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Das jüdische Literaturblatt · 1893-12-01 · N° 48. (1.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 48. (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 48. Das XXI1• Jahr9• JüdischeLiteraturblatt Zur Beleuchtung aller Judenthum und Juden betreffenden litterarischen Erschei• nungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschieht«, Ethnographie, Theologie, Orien• alia, Exegesse, Homiletik, Liturgik, und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Moritz Rahmer. Magdeburg, den I. Dezember 1893 BUcher der einschllgigen Litteratur, welche der Redaktion zugesandt werden, Anden in diesem Blatte eingehende Besprechung Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis»lnsertion. Das ״Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese( pro Jr. hrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler und Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ״/״ Rabatt. Inlia.lt: Wissenschaftliche Aufsätze: Heiurich der Erlauchte und die Juden der Markgrafschatt Meissen. Von Alphouse L e vy. — Das Ei des Columbus iu der Mischna Nasir 10a. Von Rabb. Dr. Kronberg. Recensionen: Isaaac M. Wise. An Introduction to the Theology of Judaism. Delivered at the World’s Congr׳׳.s of Religions. — Rosenzweig. Samuel. Rnth. Ein biblilies Drama. Literari eh e Notiz eu: Lemberg. — Leasings Werke. — ״Frauen- Fleiss.“_ Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Heinrich der Erlauchte und die Juden der Markgrafschaft Meissen. Von A 1 p h 0 n 8 e L e v y. Je gebildeter ein Fürst ist, je mein־ sich derselbe mit Kunst und Wissenschaft beschäftigt, desto vorurteilsfreier wird er allen Dingen gegenüberstehen, desto milder lind menschenfreundlicher wird er Andersdenkende behandeln. Unter den deutschen Fürsten, welche bereits in der dunklen Zeit des Mittelalters durch liebevolle Beschäftigung mit edlen Künsten sich den Geist solcher Aufklärung angeeignet hatten, stand Heinrich der Erlauchte, Markgraf zu Meissen, obenan. Frühzeitig zur Regierung gelangt, hat dieser Urenkel Conrads von Wettin nicht nur durch seine kriegerischen Timten und seine dem Hohenstaufenkaiser Friedrich II. bewiesene Treue hohen Ruhm erlangt, sondern auch das Verdienst erworben, die reichen Schätze, die ihm die Freiberger Erzgruben und das unter ihm erst lindig gewordene Bergwerk zu Scharfenberg bei Meissen liefet־- teil, zur Hebung der Baukunst und Bildhauerei, sowie zu sonstigen gemeinnützigen Zwecken trefflich zu verwenden. Die nachweislich aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammende berühmte ״Goldne Pforte“ in Freiberg, eines der herrlichsten Werke der frühgothischen Kunstperiode, welches bei der Zerstörung der Freiberger Marienkirche erhalten blieb und dem auf derselben Stelle erbauten (im Jahre 1500 vollendeten) Dome eingefügt wurde, zeugt heute noch von der Blüte der Kunst unter dem milden Schutze Heinrichs des Erlauchten. Dieser hochgebildete Fürst pflegte auch die Dichtkunst; ihm selbst, dem ״Markgrave Heinrich von Mizen“, wird ein Minnesang zugeschrieben, der mit den mittelhochdeutschen Worten beginnt: Nu sint die lichten langen suramer tage mir aber ane vrönde hin geschieden; Waz hälfet daz ich senden kumber klage u. s. w. Nicht von den hohen Geistesgaben des fürstlichen Minnesängers soll hier weiter berichtet, sondern besonders darauf hingewiesen werden, dass es dieser Ahnherr des sächsischen Königshauses war, welcher aus eigener Initiative während ״der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit“ seinen bis dahin als ״Kammerknechten“ unter besonderem kaiserlichen Schutze gestandenen jüdischen Unterthanen Satzungen verlieh, die ihnen den weit wirksameren markgräflichen gesetzlichen Schutz verschafften. Der Verdacht, dass diese Handlung aus eigennützigen Beweggründen entsprungen sei, reicht an den ruhinvollen Markgrafen nicht heran. Er bedurfte der damals bereits ausschliesslich auf das Geldgeschäft angewiesenen Juden nicht, denn er war nach den Worten des alten Freiberger Chronisten Dr. Andreas Möller*) so reich, dass, wie die alte Cellische und andere Chroniken melden, ״er viel Tonnen voll Gold und Silber beygesetzet und gantz Böhmen mit baarern Gelde hätte bezahlen können.“ Frühzeitig waren jüdische Kautieute und Hamlwerker mit den Deutschen in die den Slaven entrissenen Gebiete gelangt, wo sich die Juden bis zur Zeit der Kreuzzüge voller Duldung erfreuten und bald Vermittler des damals schon sehr bedeutenden Elbhandels wurden. So kamen sie auch nach Meissen, der Hauptstadt der Mark, wo damals die Reichseinkünfte und die Zehnten der Landbewohner zusammenflossen und sich ein reger Verkehr entwickelte. Dabei unterstanden sie der Herrschaft der Kreise, welche die Juden als ihr Eigentum betrachteten, hoch besteuerten, aber aucli dafür gegen Unbill schützten. Zuweilen übertrugen aber die Kaiser den sehr einträglichen Schutz ihrer ״Kammerknechte“ den Fürsten oder Bischöfen, wie dies in den Jahren 965 und 973 bezüglich der Magdeburger und Merseburger Juden seitens des Kaisers Otto geschah. Für das frühzeitige Vorhandensein in Meissen spricht die von Ditmar und Aronius erwähnte Thatsache, dass der Bruder des Grafen Eckard I., Markgraf Gnmpelin. den Kaiser Heinrich im J ahre 1009 auf der Fürsten ver- Sammlung zu Merseburg der Markgrafschaft verlustig erklärte, weil er beschuldigt war, chi istliclie Leibeigene, die er seinen Feinden abgenommen, an Juden verkauft zu haben**). Bewiesen wurde diese abenteuerliche Be• schuldigung nicht, denn Gumpelins Verurteilung erfolgte einfach ״wegen Verrates an Kaiser und Reich.“ Der zur Zeit der Kreuzzüge entfesselte Glaubenseifer Hess cs nicht zu, dass die Juden sich länger des Grundbesitzes erfreuten. Die in der Stadt Meissen angesiedelten, in der Vorstadt ״Neumarkt“ wohnhaften Juden, von denen viele Feldmul Gartenbau trieben, verloren damals ihren Landbesitz. Die dortigen Gärten *) Freibergische Theatri Chrouici;1650) Gap, I 16H. **) M. B. Limlan. Gesell, der Residenzstadt Dresden. 8. 33,

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