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Das jüdische Literaturblatt · 1894-07-20 · No. 29. (20.7.1894) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 29. (20.7.1894)
Date
1894-07-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 29 Jüdisches Jahrg. XXIII. Litteratur-Blatt. Zur Rctourhtung aller Jmlenthum und Juden!«*treffenden litterarisehen Krseheinnnwn auf dem Gebiete der Philo* Sophie, (ie8rhh־hte, Kthno^raphle, Theo* lojrie, Orientalia, Kxoroso, Homiletik, Liturgik u. Pilriftffopik. Herausgegehen von Rabbiner Dr. Moritz Rahiucr. Magdeburg, den 20. Juli 1894. Bücher der einschläfrigen IJtteratur, welche der Hedacticmzugestindt werden, finden in diesem Blatte eingehende Besprechung. Bel Einsendung von zwei Recensions-Exemplaren erfolgt ein malige kurze Gratis-Insertion. Das ״Jüdische Li tt e rat ur-Blatt“ erscheint wöchentlich. Preis bei allen Buchhandlnnaen (in Magdeburg bei Walther Niemann} pro Quartal: 2 Mark, der Einzelnummer: 15 Pfennig. Abonnenten der »Israelitischen Wochenschrift«, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das »Jüdische Litteratur-Blatt« gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer, welche direkt oder durch Walther Niemann Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Auf dem Felde von Zoan. Von Heinrich Brngsch. (Fortsetzung.) Die ausgeführten Aufgrabungen haben den Beweis geliefert, dass, wie alle anstossenden Häuser der Stadt, so auch die Besitzung des ehemaligen Rechtsanwalts durch Feuer zerstört worden ist, nachdem eingedrungene Plünderer die darin vorhandenen Werthgegenständen an sich genommen hatten. Die ausgesprochene Vermuthung, dass die Verwüstung der Stadt im Jahre 174 stattgefunden habe, scheint wohl begründet zu sein. Unter der Regierung des Kaisers Mark Aurel (161—180) hatten sich die sogenannten Bukolier, die Nachkommen der alten Rinderhirten 8emitischer Abkunft, auf den fetten Weidegründen des Feldes von Zoan, gegen die kaiserliche Herrschaft empört, empfingen aber durch den römischen General Avidius Cassius eine harte Züchtigung dafür. Tanis, im Mittelpunkt der aufständischen Bewegung, entging seinem Schicksal nicht. Mögen es die Bukolier, mögen es die Soldaten der römischen Legionen gewesen sein, die Stadt wurde ausgeplündert und in Brand gesteckt. Das Haus des Rechtsanwalts gehörte zu den vornehmeren des Viertels. Es bestand aus einem oberen Stockwerke und aus einer zur ebenen Erde gelegenen Wohnung, welche sich über einem gewölbten fensterlosen Keller erhob. Die Verbindung der verschiedenen Abtheilungen geschah durch Treppen, welche vom Keller aufwärts bis zum ersten Stockwerk hinaufführten. Der unbekannte Räuber hatte alle Räume durchstöbert und war zuletzt in den Keller eingedrungen, in dessen Wandnischen neben anderen Dingen sechs Körbe mit hastig und ohne Ordnung hineingeworfenen Papyrusrollen aufgestellt waren. Sie übten keinen Reiz auf ihn aus und er liess den Inhalt ungestört, ebenso eine 21 Zoll hohe Kalksteinstatue eines Aegypters, die gleichfalls im Keller aufgefunden wurde. Die kleine demotische Inschrift auf dem Fussgestell lautet, »der Osiris (also verstorbene) Asch-achi, ein Sohn der Ta-anch.« Die damit gemeinte Person kann nur einen verstorbenen Verwandten, vielleicht den Vater des Rechtsgelehrten, aber nicht, wie Herr Petrie der Meinung ist, diesen selber dargestellt haben. Nachdem die Raubgesellen das Haus ausgeplündert hatten, steckten sie es in Brand und der ganze Bau fiel in sich zusammen, zum Glück ohne die Mehrzahl der Papyrus und sonstige darin zurückgebliebene Gegenstände zu vernichten. Nur die hölzernen Möbelstücke fielen dem Feuer zum Opfer, mit Ausnahme der bronzenen Verzierungen und Beschläge, deren Formen eine sichere Vorstellung über den künstlerisehen Geschmack jener Epoche bieten. Auch andere Gegenstände aus Bronze, Bilder von Gottheiten, ferner Gefässe aus Alabaster, Fayence und Thon, Glpswaaren u. dergl., mehr haben sich zu Hunderten in dem einen Hause erhalten und bilden in ihrer Gesammtheit ein reiches Material für die häuslichen stilistisehen Formen der ägyptischen Einwohner gegen das Ende des zweiten Jahrhunderts. Anders in dem Nebenhanse (No. 44), in welchem der Nachbar des Rechtsanwalts, ein Römer und kaiserlicher Beamter, seine Wohnung auf geschlagen hatte, die jedoch gleichfalls der Plünderung und dem Brande anheim gefallen war. Dass einem solchen römische Soldaten nichts zu Leide gethan haben würden, liegt auf der Hand. Nur die Bukoliker konnten sich an seiner Habe und seinem Gut vergreifen. Die darin aufgefundenen Gegenstände des häuslichen Bedarfs oder des Luxus verrathen nämlich nach keiner Riehtung hin einen ägyptischen Ursprung, sondern verweisen, wie auch die Mehrzahl der entdeckten beschriebenen Papyri, auf griechische Urheberschaft. Zu den kostbarsten und seltensten Stücken darunter gehört eine farbige Glasmalerei (von 1/!״ Zoll Dicke und 13 Quadratzoll Raumfläche), deu römischen Thierkreis in emblematischen Bildern darstellend. Vom Zeichen des Widders im März an, mit welchem das römische Jahr begann, sind die einzelnen Monate durch menschliche Köpfe vorgestellt. Dieses Unicum antiker Glasmalerei ist leider in etwa 200 Stücke zerschlagen worden, von denen es Herrn Petrie gelungen ist, 140 wieder in die rechte Lage zu bringen und miteinander zu vereinigen. Nach der Ansicht ihres glücklichen Entdeckers war der Besitzer dieses Stückes und aller übrigen Funde, der römische Beamte, ein Mann von Kunstsinn und Geschmack, welcher a\1s Italien auf seinen Posten in Tanis versetzt worden war. Der merkwürdige Thierkreis in Glasmalerei mit seinen reichen Vergoldungen erinnert unwillkürlich an das Zeitalter Hadrian’s und Antonius Pius, in welchem die Weisheit der altägyptischeu Sterndeuter und Astronomen von den Römern auf allen möglichen Denkmülern bis zu den sogenannten astronomischen (vom 8. Jahre des Kaisers Antonius) Münzen hin zu symboliscli-bedeutsamen Vorstellungen verwertliet wurde. Mit dem Regierungsantritt des zuerst erwähnten Kaisers oder im Jahre 138 hatte eine neue Sothisperiode von 1460 Jahren ihren Anfang genommen, das thema mundi war an seine alte Stelle gerückt worden und die damalige Welt lebte in dem Glauben,!lass die Erneuer ung der Dinge wieder ein getreten sei, wie noch in unserer Zeit etwa der hundertjährige Kalender eine ähnliche Bedeutung bei Manchem erhält. Die alten Einrichtungen längst vergangener Epochen traten in den Vordergrund und erfüllten die Geister mit Er-

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