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Das jüdische Literaturblatt · 1894-03-23 · N° 12. (23.3.1894) · p. Seite 48

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 12. (23.3.1894)
Date
1894-03-23
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 nur jenen anerkennt, so bleibt dann nur ein Wortspiel, ein amerikanischer Effekt; einen solchen Sozialismus wünscht jede Religion und jeder Religionsangehörige, also auch der Staat und der Fürst. Denn dieser Sozialismus bedeutet nichts anderes als einen wahren und wirklichen Rechtsstaat; es fehlen in diesem Begriffe alle die charakteristischen Kennzeichen, die gerade den Begriff des heutigen Sozialismus ausmachen. Was im Mosaismus an diesen wirklichen Sozialismus auch nur anstreift, von demjinuss der Verfasser selbst zugehen, das es auch dort nur ein Ideal, eine Utopie stets gehliehen, dass es nie verwirklicht worden ist, nie verwirklicht werden konnte — damals schon nicht, geschweige denn heute. Auch das was am meisten besticht, die gleiche Landverteilung mit den Gesetzen des Erlassjahres, Jobeijahres u. s w., von dem Verfasser als Grundlage seines Staates in so rosigen Lichte geschildert, ist — sehen wir ganz von der überhaupt dies alles regierenden ßibelkritik ab — seihst in jenen, verhältnismässig einfachen Verhältnissen immer ein Traum geblieben, und wäre selbst alles verwirklicht worden, so wäre entweder jede Entwicklung unterbunden worden, oder die sociale Frage doch wieder durchgebrochen. Selbst im ersten Faile aber würde jme einfache Zeit und Lage kein Vorbild für uns heute sein. Es ist also ein Spiel mit Unmöglichkeiten oder ein Spiel mit Worten, wenn der Verfasser sagt: in einem Staat, der sich auf dem Mosaismus auferbauen würde, wäre die soziale Frage gelöst. Bedeutet Mosaismus die Form, so ist die Begründung wie der Bestand eines solchen Staa'tes ein ebenso nichtiger Traum wie der Zukunfts- Staat des wirklichen Sozialismus; bedeutet er den Geist, so steht einfach der Begriff mosaischer Staat statt Rechtsstaat. Dass der Rechtsstaat, die heutigen Begriffe von Recht und Moral in ihren Quellen aut den Dekalog und die Bibel zurückgehen, dass also der ideale Rechts- Staat., an dessen Herstellung der heutige Sozialismus am wenigsten mitarbeitet, ein Staat im mosaischen Geiste ist, das ist selbstverständlich; denn alle Begriffe von christlichem Geist, von Recht, Freiheit, Menschenwürde und Nächstenliebe, führen geschichtlich verfolgt selbstredend auf diese Quelle zurück. Was also derVerf.des vorliegenden BuchesinWahrheit erwiesen hat, das ist die Thatsache, dass der wirkliche Sozialismus gegen den Geist der Bibel ist, dass aber die Erstrebung eines wahrhaften Rechtsstaates wohl im Geiste der Bibel liegt, natürlicherweise, da ja die Gedanken, die zu ihm führen, aus der Bibel selber stammen. Womit aber der Verfasser diesen Cirkel füllt, das ist so reichhaltig, so anregend und belehrend, dass wir sehr gerne uns von ihm im Kreise umherführen und auf den verschiedensten Radien immer wieder zur selben Peripherie, bringen lassen, so gerne dass wir sogar wünschen, es möchte durch eine ansprechende deutsche Uebertragung sein Werk auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden. Fr. Lnmbroso, C-, Professor. Der Antisemitismus und die Juden im Lichte der modernen Wissenschaft A11torisierte Deutsche Ausgabe von Dr. Kurelia. Verlag von Georg II. Wigand, Leipzig, Lindenstrasse. 1894. Der berühmte Turiner Psychiater, dessen wahrhaft universeller Geist alles mitbringt, was die moderne Wissenschaft an .Methoden und Errungenschaften zur Arforsrhung ütr merkwürdigen geistigen Epidemie des Entisemitismus aufzubieten vermag, vernichtet in streng exacter, der Anthropologie, Volker-Psychologie, Dulturgeschickte und Psychiatrie entnommener Kritik alle Argumente aller Spielarten des Antisemitismus. Umfassende anthropometiische, zumal kraniometrische Untersuchungen, deren Ausdehnung auf semitische Schädel aus den Katakomben und von Vorder* Asien auch dem Anthropologen von Fach überraschende neue Thatsachen bringen dürfte, vernichten für imme,r die angeblichen Grundlagen desnRassen-Antisemitismus.“ Die Juden Europa’s rind nicht Semiten, sondern eine aus Armeniern, Lateinern, Germanen gemischte moderne Cultur-Rasse mit einem ganz geringen Geiialt semitischen Blutes; das ist das Verdikt der Wissen- Schaft gegenüber dem unsinnigen ״Rassenhass Noch vernichtender fällt die psychologische Analyse der Antisemiten, ihrer Motive und ihrer Mittel aus, auch hier führt nicht hohle Retorik oder sentimentaler Philosemitismus das Wort, sondern kühle unparteiische Untersuchungen die den Antisemitismus begutachtet, wie der Gerichtsarzt andere Fälle geistiger Epidemien zu begutachten pflegt. Eine warmherzige, weitblickende Darstellung der Entwicklung und der künftigen Assimilierung des Judentums unter schonungsloser Aufdeckung seiner Fehler und Laster bildet den Schluss des Werkes, das ein vermeintlich erschöpftes Problem in vollkommen neuer Beleuchtung zeigt. Wir geben zum Schluss als beste Empfehlung des Buches den Inhalt der 9 Kapitel nach ihren Üeber־ schritten: Kap. I. Ursachen. Kap. 11 Fehler der Juden. Kap. 111. Dau epidemische Auftreten des Antisemitismus Kap. IV. Rassenvermischung und Uassenverschlechterung. Kap. V. Die arischen Elemente der jüdischen Typus. Kap. VI. Reine und gemischte Rassen. Kap. VI. Genies und Reformatoren jüdischer Herkunft. Kap. Vlll. Die Judes und der Fortschritt. Kap. IX Die kaufmiiuniseken Erfolge des Juden und ihre Stellung in der Volks- und Weltwirtschaft. Kap. XI Ethik und Sittlichkeit der Juden. Kap. XI. Massregelu gegen den Antisemitismus. In einem ״Anhang“ wird noch in 3 Kapiteln eine Untersuchung angesteilt über die Antliropometrie der Turiner Juden, die Demographie der italienischen Juden und die Schädel von Phöniziern und Israeliten; eine kephalometrische Tabelle bildet den Schluss der auf exacter Wissenschaftlichkeit beruhenden Untersuchungen. Literarische Notiz. Zu Ex. 17,11. Ich kann nicht umhin zu constatirenr dass die Auffindung einer ״Unklarheit‘• an obgenannter Stelle Herrn Dr. Herzel nicht gelungen ist. Indem icli seine Bedenken prüfte, fand ich, (lass seine erste Frage, weshalb Moscheh, als er den Berg bestieg, den Stal) in der Hand batte, einfach dahin zu beantworten ist, dass es das Zeichen seiner Würde war, wie auch sonst bei den Fürsten etc. und bes. im Orient. (Das, bleibt massgebend, wenn man auch z. B. aus einer Vergleicliung von . .. 7, 19u. 8, 1, wo bald der Stab miterwähnt wird bald nicht, schliessen zu dürfen meinen könnte, dass auch Ex. 17, 11 ידו den Stab meint. Abe man wird doch einfach ידו entweder als Collektivum (tv, als Plural zu lesen! nehmen (vgl. Ex. 32. 19 u. ö.,) oder sich denken müssen, das Moscheh erst die Rechte, und wenn diese ermüdet war, die Linke hob. Letzteres erscheint allerdings unwahrscheinlich. Dass jedenfalls beide Hände — und zwar eben zum Gebete — benutzt wurden, zeigt, was Herr Dr. JI. übersehen zu haben scheint, Vers 12 in unwiderleglicher Weise Breslau 17. Mürz.Dr. B. Kiini gs b e r g e r. Verantwort! Redacteur. Dr. Rah 111er Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & Comp., Magdeburg. Verlag Rob. Friese Leipzig

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