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Das jüdische Literaturblatt · 1894-06-08 · No. 23. (8.6.1894) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 23. (8.6.1894)
Date
1894-06-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 23. Jüdisches Jahrg. XXIII. Litteratur-Blatt. Zur Holfuohtunjr ullor .Iu11<anthun* un<1 .luden Bptroflpnrton Httornrisphen K1sfhoJnunpon auf dom GeWetu der Philosophfe. (»psrhiehte, Ktlimitrraphio. Theolojri«\ *>rlentallrt, Kxivese, Homiletik. Mturpik 11. Padmnurik. Herausgegeben von Rabbiner I)r. Moritz Rahmer. Magdeburg, den 8. Juni 1894. liürher der einsehlii^ixeu Litteratur. welehe dt»r Kedaetionziuresandt werden, finden in diesem ]Hatte eingehende Bo* spreehung. Bei KiuaendunK von r.wei Ket'ensions- Kxemplaren erfolgt ein* umlipe kurze (fratis-Inscrtitm.} Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich,!,reis bei allen Buchhandlungen (in Magdeburg bei Walther Niemann pro Quartal: 2 Mark, der Einzelnummer: 15 Pfennig. Abonnenten der »Israelitischen Wochenschrift«, die vierteljährlich boi allen Postanstaltcn und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das »Jüdische Litteratur-Blatt« gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene!,etitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Bachhändler u. Lehrer, welche direkt oder durch Walther Niemann Inserate einsenden, erhalten 25 "/״ Rabatt. Das Judenthum im Dienste der Menschheit. Vortrag, gehalten im Verein für (ieschiehte und I.ittcratur des Judenthums in Hamburg, von Landralihiner Dr. ,1. Hamburger- Strelitz (Mecklenburg . Ein Wanderer, der ein offenes Auge für Natur- Schönheiten und Siun für auffallende Erscheinungen hatte, kam an einen Ort, wo er von einer auffallenden Erscheinung überrascht wurde. Zwei Bäume standen nebeneinander, von denen der eine mit seinem Blätterreichtlium gewaltig rauschte, während der andere still und ruhig seine mit Früchten beladenen Aeste weithin ausdehnte, ohne mit denselben zu rauschen und zu lärmen. »Warum bist Du so still und ruhig, während Dein Nachbar mit seinen Aesten und Blättern so sehr lärmt?« lautete die Frage des Wanderers. Ich bedarf des Lärmens und Geräusches nicht.« war die Antwort des Fruchtbaums, »meine Früchte legen Zeugnis von mir ab!« Da wandte er sich an den andern Baum und trug: »Warum lärmst Du so sehr mit Deinen Aesten. rauschest mit Deinen Blättern?« »Unterliesse ich dieses.« entgegnete derselbe, wer würde mich da beachten? Hellenenthum und Judenthum sind die zwei grossen Sonnen, die Gott der Menschheit im Alterthum zu ihrer Kultur und Bildung aufgehen liess; sie bilden heute noch die Grundlage unseres gehobenen Denkens und Fühlens. Die Weisen Griechenlands mit ihrer Kunst und Wissenschaft, den tiefen philosophischen Fortschritten und den poetischen Schöpfungen einerseits. und Israels Propheten, Psalmisten und Lehrer andererseits mit ihrer Verkündigung der reinen Gottesidee, der Gesetze der Gleichberechtigung und der Nächstenliebe für Alle, bleiben die ewigen Meister der Menschheit, aus deren Weisheitsquell wir noch lange zu schöpfen ha htm werden. Aber höchst sonderbar verschieden gestaltete sich das Geschick dieser beiden Völker, der Hellenen und Israeliten. Während Erstere bis in den Himmel gehoben werden, versuchte man Letztere tief herabzudriiekeu. sie zu verfolgen und der Vernichtung preiszugeben. Aber waren denn die Lehren der Propheten und Psalmisten Judäa's von dem reinen Gottesglanben, den Gesetzen des gleichen Rechts, der Nächstenliebe u. a. m. Wege des Verderbens? Gewiss nicht! Abc'■ der Grund der Verschiedenheit der Geschickt' dieser zwei Völker ist ein anderer: die Existenz des einen und der Tod dos andern. Die Hellenen haben längst aufgehört. Träger und Verkünder der Kultur und Bildung ihrer Almen zu sein, daher keim* Verfolgung gegen sic: wer wird denn gegen Todte ankämpfen? Die Israeliten dagegen existiren noch, sie treten noch immer für die Kulturlehren ihrer alten Weisen ein, sind durch Jahrzehnte ununterbrochen deren Jünger und Verkünder geblieben, sie errichten den hohen Ideen der Gottes- und Menschenliebe ihrer Religion Altäre und bauen stets neue Gotteshäuser zur Verkündigung derselben, daher der Hass gegen sie. Allerdings ein Paradoxon. Aber es ist so! Ein alter Lehrer bemerkt: »Der Berg der Gesetzesoffenbarung hiess »Sinai«, das in seiner hebriiisclien Stammbedeutung auch »Hass« bezeichnet,*) eine Andeutung, dass durch diese Gesetzesoffenbarung Feindschaff zwischen Israel und den Völkern entstand. Allerdings wieder ein Paradoxon. Aber erklären lässt es sich. So Jemand stirbt, schwindet jedes Vorurtheil gegen ihn. Die Wahrheiten und Lehren, die er uns während seines Lehens verkündet hat, erscheinen als Worte eines Verklärten, dessen Geist dem Irdischen entrückt ist. Wie sollten wir den hassen, der nicht mehr ist! »Mein Kampf, so ruft der Scheidende, ist beendet; was ich gewollt und gewünscht, gelehrt und verkündet, liegt als Abgeschlossenes vor Euch, machet damit, was ihr wollet!« Das rührt uns, wir denken klarer über den Mann und reuevoll weinen wir oft eine Thräne dem nach, den wir hei Lebzeiten verkan nt׳ haben! Anders jedoch verhält es sich mit den Männern, die noch leben, die in ihren Nachkomme:) Jünger und Verkünder ihrer Lehren haben. Letztere, das sind die Israeliten, die das Panier ihres Gottesglaubens hochtragen, von dessen Lehren und Gesetzen nicht, hissen wollen und können. Daher der fortwährende Kampf gegen sie, die Verkennung und Verleumdung ihrer Religionslehren. Existirten keine jüdischen Tempel und Altäre mehl־•, wären all die Kanzeln und Lehr- Stätten zur Verkündigung des jüdischen Gottesglaubens geschwunden wahrlich, man hätte auch für das Judenthum als etwas Antiquirtes und Ucberlebtcs ein schonungsvolleres Urteil. Von diesem lebenskräftigen Judcuthiim wollen wir sprechen; es ist der Baum, der siill und ruhig dasteht, nicht rauscht mit seinen Blättern, sondern weithin seine mit Früchte» beladenen Aeste ausstreekt mit, dem Rufe: Meine Früchte sollen für mich zeugen! Und es sind segensvolle Früchte, die auf dem Lehensbäume des Judentlmms gewachsen sind und den Völ kern durgereicht wurden. Die im biblischen Sehriftthum enthaltenen, von den Propheten und Psalmisten s) .ידה נקיא שדו סיני שהניא •1:ו שנאה דן הא,■דוח

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