Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 37. (14.9.1894)
- Date
- 1894-09-14
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/5367336-6582189-5991480--2573-5369389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
148 vom Helden «ler Faust Tragödie im heissen Kampfe orsehnte Hariiuuii(־ zwischen äusserer mul innerer Natur, wie die Religion sie liietet, wird vergeliriis im ]{liehe Hiol) gesucht, das den Kampf des Mensehen };egen das äusserliehe Seliieksal und die Erlösung dureli das innere Schicksal, welches der Glaube liietet, in Wort und Ttiat vergegenwärtigt. Mit Ahrahani hat lliob, nach der Ansicht des Talmud (Mahn batlira 1511■ den Gottesglauben gemein. Wie bei Abraham spricht sich bei Hiob das Hlaubensbekenntniss mit den Worten aus: denn ich bin Staub und Asche - (Hiob 12, <>'. Nichts ist der Meusel), wenn flott nicht sein Alles ist, und Alles ist der Mensch, wenn (iott ihm Alles in Allem ist. Aus diesem Bekenntniss resultirt von selbst der l'nsterbliehkeitsglaube, welcher Hiob vom Verfasser 1N. 2) nicht zugesprochen wird, aber in dem Ausspruch(‘ wurzelt: Ich weiss es, mein Erlöser lebt; denn über dem Staube kann nur Kr zuletzt sich erheben (Hiob 1!1, 25). ln dem (iottesbewusstsein, welches den Menschen über tödtlieke Schmerzen himinelhoch jauchzen, über die Schrecken der (iriiber siegreich triumphiren, in Ketten frei, in Armuth selig sein lässt, liegt meiner Meinung nach der Schlüssel zum Verstandnisse des linchcs Hiob. Der Verfasser ist (S. 10! der Ansicht, dass das Huch Hiob um die Zeit der babylonischen Exils verfasst worden ist. Dies(' Angabe ist aber nicht genau. Denn die Zeit der Knechtschaft des jüdischen Volkes wäre für die Objeetivirung des Schmerzes, unter dessen Kindruckc es noch lebte, vom psychologischem Standpunkte aus um so weniger geeignet gewesen, als die glück liehe Lösung der Lebenskämpfe Hiob's auf die Zeitverhältnisse kein(■ Anwendung finden konnte. Ich glaube vielmehr, das Huch Hiob sei erst zur Zeit der grossen Synagoge nach völliger Krlösung des Volkes vom Kxile endgültig verfasst worden. Der Stoff zum Werke war ja doch zu verschiedenen Zeiten angelegt worden. Das Schwanen-Lied Mose’s (Deut. .'52), welcher den Hort voll unfehlbarer Gerechtigkeit« dom Volke entgegenhält, welches an die göttliche Vergeltung zweifelte, ist entschieden hiobistiseh (Vgl. Haha batlira 11 In. Di(‘ Naturschau in Hiob, welch(‘ die rnerforsehlichkeit des Schöpfers begründen soll, der ein erhabener Fels ist, aus dem jegliches Dasein (piillt, ist jener salomonischen Woisheit eigen, welche im Reich(‘ Saba so sehr gefeiert ward 1 Vgl. Haha batlira 15 In. Zur Zeit der Richter, in welcher das Recht der Oewalt die (iowalt des Rechts niodergodrüekt hatte, war wohl der Aufschrei des ütTcnt■ liehen Gewissens, die Anrufung der göttlichen (!eroohtigkeit am Platze, welche das Huch Hiob so ergreifend schilderb Als Mordechai, in Sack und Asche gehüllt, das von Aliasvcros über seine Religion und sein Volk verhängt(* l'nglück tief betrauerte, mochten über Zurücksetzung und Verfolgung seines Stammes seinem Herzen Klagen entströmt sein, welche an die Hiobs anklingen. Am meisten aber war zur Zeit des babylonischen Exils der Schmerz des I’rupheten Jeremias durch Hiob’s Wort«• durchgezittert, fand die Frage dieses l'ropheten wegen dor Vergtdtung Gottes in Hiob's Klagen herzlichen und schmerzlichen Wiedorhall. (Vgl. Jerein. .’IO, II 1H und Ilioli 3, 7; Jerem. 12, 1 und Hiob 12, fiA So hat denn der Talmud die Abfassung des Huches Hiob in die verschiedensten Zeiten verlegt und verschiedenen Verfassern zugeschrieben (Haba bethra 11a, 17a). Der Titelheld des tragischen HibelWerkes aber, der in Ezechiel 14, 14 genannt wird, ist ein von des Schicksals und der Menschen Ungunst■ Angefeindeter. — Der Talmud bringt איוב mit אי״ב in in (»inen metathetischen Zusammenhang (Baba bathra 1 fib). — Hiob war ein Priester, der nicht nur Hrandopfer darbrachte (1,5), sondern auch die höchsten Iiebensgiiter auf dem Altar «les Glaubens geopfert hatte. — Die Propheten aus der Zeit des babylonischen Exils gehörten ja doch gleichfalls zu den Priestern. Das Buch Hiob ist sonach eine R ipsodie von Makamen, die zu verschiedenen Zeiten angelegt worden waren, so oft der Glaube über den Jammer der Zeiten trösten sollte, das Verdienst angesichts öffentlicher Ungerechtigkeit unterdrückt worden war. Der Hold des Huches personificirt die ganze Tragödie des jüdischen Volkes in seiner Wanderung und Wandlung in der Weltgeschichte. Der Prolog vom Kampfe des Göttliehen mit dem Bösen (Satan 1 und der Epilog vom Siege der göttlichen Gerechtigkeit über die Ungerechtigkeit auf Erden, weist auf die Zeit der Wiederherstellung des Tempcls und der nationalen Selbstständigkeit der Juden hin. Denn nicht nur war die Erfüllung der Verheissnng des Propheten Jeremias vom Ende der Gefangenschaft für die Vorbildlichkeit, des von Nacht zu Lieht, von Kampf zu Sieg erlösten Hiob geeignet, sondern es hat auch der Prophet Zacharias, der zum 'rempelbau aufforderte, in seiner bildlichen Rede «len Ausdruck ■Satan«, der Geist, der stets vorneinU (3, 1 — 3) zur Anwendung gebracht. Dass nun das Bändchen Uz!לרץdieser duft- und fruchtlose, vom Antisemitismus verseuchte Boden (Baba batlira 15a), auf welchen Israels Lehre und Volk unterdrückt ward (Jeremias 25, 2<l, Klagelieder 4, 21!, dazu ausersehen ward, dass auf diesem der erhabene Dulder Hiob ersteht, ist recht bezeichnend für das Werk. Trotz der schreckliehen Heimsuchungen in Familie und Besitz, einer ent' setzliehen Krankheit, der Vornrtheile und Verurteilungen der Menschen, musst«‘ Hiob d«‘11 Sieg der göttlichen Gerechtigkeit, der die Menschheit erlösenden ethischen Religion verlebendigen und verherrlichen. So hat das Buch Ilioli in Arabien seine Heimath (Jerem. 25, 20), dessen Xprachformen in den T«*xt verwebt werden, «leasen Buch von Trauergedichten iBab almirasi) aus «1er alten poetischen Hibel der Araber, der Hamasa, an die “©משלי א »Gleichnissreden der Asch(“( (Vergänglichkeit) in Hiob (13,12) erinnert, verkündet aber die sittlichen Wahrheiten des Judenthums als die sittlichen Wahrheiten der ganzen Menschheit. — Di«‘s über das Buch Hiob im Allgemeinen, nunmehr wollen wir auf Einzelnes eingehen. (Schluss folgt.l Inhalt. Moses Mendelssohn und sein Zeitelter. VI. — Buber's neneste Midrasch- Edition. Von R liliiner I)r. lioldfa 1111. 11. Recensionen: Mielzincr, liitrodiiction 01'tlio Talnuiil. liickeil, (inst av. 1)118 lhich Hiob. — Literarischer Anzeiger._ Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist untersagt. Literarischer Anzeiger. In MiriiHiii Wrla•' ur.-uliiun Studien zur Geschichte der Orthographie des Althebräischen von Dr. L. Bardowicz. Preis Mk. 2.40. J. Kauflmann Frankfurt a. M. 11״ Verlag(• der Schlesischen Buchdruckerei, Kunst- und Verlags - Anstalt voll S. Schottländer in Breslau rscliieii socio 11; 17«.׳<• Der Prophet Jeremias von Prof Dr. M. Lazarus Soeben (Tscliieiic'n: [lü); Vmntwortl. licdactcur Dr. •M. Jiabincr, Druck Leist ״!•r \־ Dr. Ad. Weiss, Lehrbuch der Jüd. Religionsgeschichte für die höheren Classen der Mittelschulen I. I’rcis in Lwd. gelid. M. 2 Iran(•״ M. 2,20. Da. »■״ l'änl'nlirnng bcabsielitigt wird, stell(• ich gerne Ansiel1tscx(‘111|״are zur Verfügung. JaUiil» II. Itrantlci* in Prag. Drewfs, Verlag der »Expedition 1111 Verlage der Expedition der ״Israelitisclien Wochenschrift“ in Magdeburg erschien soelicn: Predigten von Dr. Benjamin Rippner Rabbiner in (ilogan. Theil 1: t'pftt- und Nablinf!■predigt(-11 1!10 s. I’rcis: 4 Mk. haar. I1'׳i1 Abonnenten der »Israelitischen Wochenschrift« 3 Mk. sänin'tlieh in Mngdcbnrg.