Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 13. (30.3.1894)
- Date
- 1894-03-30
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 erste Verwendung des Oberem für Ausgleichung*) aus der nachexilischen Gemeinde. Es lehrt dies offenbar der conditionale Satzsinn, der weit entfernt Kriegszwecke wie bisher, sondern vielmehr die Wohlfahrt und das Gedeihen der neuen Gemeinschaft zu verfolgen scheint Diese beruhen nämlich im עצת השרים והזהגיס. Ausserdem beachte man die Schlussworte (das.) \בדל מקהל הטלה welche recht deutlich dem angedeuteten Zwecke entsprechen, d. h. ein Strafverfahren ankündigen, welches hiermit neu begann vom alten Cherem in grossen Zügen abwich und für den spätem nunmehr grundlegend wurde.**) Recensionen. Für jüdische Litteratur seit Abschlnss des Kanons. Eine prosaische und poetische Anthologie mit biographischen und litteraturgeschichtlichen Einleitungen unter Mitwirkung hervorragender Gelehrten herausgegeben von Rabb. Dr. Winter und Prot. Dr. Wünsche. 1.—10. Lieferung. Trier Sigmund Mayer 1891—1894. Es ist ein hartes Wort, dasselbe ist aber trotzdem wahr, dass einen grossen Teil der Schuld an der Verkennung, welche das Judentum bisher erfahren hat, die Juden selber deshalb trifft, weil sie nichts gethan, um die Kenntnis ihrer Litteratur in weitere Kreise zu tragen und dadurch die Wege für eine gerechte Beurtheilung des Judentums zu ebnen. Nur weil die Kenntniss der jüdischen Litteratur der Menge verschlossen war, konnten es die Judenfeinde wagen, aus derselben abgerissene und missverstandene Stellen herauszugreifen und aus diesen gefährliche Waffen gegen die Juden zu schmieden. Und aus demselben Grunde standen die Juden diesen Feinden wehrlos gegenüber, denn sie kannten den Reichtum, den hohen Wert ihrer eignen Litteratur nicht Wohl haben in dieser Beziehung die letzten Jahrzehnte teil- *weise Abhülfe geschafft Die trefflichen Uebersetorangen, welche Dukes, Geiger, Kämpf, Zedner, Zunz u. a. m. geliefert haben, geben von der stattlichen Zahl hervorragender Denker und Dichter Kenntnis, deren sich die Juden zu allen Zeiten rühmen durften und wer sich mit diesen Uebersetzungen bekannt gemacht hat, erfährt, dass die Juden selbst in Zeiten, wo sie von den Bildungsquellen der andern Völker ausgeschlossen war, dennoch ihrem Bildungsstrome gefolgt waren und ihn auch oft beeinflusst hatten. Doch haben diese Uebersetzungen ten". Ebenso heisst auch das Nonien חרם : Net*. Nach einigen Hebraisten gleichbedeutend mit dem Ersten. (S. Meier, Hebr. Wurzelwörterb. 8. v.) Es lässt sich beobachten, das» der Gebrauch des Wortes in den verschiedenen semitisch :n Sprachen variirt und in manchen erscheint sogar die Bedeutung in sehr spätem Sinne, so heisst die8.8tammimSyrischen״Yerabscheuenswerth״׳־fluchwürdig'. Für die ursprüngliche Sachbedeutuug ist;1180 hieraus nichts zu entnehmen. Ebenso scheint es unrichtig, wenn Fürst (Concordanz s. y.) annimmt, Oberem wäre analog mit dsm griechische■ pep slav. rim, sanscr.ramu. f., welche alle ״zähmen" ״sittigen״ bedeuten, und in dieser Weise mit Oberem im Zusammenhänge stünden, eine Hypothyse die, wie gesagt, wenig für sich zu haben scheint. .Tedoch mag bekannt werden, dass sich im Grichischen sin ähnliches Wort findet, welches hierauf Bezug haben dürfte, nämlich XaPt1TJj Waffe, Kampf, vgl. Pnalschiitz, Areliäol. I. 228. Schliesslich mag nach hervorgehoben werden, da-s in den Talmuden der Ausdruck nach mannig.altiger auftritt. So fiudet sich ״ שעת חרםKriegszeit“ Kethub. 17 b.), ״ חרסיןBäu'.er‘■ Nedarim 27 b. vgl. Lev. Chold- Wtiich. * v. *I Wiesner a. n. O. S. 12 lehnt diese Meinung ab und versteht darunter Landes verwichung. Allein seine augcliilirte Stelle aus Nch. 1:1.28 dürfte kaum in diesem Sinne belegbar sein, vgl. dagegen Saalsschütz Archäologie 1 2S2. **I Vgl. Schenkel a. a <>, Ewald a. a. (1. S. 20, Keil Hdbch. der Bibi - Archäologie S. 3r>(>. nur teilweise Abhülfe geschafft, weil sie nur einzelne Gebiete der jüdischen Litteratur umfassten, ein BuJt aber noch immer fehlte, welches, zumal den Laien, ein Gesammtbild der jüdischen Ljtteratur vorführt. Ein solches wollen die Herausgeber der vorliegenden Autho - logie dem Leser bieten und geben schon die vorliegenden Lieferungen die Sicherheit, dass durch dieselbe ein Bild der Geistesthätigkeit des jüdischen Volkes seit Abschlnss des Kanons geboten ist, wie wir ein solches derart umfassend, noch nicht besitzen. Die erste Lieferung führt den Leser in die jüdisch hellenistische Litteratur, das ist, in diejenige Litteratur ein, die nahezu 1500 Jahre ein Stiefkind der jüdischen Wissenschaft war, auf die erst Asaria dei Rossi hingewiesen und die wir erst in der Gegenwart durch die trefflichen Arbeiten hervorragender Männer, insbesondere des Professors Fr enden th a 1 kennen lernten- Die Auswahl der in guten Uebersetzungen gelieferten Stücke ist eine glückliche. Aus den Apokryphen werden Stücke aus dem i. Makkabäerbuche, aus Josna Ben Sira’s herrlichen Sprüchen und aus dem Büchlein vom ״Bel und Drachen“ gegeben. Wir lernen ferner den Alexandriner Philo kennen, in welchem die Verbindung des griechischen Geistes mit dem jüdischen Glauben uns in meisterhafter Vollendung entgegentritt, wie auch Flavius Josephus als Geschichtsschreiber und Apologeten. Als Ergänzung zu Letzteren ist ״der Brief des Aristeas“ anzusehn. Damit auch die poetischen Stücke der pseudepigraphischen Litteratur nicht fehlen, werden treffliche Uebersetzungen Friedliebs aus den sibyllinischen Weissagungen geboten. Ebenso alt wie die jüdisch hellenistische Litteratur sind die Tärgumim. Dieselben sind eigentlich mehr Verdolmetschungen als wörtliche Uebertragangen der biblischen Texte ins Aramäische; wenn auch älter als die Septuaginta wurden sie doch erst viel später aufgeschrieben. Der helle׳• nistischen Litteratur schliessen sich nnn ans den Targainim Stücke aas dem Targum Onkelos und Jeruschalmi zum Pentateuch und aus dem Targum scheni zu den Hagiographen an. Diesen folgt die Einführung des talmudischmidrascliischenSchrifttums. Wer nurirgendwie mit diesem SchrifttumBekanntschaftgemaclit hat, wird die Schwierigkeit ermessen können, ein nur annähernd vollständiges Bild desselben bieten zu können und dennoch erhält der Leser ein solches. In der 2. 4. und 5. Lieferung lernen wir die Mischna kennen, jenes grosse Werk, durch welches R. JehudaHanasidie Sammlungen der Halacha zum Abschlüsse: brachte. Die Mischna zerfällt in sechs Hauptordnungen und diese wieder in Traktate. Aus den ersten 6 Ordnungen werden die interessantesten Stücke, aus der letzten Ordnung eine kurze Uebersicht derselben gegeben. Neben der von allen Schulen anerkannten Mischna des R JahudaHanassi entstanden damals noch andere Sammlungen der Halacha, die man unter dem Namen Tossefta zusammentrug und die besonders für die Kenntnis der jüdischen Geschichte und Geographie von grosser Wichtigkeit ist, auch diese lernen wir in ihien intressantesten Stücken kennen. Die Mischna mit der Gemara verbunden ist der Talmud, den jeder Jude schon aus dem Grunde kennen lernen müsste, damit er sich von der Gehässigkeit und Böswilligkeit der Angriffe überzeugt, welche der Talmud von den Judenfeinden erfährt, damit er aber auch von den erhabeneu sittlichen Lehren, von den köstliehen Weisheitsproben und von den fesselnden, den Scharfsinn oft herausfordernden Gleichnissen Kenntnis bekömmt, die dieses Werk 11ns bietet, in dem sich die nun achthiimlertjälirige Entwicklung des Judentums spiegelt.!Schluss f011׳t.) Yerannuill Beeilen ur, 1 »r. 1(11 11 11. t-r Aoifiu 111׳p. 1 »11u k 1־11-111 ׳1 ־ i«. 11!;!־,sehe & Comp., Jiagiletmrg Verlag Bob. Friese Leipzig