Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 15. (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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.1215״ XXIII. Jahrg Das JtidischeLiteraturblatt Zur Beleuchtung aller Judenthum und Juden betreuenden literarischen Erscheinungen aut dem Gebiete der Philosophie, Geschichte, Ethnographie, Theologie, Orien• talia, Exegesse. Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rah ine r. Magdeburg, den 13. April 1894. BQcher der einschllgigen Literatur, welche der Redaktion zugesandt werden, finden in diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis-Insertion. Das ״Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einein halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert F riese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wocheuschrift,“ die vierteljährlich bei allen Postanst »l!en und Buchhandlnngen 3 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 25 Pf. fttr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die ״ Expedition dieses Blattes“ zu senden, Buohhändler und Lehrer, welche direkt oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 °/0 Rabatt. IntLa.lt: Wissenschaftliche Aufsätze: Eine wichtige Entdeckung über Jesus. — Erklärung unklarer Bibelstellen. Von Dr. Herzel-Brody. VII. Recensionen: Gelbhaus, Dr. S., Das Targum Scheni zum Buche Esther. — 11 artmann, Martin, Die hebräische Verskunst nach dem Metek Sefataim des Immanuel Francis und anderer jüdischer Metriker. Besprochen von Dr. S. Nascher. — Brodbeck, die zehn Gebote des Jesuiten. Besprochen von Dr.!Singer-Coblenz, Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Eine wichtige Entdeckung über Jesus. (Schluss). Dort hatten die Israeliten viel von den Heiden zu erdulden und sie waren sehr mutlos. Issa tröstete sie; sie sollten bei dem einzig wahren Gotte aushari-en, denn er habe ihnen verziehen nnd die Erlösung sei nahe. Aber sie sollten Gott im Geiste anbeten und ihm einen Tempel in ihrem Herzen einrichten. Da nun alles Volk Issa zuliet, so wurde der Hauptgouverneur des Landes, Pilatus in Jerusalem, sehr besorgt, zumal da seine Beamten meldeten, dass Jesus das Volk aufwiegle, indem er ihm sage, es werde bald von den fremden Eindringlingen befreit sein. Pilatus Hess daher Issa verhaften und vor Gericht stellen; um aber das Volk nicht zu reizen, wollte er Issa durch die Priester und Gelehrten Israels richten lassen. Die Richter stellten nun allerlei Fragen an Issa und er verteidigte sicli und seine Lehre, wo?־auf die Richter erklärten, sie fänden keine Schuld an ihm; sie Hessen ihn frei und sagten dem Gouverneur, seine Beamten hätten ihn falsch herichtet. Da geriet Pilatus in heftigen Zorn, aber er hielt an sich. Er schickte Spione aus, die alle Reden und Thaten Issa’s beobachten und melden sollten. Issa aber fuhr fort zu lehren, und überall lief das Volk ihm zu. Die Spione stellten ihm nun allerlei verfängliche Fragen, aber er beantwortete sie alle sehr geschickt» An eine dieser Fragen knüpfte Issa eine grosse Rede über die Verehrung, die man der Frau schuldig sei. So lehrte er drei Jahre, ohne dass man eine Anklage gegen ihn erheben konnte. Aber seine wachsende Popularität Hess den Pilatus nicht ruhen; er fürchtete immer, Issa werde einen Aufstand erregen und sich zum König ausrufen lassen. Er dingte also Leute zu falschem Zeugnis, Hess Issa verhaften und in einem unterirdischen Gefängnis foltern, um ihn zu Gestandnissen zu zwingen, auf Grund deren man ihn verurteilen könnte. Aber Issa ertrag Alles geduldig. Als die Priester und Gelehrten es erfuhren, gingen sie zu Pilatus und baten ihn, er möge ihnen Issa zu dem grossen Feste, das nahe war, freigeben. Aber Pilatus schlug es ihnen ab. Dann baten sie ihn, er möge Issa vor den Rat der Alten stellen, damit er noch vor dem Feste verurteilt oder freigesprochen werde; dies gewährte er. Am folgenden Tage wurde Issa vor Gericht gestellt, zugleich mit zwei Räubern, damit er nicht allein verurteilt werde. Pilatus, der dem Gerichte ebenfalls anwohnte, sagte zu Issa: ״Mensch, ist es wahr, dass Du die Bewohner gegen die Behörden aufwiegelst in der Absicht, König von Israel zu werden?“ Issa erwiderte: ״Man wird nicht König nach seinem Willen, und man 11 at Dich belogen, als man Dir sagte, dass ich das Volk aufwiegele. Ich habe immer nur vom König des Himmels gesprochen, den ich das Volk anbeten lehre. Denn die Söhne Israels haben ihre alte Reinheit verloren, und wenn sie nicht zum wahren Gott zurückkehren, so werden sie gestraft und ihr Tempel wird in Trümmer fallen. Die weltliche Gewalt hält die Ordnung im Lande aufrecht. Ich lehrte sie, dies nicht zu vergessen; sie sollten der Lage entsprechend leben, die öffentliche Ordnung niciit stören und sich erinnern, dass Unordnung in ihrem Geiste und in ihrem Herzen herrsche. Der König des Himmels hat sie gestraft und ihnen ihre nationalen Könige genommen; aber wenn sie, sagte ich ihnen, in ihr Schicksal sich fügen, so weide ihnen das Himmelreich zu Teil werden.“ Darauf wurden die falschen Zeugen eingeführt; einer von ihnen sagte zu Issa: ״Du hast gesagt, die weltliche Gewalt sei nichts im Vergleich mit der Gewalt des Königs, der die Israeliten bald vom Joche der Heiden befreien werde.“ Darauf sagte Issa: ״Gesegnet seist Du, dass Du die Wahrheit gesagt hast! Der König des Himmels ist grösser nnd mächtiger als das irdische Gesetz, und sein Reich übertrifft alle Reiche dieser Erde. Und die Zeit ist nicht mehr fern, wo Israel dem göttlichen Willen gemäss sich von seinen Sünden reinigen wird, denn es ist gesagt, dass ein Vorläufer kommen wird, um die Befreiung Israels anznkündigen, und er ward das Volk zu einer einzigen Familie vereinigen!“ l)a wandte sich Pilatus an die Richter: ״Habt Ihr es gehört? Jssa gesteht das Verbrechen zu, dessen er beschuldigt ist. Richtet ihn nun nach Euren Gesetzen und sprecht die Todesstrafe gegen ihn aus!“ Die Richter aber erwiderten: ״Wir können ihn nicht verurteilen, denn er hat vom König des Himmels gesprochen, wie Du selbst gehört hast, und er hat nichts gesagt, was gegen das Gesetz wäre.“ Hierauf Hess Pilatus einen Zeugen kommen, der auf seinen Antrieb Jssa verraten hatte, und dieser sagte zu Issa: ״Gabst Da Dich nicht für den König von Jsrael aus, als Du sagtest, dass der König des Himmels Dich gesandt habe, um sein Volk vorzubereiten?“