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Das jüdische Literaturblatt · 1894-01-26 · N° 4. (26.1.894) · p. Seite 16

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 4. (26.1.894)
Date
1894-01-26
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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— 16 — Recensionen. Kleopatra. Von Georg Ebers. Deutsche Ver• lagsanst&lt Stuttgart (Leipzig, Berlin, Wien.) 1892. Die Kleopatra hat es nicht nur in der Vorzeit den gewaltigen römischen Imperatoren angethan; heute noch zieht sie Gelehrte wie Georg Ebers in ihre Netze; vor einigen Jahrzehnten liess sich Adolf Stahr von ihr fangen, die beiden deutschen Männer gingen darauf aus, die ägyptische Sirene, wie der Lessingsche Ausdruck lautet, zu ״retten.“ Eher lässt sich freilich ein Mohr weiss waschen, als Kleopatra tugendhaft darstellen. Was sich thun lässt versucht Ebers. Der erste Teil des Romans ist misslungen, später, wo Kleopatra selbst in Action oder eigentlich in Passion tritt wird die Sache interessanter. Ebers (kann die schwüle Leidenschaft der Kleopatra, eines Marc Anton nicht schildern; er will es wohl auch nicht; er ist der Schriftsteller guter bürgerlicherFamilien; tür die ist die echte, schlechte Kleopatra nicht der passende Erzählungsstoff. Da Ebers, wie bekannt, in Aegypten gut Bescheid weiss, so ist sein Buch höchst lesenswert und die vielen Freunde Ebers, denen er nun schon seit Jahren zur Winterzeit ein Buch spendet, werden ihm auch für diese schöne Gabe dankbar sein. B. R. Jüdische Moral und christlicher Staat. Von Dr. Edmund Friedemann. Berlin, Verlag Siegfried Cronbach 1894. Der Verfasser hat es verstanden, mit wohlthuender Kürze und streng sachlicher Behandlung einen Beitrag zu der Haltlosigkeit der Fabel zu liefern, dass die christliche Moral auch nur im Geringsten der jüdischen überlegen ist Mit unerbittlicher Logik führt er aus, dass der Begriff der von den Semiten in der Reaktions- Periode aufgestellten Forderung des ״christlichen Staates“ im dogmatischem Sinne konsequenter Weise auch diejenigen Christen von der Gleichberechtigung und autoritativen Stellungen im Staatswesen ausschliessen müsste, welche da3 Zeugniss der dogmatischen Rechtgläubigkeit nicht beibringen können — eine Anschauung, der auch die Stahl’sche Partei, solange sie am Ruder sass, getreulich folgte. Wenn man aber unter diesem Begriffe ״die Verwirklichung der christlichen Sittenlehre in der menschlichen Gesellschaft“ versteht, dann ist der Aus- Schluss der Juden eine Ungerechtigkeit, die Frucht der böswilligen Verdrehung der Thatsachen und der Unkenntnis, welche bei dem grössten Teil der Christen über das Judentum obwaltet. Die Beweise, die der Autor erbringt, zeugen von tiefer Sachkenntnis, reichlicher Belesenheit in den jüdischen Schriftwerken und verständnisvoller Auslegung der angezogenen Stellen, so dass wir das Lesen des Schriftchen» aufs Wärmste empfehlen können, welches durch eine Zusammenstellung der Stellen in der ״Bergpredigt“, die jüdischen Quellen entströmte, — nach dem Werk ״Les origines du Sermon de la Montagne par Hippolyte Rodrigues“ — noch wertvoller wird. Dr. S inger-Coblenz. Wie begegnen wir dem Antisemitismus? Ein Wort an meine jüdischen ״Volksgenossen“ von Ed. G. Gedalius. Wer da etwa glaubt, dass der Verf. auf obige Frage etwas Neues antwortet, befindet sich in einem verhängnisvollem Irrtum, nichts als aufgewärmte Kost bietet er uns, denn er erwartet, dass wir die Aufgabe eines ״christlichen Judenthums“ erfüllen —. Das genügt zwar, dennoch sollen einige Sätze aus dem unsinnigen Sud, mit dem das schöne Papier beschmutzt ist, Mer Platz finden: Nachdem ״festgestellt“ ist, dass nur verschrobene modern-jüdische Köpfe bestreiten können, dass wir eine besondere Nation seien — dass 18ak die Schuld daran trage, dass der Antisemitismus geboren wurde — und dass Joseph seinen Sohn Manasse zum Oberpriester und seine Angehörigen zu den wichtigsten Staatsbe&mten gemacht, fährt er fort: ״Einmal in materialistisches Fahrwasser hineingekommen, war das Trachten des hebräischen Volkes nur darauf gerichtet, sich recht viel Schätze zu sammeln. Anstatt den Egyptern Lehrer und Prediger zu sein, zogen die Hebräer es vor, ihre Kapitalisten und Bedrücker(!) zu werden.“ ״Aber auch die in Spanien (1492) zurückgebliebenen Juden kamen nicht mit heiler Haut davon. Redlieh erhielten sie bis auf den letzten Heller ihren J ud a s 10 h n.“ Nach der lächerlich-aufgeblasenen Uebersicht aus seiner mangelhaften Geschichtskenntnis beweist er uns, dass der erwartete Messias bereits da sei, denn es geht uns ja schon ganz vorzüglich, so dass er in seinem Uebermuthe die Worte ״heilige Schrift“ im Gebrauche für das A. T. bereits unter Anführungsstriche setzt, findet, dass ״wir darüber wachen sollen, dass wahres Ch ri stent hum ihnen erhalten wird und auch bleibt,“ denn ״unsere Mission haben ״wir“ Juden noch lange nicht damit erfüllt, dass vor 2000 einige unserer Brüder die Welt mit der christlichen Religion, die richtiger Jüdische“ heissen würde, beglückten, wir sollen für alle Zeiten die religiösen Führer der Völker sein.“ Sehr wahr! So salbadert er weiter in einem schauderhaften Deutsch und betbätigt seine christliche Gesinnung, indem er zu krakehlen anfangt und mit uns zankt, dass wir so dumm sind, nicht einzusehen, dass ״das Christenthum unsere göttliche Lehre ist“ und die treulosen Bekenner derselben dafür verantwortlich machen, dass wir sie nicht in den Wegen des Christenthums wandein sehen. Was weiter kommt — sagt der Berliner — ist ״Bärme“! Ueber diesen ״Gedalia“ müsste man, wenn er bes״ ser schreiben könnte, einen neuen Festtag: den ״Zorn Gedalius“ einsetzen; so aber, ist er schon ״nüchtern“ genug. — Jedenfalls ist uns der Antisemitismus, gegen den er uns seine Recepte verschreibt, lieber. Dr. S inger-Coblenz, Literarische Notizen. Heilpern, dessen profunde Belesenheit wahrhaft erstaunlich ist, citiert im Seder hadorot (Ausgabe von Maskil-leesson Th. 111, S- 4) einen Abraham von Köln als Verfasser eines Buches nie כתר שם über den Qottesnamen. Dieser Abraham lebte in Lemberg und starb daselbst im Jahre 1623. Der von Suchastow aufgefundene Leichenstein trügt folgende Inschrift: זת בא לבית p־׳w ואברהם שב למקומו והי כרת את אברהם ברית לאמר מלוני הוא אברהם כמ-קתו מתחילתו עד סופו עליונים ששו קרבתו תחתונים בנו פרידתו ה״ה האלוף הגדול בתורה מר״ת אברהם מקלוניא בן מוה' יחיאל דיין הגדול דפח אשר היי ממגורשי פורטגאל ומחסידי פרובינציא עלה למרום א' דחג הסוכות רפ״ב לפ״ק.ומגזע יונח הנביא Ueber die auf vielen Leichensteinen des hiesigen alten Friedhofes befindliche Inschrift מיונה oder מגזע יוגה הנביא werde ich, Carmoly ergänzend, in meiner demnächst erscheinenden Geschichte der Juden in Lemberg berichten. So wie die ״Raben“ mit der Familie Rapapert, stehen die ״Tauben“ (Jona) mit der Familie Kikenes in Verbindung. Die jonaistischen Leichensteine tragen aber merkwürdiger Weise durchgehende 2 Fische als Verzierung. Der älteste dieseT Jona-Grabsteine ist aus dem Jahre 1602, der jüngste von 1722.Care -Lemberg. Verantwort!. Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg, Druck Friedrich Rasche & Co., Magdeburg. Verlag Rob. F.'iese, Leipzg.

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