Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 29. (20.7.1894)
- Date
- 1894-07-20
- Page
- Seite 116 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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116 behandeln. -- Höchst werthvoll sind die Epitaphien, die beweisen, dass Lemberg mit Fug und Recht eine »Stadt und Mutter״; in Israel genannt zu werden verdient. — Die fast ängstliche Treue, mit welcher der Verfasser nur das erzählt, was er urkundlich beweisen kann, giebt seinem Huche den Charakter eines GeschichtsWerkes, aus dem spätere Zeiten werden schöpfen können. Caro als Stylist ist zu bekannt, um nach dieser Seite hin gelobt zu werden, man liest sein Buch mit Spannung und Interesse. Nur Eins möchten wir noch bemerken. Aus mancherlei Andeutungen geht hervor, dass, sich in Lemberg zahlreiche Spuren karaitischer Ansiedlung befinden und es ist zu bedauern, dass Caro denselben nicht nachging. Er wäre wohl der Mann dazu, auf diesem dunkeln Gebiete Licht zu verbreiten. — Vielleicht bieten ihm diese Zeilen die Anregung hierzu. — Dr. R. Horwitz Ludwig, Kantor in Dessau. Geschichte der Herzoglichen Franzschule in Dessau (1799—1849). Dessau 1894. Die vorliegende hochinteressante Schrift verdient aus drei Gründen Achtung und Beachtung: aus pädagogischen, culturgeschichtlichen und staatshistorischen. Pädagogisch interessant ist das Aufsteigen der Schule der Dessauer Gemeinde von einer Vereinsschule zu einer Staatsschule und die Erhebung dieser letzteren zu einer höheren Lehranstalt für Lehrer und Theologen und so zu einer berühmten Pflanzstätte jüdischen Geistes in Deutschland. Die selbstlose Hingabe der Lehrerschaft an den heiligen Beruf für so wenig Lohn und bei 80 vieler Aufopferung von Zeit und Mühe ist in ethischer Hinsicht ebenso mustergültig, wie in religiöser die Pflege der heiligen Sprache, der Lehre und Wissenschaft des Judenthums, durch welche die konfessionelle Schule vorzugsweise auch in Zeiten uneingeschränkter staatlicher und nationaler Freiheit ihre volle Berechtigung begründen würde. Denn der aus der Religionslehre ausströmende sittlich veredelnde Geist• vermöchte wohl alle Wissensgebiete zum Segen der Glaubensgemeinschaft im Staate und für den Staat zu befruchten. Echte Wissenschaft muss ja doch Sittenthat erzeugen. C u 11 n r g e s c h i c h 11 i e h bedeutsam ist die Einwirkung Moses Mendelssohn's auf die Vaterstadt desselben, deren Jüd. Gemeinde am 26. November 1687 durch den Freibrief des Fürsten Johann Georg II begründet, deren Schule (»Franz-Schule«) nach dem Vorbilde der jüdischen Freischule in Berlin durch den Verein »Chinnuch Neorim« (Erziehung der Knaben) gestiftet ward. Die Schule dankt ihr Gedeihen und ihr Ansehn der segensreichen 50jährigen Wirksamkeit des sei. Directors Dr. David Frankel, der ein Sohn des DesRauer, ein Enkel des nach Berlin von Dessau berufenen Oberrabbiners war. Derselbe hat sich sowohl bei der Leitung der Franz-Schule, als auch im Consistorium des ehemaligen Königreichs Westphalen »am Werke des Lichtes und der Menschen-Veredlung« unsterbliche Verdienste erworben. — An der Schule wirkte auch der nachmalige Hamburger Prediger, der sei. Dr. Gotthold Salomon, der durch seine Predigt bahnbrechend im deutschen Judenthum dadurch gewirkt hat, dass die gottesdienstliche Rede im edelsten Sinn des Wortes »jüdisch« genannt werden darf, weil sie eine die deutsche Nation und die ganze Menschheit umfassende Sittenweisheit und Sittenwahrheit, nach prophetischem Vorbilde, ausgestrahlt hatte. — Hinsichtlich der socialen und finanziellen Stellung der Lehrer an der Staatsanstalt, der Franz-Schule, hatte der sei. Dr. Gustav Philippson, welcher gleichfalls an dieser Schule gewirkt hatte, sich in seiner Eigenschaft als Abgeordneter für Dessau im anhaitischen Landtage in dankenswerther Weise verdient gemacht. Der brave Mann verdient schon deshalb der Vergessenheit entrissen zu werden. — Staatsgeschichtlich ist die Huld von Bedeutung, mit welcher die anhaltinischen Fürsten die dortige Glaubensgemeinschaft und ihre kulturellen Institutionen in der Zeit des Druckes und der Verfolgung in hochherziger Weise geschützt und gestützt hatten. Insbesondere hat der Herzog Franz (»Vater Franz«), der es nicht verschmähte, in allerhöchster Person den Prüfungen jüdischer Kinder anzuwohnen, ein Recht auf die dauernde Liebe und Dankbarkeit aller Freunde der Franz-Schule, der Cultur und Humanität der Glaubensgenossen. Dr. S. Nascher. Inhalt. Auf dem Faid• von Zoen. Von Heinrich Br ugsch. (Fortsetzung.) — Oer Bann Im telmudlichen Schriftthum. Von S. Mandl. — Ein FUhrer der Menschheit von Bolin. Recenslonen: Geschichte der Juden in Lemberg von Dr. Jecheskiel Caro. — Geschichte der Herzoglichen Franzschule in Dessau von Ludwig Horwitz, Kantor in Dessau. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist untersagt. 3» meinem »erläge ift erfdjieucn: קול שמחה, Stimmen &er £rcnfec, lifthrcötn, Xoafte uub l'trbrr bei frrubigrn (fklrgcnbfitrn, »on 1iprebiger üiott ffiolff. Xtefce neue 2Berf beä befannten 9lutor« enthält eine reiche 9lu«> 10af)l Bon Criginal-Xraureben, Xoaften unb Themen für »efchneibung«־ feiet, »erlobmigeu unb j?od)jeiten; ferner Woterialien für §0cf)jeitS* SUabberabatfd)e unb anberc fteftjeitimgen, fotoie eine höcfjft originelle §0d)scit8bagabab, bie gemifj ®eifall finben unb Hnffefjen erregen wirb. £a§ umfangreiche SBerf ift roofjl junädjft fiir lichter unb jfuituä• beamte beftimmt, bie längft ben SUnngel eine« folchen?Berte« empfitnben, aber auch jeher ®rluntmnnn, ber gelegentlich bei freubigen ®ernnlaffattgen einen Toaft auebringen, ober eine §eftfd)rift nerfajfcn will, fiubet hier ein reidjbaltige« »latenal, ba« für alle?fälle SHatf) ertfieilt. [570 preis a tttarf. A. I. Hoftnami, ®crtngS.®ud)hanblung. (frflllfflirt a. ®I. Literarischer Anzeiger. I. .. darunter auch Jahrgangl890, der die Artikol-Serie; ,,Das Leben und die Werke des Dr. Leop. Zunz, von Dr. Chotzner enthält, sind — 80 weit der Vorrath reicht — ä 4 .Hark (franco haar) direct zu beziehen vor. der Expedition dieses Blattes. [619 Soeben erschien und ist vom Verfasser, sowie durch alle Buchhandlungcu zu beziehen: Die israelitische Bevölkerung der deutschen Städte. Ein Beitrag zur deutschen Städtegeschichte. von Moritz Ntern. Heft III: Nürnberg Im Mittelalter. Erste Hälfte. Preis: H Mark. H. Fienke, Kiel. 60 TrtSCtP 5,flH*chen llmulG Ereignisse des isr. 1Familien u. Vereinslebens von B. Hause. Preis Mk. 2.80 Verlag von!.Kaufmann, Frankfurt a.M. Leistner & Drewfs, Magdeburg Litbographle, Bachn. Stelnümckerel Anfertigung »Iler!)rurkarbelten von (TnfuchMer bis elegantester Ausführung. Specialität: Massen-Anflagen. Herstellung ganzer hebräischer Werke. Soeben erschienen: Sin hcbr.«litterarifche3 SBerf: Mi-Ginzö-Israel be-Paris enthält nerfdjiebene Xocumcnie jur Aefd?id?fc berjuben. (Sopirt au« ben hebr. $anbfdjriftcn 001t ber Bibliotlräque nationale ju »ari«. [561 Preis 2 Mark. 3« besiehe» beim §erau«geber: Mr. Isidore Goldblum Wien, II., Grosse Schiffsgasse 30 Soeben erschienen und durch den Verfasser S. Schweinburg-Eibenschitz, Wien II, Brigittagasse 6, zu beziehen: [592 Das Judenbuch und das Christenbuch der österreichischen Her• zoginnen. Paris. Leop. Cerf. Preis 1 Mark. gm »erläge oon «5altf)cr Wrmann, »uchhaublung in 9Ragbc* bürg, erfdjemt 91nfang« Vluguft: fflabmer’s #sra*Utif$*0 Breöigt־ itaßaiin XL 3«trr0«1t0. 3nf>ait: &fftpreblgtrn (4 ju 3 ,ר״ה ju 3 ,יו״כ ju 4 ,סוכות וש״ע ju 3 ,פסח ju שבועות, barunter jur (Sonfirma״ tion u. 91.) [588 VII. *labftutttä. 3nfjalt: (frftprrMgten (3 ju ר ה 3 ju 3 \ו״כ ju 4 ,סוכות וש״ע ju 3 ,פסח ju 1 ,שבועות ju חנוכה) u. 91. *ßrei« jebe« 3ahrflanßä 1 (für 91bonncnten ber ״Jär. 9B0chen« fdjrift" nur 3 »larf. »efteHungen werben fdjon jfljt entgegengenommen oon ber erpfb. b. 3«r. 9»od)enfd)rtft. ' erantnortl. Rcdactour Dr. M. Rulimer, Druck Leistner A: Drewfs, Verlag Walther Niemann, sämmtiieh in Magdeburg.