Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 39. (28.9.1894)
- Date
- 1894-09-28
- Page
- Seite 156 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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151* für den Yorhetcr mit dem Namen jVMn -) bezeichnet zu werden pflegt und diese Benennung liier leicht zu Miss- Verständnis« führen könnte. (Schluss folgt.) Recensionen. Dr. Josef S. Bloch. A eten zur rumiinischen J udent'nige. Wien (Franz Jnsefs-Cjuai;$.)!Selten hat sich das Sprichwort, dass man Niemanden hinter dem Busche sucht, wenn man nicht selber dahinter ״(■steckt hat, so sehr bewährt, als bei den empfindlichen!;!miauen, welche anlässlich des Klausenburger Memorandumproeesses antiungarisehe Demonstrationen insceniren, welche wegen der angeblich unterdrückten Rumänen in Siebenbürgen am liebsten (*inen europäischen Krieg heraufbosehwören möchten. Dass di(( Herren Rumänen — welche mutatis mutandis am Balkan dieselbe Klassieität in antiscmiticis beanspruchen, wie etwa die Sachsen in Deutschland — am besten thäten, wenn sie sielt an ihrer eigenen Nase zupften, führt ihnen der schlagfertige Verfasser vor die Seel(*, indem er ihnen (*in Spiegelbild ihrer eigenen Thatcn vorhält, denen die Nemesis über die Schulter guckt, welche im jetzigen Momente in sehr milder Weise Kanonenschüsse mit. Nadelstichen nur vergilt. Die Brochiire zeigt uns diesmal nicht den Bloch, der gewöhnt ist, bezw. mit sichergeführten Keulenschlägen nöthigenfnlls dreinzuhauen, sondern den klugen Politiker, der zuvor nur trockenes Material darbietet, dieses aber mit wenigen einleitenden Worten, in denen er Kuropa's Urthcil herausfordert, wo die Civilisation oder die Barbarei das Scepter führt: in l'ngarn oder in Rumänien«, und mit einem Schlusssätze garnirt, welche ihre Wirkung bei wohlgesinnten Männern und Völkern nicht verfehlen können. Die Rumänen, welche gegen di(* Ungarn jetzt ein solch wüstes Tamtam anschlagen, haben im October 1802 ungleich Schlimmeres gethan, als das, worüber sie sieh jetzt aufregen; sie haben friedliche Bürger, die jahrzehntelang die Basten treuer Unterthanen ohne Murren ertrugen, ohne die gleichen Recht(( mit ihren Mitbürgern dafür einzutauschen, erbarmungslos von Haus und Hof gejagt; sie haben ganz(* jüdische Landgemeinden bis zu 1200 Seelen vertrieben, vernichtet und brod- und abdachtslos gemacht, ohne mit der Wimper zu zucken; ja sie haben Männer, welche dem Vaterland(* unter der Waffe gedient haben, mit ausgesuchter Brutalität und Rafflnirtheit aus ihrem heimischen Boden entwurzelt und hatten für sie nicht einmal eine Krokodilsthräne übrig. Vergebens wandten sich die ausgewiesenen Juden des betroffenen Bezirks Baku an den Minister des Innern — vergebens war das Memorandum des »allgemeinen Vorbandes der eingeborenen Israeliten Rumäniens«, welches dieser im April 1 893 dem Könige, der Regierung und den gesetzgebenden Körpern überreicht(( — vergebens das Flehen an die Gnade des Königs im März 1894, die Judeu blieben Fremde, nur mit dem Unterschiede, dass man Gäste anständig behandelt, die »ritterlichen« Rumänen sie jedoch mit Pflichten niederdrückten und sie hernach recht- 10s־umlu*rwirbeln, trotzdem sogar der rumänisch(* Domänenminister Peter Carp für sie eintrat. Mit diesen Darlegungen, mit dein Abdruck der erwähnten Memoranden hat der Verfasser unstreitig der rumänischen Judenfrage einen guten Dienst geleistet. Dr. Si ngei •('oblcnz. •) Auch das Amt des Vorboters. des ״Chasan“, verstand man darunter, wie man unter ״Raldmnuth•• das Amt dos Rabbiners, des ,,Rabban‘■ verstand. Als Ende des 12. Jahrhunderts zu Ci'dn ein Vorle'ter gewühlt wurde, so erzählt ראביה, glaubte jemand ihn damit besonders zu ehren, dass er den Kurfürsten veraulasste, dass er ilm mit dem Amte belehne. Der Kurfürst liess den Vorbeter rufen, setzte ihm zum Zeichen der offiziellen Bestallung seine Kurfürstenmutze aufs Haupt und sprach: Somit sei dir das Vorboteramt veilieben! (חייך החזנות). Jener aber lehnt(* es ab, indem er sprach: "אדוני אי; דיני יקבי1 ממך עבוד־ בויא (liesp. des Mahram-Kothenburg ed. l’rag Nr. HK, Mnrdechai ב ק Nr. HU. Prague, H. Annuaire (los Archive» israe lites pour l'an f>(u>r>. Der oekannte Redacteur der Archives israelit.es hat durch die Herausgabe dieses Kalenders wiederum seine Befähigung bewiesen, in populärer Weise belehrend auf seineGlaubensgenosseneinzuwirken. Wenn auch der Kalender an Umfang den früheren nachstellt, so ist dieser in Bezug auf den Inhalt keineswegs der Fall. Ausser den üblichen kalendarischen Bestimmungen, die mit grosser Priicision gegeben sind, bringt der Vorfasser auch einige schätzenswcrthe literarische Beilagen. Die politische Umschau, die sich über alle Länder erstreckt, ist vom Gesichtspunkte der zeitgenössischen Krankheit, des Antisemitismus, beherrscht. Deutschland kommt wegen seiner Di antisemitischen Reichtagsabgeordneten schlecht dabei weg, am glänzensten befinden sich die Juden in rechtlicher Beziehung in Frankreich und in Italien. Russland wird wegen der russisch-französischen Allianz mit Xammthandsehuhcn angefasst, obwohl dieser Staat wegen der den Juden zu Theil werdenden Behandlung die allergrössten Vorwürfe verdient. Wenn einmal Franzosen und Kosacken gegen die verhassten Prussiens kämpfen, und, was Gott verhüten wolle, siegen sollten, dann wollen wir einmal sehen, wie es mit den politischen Freiheiten der französischen Juden gehen wird. Ist es ja ein offenes Geheimniss, dass der Baron von Mohrenheim, der russische (Jesandte in Paris, gegen die Wahl Raynal’s zum Minister- Präsidenten intriguirtc und dass dieser sich mit dem Posten des Ministers der ('ulte begnügen musste. Ausser der Khrentafel, welche die Namen der französischen Israeliten enthält, welche hervorragende Stelhingen in der Verwaltung und in der Armee einnehmen, und den bekannten Mittheilungen über die Verwaltung des israelitischen Cultus, bringt Herr Prague eine an1 muthigo Krzählung aus der Misswirtschaft deutscher Kleinstaaten. Eine Heirath nach Austerlitz«, lautet der Titel einer kleinen Novelle, die in Buttenhausen (Württemborg) sieh zugetragen und den Grafen v. Liebenstein zum traurigen Helden hat, der aus purer Laune und Judenhass einem braven jüdischen Paare die Eheerlaubniss verweigert, bis der Sieg des Korsen den kleinen Tyrannen entthront und Nathan die Kabel unter dem Jubel des ganzen Dorfes unter den Trauhimmel führt.—Druck und Ausstattung des Kalenders sind schön. U. * Inhalt. Moses Mendelssohn und sein Zeitalter. VII. — Ueber Heinrich Heine’s Abstammung. (Fortsetzung.) — Ueber den Ursprung der Traditionen im Synagogengesang. I. Von Ed. Birnbaum. Recensionen: Dr. Josef F. Bloch. Acten zur Riunänisehon Judenfrage. — Prague, 11., Annuairo des Archives israelites pour l’an 5655. Literarischer Anzeigen Unbefu^tjB^Nachdruct^aus^diesem^^BlattiB^J^t^untersagt^ Literarischer Anzeiger. Als Festgeschenk empfohlen: Ahn dem jüdischen Leben, Novellen von B. Hanse in Eisenach. Tendenz : Die häusliche Erziehung im Lichte der Pädagogik und der israolit. Religion. 840 S. Preis 4 Mk. 1700 1111 Selbstverläge des Verfassers. Wer 1. b. franst., «*»gl. unb Hai. £t>ra<fe >*■״ . — Md'lt/nc|| ץ*, Jm fortbilben wiü./jl>0nnlr« auf &. Unt 1,0״/ |tep£tlteu|r“ JmTIm׳ Itorr KriM'iilAn11״ - »״ rl peti $rti< /pro Quartal fei 14 tägig Lfätnmt 1*י ■״ viii« >p!v uaaiiat 1m 11 1u|j Itfrftfeui rn nur/ii l 91., bei btrcl ter Ifen&mi >1111,201 91. »ei'teaungeti 1t«I lidjt W ittbm *amter unb V entge gen. 'Dian oerlangt Srobe i.gc tif u. (ranlo »0m ©erlag { ferner: '11110 beut '״öcvlage oeti )Hujt'iibnum & Suirt in übrliu: ')huf. Dr. Daniel Sanders: ftür’ö Dnttfdir Santo. ölüt^cnlcfc au* ber Üibd 1111b ben muftcr» gültigen griedjijdten mtb römijdjeit SdjnftffeUeni, als ber (bnmblage imjercv '-ludfo. unb ge(el)rtcn 'Bit* buitg. (XIV, 434 S. mit einem IftclbilD in L'idjtbriitf «011 C. SÖidnibfi.) Öleb. mit Wolbjdpiitt li «R. [714 Druckfehler-Berichtigung. ln No 37 8. 140 b Z. 5 v. 0. hinter ״an“ hin/.uzufügen : ״eine•‘. Z. 0 7 .1׳ zu lesen: siebenhundert undseehzig“ (st. 47); Z. 8 v. 11. hinter ״folgt“ setze: ״scheint es“ und Z. 12 hinter ״welcher" setze ״spätestens“. — In No. 88 8. 15111 Z. 9 v. 0. ״der“ (8t. des): Z. 20 v. 0. lies 1848״“ (st. 1845b Verantivortl. Redacteur Dr. M. Kahmer, Druck Leistncr Je Drowfs, Verlag der »Expedition», siimmtlich in Magdeburg.