Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 47. (24.11.1893)
- Date
- 1893-11-24
- Page
- Seite 184 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 184 — Pardes S. 61 c—d, beweist also garnichts. Thatsächlieh scheint 19״d“ ein Druck- oder Schreibfehler zu sein und soll heissen 15d, wo ein Abschnitt mit den Worten schliesst: ע׳ב מצאתי בספר יראים. Der betreffende Abschnitt erweist sich in der That als Auszug und Umarbeitung des § 19 im Buche Jereira (ed. Zolkiew) des E1 i e s e r aus Metz, der, wie schon oben hervorgehoben, Lehrer des Samuel war.* 2) Daraus ergiebt sich aber nur, dass der Sammler des Likkute, da er das Buch Jereim citiert, Anfang des 13. Jahrh. gelebt, daraus ergiebt sich aber noch nicht, dass Samuel der Autor ist Vielmehr hätte dieser seinen Lehrer, wie üblich, als solchen (מורי ורבי) zu nennen sicherlich nicht unterlassen und hätte sich nicht auf eine einmalige Nennung des Buches Jereim beschränkt Ueberhaupt hätte dem Sauiuel die Veranstaltung eines ritualgesetzliehen Sammelwerkes auf der Grundlage des von seinem Lehrer herrührenden Werkes J e r e i m näher gelegen, als auf der Grundlage des seinem Gesichtskreise ferner liegenden Pardes. — Endlich verweist Zunz auf Likkute S. 20d, woselbst es heisst: 3שמעתי בשם הר׳ יצחק הלבן). Daraus ergiebt sich aber wieder nur, dass der Sammler Anfang des 13. Jahrh. lebte. Die beiden Hinweise von Zunz auf Likkute ergeben also nur Ktriterien für die Zeitbestimmung desselben, nicht aber für die Autorschaft Samuels. Wäre unser Samuel der Sammler des Likkute, so fänden sich seine eigenen Entscheidungen in den Context verwebt und verarbeitet und dann hätte sein Schüler Meir aus Rothenburg nicht verfehlt, irgendwo en passant das Werkchen seines Lehrers ausdrücklich zu erwähuen. Aus alledem ergiebt sich, dass Likkute hapardes von einem unbekannten Zeitgenossen des Samuel aus Bamberg verfasst worden ist.4). Jüdische Sitten und Gebräuche bei verschiedenen Völkern. Von den jüdischen Ceremonialgesetzen, welche mit den Juden auch nichtjüdische Völker beobachteu, ist es zuerst die Beschneidung, welche ausser von den Juden nicht nur von allen Bekenncrn der mohamedanischen Religion, die ihren Ursprung von Ismael, dem Sohne der Hagar herleiten, sondern auch von vielen heidnischen Völkern vollzogen wird. So erzählt der evangelisch( Reisebeschreiber Edmond Scott von der Thronbesteigung des jungen Königs von Bantam, welcher er im Jahre 1605 persönlich beiwohnte, dass nach den Festlichkeiten, welche diesem Akte vorangingen, der König auf einem Throne in den Tempel getragen wurde, wo alsdann die Beschneidung unter vielen abenteuerlichen Ceremonien an demselben vorgenommen wurde. (S. Dorville’s ״Geschichte der verschiedenen Völker des Erdbodens“ 1774 B4. II S. 316). In diesem Buche wird ferner mitgeteilt: ״Der König Macassar auf Celebes liess sich nach Art der Muselmänner nebst seiuen Unterthanen beschneiden (II S. 315). Die Tataren lassen ihre Knaben im Alter von 7—9 Jahren beschneiden (II 494). Den neugeborenen Knaben der Mexikaner wird bald nach ihrer Geburt von den Pristem mit einem Dorne ein ־) Lebte c. 1196 (Zunz: Zur Geschichte S. 193) 2) Isak halaban, ein Schüler des Jakob Tarn, lebte c. 1200 (8. Ozar has’pharun a. a. 0.) Die Stelle findet sich auch in Srhibole haleket ed. Buber S. 288, *) Zunz scheint zu seiner Vermutung geführt zu sein durch Azulai (ed. Wien II S. 34b). wenig Blut aus den Ohren und Geburtsgliedern entzogen (V 180). Auch in Yukatan werden die Kinder beschnitten (V 225). Das die Araber und Perser ihre Kinder beschneiden lassen, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Ausser der Beschneidung sind es nun noch ver• schiedene Hochzeits- Reinigungs- und Trauergebräuche, welche ihren Ursprung teils in der Bibel, teils im rabbinischen Schrifttum haben, die von heidnischen Völkern beobachtet wurden und wohl noch heute beobachtet werden. Ihren jüdischen Ursprung tragen sie mithin unverkennbar an der Stirne und die Annahme des umgekehrten Falles, dass nämlich der jüdische Gebrauch eine Nachahmung heidn'scher Sitten sein sollte, entbehrt jeder Begründung. Hören wir, was unser Gewährsmann schreibt: ״Die Braminen in Indien haben den Gebrauch, dass am Hochzeitstage vor der Trauung der Bräutigam 3 Hände voll Reis der Braut auf den Kopf wirft, was alsdann auch von der Braut dem Bräutigam gegenüber geschieht“ (II 20). Wer erblickt hierin nicht den jüdischen Gebrauch des Weizen - (resp. Hopfen-) streuens bei der sogenannten M a a n, welcher noch heute in mancher Gegend üblich ist? Ganz unzweifelhaft ist auch der Gebrauch der Frauen auf Ceylon, vor Eintritt ihrer Menstrua tion dieses dem ganzen Hause anzuzeigen, weil man sonst verunreinigt würde, wenn man an den Ort käme, wo sich dieselben aufhalten (II276), auf das R e i n i gungsgesetz der Bibel zurückzuführen; desgleichen der Gebrauch der Einwohner der T a t a r e i, wonach eine Ehefrau die ersten 40 Tage nach ihrer Niederkunft für nnrein gehalten wird und nicht einmal ihr Gebet verrichten darf (II 493). Auf Terra Firma werden die Frauen der Indianer nach ihrer Niederkunft mit dem Kinde an einen Flucs geführt und mit fliessendem Wasser gewaschen (V 254). Die merkwürdigste Aehnlichkeit zwischen jüdischer und heidnischer Sitte zeigt aber der folgende bei Sterbefällen übliche Gebrauch: ״Wenn bei den Molucken jemand gestorben ist, so wird die nächsten 7 Tage nach dem Begräbnisse das Bett des Verstorbenen so gemacht, als ob er noch lebte. Man setzt ihm auch etwas zu essen vor und bedient ihn überhaupt mit allen Lebensmittein reichlich. Auch setzt man ihm ein Licht in die Kammer und ein Gefäss mit Wasser neben das Bett, wenn es ihm einfallen sollte, zu trinken oder sich zu waschen; denn diese Leute glauben, dass, obgleich der Leib in der Erde liegt, es doch der Seele überaus sauer werde, ihre alte Wohnung zu verlassen, weswegen sie dann beständig während dieser 7 Tage zurückkehre, sie wieder einzunehmen. Wofern man aber diese Ceremonie unterliess, so würde sie sich unfehlbar wegen der Undankbarkeit rächen, sie bald vergessen zu haben.“ (II, 335). Bekanntlich wird auch bei den Juden nach der Beerdigung eines Toten, dessen Bett so hergerichtet, wie es bei Lebzeiten desselben war (הצעת המטה), ein Licht im Sterbezimmer angezündet (נר תמיד) und ein Gefass mit Wasser nebst einem Handtuche in dasselbe gestellt (בל•' מים ומפת ידים). Der Aberglaube, welchen die Molucken mit Uebung dieses an sich sonst harmlosen Gebrauches verbinden, ist wohl der Grund, aus welchem לחם הפגים ש׳ע י׳ד ק׳א ם׳ שע׳ו und חכמת אדם ה׳אבילות י׳ג derselbe als (heidnische Sitte) verpönt wird, wogegen die Beibehaltung des גר תמיד empfohlen und auch das הצעת המטה nicht beanstandet wird. In dem ספר החיים von Rehfuss und Bloch wird keiner dieser Gebräuche beanstandet L. Cohen, Rees a. Rh.