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Das jüdische Literaturblatt · 1894-05-04 · N° 18. (4.5.1894) · p. Seite 70

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 18. (4.5.1894)
Date
1894-05-04
Page
Seite 70 (sequence 4)
Language
German
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— 70 — Berlin SW.) nachzuschlagen. Sodann sollten unseres Erachtens die ״Einleitungen“ überhaupt einmal einhalten und solange aufgeschoben werden, bis durchaus neue exegetische Untersuchungen auf Grund sorgfältiger philologischer und archaeologischer Arbeiten ein griindliebes Geschichtsbild vom Alten Testament entwerfen lassen, bis man versucht hat, sei es durch neue etymolugische Untersuchungen oder durch die Prüfung der durch Ausgrabungen besonders in Aegypten etc. gewonnenen Anschauungen im Vergleich zur ״alten“ Ansicht vom Inhalt des A. T’s. die Wahrheit der Geschichte desselben noch einmal und besser zu fundiren. Es ist hier nicht der Platz für eine weitere Erörterung dieser Frage; wir verweisen nur auf unseren obgenannten Aufsatz in diesem ״Literaturblatt“ und unsere Arbeit ,,Zur Quellenkritik des Pentateuch“ und können nicht umhin, mit einigem Bedauern zu constatiren, dass es niclt Deutschland, sondern England und Amerika (Prof. Green) ist, wo eine besonnene Schule das Material in dem von uns gemeinten Sinne prüft. Wir verwahren uns von vornherein gegen diejenige Beurtheilnng unserer Ans c ha u u 11 g, als wärees uns i rgend wi e d arum zuthun, Apologetik zu treiben. Auch nicht das Streben nach Originalität ist es, die uns neue Etymologien und dadurch neue Ansichten suchen lässt. Es ist vielmehr das ehrliche Verlangen, die Anschauung der ״Alten“ gründlich zu prüfen, ohne den Mängeln heutiger Exegese und Philologie anznhängen. Bezüglich der Detail-Besprechung von CorniH's ״Einleitung“ will ich mich aut diejenigen Bücher des A. T. beschränken, mit denen ich mich in letzter Zeit etwas eingehender beschäftigt habe: Hiob, Esther undPsa l ter. (Ueber כ׳ מלהטות ה׳,ספר הישר u.ס׳ הברית wobei Mehreres zum Pentateuch, Josua, Sam., Kön. und Chron. zu sagen ist, vgl. meinen Aufsatz : ״Etwa-■• von den Quellenschriften d. Pentateuch i. ״Neue Kirchl.Ztschr.“lV, 12 S. 1026 — 52.) Was zunächst das Buch Hiob anlangt., so bin ich zwar in jüngster Zeit dem Vert. mit meinen ״Beiträgen zum B. Hiob“ direct näher getreten, will jedoch, da eine Besprechung ja nicht nur für den Verf. des zu recensirenden Huches, sondern auch für die Leser desselben bestimmt ist, auch hier das Wesentliebste anführen. Ich gebe Cornill liecht, wenn er Hiob (S. 236) auf Grund eines Vergleichs von Jer. 20, 14 — 18 mit Hiob 3 (der Verf. nennt das Capitel ״d. B. Hiob“, die Citate aber ״Job.. .“) Hiob jünger sein lässt als Jereniia. (Hier hätte der Verf. wenigstens J. Barth, Entstehungszeit des ' Buches Hiob. Progr. des Rabb.-Sem. 1870/76. Berlin, der Hiob nach Obadjah und vor J eremia um 700 entstanden sein lässt, nennen soll 11). Dass nach Ez. 18 Hiob auch jünger ist, als Ezechiel, gebe ich gleichfalls cum grano salis zu. Die Keminiscenz an Gen. 45,29 (Priesterschrift) und die hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zur selben Quelle bestrittene Stelle Gen. 25,8 (wo LXX und Santar, auch ושבע ימים gelesen |?| haben sollen — es ist. nur Geläufigkeit!) in Hiob 42,17 ist noch zu erweitern, da ihr l.Sam. 12,2 זקנתי השבתי Ezur Seite gestellt werden kann; doch ist das ja nur ein einzelnes Citat. Wichtig erscheinen dagegen die Thatsachen, welche C. (S. 236 f) anlührt: 1) Parallele zwischen Hiob 15, < und Spr. 8, 25, 2) der ״aramaeo-arabische“ Charakter des Buches und 3) die schon von Herder bemerkte Eintiusslosigkeit von Hiob auf die hebräische Literatur. Daher soll es später sein als Jesajah resp. König Manasse, Jojäkim oder Zedekia, höchstens Anfang des babyl. Exils: hier hätte der Verf. die auch von Di 11 mann in seiner neuesten Hiobausgabe unbeachtet gelassene Bearbeitung des Patches lliob durch B.Szold (d.Buch Hiob. Baltimore 1886. hehr.) erwähnen und bemerken sollen, dass Sz. S. XXI. Maleachi als Verfasser des Buches vermuthet. — Genauere Resultate aber erzielen wir, wenn wir auf die Ortsangehörigkeit der Freunde Hiobs näher eingehen. Denn die Hiob 2, 11 genannten 3 Freunde sind sämmtlich Judäer: zu התימני vgl. 1. Chron. 4,6 (trotz Jer 49,7), zu השוהי 1. Chr. 4,11 (wovon חושה v. 4 natürlich zu scheiden ist: Gesen. Lex. 10), zu הנעמתי Jos 15.41. (Zophar wird nicht nach der Familie, der er angehörte, sondern nach seinem Wohnorte genannt, vielleicht weil er sich in Juda ankaufte. Wir begegnen seinem Namen sonst nicht wieder.) Und der Chronist scheint selbst ein Judäer gewesen zu sein, nicht ein Levite, wie auch Cornill (S. 275) annimmt, denn es fällt auf, dass er von Juda (und Benjamin) ein verbaltnissmäsdg umfangreiches Register giebt. Vielleicht war er gerade auch Bewohner von Jeiusalem, wo er das Tempelleben und die Familiengeschichte der Leviten und Priester kennen zu lernen Gelegenheit hatte und auch ihre Genealogieen mit, ziemlicher Genauigkeit anzugeben in der Lage war. Bestätigt wird diese Annahme auch dadurch, dass die Genealogisirung mit dem Stamme Juda beginnt. — Was aber den 4. Freund, Eliliu, anlangt, so ist sein Vater ברבאר, dessen Name nur hier vorkommt, identisch mit den! 1. Chr. 3,20 genannten Sohne Serubbabels ברביה (vgl. אליקים und יהוילים lür den König von Juda, Sohn Josias: 2. Kön. 23,34), also aus davidischem Geschlechte. Dass er demnach ממשפהת רם war, besagt Hiob 32,2 ebenso, wie Ruth 4,19. Die Bezeichnung הבחי bringt Eliliu in räumliche Beziehung zu E z e c h i e 1, welcher ja (Ez. 14,14) die Person des Hiob kannte und in seiner Umgebung bekannt machte. Der Umstand nun, dass der Vert. die Familienverhältnisse des aus davidischem Geschlechte stammenden Ehliu ziemlieh genau kennt, lässt einerseits vermuthen, dass er diesem verwandtschaftlich und zeitlich nahestand, andererseits wirft er neues Licht auf die Redaction von Sprüche, Koheleth und Hoheslied (auch Psalmen?). die nach ihren Ueberschriften salomonisch sein sollen. Die Gegend also, in der das Buch entstand, war das südliche Palästina, in der Nähe des angrenzenden Edom. Damit ist aber nicht gesagt, dass sie in Edom selbst spielte; und wenn LXX in der Nachschrift zum Buche unsern ״Hiob mit dem Gen. 36,33 erwähnten zweiten edomitischen Könige Jobab ben Zerah (זרח) und diesen Zerah mit dem V. 16 erwähnten Enkel des Esau identifizirt, wodurch Hiob zum 7נ׳:ד:17ן1ד; ir.b ’AJjpasqt wird“, so ist das völlig belanglose Phantasterei, die ja eben auch heute noch ideell bez.des B. Hiob besteht. (Schluss folgt.) Literarische Notiz. Sehr geehrter Herr Redacteur! Mit denselben Worten wie Sie, zu der Mittheilung des Herrn Feinstein im jüngsten Litbl. S. 64, gebe ich in meiner Ab־ handlang über die ״bibl.-rabbin. Speisegesetze“, die in einigen Tagen die Presse verlassen wird, (S. 387 Note 2) meinem Befremden Ausdruck. Meine Worte lauten daselbst wie folgt: ״Ein merkwürdiges, kaum entschuldbares Missverständniss findet sich bei dem מניה (Verf. d.מרבבת המשנה) z.d.stelle בר השיעורין ומהלקותם הלממ Er schreibt ein Grosses und Breites darüber, dass ja nach Maini’ini’s anderweitigem Kanon bei הלמימ kein Streit (מחלקת) stattfinden kann. Der Glossator verwechselt also das Wort מהלקת, welches im Rabbinischen ״Streit, Widerspruch“ bedeutet, mit dem hier nach ] Chr. 27, 4 von Maim. gebrauchten, worunter ״Sclieidang, Eintheilung, Abtheilung“ u. dgl. zu verstehen ist, in begreiflichem und begrifflichem Zusammenhang mit;שיעורי.“Kabb. Dr. Wiener- Oppeln. Verautwortl. Kedacteur. Dr. K a 11 m e 1׳, Magdeburg, Druck Friedrich Kasche & 00111p., Magdeburg. Verlag Kob. Friese Leipzig.

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