Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 14. (6.4.1894)
- Date
- 1894-04-06
- Page
- Seite 56 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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56 lassen. Die L&ien werden eben so viel Genuss als Nutzen aus der Lektüre dieses Teiles der jüdischen Literatur schöpfen. Pie jJebergaijgsperiode von der taimudischen Zeit bis auf die Entwicklung einer neuen jüdischen Kultur im Südwesten Europa’» bildet die Epoche der Geonim, die jedenfalls zu den interessantesten in der Geschichte der Entwicklung d*s jüdischen Wissens gehört. Fast auf allen Gebieten desselben haben sie sich hervorgetlian und Einer derselben, Saadia. gehört zu den hervorrageridsten der jüdischen Religionsphilosnphe.1 und Sprachkenner. Die wichtigsten derselbe werden in der dritten Lieferung vorgefülirt und geben einen ausreichenden Begriff von den literarischen Leistungen derselben. Wahrend der Epoche der Geonim lösten sich die Karäer von dem jüdischen Volke, los und bildeten eine besondere'Sekte. Die Karäer׳ leugneten den göttlieben Charakter der Ueberlieferung, forderten die Rückkehr zum Gesetze der Bibel und stellten als die erste Pflicht die treue Forschung in dem Gesetze auf. Der Einfluss der Sehriftforscliung auf die Regelung des religiösertLebensgab den Karäern den Ansporn zur liebr. Sprachforschung, zur Pflege religionsgesetzlicher Studien und der Religionsphilosopliie. 1 hre Literatur weist sehr interessante Partien auf, die im Anschlüsse an die Literatur der Geonim bis auf Elia Baschiatzi in der 6. Lieferung dargestellt werden, mit welchem die Periode des Wachstums und der Blüthe des Kariiertuins abschliesst. Das Wesen der Massora, zu deren Entwicklung auch die Karäer beigetragen, n.,die Bedeutung derselben für die Sprachwissenschaft und das ßibelstudimn bespricht-eine gelehrte Abhandlung, die gleichsam als Einleitung dient für eine gediegene Arbeit über die hehr. Sprachwissenschaft in dem Zeitraum vom 10. bis zum 16. .Jahrhundert und die fast die (>. und 7. Lieferung aiisfiidt. In denselben werden «lern Leser die grossen Sprachforscher uml Grammatiker vorgefülirt, von welchen die Meister und insbesondere diejenigen, die für diesen Zweig der Wissenschaft bahubm-hendw'aren. auf spanischen und anfdem mit Spanien geistesverwandten Boden der Provencelebten. Menachem ben Saruk.Jbn Ganach, Abraham JimEsraund David Kimchi, die vor allen anderen hervorleuchteten, werden in wichtigen ׳Peilen ihrer Schriften vorgeführt 11. auchdie Andern nicht vergessen, die an der liebr. Sprachwissenschaft mitarbeiteten. Der Leser erfährt es, dass der Eifer für die hebräische Sprachwissenschaft wohl von den Kantern geweckt wurde, dass die rabbauitsclien Forscher sie aber überflügelt hatten. An die Sprachwissenschaft scldiesst siel) naturgemäss die B'.be'.exeubse an, die dis natürliche Verständnis des Inhalts der Bibel anstrebt. Die 8. u. 9. Lieferung führt die bedeutendsten Exegeteu aus der gaonüisehen Zeit Saadia,Ibn Cliofni 11. Chauanel ben Chuschiel nebst Proben aus ihren exegetischen Schriften vor; aus der spanischen Periode lernen wir in denselben kennen: Moses Ibn (iikatilla, Jeliuda ibn Balaam. Salomo Ibn Gabirol u. neben anderen den hervorragendsten derselben Abraham ibn Esra, ferner die in der Provence lebende Familie Kiniclii. aus Nordfi ankreich Menachen b. Chelbo Rasclii, Josef Kara, Samuel b. Meir keimen, welche letzteren sich allerdings nicht ganz aus dem Bannkreise des Midrasch befreit, aber doch in höherem Masse das Streben hatten, sich von demselben loszulösen, als die ebenfalls in genannten Lieferungen in i! ren wichtigsten Vertretern angeführten l)H1׳scl1anim. Auch die philosophische u. mystische Exegese ist nicht vergessen und der wohl originellste Vertreter derselben, Moses b. Näciiniaii, vorgefülirt. Die!). Lieferung behandelt, die rabbniishen Littcratur der spanisch-arabischen Epoche Verantwort! Kedactenr; l)r. K u )1111er Magdeburg!, u, zwar vom Anfänge des 10. £is zum 15. Jahrhundert. Es ist dies ebenfalls eine der interessantesten Perioden. Sie zeigt uns, wie der Schwerpunkt jüdischen Lebens und jüdischer Wissenschaft, welcher doch Jabrlmnderfe im Osten war, sich dem Westen zaneigte u wie selbst das Talmudstudium auf spanischem Boden ein״ Zeit seltener Blüte erlebte. Der Leser lernt neben andern Talnuidlelirern auch die hervorragendsten derselben R. Isak Alfassi, Moses b. M.ünion 11. R. Salomo b. Adereth kennen. Der weitaus grösste Teil der vorliegenden Lieter- UDgen a. zwar das jüdisch-hellenistische 11. das targumistische . Schrifttum, der Talmud, und zwar Mischna Gemara u. Tossifta, sind von den Herausgebern, die raobinisebe Litteratur der gaonäischen 11. der spanischarabischen Zeit von Dr. Kaminka, die Karäer von Dr. Hamburger, die Massora, liebräi.sclie Sprach- Wissenschaft u. die Bibilexegese von Prof. Dr. Bacher bearbeitet. Die Einleitungen zu jedem Teile der gelieferten Beiträge n. die zu denselben gegebenen ‘Litteraturnacliweise geben von dem Ernste Zeugniss,dessen sich die Mitarbeiter befleissigt haben. Jeder; der die vorliegenden Lieferungen gelesen hat, wird sich der Wichtigkeit und des Verdienstlichen der ״jüdischen Litteratur“ bewusst werden, und wird keine Zweifel haben können, dass die reiche Belehrung, die er aus diesem Werke zu schöpfen vermag, ihm vollen Ersatz bietet für die verhältnismässig geringen Kosten desselben. (Wird fortgesetzt werden.) B. Literarische Notiz. Zu II. Buch Mos Cap. 17, V. II. Die Erklärung des Herrn Dr. Herz ei ist, wie ich glaube, implicite in dem Commentar des R. Samuel ben Meir enthalten. Auch Philippsohn in seinem Bibelcommentar bemerkt, dass neuere Erklärer der Ansicht seien, Moses habe die Hände in die Höhe gehalten, damit dieselben dem Kriegsvolke als Panier dienten. Ist nun Herzeis Erklärung auch nicht, ganz neu, so hat sie doch viel für sich, jedenfalls mehr als die altrecipierte, iiach welcher das Halten der Hände in die Höhe zum Zwecke des Betens stattgefunden haben soll. (Die misclmitische Erklärung ist nur als eine homiletische anzusehen.) Denn soweit man aus den Parallelstellen ersehen kann, hat Moses stets nur kurze Gebete zu Gott gerichtet, niemals aber ein solches Gebet, das einen ganzen Tag dauerte. Es sei hier blos an das denkbar kürzeste Gebet, das Moses für seine erkrankte Schwester zum Himmel emporsandte, erinnert. Hierzu kommt noch der Umstand, dass Moses zu Josua sprach: ״Wäh 1 e du uns Männer aus und ziehe inden Kampf gegen Amalek, ich will morgen auf dem Gipfel des Hügels stehen, den Gottesstab in meiner Hand.“ Hieraus gellt klar hervor, dass Moses mit Josua die Arbeit teilen wollte. Dieser, als der Jüngere, sollte den Feldzug eröffnen, sollte den Angriff machen (worauf der Ausdruck: צא הלחס hiiideutet), während Moses sich das 0 b e r c 0 in m a 11 d 0 vorbeliielt. Bei diesem vertrat nun der Stab die Stelle des W urfsp iesses, der als Zeichen des unausgesetzten Angriffes bei der Eroberung der Stadt Aj (Josua Cap. 8, 18, 19 und 26,) diente. Auch dort heisst es: ״Und Josua zog seine Hand, die er mit dem Wurfspiesse ausgestreckt hatte, nicht eher zurück, bis er alle Bewohner von Aj bannte.“ Das Z11 riickzieben des Wurfspiesses ,väfe dort ein Zeichen des R ii c k z ug e s gewesen, wie hier das Sinkejn der Haild des Moses. _J, F e i 11 81 e i 11, Semiimriehrer. Friese Leipzig Druck Friedrich Kasche & 1 0111p., Magdeburg. Verlag Kob.