Bhiksclm. — Pcrlitz , Dr., Das (ieburtsjahr der Thora. u. das Wort »auch« zu Müller« z. lesen: »z. St.«: in das. hintei Wagenseil: »Sota« 8. 075. Verantwortl. Bedacteur Dr. M. Hahmer, Druck Leistner & Drcwfs, Verlag der »Expedition«, samrntlich in Magdeburg.