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Das jüdische Literaturblatt · 1894-02-02 · N° 5. (2.2.1894) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 5. (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das XXIII. Jahrg. JüdischeLiteraturblatt Zur Buluuchtung aller Judenthum und Juden betreffenden literarischen Erscheinungen aut dem Gebiete der Fhilosophie, Geschichte, Ethnographie, Theologie, Orientalia, Exegesse, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, den 2. Februar 1894. Bücher der einschlägigen Literatur, »eiche der Redaktion zugesandt werden, finden in diesem Blatte,eingehende Besprechung. Bei Einsendung ron zwei Recensions- Exemplaren erfolgt einmalig« kurze ßratis.lnsertion. Das ,,Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert F riese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift,“ die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatur-Blatt“ grati's. Inserate werden mit 26 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die ״Expedition dieses Blattes“ zu sendeu, Buohhändler und Lehrer, welche direkt oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ״/o Rabatt. X-n.ha.3t: Wissenschaftliche Aufsätze: Zur modernen Pentateuchkritik. Xl.Vcn Dr. G. Königsberger■ — Der Anarchismus u. das judenthum. Von Dr. J. H a m b u r g er-Strelitz. — Die Hölle in der hebräischen Literatur. Von Ja m es Me w. (Schluss.) — Beiträge zur Erklärung unklarer Bibelstellen. Von Dr. Herzberg-Brody. Recensionen: Kraus F. S. Böhmische Koralen aus der Götter• weit, Literaris c he Notizen: Chronologisches. Von L. Cohen-Rees. Unbefugter Nachdruck aus diesen Blatte nicht gestattet. Zur modernen Pentateuchkritik. Von Dr. B. K önigsher ger. XI.*) ludern ich die verehrl. Leser bitte, noch einmal nachzulesen, was ich in Nr. 22 und 24 des vor. Jahrg. zur Begründung meiner Pessach‘)־T11eorie vorgebracht, in der ich für eine historische Zweiteilung der bezw. Festvorschritten eintrat, will ich meine heutigen Ausführungen mit einen kleinen Zusatze beginnen. Es sei mir hierfür gestattet, einer Vermutung Raum zu geben, welcher ich bereits in einem demnächst erscheinenden grösseren Aufsätze: ״Neujahrsfeste in jüdischen Quellen“ Worte lieh und welche meine Anschauung von der in Aegypten thatsächlich erfolgten Einsetzung des Pessachfestes bekräftigen dürfte. Wie Lepsius in seiner ״Chronologie der Aegypter“ I, 157 darthut, begann das ägyptische Mondjahr — und auch der Pentateuch rechnet, wie siph mehrfach beweisen lässt, nach einem solchen — in unmittelbarer Nähe des Siriusaufganges, der Frühlings- Sonnenwende. Da aber der Neumond vor dem Siriusaufgange, mit welchem, wie gesagt, das Jahr seinen Anfang nahm, schwankend war, unter seinem Einflüsse aber nach dem Zeugniss vieler Schriftsteller die Nil an- Schwellung stand, so konnte man seinen Eintritt am besten dann constatiren, wenn sich das Steigen des Flusses bemerkbar machte, und es ist durchaus begreiflieh, dass am 1. Neumond nach den Siriusaufgange, wo die für Aegypten hochbedeutsame Nilanschwellung eintrat, eine überaus lebhafte Festesfeier vor sich ging. Der griechische Schriftsteller Plutarch sagt ausdrücklich, dass das Steigen des Nils nach der Meinung der Aegypter eine Beziehung auf das Licht des Mondes habe, und *) Vergl. die frühereu Artikel 1—X iu Nr. 2, 12, 13, 14—15, 17, 19, 20, 21, 22, 24 d. vor. Jahrganges. >) Ich möchte hier nochmals auf die durchaus falsche Schreibuug ״Passah“ (namentlich mit kurzem a) hiuweisen, die ebeuso irrthümlich aus der Pausa-Form entstanden ist,wie der Name des eiueu Sohnes Noahs Japheth (und Japbethiten) statt Jepheth (und Jephethiteu.) führt dafür an, dass die Anzahl der Ellen, welche der Nil an gewissen Orten steige, mit der Anzahl der Tage der einzelnen Mondphasen übereinstimme. Wir wissen ferner, führt der gen. Aegyptologe aus, dass die Aegypter eines ihrer grössten Volksfeste dem Nile zu Ehren beim Beginn seines Steigens feierten, und Heliodor setzt noch besonders hinzu, dass es um die Sonnenwende geschah. Es ging nach den Beschreibungen der Alten dabei sehr ausgelassen her, und grosse Gelage bildeten einen Haupttheil derselben. Dasselbe Nilfest, Ne׳.Xü>a, wurde aber ursprünglich unter dem Namen des Geburtsfestes des Apis — in den Hieroglyphen ist Hapi, der Nil, und Hapi, der heilige Apisstier, lautlich identisch — ge* feiert . . . Die Priester warfen an diesem Feste, welches sieben Tage lang in grosser Freude durch allgemeine Festzüge und Gästmäler begangen wurde, eine goldene und silberne Schale (angesichts der in Aegypten, wie bei anderen Völkern gebräuchlichen dualistischen Kalenderrechnung wohl Symbole der Sonne und des Mondes) in die sogenannte ״Quelle des Nils“, in welche sie auch nach 25 Jahren, das heisst: nach Ablauf einer Mond- Periode, den Apis selbst stürzten. Ich stelle nun diesen Angaben den biblischen Bericht über das Pessachtest gegenüber. Die Vorschriften für dasselbe in Ex. 12, die ich (gegen Wellhausen, Prolegomena zur Gesell. Israels 2, S. 88) für urspriingliehethalte, besagen Folgendes: Am 10. Tag des 1. Monats soll ein jeder israelitische Hausvater ein fehlerloses Lamm zur Schlachtung am Abend des 14. Tages desselben Monats vorbereiten. Dieses soll, wenn es geschlachtet ist, vollständig in Feuer gebraten und dann verzehrt, der bis zum Morgen übrigbleibende Rest aber im Feuer verbrannt werden. Das Opfer ist als פסח (demEwigeu) Jhvh geweiht. — Bis hierhin hörten wir noch nichts von einer Begründung des Namens dieses Opfers, obwohl es doch angebracht gewesen wäre, eine solche durch den Hinweis auf ein vorher erzähltes Factum zu begründen. Ich bin daher der Meinung, dass die vorhererwähnten Angaben über die Feier des Festes iu gewissem Sinne einen polemischen Character haben und gegen die obige ägyptische Feier der Nilanschwelluug und des Geburtsfestes des Apis Stellung nehmen wollen. Wenn man nämlich die Bedeutung der Wurzel פסח im biblischem Schriftthume verfolgt — sie bedeutet da ein Hüpfen, Steigen und schliesslich Ueberschreiteu einer Grenze— so wird man mir beistimmen, wenn ich sage: פסח heisst also ״Ueberschreitung“ und bedeutet das Uebertreten des Nils über seine Ufer. Um die Israeliten von der ägyptischen Festesfeier in durchaus ostentativer Weise femzuhalten, lies sie Gott in ihren Häusern ein stilles Fest feiern, das von dem geräuschvollen ägyp-

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