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Das jüdische Literaturblatt · 1893-11-03 · N° 44. (3.11.1893) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 44. (3.11.1893)
Date
1893-11-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 44. Das XXII. Jahrg. JüdischeLiteraturblatt Zur Bftluuchtung aller Judenthum und Juden Mtreffenden litterariechen Ertchtinungen auf dem Gebiete der Philosoph!•, Geechiehte, Ethnographie, Theologie, Orten• alle, Exegesse, Homiletik, Liturgik, und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Di*. Moritz Rah in er. Magdeburg, den 3. November 1893. BUcher der einechllgigen Litteratur. welche der Redaktion zugesandt werden, finden in dieeem Blatte eingehende Besprechung 8ei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis •Insertion. Das ״Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift‘־, die vierteljährlich hei allen Postanstalten und Buchhandlungen '• Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatur-Blatt“ gratis. Inserate werden mit. 25 Pf. für (iie gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind au die Expedition dieses Blattes zu s׳>ml11!׳. Buchhändler und Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate elasenden, erhalten 2'> ״/.> Rabatt. Xnlialt: Wissenschaftliche Anfsütze: Rede des Rectors Dr. Adolf Schwarz bei Eröffnung der israel.-theol. Lehranstalt in Wien. Uebtr die frühere un׳i jetzige jüdische Bevölkerung Irlands. Von Dr. Chotzner. Zur Erklärung Hiob 38,12. Von Dr. B. Kö n igsherger. Literarische Notizen. Erwiderung. Von Rabb. Dr. Ph. Kroner-Berlin. — Mischna Nasir II. 2. Von Dr. Immanuel Deutsch. — Paris. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist nloht gestattet. Rede des Rectors Dr. Adolf Schwarz bei Eröffnung der israel.*theol. Lehranstalt Wien, am 15. Oktober 1895. Hochansehnliche Versammlung! Geschehnisse und Ereignisse der Gegenwart, von denen man mit Fug und Recht annehmen darf, dass sie in der Zeiten Folge historische Bedeutung erlangen werden, können wir durch Nichts passender und angenehmer würdigen, als indem wir sie in die rechte Beleuchtung rücken und im Lichte der Vergangenheit betrachten. Freilich darf bei einer solchen Würdigung Niemand der Pflicht sich entschlagen, den Männern gerecht zu werden, welche die Urheber dieser Geschehnisse und Ereignisse sind, oder docli an denselben einen grossen and reichen Antheil haben, aber die Hauptaufgabe bleibt doch für J eden, der einen ungetrübten Blick für historische Erscheinungen sich bewahren will, dass er überall und immerdar die Sache über die Person stelle, weil er sich sonst der Gefahr aussetzte, anstatt bei der Sache zu bleiben und sachlich zu urtheileu, die persönlichen Momente in den Vordergrund zu rücken. Nun, meine hochverehrten Herren, die Eröffnung der is1־ael.-tUeol. Lehranstalt in Wien, sie wird weit über die Grenzen unseres österreichischen Vaterlandes hinaus, ich sage nicht als eine historische That, wohl aber als ein Ereigniss betrachtet, das im Laute der Zeit geschichtliche Bedeutung erlangen wird und erlangen muss, wenn diese Lehranstalt der ihr gestellten Aufgabe, nicht allein Rabbiner, und Prediger für die Gemeinden, Religionslehrer für Mittel-, Bürger- und Volksschulen auszubilden, sondern auch die Wissen- Schaft des ■Judenthums zu liegen und zu pflegen, in treuer und gewissenhafter Pflichterfüllung nachkommen wird. Bei dem Eintritt eines solchen Ereignisses in Schweigeu verharren zu wollen, wäre eiu Verstoss’gegen den Geist des Judenthums, das seine Bekenner bei Allem, was die Zeit Neues gebiert, zu Dankesäusserungen der Vorsehung gegenüber anhält und anregt. Die Stunde, in welcher ein solches Ereigniss eintritt, ist schon an und für sich eine feierliche und weihevolle, denn sie erfüllt 11ns mit Gedanken und Gefühlen, welche uns über das Zeitliche hoch hinaustragen. Wohl ist die Feier, welche Sie durch Ihre Anwesenheit erhöhen, eine äusserst schlichte und sie musste aus Gründen, die Sie bereits kennen, eine solche sein, aber auch die schlich teste Feier kann den tiefsten und nachhaltigsten!״'׳indruck hervorbringen, wenn wir 11ns nur zum klaren Bewusstsein bringen, was wir denn eigentlich feiern. Wir feiern die Eröffnung e׳ner Rabbiner- und Lelirerschule, einer Pflanz- und Bildungsstätte, an welcher die dazu berufenen Jünglinge zu gottesfiirchtigen und gottbegeisterten, mit der Schutzwehr des reinen Glaubens und den Waffen des wahren Wissens ausgestatteten Vorkämpfern, zu that- und willensstarken, zu gestählten und charakterfesten, zu überzeugungstreuen und gesinnungstüchtigen Lehrern in Lraei (אנעי מעשה בישראל) heranreifen sollen, und es ist uaiüriich und s״l׳׳siverständlich, dass wir unserem Gott dafür danken, dass er Gutes gethan an Israel, dass er in dem gross• ׳a. weil hochsinnigen Wien Männer jüdischen Geistes erweckt hat, ein grosses Werk in Angriff zu nehmen und zum gedeihlichen Abschluss zu bringen. Nächst unserem Gotte, dem Hüter Israels, danken wir Sr. Majestät unserem glorreichen Kaiser für seine Gnade und seiner hohen Regierung für ihre Bereitwilligkeit, unsere Anstalt zu fördern und zu schützen, wir danken den edelmüthigen Stiftern und Mitbegründern dieser Anstalt, wir danken den Grossgenieinden Oesterreichs und ihren Vorständen, Allen, Allen, die als Edledes Volkes sich bewahrt, indem sie daran gegangen sind, dem Volke einenneuen Felsenbrunnen auszuhöhlen; wir danken den hochverdienten Mitgliedern unseres Cruatoriums für Alles, was sie oereits gethan, und, wie wir hoffen dürfen, in der allernächsten Zeit noch thun werden, um unsere Anstalt zur Höhe echter Wissenschaftlichkeit emporzutragen, wir danken den Männern der hiesigen Union, die in des Wortes schöu-teiu 1:111 bestem Sinne als jüdische Männer der That und als Männer jüdischer That sich bewährt, und wir danken unserem hochwiirdigen Oberrabbiuer nicht allein für die Herzlichkeit, mit welcher er uns begrübst, für die Klarheit, mit der er die Aufgabe dieser Anstalt Lehrern und Höhrern vor die Seele geführt,sondern auch dafür, dass er von vornherein mit klarem n ul ״ eisern Blick es erkannt hat, welche Gestalt die Anstalt haben müsse, um ein modernes und doch zugleich auch ein altjiidisches Lehrhaus zu werden. Indes so inannichtach auch unsere Dankesäasserungen in dieser Stunde sind, würden wir doch nicht das rechte Verständnis i'!ir nie.! wahre Bedeutung bekunden, wenn wir es bei diesen Dankes- Äusserungen bewenden lassen und nicht zugleich auch den Himmel darob preisen wollten, dass derselbe ewig unwandelbare Gottesgeist es ist, der sich uns heute genau

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