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Das jüdische Literaturblatt · 1893-11-03 · N° 44. (3.11.1893) · p. Seite 174

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 44. (3.11.1893)
Date
1893-11-03
Page
Seite 174 (sequence 4)
Language
German
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- 174 Zur Erklärung von Hiob 38,12 f. Nachdem ich mit der Bearbeitung eines fast fortlaufenden Commentars zum Hiob, dem eine Einleitung vorangeht,*) welche über Redactionszeit und -ort des Buches neues Licht verbreiten dürfte, zu Ende gekommen und im Begriff bin, meine ״Hiobstudien“ zu veröffentlichen, kann ich es mir nicht versagen, auf die Notiz des Herrn l)r. Kaminkahin zu obengenannter Stelle das zu veröffentlichen, was ich an der betr. Stelle in meiner Arbeit bemerkt• habe. Ich bin übrigens durch das Buch hindurchgekommen, ohne mich auch nur zu Einer Consonanten-Aenderung genöthigt zu sehen, trotzdem ich nicht mit dem Gedanken an die Arbeit ging, einer solchen grundsätzlich auszuweidien. Es genügt nicht, ein guter ״Hebräer“ zu sein; man muss Zeit und Charakter des ganzen Buches, nicht einer einzelnen Stelle, kennen lernen, und ev. mit philologischer Unabhängigkeit von den gebräuchlichen Lexici8 und Cdmmentaren, sowie mit der erforderlichen Selbstständigkeit an die Erklärung des Buches gehen, wenn man das Richtige ermitteln will. Das Herausgreifen einer einzelnen Stelle zwecks ihrer Commentirung hat meist ihr Missliches. — Gestatten Sie mir daher, geehrter Herr Dr., in Ihrem gesch. Lit-Bl., in dem ich demnächst meine Mitarbeiterschaft wieder aufzunehmen gedenke, in Kürze das zu veröffentlichen, was ich zu obiger Stelle in meiner neuen Arbeit sage: 38,14. Die Commentare beziehen zwar durchgängig die erste Vershälfte ״auf die Erde“ (mit Rücksicht auf V. 13a) jedoch mit Unrecht Es wäre auch nicht recht angängig, die Schilderung der Vernichtung der Frevler durch eine solche von der Veränderung der Erdoberfläche zu unterbrechen, zumal da, wenn die Sünder bestraft werden, nicht auch die Erde verwüstet zu werden braucht. Es bezieht sich vielmehr 14a auf die Frevler. — Durch die Erdumwälzung (V. 13), die Gott zum Zwecke der Vernichtung der Frevler und in eigner Person vurzunehmen vermag — לארוז ist erklärender Iiilin. (,,indem du ...)—, werden die Frevler von ihr verdrängt, (V. 14) und es wandelt sich, wie Lehm, [ihre] Gestalt (vgl. חותם תכנית Ez. 28,12; Ps. 139,5. Auch Targ. übersetzt in beiden Recens. ״ הותמא דילהוןihre [seil der Frevler, nicht : der Erde] G.“), und sie sind (״eig. ״stehen da“ vgl. lat. existere) wie ein Gewand“ (Ps. 102.27) — Um einen besseren Anschluss zu erhalten, fasst man wohl, da, wie sonst, auch im Hiob, sehr oft die Praeposition wegbleibt, כלבוש in der Bedeutung ״wie in einer Umhüllung stehen sie da“ (nicht: Part. II. Qal), so dass sie nichts sehen und sich bezähmen müssen [V. 15). Ich füge jetzt noch hinzu, dass, wenn man den Parallelismus inV.14 durchaus aufrecht erhalten will, auch der jedoch mit Bezug auf die Erde weder in V. 13 noch in V. 15 vorhanden ist, der Gedanke, den Heir Dr. Kaminka znm Ausdruck gebracht wissen will,auch dann in 14b liegt, wenn man, wie ich vorgeschlagen, נסויתיצבו der Bedeutung ״und sie sind“ nimmt und, wie oben, auf Ps. 102,27 hinweist. Breslau, 14. October 1893. Dr. B. Koenigsberger. Literarische Notizen. 1. Erwiderung. Eingangs seine« Artikels über eine eite Syuagogeuordnung in Nr. 37 S. 145 <1. Bl. bemerkt Herr Dr. Goldfahu, ich hiitte gegen seine Behauptung in d. Bl. Jahrg. 1886 S. 157a, *) Sie ist auch in ihren hauptsitchlichen Ausführungen im Sept.- Heft der ungar Mag. Zaido Szemle, S. 487—92 erschienen. ״da«e, wo die Benennung eines Buches oder eines Abschnittes einem Ausdrucke oder einem Worte ries :täglichenBuches oder Abschnitte«entnommen sei, die fraglichen Benennungen und die Stichworte sich genau decken müssen, eingeweudet, dass demnach Paraschath Schekalim eigentlich Paraschat Schekel heissen müsse.“ Darauf erwidere ich: Die angebliche Behauptung findet sich S 137a das. nicht, da* gegen findet sickS. 15Kb eben dort die Behai ptung dass״inErmangelung tiner anderweitigen Bezeichnung die betreffenden Haftaroth nach dem ersten Worte, mit dem sie beginnen, benannt werden, wie Aehnliches auch sonst in der jüd. Litt, häufig vorkommt.“ Herr G. betont hier also das Anfangswort, danu giebt er einige he• sügliche Beispiele. Das glossierte ich unter 6: ״ü.infig“ — wer hat das bestritten? Finden sich indessen keine Ausnahmen? Das ist liier die Hauptfrage. Die ganze weitere Diatribe erscheint aucli der elementarsten Logik sofort bedeutungslos, wenn Herr G. Ausnahmen zugiebt und zugeben muss. Ferner behauptete Herr G. S. 156b f., dass ״-die Sabbathe an den דיפרש׳ den Namen des Themas der betreffenden hcsonders Paraschah führen, wobei wieder, bei den meisten Sidroth des Jahres nnd hei זנור das charakteristische Wort am Anfang den Namen verleiht.“ Dazu erklärte ich unter 7 S. 157a: Warum sagt denn Htrr G. nicht ausdrücklich, dass bei P. Schekalim erst das 33. Wort, bei P. Parali erst das 21. Wort der Paraschah den betr. Sabbathen uen Namen verleiht? Freilich, das hätte das ganze Concept verrückt. Wir können es ihm noch durch viele andere Beispiele verderben, von denen wir nur zwei anfilhreu: Der Brauch des ״Tascblich“ hat «einen Namen nicht vom ersten, sondern vom 23. oder 33. Worte des betr. Gebets erhalten pp. Sodann behauptete Herr G. das. betreffs meines Hinweises auf die dem Ausdruck ממצרים Ps. 114,1 resp. dem Hauptinhalt dieses Ps. entsprechende Benennung הלל המצרי sehr souverän, ״es wüsste, wenn diese Vermutung richtig war-, nach Analogie ähnlicher Ausdrücke, dann הלל ממצרים heissen.“ Das versah ich unter 10 mit der Bemerkung: Nach der Vermuthuug ries Herrn G. müsste es also z B. nur פ׳שקל, nicht פישקלים heissen pp. In der letztgeuachten Behauptung des Herrn G. ist die ״genaue Deckung der fraglichen Benennungen und Stichworte“ wohl angedeutet, aber nicht, wie neuerJings, ausschliesslich und uachdriioklieh hervorgehoben. Doch auch hier muss ich zu meinem Bedauern Herrn G. wieder das Concept verderben, und zwar einstweilen durch Wiederholung einer Frage: Warum heist «He פיעקדה nicht — nach ״genauer Deckung“ — פ ויעקר und warum ist «las charakteristische ויעקר nicht der Anfang, sondern erst das 152. Wort der Paraschah? Diese Frage diene Herrn G. auch als vorläufige Antwort*) auf die Note 3 seines <ju. Artikels (Nr. 37 S, 145). Ofr. Litt.-Bl. Jahr״■ 1886 Nr. 45 S 175a sub*). ' Angesichts meiner vorhin erwähnten Glosse unter 10 meint Herr G., es ״scheint,“ dass ich der Ansicht hin — — und ״wenn dein so ist,“ dann — zeugt das, von Unkenutniss der Geschichte der Eiusetzuug und Entwickeluug des Sabbath P. Sehekalira. Echt wissenschaftlich geteigeit! Und ein wuchtiger Wurf gelungen! Sonderbar nur, dass das Geschoss!len Schützen seihst trifft; «leim keiu anderer als Herr G. selbst hat die obgedachten Worte geschrieben: - ״Die Sabbathe an den ארבע פרש füll reu deu Namen des Themas der betreffenden besonder!! P a r a s c 1! a h.“ Rabb. Dr. Pli. Kro ne r-Berliu. Mischlin Nasir II. 2. Herr Oberrabbiner D. Simonsen- Kopenhagen macht mich fremidlichst darauf aufmerksom, «lass iu der von Lowe in Cambridge 1883 edirteu Misclmachuusgabe sich thatschlich in Nasir II, 2 die Leseart finde:'אמרה הדלה הזו הרני נזירה ונו• Der Herausgeber fügt ausdrücklich hinzu: "בן היא בכי. Somit bestätigt sich die von mir im Literaturblatte Nr. 41 ausgesprochene Vermuthuug, dass hier ein lapsus calami der Abschreiber vorliegt. Man hat also nicht nöthig, iin Wortlaute des Textes der 2. Mischuah des 2. Abschnitts von Nasir einen Verstoss gegen den richtigeji Sprachgebrauch anzuuehinen. Das Etymon רלת ist und bleibt auch hier ein nomeu feminini generis. Sohrau O./S. Dr. Immanuel Deutsch. Paris. Der Herzog von Audiffret-Posquier, Mitglied der trauzösischen Academie hat hei Pion und Nourrit die Memoiren seines Grossvaters des Kanzlers Pos<;uier, der zur Zeit des grossen Synhe- Grins Regierungscommissar bei demselben gewesen, veröffentlicht. Eines der ersten Kapitel liandelt über die Organisation des isr. Cu'tns Uber die Berathuugeu der jüdischen Notablen über «las grosse Synhedrin. Da eiue mustergültige Darstellung über das französische Synheurin nochjlicht geschrieben, so machen wir Sachkenner auf diese Memoiren aufmerksam, die ein ganz neues Lichtauf «liese für das Iudenthum so wichtige Körperschaft wirft. ) Neiu.nichr blos ״als vorläufige“, denn mit obiger, Erwiderung“ erklären wir die Sache für abgethan.!Red■) Verantwortl. Redactenr Dr. Ra Inner, Magdeburg. Druck Friedich Rasche «St Co., Magdebuig. Verlag Rob. Friese, Leipzig.

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