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Das jüdische Literaturblatt · 1893-11-17 · N° 46. (17.11.1893) · p. Seite 182

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 46. (17.11.1893)
Date
1893-11-17
Page
Seite 182 (sequence 4)
Language
German
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182 sammenhang ungekünstelt herzustellen, dann wird auch Vers 14 uns keine Schwierigkeit mehr darbiefen. Ich glaube nun, diesen Zusammenhang in ungezwungener, oder doch in einer am wenigsten gezwungenen Weise hergestellt zu haben und erlaube mir hiermit, diese meine Erklärung den geehrten Lesern zu unterbreiten. Ausgehend von der Stelle Hiob Kap. 24, 16, 17, wo es heisst: ״Er (der Frevler) bricht in der Finster nis in Häuser ein; jedoch an! Tage halten sie eingeschlossen sich, kennen kein Licht. Ist ilinee doch insgesamt der Morgen gleich Todesschatten; ja (in ihm) erkennen sie. Schreckbilder der Todesschatten,“ - nehme ich an, dass unsere in Rede stehende Stelle denselbeu Gedanken, jedoch in anderer Weise zum Ausdruck bringen will. Gott spricht dem nach zu Hiob, wie folgt: 12. ״Hast Du je den Morgen entboten. ״Iler Morgenröte ihren 1'lalz bestimmt. 1:1. ״Dass sic der Knie Knden erfassen. ״Auf dass die Frevler ihr entstürzen; 14■ ״Dass sie (die Erde) sich wandelt wie Siegeithon, ״I'nd jene wie verhüllt dastehen. 15 ״Auf dass ihr Licht den Frevlern werd’ entzogen, ״Und der erhobene Arm (derselben) zerschmettert.“ — Die Sceneric, die sich der Verfasser denkt, ist demnach folgende: Die Morgenröte erscheint, der Morgen bricht heran; ihr Licht verbreitet sich über die Enden der Erde; die Frevler, welche in der Nacht die Erde unsicher gemacht haben, verschwinden, indem sie sich in ihre Schlupfwinkel zurückziehen ( oder s i c!1 verhüllen); und so ist das Licht der M o r g e nr ö t. e u 11 d der Morgens« n 11 e den Frevlern entzogen; und so ist der erhobene Gewaltarm zerschmettert., d h. er kann am hellen Morgen keine Verbrechen ungestraft ausüben. — Zu Vers 1:1 (Enden der Erde) vergleiche man Kap. :17,3; dort wird auch vom Blitz gesagt, dass er sein Licht, über die Enden der Erde ausbreitet. — ln Vers 14 bedeutet das Wort תתהפך nicht die materielle Verwandlung der Erde, sondern nur den Wechsel d 0 r a u f der Ob e r f 1 ä e. 11 e d e 1׳ - selben wandelnden l’ersonen (und Thiere; vergl. Psalm 104) In demselben Verse fasst man am besten die Worte במו לבוש in der Bedeutung; ״wie in einem Gewände“, (mit Supplirung der Präposition ב, welche in der Poesie häufig weggelasse.n wird), was sich dem Sinne nach auf das e Vers :!!winden der Bösen, die in ihren Verstecken wie nut einem Gewände bedeckt sind. (Vergl. Ps. 104,6) ln Vers 14 bedeutet ויבינו אוי־מ nicht etwa, dass den Frevlern das Augenlicht entzogen wird, so dass sie. nicht sehen können, sondern ״das Morgenlicht entzieht, sich denselben.“ dass sie es nicht, sehen dürfen. — M ii 11 s t e r. J. Fe iu8tein, Semitiarlehrer. Recensionen. Loren/. Htalil. ״Der Fluch auf Juda.“ Berlin, Verlag von J. v. Grouiugen & Co. 1893. Vielversprechend beginnt das in schönen Versen geschriebene Büchlein mit der Schilderung eines ״Freitag Abend“, wie er leider nicht mehr in allen jüdischen Häusern anzutreffen ist. Doch bald vernehmen wir einen schrillen Misstou, der unvermittelt an unser Ohr schlagt und uns nichts Gutes ahnen lässt. Uud richtig: Der Freitag Abeud ist die Uarnirung eines sehr unschmackhaften Gerichres, welches in sattsam bekanuter Weise einen Konflikt echildert zwischen dem Sohne, der eine Christin sieh erwählet und dem starren jüdischen Vater, der nicht einmal am Grabe des geliebten Weibes dem Sohne die verzeihenden Arme öffnen will, dem Sohne, welcher ihm einen sophistischen Brief schreibt, der voller Spitzen Und Stacheln ist wie ein Mahnbrief und alles gläubig nachbetet, was in den schlimmsten Pamphleten gegen Judeu und Judeutum jemals geschrieben wurde. Der Verf. hat gegen die elementarsten Voraussetzungen des Di' hters gesündigt, er hat nicht aus dem Leben gegriffen! Und wäre dies auch der Fall, wird er nicht reichlich von den Fällen anfgewogen, in denen das umgekehrte Verhältnis sich abspielt ץ Ist der Konflikt nicht derselbe, wenn ein christlicher Jüngling eine jüdische Maid sich erkoren — ja wenn ein katholischer Christ mit einer evangelischen Christin ein Bündnis eingeht et vice versa? Hat der Verf. nie etwas von dem Worte ״Revers“ gehört, der hereits über das Seelenheil kommender Generationen verfügt? Oder heisst, es auch hier: ״Ja, Jude, das ist etwas Anderes."? Ich muss dem Taktgefühl des Verfassers die Rechtfertigung überlassen, dass er angesichts des schmucklosen Sarges der Mutter — eine Einfachheit, die wohlthätig absticht von der"sonst üblichen luxuriösen Aufputzung der Leiche und geschmackloser Verwirrung der Bilder des Lebens und des Todes — den Sohn die bedauernden Worte sprechen lässt: ״Der letzten Spende schöne Pflicht, der ״Gott der Väter“ kennt sie nicht!“ Was hat der Gott der Väter mit dieser unserem ganzen gottesdienstlichen Wesen entsprechenden Sitte der Einfachheit zu schaffen, die vielleicht eine Mahnung sein 8011, dass es bsser sei. den Slanh unverfälscht wieder zu Staub werden zu lassen und die Wege der L ebenden mit Blumen zu he־ .streuen, anstatt den Tod mit Kosen zu maskieren und den lebenden Mitmenschen Steine in den Weg zu werfen? Und wenn hüben uud drüben gegen Mischehen Front gemacht wird, welche mit unserer deutschen Gesinnung nicht das Mindeste gemein haben, dnrcli welche vielmehr nnseier völligen Existenzaufgabe das Wort geredet wird, lür welchen guten alten Rat wir keine neue Ratgeber mehr brauchen, so haben w i r für uuseru Widerstand doch die Entschuldignng, dass wir immer die Zeche bezahlen müssen, worüber der Verfasser auch nicht den geringsten Zweifel aufkommen lasst. Wir haben nicht nötig, unser Ohr zu verstopfen, um ׳Inreh diesen Sirenengesang uns nicht bestricken zn lassen. Dr. Singer- Cublenz. ״JiidiMcho Famili<‘11|»apie1׳e“ von W. IIerzberg. Verlag von Caesar Schmidt in Zürich. :1 unveränderte Auflage. 321) Seiten ־י". Ladenpreis 4 Ma׳k. Dieses köstliche Buch, welches zuerst im Jahre I80S in Hamburg erschien, ist seit langen Jahren vergriffen und selbst antiiiua'isch sehr schwer anfzntreihen. Es wäri schon längst wieder neu aufg legt worden, all ■in verschiedene Freunde des Verfassers wünschteil Abänderung resp. Abschwächnng desselben und dazu konnte sich der Verfasser nicht entschjiessen. Die jetzige Zeit mit dem Anwachsen des Antisemitismus iu Deutschland veranlasste ihn nun. das Buch unverändert liernu-'zugebeu und in der freien Schweiz erscheinen zn lassen Vor allem ist das Buch dazu angethan. die bedrängten Juden seihst in ihrem Kampfe zu trösteu uud zu starken. Das Buch ist keine trockene Lektüre, sondern die Handlung darin mit den nebenbei auftreteudeu Personen ist äusserst spannend. Es ist in Romanfiinn gehalten, jedoch voll tiefer Weisheit. Als es entstand, war der Antisemitismus noch nicht erfunden — mögen naher seine bethürten Anhänger sich zu dieser unbefangenen Quelle wenden, um den wahren Inhalt des Judentums zu erfahren Den Judeu «elbst aber bietet es ein festes Palladium ihres Glaubens, ihrer Lehre, ja ihrer Eigenart. — Kein Jude sollte versäumen, sich dieses Werk anzuschaffeu und die Wahrheiten, die es enthält, in sich aufzunehmen Hier ist in wahrhaft künstlerischer Form das Wesen des ■Iudentums dargestrtlt und dem aufmerksamen Leser wird vieles klar werden, was der Hader der Parteien nur unklar uud unverstäudlieher macht. So werden die ״Familienpapiore“ auch auf die Klärung der die Zeit bewegenden Fragen einwirken, ohne jedoch hierdurch ihren Beruf ganz erfüllt, ihren Zweck vollständig erreicht zu haben. Deser Bern ist vielmehr der: ein Vorbild zu haben, wie auf dem Boden des Judentums eine edle, reine Uuterhalnmgsliteratur erwachsen kau» uud soll, die gleicherweise dem Glauben, der Wissenschaft und der Kunst gerecht wird. Um die Verbreitung zu fördern, ist der Verkaufspreis, welcher früher Mk. ö betrug, trotz gleicher schöner Ausstattung auf Mk. 4 ermässigt. Literarische Notii. London, Die von der kürzlich hier gegründeten Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte der Juden iu England iu Angriff genommenen Arbeiten werden im nächsten Jahre umfassen: Neue Dokumente der Zwischeuherrschaft 129!)—Iö5t>. Register der Norwich des 13. Jahrhunderts. 1. Rdgister der Beerdigungen der Synagoge von Brevis Marks. — Gesetzentwurf über die Juden 1m Jahre 17S3. — Aron de Lincoln, — Jüdische Börsenmakler der Hauptstadt London. — Benedict der Punktator von Oxford. — Fuchsfabeln. — Alte Judeuverinäcbtnisse von Somerset llouse. — Ursache der Judeuvertreibung im Jahre 1990. — Register der jttd. Verteidigungsreden. — Jakob ben Jehudaund sein Buch ״Ezchajim“. — Die Synagoge von Chreehurch Lane. Verantwort!, liedacteur Di. Rahmer. Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & Co., Magdeburg, Verlag Roh. Friese, Leipzig. ^728

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