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Das jüdische Literaturblatt · 1894-06-15 · No. 24. (15.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 24. (15.6.1894)
Date
1894-06-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 24. Jüdisches Jahrg. XXIII. Litteratur-Blatt. Zur IM<*uchtunj; »Ulor mul Jtulen lM*in*tt1*!1«l<*n 1Ut«*r11riM*ln*n Kr* soln‘i1mnK<*n »mf <1«*111 <;eM<*to •1<*r Philo* soplih»,Kthnonru1>hI1\ Tlu*o* lotfi«‘, Orientalin, Kx<wsc, Uomflctik. I.iturpik 11. l*>i<1nj.r<>Kik. H e r a u s g e g e l> e n von Rabbiner l)r. Moritz Rahmcr. Magdeburg, den 15. Juni 1894. Ili'irhiT «h*r »•inM*hl»icf1:**n U1l*־r«mr. weh•!!«* <l«*r K<*drtcth01 zmr״׳*atnit w»*nlcn, M1ul»*n in di»*H*m Watte <»h)1r<*h׳*n<]c l*es^rorlmuy:. Hei Kiuseiuiuuu von /.woi K0<*<‘11si<M1s*Kx<*m1*lHron ♦*rfnljjt ein* miilige kur/.«* Orati!**Inser!ion. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt1* erscheint wöchentlich. Preis bei allen Buchhandlungen (in Magdeburg bei Walther Niemann' pro Quartal: 2 Mark, der Einzelnummer: 15 Pfennig. Abonnenten der »Israelitischen Wochenschrift«, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das »Jüdische Litteratur-Blatt« gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeilo, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer, welche direkt oder durch Weither Niemann Inserate einsenden^ erhalten 25 U/Ä Kahatt. Das Judenthum im Dienste der Menschheit. Vortrag, getialtön im Verein fiir (iesehiclite und!,itteratur des Jndentliuuis in Hamtiurg, von I,a11<lra)>)>iner I)r. J. If a 11111 n rger- Strelitz (Meeklenlmrg;. II. In der freien Natur, unter dem schönsten Himmelsblau stand ein Altar, nicht von gestern und heute, sondern •Jahrtausende schon. »Sinai«, der Offenbarungsberg, war dieser Gottesaltar. Ein schweres düsteres Gewölk lagerte auf demselben. Donnergetön, Blitz und Posaunenschall, die immer stärker wurden, verkündeten die Feier der Offenbarung. Was hedeutete jenes düstere Gewölk, das Donnergetön mit seinem Blitz und Posaunen schall? Das düstere Gewölk auf Sinai war das Bild des Aber- und U11glaubens, des Götzendienstes der Völker. Der Donner mit seinem Blitz, die dieses düstere Gewölk teilten und zerteilten, deuteten die Gestalt an, wie diese Geistesverfinsterung der Völker durch die Lehren auf Sinai vernichtet werden wird. Der Posannenschall war die Ankündigung der vollen Freiheit für alle Menschen. Ja, m. Z., der Donner auf Sinai war ein Weltendonner, der die Völker in ihrem Wahnglauben erschüttern sollte; der Blitz wurde ein leuchtender Geistesblitz für die ganze Menschheit. Das israelitische Volk war berufen, Träger und Verkünder dieser Offenbarungslehren zu wei’den. »Ihr sollet mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk!« Das die Israeliten dadurch nicht zu Herren, sondern zu Dienern der Merschheit geworden, diese ihre Lehren unter fortwährendem Märtyrertum unter die Völker zu bringen, darüber lesen wir Näheres in den Propheten. Micha C. 2, V. 1—4 heisst es: »Und es wird geschehen am Ende Tage, fest ist der Berg des Gotteshauses auf der Spitze der Berge; er ragt unter den Hügeln hervor, nach ihm sehnen sich die Völker; sie sprechen: »Lasset uns hinziehen zum Berg des Herrn, in das Hans des Gottes Jakobs; er belehre uns von seinen Wegen, dass wir wandeln auf seinen Pfaden.׳ — Jesaja (12.S*): »Voll wird die Erde der Erkenntuiss des Ewigen sein, wie Wasser das Meer bedeckt. Jeiemia lö, 1•: »Zu dir kommen die Völker von den Enden der Erde und sprechen: Lüge ist's was unsere Viiter uns vererbten. Nichtiges, was nichts nützt. Jesaia;"><>, 7: Und ich bringe sie auf den Berg meines Heiligthums, erfreut• sie in dem Hause meines Gebetes, ihre Opfer sind zur Gnade auf meinem Altäre, denn mein Haus soll das Andachtshaus aller Völker genannt worden. ׳ Haben sicli diese Weissagungen erfüllt? Wir späten Enkel nach 300() Jahren sind Zeugen der wundervollen Ausbreitung der jüdischen Gottesidee über alle civilisirten Völker der Erde. Blicken wir naeh dem Westen und dem Osten, dem Süden und dem Norden, die Altäre da und die Gotteshäuser dort, die Gebete da und die Psalmen dort, das Halleluja da und das Hosianna dort, sind Licht von deinem Lichte, Geist vou deinem Geiste. Aber nicht bloss das religöse, sondern auch unser politisches und sociales Leben, dessen wir uns heute erfreuen: die Gesetze der Gleichberechtigung aller Landesangehörigeu, die Anerkennung der persönlichen Freiheit jedes Einzelnen, des Schutzes der Arbeit und der Arbeiter, die Fürsorge für die Armen, die Institutionen der Nächsten- und Fremdenliehe — sind Verwirklichungen der Lehren und Gesetze unseres biblischen Schriftthums. Lest nur das 2. 3. 4. u. 5. Buch Mosis und überzeuget euch von diesen Gesetzen, Lehren und Mahnungen, die im Geiste unserer Zeit schon vor Jahrtausenden geschrieben wurden. Wie geschah der Einzug dieser Wahrheiten in die Völker? Nicht Waffen aus Eisen und Stahl, sondern des Lichtes und der Erkenntuiss haben diesen Lehren Eingang in die Menschheit verschafft. Je erleuchteter die Völker zu denken begannen, desto mehr fanden Israels Lehren Verbreitung, desto höher achtete man sie. »Verehre und bete das Feuer an!« soll, nach einer Sage, der König Nimrod den ersten Gottesverkünder Abraham angeredet haben. »Warum denn das Feuer und nicht lieber das Wasser, welches das Feuer zulöscheii vermag?« war dessen Antwort. So bete das Wasser an! Warum das Wasser und nicht die Wolken, die das Wasser tragen? So bete die Wolken an! Warum die Wolken und nicht den Wind, der die Wolken zerstreut? So bete den Wind an! Warum den Wind und nicht den Menschen, der siel» vor Wind und Wetter zu schützen versteht? So bete den Menschen an! Warum den Menschen, der sterbsich ist und nicht Gott, den Unsterblichen?׳ Wir entnehmen dieser Sage die Thatsuehe. dass es das Licht der Erkenntuiss gewesen, das für die Ausbreitung des jüdischen Gottcsglaubens eintrat. Sehen wir uns die Völker des Alterthums an. ich spreche von jener Völkergruppe, die den Israeliten am nächsten gestanden, von den Kananitern, Aegyptern. Assvrern, Chaldäern. Persern, Griechen und Römern. Der Götzendienst der Kananitcr fiüsste Grauen und Entsetzen ein. Zur Versöhnung der erzürnten Gottheiten wurden Menschenopfer dargebracht■. Dem Moloch zu Ehren •■rlitten Kinder den Feuertod. Der Astarte opferte man die Keuschheit. Zur Erforschung der Zukunft waren hei den Chaldäern die Sterndeutung, die T״dtenbesehwü11־mg und andere Zauber den im Schwange. Die Perser

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