Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 15. (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- Seite 60 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Recensionen. Gelbhaus, I)r. S., Das Targum Sclieni zum Buche Esther (Die Targumliteratur vergleichend |sic| agadisch und kritisch philosophiscli beleuchtet, Heft I). Frankfurt a. M. 1893. J. Kauffmann. 90 S. Der Wert der Targumim für die Ermittelung der ״ältesten Erklärungen und Deutungen der hl. Schrift,•‘ sowie mancher Züge des jüdischen Lebens während der Zeit ihrer Abfassung, wird vom Verfasser mit Recht im Vorworte hoch angeschlagen. Ein jeder Versuch, die in den aramäischen Paraphrasen offen daliegenden oder durch krititische Vergleichung sich ergebenden Materialien (cf. ״Talmudischen Bibelexegese im Targum Jonathan“, Jiid. Literaturbl. 1892, Nr. 47) sei es exegetisch, sei es politisch oder religionsgeschichtlich zu verwenden, darf wohl auf weitgehendes Interesse rechnen; doch timt man gut, hei einer Einzelstudie auf einem so wenig erforschten Gebiete sich in der Ueberschrift weise zu bescheiden. Der vielversprechende Titel der vorliegenden Arbeit fordert eine strenge Kritik heraus. Das Gebotene enthält hier und da manche dankeswerte Bemerkung und wertvolle Zusammenstellung abweichender Relationen, namentlich sind die Parallelen zwischen dem Targum Sclieni und der Peschito (S. 13—18) ein brauchbares Material, aber das Ganze beruht aufunzulänglichen Vorstudien. Beim heutigen Stande der Wissenschaft gehört zu einer philologischen Kritik eine viel breitere linguistische Basis als diejenige, welche dem Verf. zu Gebote steht, und zu einer Vergleichung der Legenden gehört eine umfassendere Heranziehung deran deren Literaturen des Altertums. Ganz unnütz sind die übermässig langen, mitunter über halbe Seiten sich erstreckenden, in collosalen Lettern gedruckten hebräischen bezw. aramäischen Textcitate; der Verf. hätte schon besser getlian. das ganze T. Sch. abzudrucken und seine Bemerkungen als Varianten und Glossen beizufügen. Manche der breiten Gegenüberstellungen sind im Grunde דרדוקי עניות, so z. B. s. 3:3 שדא נירא רמערבא והדר ונפל לגו ירושלם וכוי und die entsprechende Stelle Gittin 57, wo merkwürdigerweise der erste Schuss nicht gegen Abend fällt, sondern gegen Morgen שדא נירא לרזרה etc. — Auf mancher Seite lmt es den Anschein, als wenn die Arbeit in vorhinein auf wissenschaftlichen Wert verzichte, so z. B. wenn ' er die Legende ernst nimmt, wonach Jonathan b. Usel das Prophetentarguin verfasst hätte iS. ti), oder wenn sie ,.die ersten Anfänge einer Uebersetzung des liebr. Textes in das Aramäische ... in die Zeit Esra's hinauf" verlegt (S. ö). Auf derselben Seite begegnet uns der überaus lehrreiche Satz: ״Das Targum Sclieni gehört der Kategorie der Bibelübersetzungen an, welche unter dem Namen Targumim bekannt sind “ Wenn nur alles Uebrige in der Sclnift so sicher wäre wie dies! —a. Mart 1)1a 1111, Martin. Die hebräische Verskunst nach dem Metek Sefatain des Immanuel Eransis und anderen Werken jüdischer Metriker. Berlin N. W. 6. Verlag von S. (■alvaiy £ Comp. 1894. Grundlegend für das behandelte Thema sind gröstenteils David Jachja im Schekel hakodesch und Abraham lbn Esra im Zachoth. Von Fransis berichtet der Herr Verf, dass er in Livorno 1618 geboren und 73 Jahre alt geworden war. Berühmt ist derselbe durch seine Gegenschrift gegen Sabbatthai Zebi geworden. Sein Abriss über hebiäische Metrik ist in dialogischer Form gehalten. Sowohl in den Versgedichten, als auch in den Strophengedichten hat der Herr Verfasser die Aelmlichkeit des hebräischen Versmaasses mit dem arabischen Verantwort!. Kedacuur. Dr. Kali in er Magdeburg. Druck ü'riedn nachgewiesen, dem jenes im Mittelalter entlehnt war, wenn auch italienische Versformen (bei Fransis) und mitunter auch klassische (hexametrische) angewendet werden, denen gegenüber das Metek Sefataim sich abweisend verhallt. Interessant ist es, den Gaon Haja, dessen Lehrgedicht Mussar haskel in Dukes, ״Ehrensäulen“ abgedruckt ist, und vermöge der in demselben enthaltenen ethischen und historischen Momente Beachtung verdient, und Moses Maimonides, als Verfasser poetischerGebetstücke, als Dichter gewürdigt zu linden. Den Leistungen von Kämpf, Zunz und Steinschneider auf den Gebiete der hebräischen Prosodie und der einchlägigen Literatur zollt der Herr Verfasser volle Anerkennung. Das System der hebräischen Metrik hat neben dem Reim doch die Stellung, Zahl und Anordnung der Vokale und Sch’wa-Laute zur Grundlage. Spondeen, Trochaen und Jamben sind ausschliesslich zur Geltung gelangt. Innerlich hat die hebräische Poesie des Mittelalters, die Meister der Dichtung Salomo ibnGabriol, Jehudah Halevi und Abraham ihn Esra ausgenom men, doch zumeist einen liturgischen, epigrammatischen, didaktischen Charakter. Weder die Harmonie des Schönen, noch der Zug des biblisch Erhabenen, des Hinausragens des Geistigen über die Form, waltet in den vom Herrn Verfasser angezogenen Gedichten vor. Der Herr Verfasser beherrscht sein Thema vollständig und verfügt über genaue und kritische Kenntniss der Quellen. Das möchte wohl für manche Wendungeii entschädigen ״welche unfreundlich klingen.“ Die gelehrte Schrift verdient gelehrte Leser. I )r. S. Xu.sch<- r. Brodbeck, Die zehn Gebote des Jesuiten. Zürich, Verlagsmagazin. Diese aus den Hauptwerken der Jesuiten zusammengestellte Schrift, welche auch den Fehler einer solchen aufweisst, aus dem Zusammenhänge gerissene Sätze zur Beurteilung vorzulegen, war eine sehr undankbare Arbeit, wenn sie vielleicht auch ihren Zweck erreichen wird, in die erregten Gemüter der Protestanten wegen event. Zurückberufung der Jesuiten neuen Zündstoff zu tragen. — Die ruhigen Geister werden es dem Verf. ebensowenig Dank wissen, als die Juden, deren Zehn Gebote herbeigezogen werden, um sie zu dem Dekalog der Jesuiten in Gegensatz zu bringen. Wir Juden sind und bleiben Gegner aller Ausnahme- und Expatriirungsgesetze, sie mögen Socialdemokraten, Jesuiten oder sonst wen betreffen. Verbirgt sich hinter den Vorschriften der Jesuiten etwas, was gegen die Landesgesetze verstösst — und wir sind überzeugt, dass die meisten Katholiken das weder unterschreiben noch ausüben werden, was Männer wie Mariana als erlaubt hinstellen, ja es kaum kennen — dann sind die geordneten Gesetze da, um Ausschreitungen zu verhindern; reichen sie nicht aus, dann mögen sie erweitert werden. Unser Gerechtigkeitsgefühl verbietet uns aber, Hunderte von Menschen deshalb für ״vaterlandslos“ zu erklären, weil einige ihres Anhanges in früheren Zeiten etwas geschrieben, was mit unseren Anschauungen nicht übereinstimmt. Wir erachten es auch als eine Feigheit, anzunehmen, dass einige Dutzend Männer, selbst wenn Alles wahr wäre und befolgt würde, was man ihnen anmutet, für Millionen Menschen Gefahr bringen könnten, denn das ist die Methode Ahlwardt’s und Cons., die gegen uns in Anwendung gebracht wird, und schon darum müssen wir sie mit aller Entschiedenheit verwerfen und dagegen protestieren, dass jemand auf die Idee käme, das Judentum könnte in einen solchen Kampfesruf mit einstimmen. ür. Singer-Coblenz, ch Kasche & eomp., Magdeburg. Verlag Kob. Priese Leipzig-