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Das jüdische Literaturblatt · 1894-06-22 · No. 25. (22.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 25. (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 25. Jüdisches Jahrg. XXIII. Litteratur-Blatt. Zur RcU'iH'htung aller Judonthum und Juden lx*tn*ftcM1<UM1 IHterurisohen Kr• U’hehiunKon auf dem (ieldete der 1*11110• »ophie, (»csehirhtc, Kthnoprajdiie, Theolojde, Orientalia, Kxotfosc, Homiletik, Liturgik u. Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmcr. Magdeburg, den 22. Juni 1894. Bücher der einsuhlägiKeu Uttoratur, welche der Redaction zugcMandt werden, finden in diesem Blatte eingt'hende Bc• sprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt :eiti malige kurze Gratis-Insertion.! Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich. Preis bei allen Buchhandlungen (in Magdeburg bei Walther Niemann) pro Quartal: 2 Mark, der Einzelnummer: 15 Pfennig. Abonnenten der *Israelitischen Wochenschrift«, dio vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das »Jüdische Litteratur-Blatt« gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für dio gespaltene Petitzoile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition diesos Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer, welche direkt oder durch Walther Niemann Inserate' einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Das Judenthum im Dienste der Menschheit. Vortr»({, gehalten im Verein für Geschichte and I.itteratur des Jndenthnms in Hamburg, von Lnndrahbiner ür. J. Hamburger- Strelitz (Mecklenhnrjr). III. Die griechische Sprache war im zweiten Jahrhundert vor und ein Jahrhundert nach der üblichen Zeitrechnung die Sprache der gebildeten Welt in Alexandrien, Vorderasien, Rom und Griechenland. Wollte man für die gebildeten Kreise eine Schrift abfassen, so musste es in dieser Sprache geschehen. So wurde das biblische Schriftthum, erst der Pentateuch und später auch die Propheten und die andern Bücher, ins Griechische übersetzt. Die Wirkung dieses ersten Sendbotens war ein mächtiger. Das heilige Schriftthum der Juden, worüber verschiedene Gerüchte verbreitet waren, bildete kein Gelieimniss mehr; es lag vor aller Welt in der Sprache der gebildeten Welt auf geschlagen. In den Städten Alexandrien, Rom, Antiochien, Athen u. a. m. fand es eifrige Leser. Man war so sehr für dasselbe eingenommen, dass Moses mit dem mythischen Dichter Musäus und mit Hermes, der die Buchstabenschrift gelehrt haben soll, für identisch gehalten wurde. Plato 8011 sich die Gesetze Moses zur Ausarbeitung seines Staates zum Muster genommen haben; auch Pytliagoras imd Aristoteles haben vieles dem mosaischen Schriftthum entnommen. Strabo legt offen das Bekenntniss ab: »Moses lehrte, dass die Aegypter nicht richtig th'äten, indem sie die Gottheiten den Thieren ähnlich machen, ebenso die Lybier und die Griechen, denn nur das Eine allein sei Gott, das uns Alle, Erde und Meer umfasst. Welcher Vernünftige möchte es wagen, davon ein Bild zumachen, vielmehr aufgeben müssen wir alle Anfertigung von Bildern; einen würdigen Tempel lasset ihm uns weihen und ihn ohne Bild verehren.« Diese Glorifikation des Judenthums weckte jedoch bald auch Feinde und Gegner; es erhoben sich unter den Griechen und Römern gegen diese Lehren des biblischen Schriftthums missbilligende Stimmen, die dieselben lächerlich machten. Das Neue find Fremdartige darin war anstössig, die bildlose Verehrung Gottes, die strenge Sabbathfeier u. a. m. wurden hervorgehoben und verspottet. Nil praeter nubes et coeli numen adorant , ׳ Sie beten sonst nichts als Wolken und des Himmels Gottheit an«, lautete der eine Vorwurf. Die Sybille singt: »Jegliches Land und jegliches Meer ist von dir erfüllt, ist dir feindlich gesinnt ob deiner Gebräuche.« Es verfassten Schmäh- Schriften gegen das Judenthum: Manetho, Chaeremon, Ly8imachu8 und Apion. Die ganze geistige Errungenschaft des Judenthums schien in Frage gestellt zu sein. Da sandte das Judenthum seinen zweiten Sendboten aus; es war das reichhaltige hellenistische Schriftthum der Juden, das uns heute noch Bewunderung einfiösst. Die Zurückweisung der feindliehen Angriffe auf das Judenthum und eine Vernunftgemässe Erklärung der Lehren und Gesetze des jüdischen Schriftthums waren die zwei Aufgaben, die dasselbe sich stellte. Von demselben nennen wir: 1. das Buch des Aristeas mit dem Briefe über die Entstehung der Septuaginta und eine vernunftgemässe Erklärung der Lehren und Gesetze des Pentateuchs; 2. die Schrift des Aristobul, die sich meist mit der Erklärung der Anthropomorphismen beschäftigt; 3. die Orpheusgesänge, die den mythischen Dichter Orpheus die Wahrheiten und Gesetze des Judenthums in griechischem Gewände der Welt verkünden lassen; 4. das dritte Buch der Sibyllinen und 5. die Schriften Philo’s und Josephus. Uns ziehen besonders die inhaltreichen Schriften dieser zwei letzen Autoren an. Philo der Philosoph oder Philo der Alexandriner (geb. gegen 20. v. Ch.) stammte aus einer der vornehmsten jüdischen Familien Alexandriens; sein Vater hiess Lysimachus und sein Bruder war der Alabarch Alexander. Er selbst war eine hervorragende Personlichkeit, als Philosoph der Begründer der jüdischalexandrinischen Philosophie. Sein zahlreiches Schriftthum wird in vier Klassen geteilt: 1. philosophische oder philosophisch-exegetische; 2. historische oder historisch - geographische; 3. viele allegorische und 4. politische Schriften. In denselben lauten seine Aussprüche über das mosaische Gesetz: »Das Gesetz enthält das in der Natur sich offenbarende Gottosgesetz; es giebt somit die Anleitung, nach der Natur, naturgemäss, zuleben. Der Gesetzestreue 8011 dem Vorbilde der Natur nacheifern und sein Leben nach den Ordnungen der Welt einrichten«.*) Als Hauptgrund des Gesetzes stellt er die Gottähnlichkeit auf, dass wir mich Kräften Gott nachalimen und keine Gelegenheit vorübergehen lassen sollen, Gott ähnlich zu werden.**) Du kannst aber Gott ähnlich werden, indem du von dem dir zu Theil Gewordenen in derselben Weise Andern zu Gute kommen lässt, wie du durch dasselbe beglückt wurdest«.***) Philo ist für * l’liilo, vita Moses p. III. Aehnliehrs in <1<11־ Ausspriiehen des Talmud, siche: Hamburger Keall'Ineyelopaedie Artikel »Keligioiis Philosophie«. *״) Vita Moses, 111. ♦**) Daselbst.

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