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Das jüdische Literaturblatt · 1894-07-06 · No. 27. (6.7.1894) · p. Seite 108

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 27. (6.7.1894)
Date
1894-07-06
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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108 I)(>r Herr Herausgeber biptet mit vorliegendem Schrifteben, welches handschriftlich aus dem Besitze Luzzato’s in den der Königl. Bibliothek zu Berlin überlangen ist, einen dankenswerthen Beitrag zur Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft. Für den Verfasser der aus dem XIII. Jahrhundert stammenden Grammatik hält der Herr Herausgeber einen Herrn David, Vater des Grammatikers Josef ben David ha-Jewani, der das Büchlein in Böhmen geschrieben, wo er die Bekanntschaft mit Abraham b. Azriel, dem Verfasser des Machsor-Commentars עריגת הכעס gemacht hatte. Der Autor stammt(‘ aus Griechenland. Das grammatische System beruht auf Dreitheilung des Sprachstoffes: Nomina, Verba und Partikel. Die Paradigmen des Verba sind sieben. Als Autoritäten der hehr. Sprachwissenschaft werden angeführt Raschi, Ihn Esra, Jeliuda Chajug, ganz besonders aber der »grosse Grammatiker«, Jona Ihn Gannach (Merwan Abuhvalid 1. Ks ist nun des Herrn Herausgebers Verdienst, den Text amendirt und mit wissensehaftlichen Bemerkungen versehen zu haben, in denen die parallelen Ansichten der Grammatiker, besonders Abulwalid’s theils zu Erklärungen, theils zu textuellen Boriehtigungen und Verbesserungen angeführt werden. Der Herr Herausgeber steht auf der Höhe seiner Aufgabe und hat der hebräischen Sprachwissenschaft einen lobenswerthon Dienst geleistet. Es sei mir jedoch erlaubt, zwei Kragen zu beantworten, welche der Herr Herausgeber bei der textuellen Fassung offen gelassen hat. Auf Seite 12 Z. 29, wo von der Sprache dos Talmud die Rede ist, möchte ich parallel mit יוני »griechisch אשורית .׳ von אשור mit »assyrisch« (aramäisch) übersetzen. Seite 111 Z. 19 möchte ich lesen כרו יוני wie im Griechischen . Wenn nämlich, wie in 1הכנף פתיל, das eine Wort mit demselben Buchstaben (b) endigt, mit welchem das folgende beginnt, dem ein dagesehloses ת׳ nachfolgt, könnte es dem einen c so ergehen, wie im griechischen Futur und Aorist, in welchem das ~ mit a zu ׳{! verschmilzt, z. B. im Zeitwort Jü/.a'j/o), wobei das ד ausfällt. Auch im gegebenen Falle würde das eine פ in der Aussprache verschwinden, sofern diese fälschlich griechischen Muster nachgebildet würden. Auch möchte ich mir erlauben, als den Autor dieses grammatisch(‘!) Schriftchons nicht einem unbekannten Herrn David, der die Bekanntschaft eines entdeckten Machsor-( 'ommentators aus Böhmen gemacht hatte, sondern den grossen David Kimchi vorzuschlagen und den Ursprung der Grammatik anstatt nach Böhmen mit Dukes (S. 7) nach Spanien zu verlegen. Bei der Abfassung des lexioalischen Buches שרשים׳« mochte, Titel und System nach, für David Kimclii sein gross(‘!• Vorgänger im lexicalisch-grammatischen Fache, Jona ihn Ganaeh (Abulwalid) vorbildlich gewesen sein, dessen Werk כפי הש״שים auch auf Seite IS Z. 35 angeführt ist. Die Stelle כנענים עד צרפת (Seite 1, Z. ill\ welche der Herausgeber in Anerkennung dos sprachlichen und geographischen Begriffes von כנעני d. h. Tiefland« (S. 9) auf Böhmen bezieht, wäre ich geneigt, auf jenes spanische Tiefland zu beziehen, welches die Pyrenäen von Frankreich trennt. Kimchi hat auch thatsäclilich die Wanderung von der nordischen spanischen Tiefebene zum südf. anzösischen Hochland und Provence gemacht. — Auch stellt das Büchlein keine systematisch Grammatik dar, sondern enthält einen Commentnr (קונטים), welcher, wie die einleiten- Worte (S. 3) beweisen, an die Adresse eines grossen hebräischen Sprachforschers gerichtet ist. Dass Kimchi’s nirgends erwähnt ist und Abulwalid's grammatische Normen und Formen, wie dies vom Herrn Herausgeber in gelehrten Anmerkungen nachgewiesen wurde, in überwiegendster Weise zur Anwendung gelangen, möchte wohl zum Beweise dienen können, dass das Heftchen von Kimchi zur grammatischen Erklärung des Lexicons von Abulwalid angelegt worden sein dürfte. Die einheitliche Zurückführung der Redetheile auf die Radien in ihrer Präfigirung und Suffigirung möchte wohl die Ansicht begünstigen, dass das Schriftchen dem lexicalischen Buche Abelwalid’s eine Erklärung, dem eigenen Lexicon (שרשים) aber Prolegomena geboten haben könnte. — Auch deutetder auf S. 19, Z. 6 angeschlagene Ton, der auf unheimliche Inquisition in Glaubens- Sachen folgern lässt, und die auf S. 23 erfolgte’ Anwendung kabbalistischer Formeln bei Beurtheilung hebräischer Texte (גמטריא und נוטריקון) nicht auf böhmischen, sondern spanischen Ursprung hin. Die lexicalische JJebereinstimmung des Verfassers des Schriftsehens mit dem Gaon Haja (S. 2Ü, Note 511, dessen verloren gegangenes hebräisches Vocabularium, Kimchi, dem Verfasser des Schoraschiin, ( Vergl. Artikel רצד) wohl bekannt war, dürfte gleichfalls für die Autorschaft David Kimchi’s Zeugniss ablegen können. — Unter dem berühmten David (S. 8, Z. 5) wäre demnach Kimchi zu verstehen und unter dem Schlusswort בדח^בא, dem der Herr Herausgeber ein bescheidenes Fragezeichen beisetzt, vielleicht die Unterschrift des Verfassers. Das Corruptel wäre demnach zu berichtigen in ^"דביבח (anstatt כדח^ב-א) d. h. דוד בן יוסף ב ׳ה הובות הייבבות »David Sohn Josefs (Kimchi), Uebersetzers (בעי1 המעתיק) des Buches »Choboth Halbeboth«. Ob ich Recht habe, überlasse ich den gelehrten Herren Lesern dieses Blattes zu beurtheilen, das Recht der Anregung aber darf der Kritik wohl in jeglichem Falle zugestanden werden. — Dr. S. Naschör. Litterarische Notizen. Paris. Das neueste lieft der Revue (!es etudes juives enthält 11. A. folgende interessante Artikel: Die Fortsetzung dor Arbeit Isidor Loob’s »Die gesellschaftliche Rolle der Juden«; Biblische Probleme von Oppcrt; »Dio Verschwörung des Rabbi Nathan und Rabbi Meir gegen den Partriarchen Simon ben tiamaliel« von Bacher, »Jüdische Sitten bei den Muselmännern« von Gold zieh er und einen »Vortrag von Rene Worms über Spinoza«. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist untersagt. 60 Toaste1!für alle festlichen Kreignisse des isr. Familien 11. Vereinslebcns um B. Hause. Preis Ml;. •J.ko V.-rlngum J.Kaufmann.Frankfurta.Nt. Im Vellage der J. Heckenliauer seilen Rueldiaiidlu.ig in Tübingen erschien: Die tat Rplplianlus xuaescbrlehcnen Vitae Ppophetarurn in doppelter griechischer Kcccnshin. Mit Anmerkungen und einem Anhang: Einiges Uber Zahl und Namen der Weisen aus dem Morgenland. Voll l:(>c1T1ur<l \(>Ntlc i•7 Preis :! Mk. Verantwort!. Rcdae'.eur |1ן• Litterarischer Anzeiger. 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