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Das jüdische Literaturblatt · 1894-04-06 · N° 14. (6.4.1894) · p. Seite 54

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 14. (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
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54 Heiden aus dem Lande des Romeies; sie unterwarfen die Israeliten, stellten Hauptleute als Regierung auf, zerstörten den Tempel, zwangen die Einwohner zu Opfern für die Heidengötter, tödteten die Kinder und schleppten viele als Sklaven fort. Da weinte und seufzte Israel und bat Gott um Verzeihung. ln dieser Zeit kam der Augenblick, den Gott gewählt hatte, um sich wieder in einem menschlichen Wesen zu verkörpern, das den verwirrten Menschen den Weg zur Vollkommenheit zeigen sollte. Da war eine arme, aber fromme Familie. Gott segnete ihren Erstgeborenen und wählte ihn zu seinem Werkzeug. Issa, so hiess er, fing schon frühe an, von dem einigen uud unsichtbaren Gott zu reden und die Sünder zur Besserung zu ermahnen. Die Israeliten hörten ihm zu und sagten, dass der Geist Gottes aus diesem Kinde rede. Als lssa dreizehn Jahre alt war, sollte er nach israelitischer Sitte sich mit einem Mädchen verloben, und die reichsten Leute hätten ihn gern zum Schwiegersohn gehabt. Aber er entfernte sich heimlich und ging mit Kaufleuten nach Indien, um sich dort im Worte Gottes zu vervollkommnen und die Gesetze des grossen Buddhas zu studieren. Zuerst Hess er sich bei den Aryas nieder. Sein Ruf hatte sich schon verbreitet, und als er durch das Land der fünf Ströme (Pendschab) kam, baten ihn die Anhänger des Gottes Dschain, sich bei ihnen niederzulassen. Er aber ging zu den Brahmanen und lernte dort die Vedas kennen. Es wird nun ausfühlich erzählt, wie Jssa sich mit den Brahmanen verfeindete, weil er es mit der Lehre von der Gleichheit des Menschen vor Gott ernst nahm und demgemäss grgen das Kastenwesen eiferte, weil er ferner die Göttlichkeit des Vedas und Puranas, die Dreifaltigkeit und die lncarnationen Brahmas, Siwas,Wischnus, und anderer Götter leugnete, und weil er lehrte, dass der Geist Gottes in jedem Wesen lebendig sei, namentlieh aber in denen, die niedrig geboren sind und im Schweisse ihres Angesichtes arbeiten; wie dann Jssa vor den Nachstellungen der Brahmanen in die Berge floh, zu den Buddhisten, wo er die Pali-Sprache lernte und die Weisheit der Sutras sich aneignete; wie sechs Jahre später Buddha ihn auserwählte, um sein Wort zu verkündigen, worauf Jssa zu den Heiden ging, gegen den Götzendienst predigte und Gott, den Schöpfer der Welt und Vater aller Menschen lehrte, den man nicht durch Opfer, sondern durch Herzensreinheit und Vollkommenheit ehre; wie er in Persien das böse Prinzip und die Göttlichkeit des Zendavesta verwarf, worauf er vor den Zorn der Priester flüchten musste, und wie er endlich, im 29. Lebensjahre, in seine Heimat zurückkehrte. (Schluss folgt.) Erinnerungen an Ludwig August Frankl. Von Dr. Adolf K 0 h u t. [Nachdr. verb.) II. Ein ungedruckter Brief Ludwig August Frankl’s. Motto: ״Ist der Morgen nicht nah?“ (Coran, S. VI, V. 80.) Weimar, 5. Juni 1891. Sehr geehrter Herr Doktor! Mir hierher nachgesendet, erhalte ich Ihre Zeilen, begleitet von Ihrer Meyerbeer-Biographie, die ich in lebhafter Erinnerung an meinen unsterblichen Freund sofort las, und mir, Dank Ihrer trefflichen Darstellung, sein Bild plastisch auftauchen machte. Gewiss hat es seinen Grund, dass Sie die Triumphe, die der Meister in Wien erlebte, nur flüchtig berührten, da doch dafür reichliche Quellen tliessen. Unter vielen anderen Bäuerle’s ״Theaterzeitung“, Saphirs ״Humorist“, Withauers ״Modezeitung“, und meine ״Sonntagsblätter“, in denen der jetzt berühmte Hofrat Eduard H anslick seine ersten Sporen verdiente. Sie werden dort für Ihr beabsichtigtes grösseres Werk über Meyerbeer Erschöpfendes vorfinden. Meine persönUchen Beziehungen waren sehr mannigfache, und ich werde dieselben am 100jährigen Geburtstags in der ״Neuen Freien Presse“ ausführlich mitteileu, sie scheinen mir biographisch zu wichtig, um vergessen zu werden. Ich berühre nur flüchtig, dass die Prägung der Medaille auf Meyerbeer auf meine Anregung erfolgte, dass er mich einlud, zu seiner Struensee Musik einen verbindenden Text zu schreiben und mir die ganze vorspielte, meine Besuche in seinem Hause, seine Briefe. In Berlin führte er mich zu A. Humboldt Ein Stundenlanges gemeinschaftliches Gespräch daselbst. Hier nur Folgendes, was Sie eigentlich zu wissen verlangen: Die neue Wiener Synagoge sollte eingeweiht werden, und hatte den lebhaften Wunsch, dass Meyerbeer einen Psalm für die Einweihung componire, und da ich in literarischer Absicht zu der Zeit nach Berlin reiste, erbat sich der Gemeindevorstand meine diesfällige Vermittelung. Ein Gutachten Meyerbeers über die Einführung der Orgel in die Synagoge, wie Sie annehmen, hatte ich nicht zu provocieren. Gesprächsweise fragte er, ob man eine Orgel plane? Ich verneinte dies, und da war es, dass er sich gegen die Einführung einer solchen in die Synagoge in geistreich motivirender Weise aussprach. — Meine diesfällige Aufzeichnung ist mir hier nicht zur Hand, um Ihnen dieselben׳, wie ich gern möchte, mit* zuteilen. Doch werde ich dieselbe ebenfalls in meinen oben angedeuteten Essay mitaufnehmen. Meinen wärmsten Dank für Ihre sehr interessante Vorarbeit wiederholend und mich der grösseren entgegenfreueud zeichne ich mit freundlichstem Grusse verehrungsvoli L. A. Frankl. Der Bann im alten Testamente. Von S. Mandl, cand. phil. III. (Schluss.) Wir fassen das Bisherige in Folgendem kurz zusamrnen: In den Anfängen bildeteCherem lediglich eine Weihung der Kriegsbeute. (So bei ,Tosua s. auch Mesainschrift.) Das Eigentümliche hierbei war, dass sich diese Weihung vorwiegend auf fremde Personen oder Gegenstände erstreckte.*) Späterhin bildete diese alte, geheiligte Kriegssitte einen Bestandteil im Opferkultus, jedoch mit der wesentlichen Eigentümlichkeit, dass sie nunmehr auf eigene Personen oder Gegenstände Bezug hatte, (So Lev. 27, 28,29, wie überhaupt an sämmtlichen Stellen, die bereits hierfür citiert wurden). Endlich wurde später Cherem zum Behufe der Straf- Vollziehung verwerthet, wie bei Esra. Das Eigentümliehe hierbei war, entgegengesetzt den 2 erstgenannten Fällen, dass hier die betroffene Person, wenn auch sonst nicht fremd und feindlich, aber dennoch durch strafbare Handlung Anlass hierzu bieten musste. Das Gemeinsame, dass man bei allen Dreien verfolgte, war, wie wir gesehen, eine Vorkehrung Gott zu Ehren, blos das erweist sich als das Spezifische bei jedem einzelnenFalle, dass man, je nach den Zeitverhältnissen auch den verschiedenartigsten Gebrauch davon machte. Darnach *) Die engere Unterscheidung uud Gradeinteilung l)3süg!. der Schonung oder Nichtschonung der Frauen, Gegenstände des Friedens, findet sich sehr eingehend zusammengestellt: Knobel, Commentar zu Lev. 27, 28.

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