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Das jüdische Literaturblatt · 1894-09-07 · No. 36. (7.9.1894) · p. Seite 144

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 36. (7.9.1894)
Date
1894-09-07
Page
Seite 144 (sequence 4)
Language
German
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144 mitgetlioilt werden. Ebenso ״eilt ans diesen Dokumenten hervor, dass Xachmani und dessen Bruder Boiiovista de l'orta in hoher Gunst heim damaligen König von Spanien gestanden haben, und dass si<* in Folge dessen in die an• genehme Lage versetzt wurden, von letzterem gewisse Privilegien zu (umstell ihrer Glaubensgenossen zu erhalten. Kerner ersehen wir daraus, dass in einer späteren l’eriode König Johann I. von Aragon einen andern Juden mit seiner königliehen (iunst höchst bevorzugt hat, der unter den mittelalterlichen jiid. (ielehrten Spaniens eine ansehnliche Stelle cimiimmt. Dies war der bekannte jiid. Philosoph Chasdai heil Abraham Gresca s! DM•• 1-1101, Verfasser des ה “IS, eines philosophischen Werkes, das der Ansicht des Dr. Joel zufolge, von Spinoza vielfach benutzt worden sein soll. Diesem Artikel, der für die Forscher der Geschichte der .luden in Spanien während des Mittelalters von grossem Interesse sein dürfte, folgt die im vorangehenden Hefte von Schechter versprochene Fortsetzung seiner Abhandlung über die rahhinisehe Theologie. Die fragliche Fortsetzung führt zwar Fachmännern nichts Neues vor, doch wird das allgemeine Lesepiibliknm darin viel Lesens- und Wissenswerthes finden. Dr. Friedländer, Direetor der Londoner Jews-Coliege, ist der Verfasser •des nächsten Artikels, der das Huch Schir-IIasehirim zum Gegenstände hat. Dr. Fr.’s Ansichten über die Anlage des fraglichen Huches sind mit denen von Ewald, Hitzig und Delitzsch fast ganz identisch, doch scheinen sie hinsichtlich des Ortes, wo die Handlung des Stückes stattgefunden haben soll, originell zu sein. Der Meinung des Verfassers nach spielte diese nicht in .lernsalcm seihst, wie allgemein angenommen wird, sondern vielmehr in den Gebirgen Libanons, wo König Salomon ein Lustschloss zum zeitweiligem oder Sommeraufenthalt gehabt haben soll, das von herrlichen Gartenanlagen und duftreichen Hügeln und Weinbergen umringt war. Nchttlamit, die Heldin des Huches, war Aufseherin und Wärterin eines dieser königlichen Weinberge, und da sie von Natur mit weiblichen Reizen reichlich ausgestattet war, so zog sie die Aufmerksamkeit des Königs auf sich. .Sie hatte sich aber schon früher einen schmucken, jungen Hirten zum Geliebten auserkoren und wies daher, trotz des Spottes der :Töchter von Jerusalem , die im königlichen Lustschlosse als Gäste weilten, die Liebes- und Heirathsanträge des Königs mit ländlicher Heseheidenheit und in ländlicher l'nschuhl entschieden zurück. Diese Theorie sucht der gelehrt(‘ Verfasser durch frappante Textes-Auszöge zu unterstützen und die Leser von der Haltbarkeit derselben zu überzeugen. Doch obschon er ein«* der grössten lebenden Autoritäten auf dem fraglichen speziellen Gebiete ist, so ist kaum anzuitehmen, dass seine Ansicht in der Gelehrtenwelt nicht auf Opposition stossen werde. Hemerkenswerth ist in der in Red(‘ stehenden literarischen Arbeit die Tharsaehe, dass darin alle und jede mystisch(‘ Deutung des 11־. L. lern gehalten und unberührt gelassen wird, worin so viele andere Erklärer desselben mit Lust und Liebe schwelgen. Letztere gleichen hierin einem Mann(‘, der eine Rose zerpflückt und zerstückelt, um ihre Staubfäden desto leichter zählen und klussifizircn zu können. Das Lied der Lieder , welches unstreitig eine der herrlichsten und anziehendsten Schöpfungen der alt-11ebräi8chen Muse ist, sollte niemals anders als in seinem natürlichen Sinne erklärt und in seinem natürlichen Gewände angesehen werden. Heraubt man es aber seines poetischen Hauches und seiner poetischen Farbenpracht, so wird es zu einer Fratze, zu einem abstossenden Skelett reduzir;. Dies tritt auch klar und deutlich in der Agadalh Sehir Hasehirim« hervor, welche Herr Sehechter im selben Hefte abdruekt, und die er auf seiner jüngsten Reise nach Italien in Parma als M.S. unter den Öod. I)e Rossi aufgefunden hat. Sie ist wie ein Fossil, das man der C'uriosität wegen wohl vorübergehend ansiebt, aber keineswegs bedauert, wenn man es hinterm Rücken hat. Das hohe Lied« erinnert lebhaft an die zarten und schönen Liebeslieder des bekannten persischen Dichters Hafis, denen gar viele, fromme Seelen eine mystische Deutung zusehreiben, woran der Verfasser beim Componiren derselben wohl niemals gedacht haben mochte. — Von den längeren Notizen sind hier namentlich besonders hervorzuheben: Dr. Neubauer’s Miscellanea Liturgien, worin die אזהרות Uber die (ilö Gebote ausführlich behandelt und besprochen werden. Ebenso beaehtenswerth ist eine von Professor Kaufmann gebrachte Notiz, worin auf einen im Norden von Frankreich bei den Juden üblich gewesenen Brauch, am Sabbath Nachmittag zu fasten, hingewiesen, und zugleich auf die Nichtbeachtung desselben l’sus von Seiten der früheren Juden in England aufmerksam gemacht wird. Als Quelle für letztere Behauptung führt Prof. K. das in diesen Blättern schon erwähnte Huch Kz Chajim an!von Jacob ben Jeliuda von London 1, worin die Bemerkung zu lesen ist: וכן מנהג בני הא י לאכול בין מנחה למעיב בשבת אבל פסחים vgi.) בני צרפת אין אוכלין על בי ר״ת כעם עליהם S- 105 und Tossafotli daselbst.) Daraus geht nun hervefr, dass in früheren Jahrhunderteil die Juden in England progressiv gewesen waren, und hinsichtlich gewisser Ritualien eine von auswärtigen Gemeinden unabhängige Stellung eingenommen und beliauptet haben. Belfast, Anglist 1 H!t-t. I)r. ('11 ot zu er. Literarische Notizen. Enter den Preisaufgaben der Berliner Universität l'ar das Jalir 1S94-90 liefimien sich zwei, welche auch für jüdische (!eiehrte von hosondereni Interesse sein dürften. 1. Für den königlichen Preis ist die Aufgabe gestellt: »Recht und Schlanken der Behauptung, dass als das hütende Ich in den Psalmen nicht erst im gottesdienstlichen (!ebrauch derselben, sondern schon nach der Absicht der Dichter die israelitische tieineiiido aiiziiselion sei und am exegetischen Thatbestando darziitlum« . . 2. Die Aufgabe der theologischen Faeultät für den städtischen Preis lautet: »Es ist die Bodoutung Hosoa’s innerhalb der alttestaineiitlielieii Propheten darzulegen«. Inhalt. Moses Mendelssohn und sein Zeitalter. V.— Ein neu entdecktes Manu- Script des Rabbi Lew! ben Gerson. Von Dr. M. (I riinw ald-Bulgarien. Recensionen: Tho Jewish Quartorlv Review. Literarische Notizen: Preisaiilgaben der Berl. Universität. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist untersagt. Literarischer Anzeiger. 1111 Verlag der Schlesischen Buchdruckerei, Kuust- und Verlags• Anstalt von S. Schottländer in Breslau erschien soeben: Predigten aus dem Nachlass von Dr. M. Joöl Rabbiner der isr. (ienicimU* zu Jireslau. Ilerausgegeben von Rabh. Dr. A. (׳!rkKlciu und liabh. Dr. It. /.iemlicli. Band II: ' 1JSD I'4>n1- 1111(1 (!elpi'cnlii'itN.PrediglFii. Breis: (ieheftet M. O.—: gebunden M. 7.50 Vorantwortl. Redactcur Dr. M. Kalinior, Druck Leistner .V Jede Dame, welche sieh für ein billiges und vorzügliches Moden- Journal grössten Stils intoressirt, nelimo Einsicht in eine Gratis-Probominimer der bereits 100,000 Abonucnien aufweisonden ״Grossen“ Modenwelt“ (mit bunter Fächer-Vignette) und sie wird linden, dass ein derartig nützliches in jeder Weise umfassendstes Journal bisher nicht existirte: Zu jeder monatlich zweimal erscheinenden Nummer gehört ein doppeltseifiger Selinittmustorbogen, sowie eine belletristisch!! 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