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Das jüdische Literaturblatt · 1894-07-13 · No. 28. (13.7.1894) · p. Seite 112

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 28. (13.7.1894)
Date
1894-07-13
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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112 Recensionen. Offener Brief an (len Oberpfarrer Dr. Grane zu Chemnitz von Dr. Jacob Mühlfelder. 1804• (31 S.) (Der Reinertrag ist zur Unterstützung der Ferienkolonien bestimmt.) Der Oberpfarrer Dr. theol. Graue in Chemnitz hat einen Vortrag daselbst gehalten, in welchem dieser Herr, obwohl er eine hohe Stelle in der protestantischen Geistlichkeit bekleidet, sich nicht scheute, dem schlimmsten Keligionshass gegen seine jüdischen Mitbürger das Wort zu reden. Dieser Vortrag erschien im Druck als: »Ein Votum über das Judenthum«; dagegen hat nun der Herr Rabhiner Dr. Mühlfelder daselbst die obige schneidige Broehiire veröffentlicht. Welcher Art die Rede des Herrn Oberpfarrers war, kann man aus den Autoritäten ersehen, aitf welche er sich bezieht. Unter diesen ist es besonders der in diesen Blättern zur genüge von Herrn Rabbiner Dr. SingerC'oblenz gegeisselte Lemberger judenfeindliche Jurist Leopold Caro.*) Der Herr Oberpfarrer acceptirt soga; einen Vorschlag dieses Herrn Caro־ »Alle gerichtlich Uberführten Wucherer, Betrüger, Schwindler aller Art sollen jenseits des Ozeans nach dem schwarzen Erdteil geschafft werden.« Das hat mich unwillkürlich an den schwarzen Mann erinnert, von dem man ungezogenen kleinen Kindern erzählt, damit sie wieder artig werden. Der offene Brief des Herrn Dr. Mühlfelder ist streng sachlieh abgehalten. Schritt für Schritt widerlegt der Verf. die Behauptungen des Herrn Oberpfarrers mit unerbittlicher Logik und durch eine Anzahl von C’itaten aus wissenschaftlichen Werken. Ausser den jüdischen Quellen- Schriften, deren Kenntniss bei einem Rabbiner selbstverstündlich sind, werden viele Stellen aus dem neuen Testament eingeführt, die geeignet sind, den Herrn Oberpfarrer eines bessern zu belehren, ferner folgende Werke: von Lasclian »Die anthropologische Stellung der Juden«, 1802; Nowikow, la lutte entre societös humaines 1893; H. Bambaeh, ׳Geschichte der Protestanten in Frankreich«; M onum. Gernianiae V.; Von Rönan, >.I)asJudenthum vom Gesichtspunkt der Rasse«; W. Kienelbach, »Der Gang des Welthandels und die Entwickelung des europäischen Völkerslebens im Mittelalter«; Koscher, Nationalökonomie Bd. I; Bodmann, Rheinische Altertümer«; Stobbe, »Die Juden in Deutschland während des Mittelalters«; Karl Lamprecht, »Deutsche Wirthschaftslehre im Mittelalter; < Diaconus Guido Wächter (Waldenburgische), »Die sociale Gefahr in Sachsen.« Das ist nur eine Auswahl der Litteratur, welche Herr Dr. Mühlfelder beniitzt. Herr Dr. Mühlfelder verweist auch darauf, dass die Katholiken bis zum Jahr 1885 die gleichen Anschuldigungen gegen die Protestanten erhoben, wie jetzt die Antisemiten gegen die Israeliten. Im Uebrigen verweise ich bezüglich des Inhalts auf das Schriftchen selbst, dessen Anschaffung zu empfehlen ist, denn die lügnerischen Behauptungen der Antisemiten bleiben ja allenthalben sich gleich. Der Preis der Broehiire ist nur 20 Pfennig und sollten unser»־ Abwehrvereine sich die Verbreitung derselben unter unsern andersgläubigen Mitbürgern angelegen sein lassen. H. L. in M. *) 1 lass HerrOborplarrer י ■raue diese Singer’.schen Artikel (imJiUl. l.itti-raluiM.) nicht kannte, ninunt nicht Wunder: aber desto mehr i-t!׳> /.n verwund •r» und zu bedauern, dass sie dem II •rrn Rabbiner nicht bekannt wa״en: er hat sich dadurch selbst einer scharfen Ahwellt walle beraubt. (Red.) Schul bt'riclltt'. 1. — 44. Jahresbericht der Religions- I'nt»*rriel1tsanslalt der Synagogen•(!enieiiide Breslau über das Schuljahr 1S‘Bi ‘.»4, erstattet vom Dirigenten der Anstalt Dr. Samuelsohn. Einen vierundvierzigsten Jahresbericht worden nicht viel Rtdigionssehulen in dit'sem Jahre horausgegeben haben. Vercntwiiitl. Kedac'eur llr. M. Kahincr, Drink ].»■istner k D Dieser Umstand bedeutet eine alte befestigte Tradition, zumal wenn die Leitung eine constante war. Die Schule hat sechs Knaben- und vier Mädchenklassen- Ihr Ziel wird mit dem Pensum der obersten Classe bezeichnet. Es war folgendes: Keli gion 1 St., der Pflichtenlehre zweiter Theil: Erläuterung der Pflichten im Anschluss an die letzten fünf Gebote. Die entsprechenden Psalmen und Bibelsprüche in hebräischer Sprache wurden erklärt und auswendig gelernt. — Diese Art, einen systmatischen Religionsunterricht erst am Schlüsse des ganzen Lehrganges eintreten zu lassen, nachdem Gemüt und Verstand des Kindes empirisch mit' religiösen Gedanken und Kenntni88en reichlich erfüllt worden sind, halten wir ebenso für allein pädagogisch wie die Anlehnung an die Bibel, den Quell aller religiösen Erkenntnis. Auch das Auswendiglernen characteristischer Psalmen wäre überall mehr zu fordern. Denn auswendiggelernte Musterdichtungen bedeuten auch für den Religionsunterricht die schönste Gabe, welche die Schule mitgiebt. Mit dem Erlernen einzelner abrupter Bibelsprüche aber können wir uns nicht befreunden. Wir glauben nicht, dass sie lange haften bleiben. — Bibel: 2 St., das fünfte Buch Mosis. Jesaias 40—Hfl. Dieses Ziel, so anerkennenswert!! es ist, scheint uns fast zu hoch. Cursorisch wurde gelesen Könige I und II. und ausserdem mit einigen Schülern ausgewählte Stücke aus Raschi’s Commentar zum ersten Buch Mosis. — Es lässt sich streiten, ob Rachi auch für unsere Jugend noch die beste erste Einführung in das rabbinische Schriftthum ist. Vielleicht wäre der Commentar des Raschbam (in Auswahl), oder ein talmudisches Quellenwerk (Mechilta oder Sifre) hiefür geeigneter. Freilich würden rein äusserliche Schwierigkeiten entgegensein, für Raschi spricht hauptsächlich noch die Pietät gegen das Herkommen. Aber im ganzen ist diese intensive Pflege der Bibel höchst erfreulich. — Hebräische Grammatik und Gebete: 1 St. Einübung der unregelmässigen Verba. Die wichtigsten Regeln der Syntax wurden bei der Lectüre entwickelt. Uebersetzt wurden im Siddur die Gebete für die Festtage und die Hagg. schel Pessach. Dass auch die Mädchen Grammatik lernen und mit Paradigmen geplagt werden, die ohne ausgiebige Bibellectüre in spätestens drei Jahren nach Verlassen der Schule unfehlbar vergessen werden und nur noch in bösen Träumen mit ihren klappernden Reihen auftreten, scheint uns eine ganz nutzlose Quälerei zu sein, für die wir vergeblich nach einer Rechtfertigung suchen. Jüdische Geschichte: ISt. Von Alexander dem Grossen bis zum Abschluss der Mischnah. Dies ist allerdings ein praktischerer Abschluss als der vielfach übliche mit dem Jahre 70 n. Chr. Ausserdem finden wir bis zur ersten Mädchen- und zweiten Knabenklasse als besonderen Unterichtsgegenstand »Schreiben« aufgeführt. Für Knaben ist die Kenntniss der gedruckten Cursive unerlässlich, der geschriebenen für manche Zwecke nützlich, aber im allgemeinen gehört der Unterricht 1m hebräischen Schreiben jetzt sowenig in den Religionsunterricht, wie der Unterricht in der Stenographie, von der es eine Abart ist, zumal der Grossmütter, denen zu liebe es meist geschehen soll, mit jodem Tage weniger werden. Im ganzen zeigt der Bericht uns eine Fülle eifriger treuer Arbeit der Herren Lehrer, die um so entsagungsvoller ist, als sie im ewigen Kampf mit dem Krebsschaden aller jüdischer Religionsschulen liegt, der Lauheit der Eltern und dem zu frühen Abschluss mit dem dreizehnten Jahr, worüber auch in einem Vorwort geklagt wird. Wir kommen darauf zum Schluss unserer Besprechungen zurück. Jacob -(Jöttingen. Inhalt. Aul dem Felde vonZoan. V״״ Hoinrieli B111 ׳ g sch. (Forts!•(/,1mg.) — Der Bann Im talmudischen Schriftthum. Von S. Muiull.— Beiträge zur vergleichenden Gnomologie. 111. Von I)r. Klempercr-Borlin. Recensionen. Offener liriof an den Oberpfarror Dr. («raue zu Chcmniiz von Dr. Jacob MII hlfu Dl er. — Schul berichte I. der Synagogen-üemeinde lircslau von Dr. Sanmelsohn Unbflugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist untersagt.__ rewi's, Verlag Walther Nicuiann, siimmtlich in Magdeburg.

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