Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 18. (4.5.1894)
- Date
- 1894-05-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JE 18. XXIII. Jahrg Das J üdischeLiteraturbl att Zur Befeuchtung aller Judenthum und Juden betreffenden literarischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte. Ethnographie. Theologie, Orlen• talia. Exegesse. Homiletik. Liturgik und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahm er. Magdeburg, den 4. Mai 1894. Bücher der einschlägigen Literatur, »eiche der Redaktion zugesandt werden, finden in diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis-Insertion. Das ,,Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig hei l׳'obert F riese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift.“ die vierteljährlich bei allen PostamtJ'en und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 20 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die ״Expedition dieses Blattes“ zu senden. Buchhandler und Lehrer, welche direkt oder durch Robert Friese Inserate eiusenden, erhalten 25 0/0 Rabatt. T-oT1a.lt; Wissenschaftliche Aufsätze: Dr. Joseph Perle's wissenschaftliche Leistungen. Von Prof. Dr. Kaufmann. — Bubers neneste Midrasch - Kdittou und der ״Lekach-Tob“ des R. Tobia. Von Rabbiner Dr. Goldfahn. Recensioneu: Grundriss der theologischen Wissenschaften. Besprochen von Dr. B. Koenigsherger-Breslau. Literarische Notiz von Rahb. I)r. Wiener - Oppeln. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Dr. Joseph Perles’ wissenschaftliche Leistungen.*) Von Prof. Dr. David Kaufuian n. ln der zweiten Generation der von Rapoport und Zunz geschaffenen jüdischen Wissenschaft stand Perles im Vordergründe. Er hat all die Hoffnungen gerechtfertigt, die so ausgezeichnete hehrer, wie Zacharias Frankel, Jakob Bernays, Graetz und Joel am jüdischtheologischen Seminar, und Bernstein, Stenzler und Schmülders an der Universität in Breslau früh an ihn geknüpft haben. Schon sein Eintritt in die Wissen- Schaft war der eines Meisters. Die Dissertation, mit der er am 30. März 1850 in Breslau das Doctorat der Philosophie erwarb, seine Melotemata Peschittlioniena, sind für die Erforschung der syrischen Bibelübersetzung bahnbrechend geworden. Die tiefe Kenntniss der jüdischen Traditionsliteratur hatte hier sich wieder einmal für eine arg vernachlässigte Frage der Wissenschaft aufschlussreich und fruchtbar erwiesen. Zeit und Bedeutung, Ursprung und Charakter dieser Uebersctzung erschien auf einmal in neuer Beleuchtung. Ihre Urheber, denn auch ihre Einheit war nun nicht länger zu behaupten, konnten fortan nicht mehr als Christen gelten, überall zeigte sicli der jüdische Einfluss, der Niederschlag der jüdischen Tradition, den man nur darum nicht erkannt hatte, weil man ihre (Quellen zu befragen nicut im Stande gewesen war. Die Ergebnisse dieser Untersuchung, seither bereichert und vertieft, sind ein Gemeingut der Isagoaik geworden. Auch auf dem Gebiete der eigentlich jüdischen Wissenschaft hatte er die Sporen schon auf der Schule verdient. Eine vom Breslauer Seminar gekrönte Preisschritt über den Geist des Commentars des R. Moses C. Nachman zum Pentateuch führte ihn 1858 in Frankels Monatsschrift, der er bis an sein Ende treu blieb, in die Literatur ein. Schon den Anfänger kennzeichneteu die Vorzüge des gereiften Mannes, erschöpfende Sach- *) Wir bringen den obigen Artikel als Ergänzung des Leitartikels in No. 1a der ״Isr. Wochenschrift“ und lassen, um Wiederholuugen zu vermeiden, die Schilderung der persönlichen Vorzüge des edlen l.'ollegen als Mensch und Rabbiner daraus weg. (I). Red.) kenntniss, eine auch das Entlegenste heranziehende Belesenheit, Sauberkeit und Vornehmheit der Darstellung im Verein mit kritischer Besonnenheit und Zurückhaltung. Daneben verriethen auch schon die ersten Flüge den künftigen Meister der Archäologie. ״Die jüdische Hochzeit in nachbiblischer Zeit“, ״Die Leichenfeierlichkeiten im nachbiblischen Judenthum“, im 9. und 10. Jahrgange der Monatsschrift, sind archäologische Studien von bleibendem Werth. Als die erste Probe dessen, was er in stiller jahrelanger Arbeit an etymologischen Studien zur Sprache der Targumim, des jerusalemischen und babylonischen Talmuds, wie der gesummten Midraschliteratur aufgespeichert hatte, traten 1806 und 1867 seine Bemerkungen zu Levy’s chaldäischem Wörterbuche hervor. Hier zeigte es sich zuerst, dass Michael Sachs einen Nachfolger gefunden hatte, dem noch eine überreiche Nachlese glücklicher Worterklärnngen und Räthsellüsnngen auf seinem eigensten Gebiete übriggeblieben war. Die ״Etymologischen Studien zur Kunde der rabbinisclien Sprache und Alterthiimer“ (Breslau 1870), ״Zur rabbinisclien Sprach* und Sagenkünde“ (eb. 1773), die ״Beiträge zur rabbinisclien Sprach- und Alterthumskunde“ (eb. 1893) und seine letzte Arbeit in Krumhachers Byzantinischer Zeitschrift, Y0n kleineren Abhandlungen in der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, der ״Revue des etudes juives“ abgesehen, enthalten einen Schatz werthvoller Entdeckungen und Beobachtungen, unter denen bleibende Errungenschaften gesicherter Erkenntniss von dem sicheren und glücklichen Blicke dieses emsigen Schatzgräbers zeugen, in allen Theilen aber anregende Belehrung, Lesefi lichte ausgebreiteter Forscherthätigkeit in Fülle vorhanden sind. 111 der Kenntniss der orientalischen Sprachen, in der truchtbringenden Heranziehung des Altpersischen und der syrischen Dialekte Sachs überragend, durch gediegene Kenntniss der Realien ausgezeichnet, führte hier Perles Zucht und Methode in ein Gebiet ein, das durch die Einfälle eines wildernden Dilettantismus besonders heimgesucht war. Arbeiten auf dem Gebiete der mittelalterlichen Literatur zeigten bald, dass Perles nicht einseitig auf die Erforschung des Altertliums sich beschränkt hatte. ״Rabh Salomo heil Abraham heil Adereth“ (Breslau 1863). die Biographie und liferarise.be Würdigung des 1310 verstorbenenen Talmudclassikers von Barcelona, der durch sein Auftreten gegen die allzufriihe Beschäftigung mit Naturwissenschaft und Metaphysik in der Cultargescliichle des Mittelalters eine Stelle hat, zeigte Perles zuerst auf der Bahn der historischen Forschung, die er durch diese verdienstliche Monographie mit Glück