Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 40. (5.10.1893)
- Date
- 1893-10-05
- Page
- Seite 158 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Rashi 3× ep/1002670
- Isaiah 1× ep/1005097
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— 158 — Lebens. Das Hebräische im Religionsunterricht ist daher mit Nichten ein Spi u-.hunterricht, wie Lat. und Griechisch. Ref. hat solche Einwendungen stets damit abgewiesen: Sprachnnteirieht treiben wir überhaupt nicht, unser hebr. Unterricht ist Religonsunterricht und er möchte raten, dieses unterrichtsmethodisehe Dogma allen Versuchen christlicher bisweilen auch jiid. Schulbehörden, das hebr. zu eliminieren, entgegenzusetzen. Auch die Behauptnag ist unbestreitbar, dass die Kenntnis der hebr. unerlässlich für eine allgemeine Bildung ist, weil sie ihr vielleicht stärktes Ferment ist. Also müsse das Hebr. ־wieder einen grösseren Platz im Unterricht erhalten. Die Frage des Hm. Verfassers verdient die gleiche Beantwortung vom pädagogischen Standpunkt Vor den Schrecken des systematischen Religionsunterrichts und seiner ertötenden Langeweile kann uns nur der Unterrieht im lebendigen also auch belebenden Gotteswort bewahren. Nun genügt zwar unserer Ansicht nach auch eine gründliche Kenntnis der deutschen Bibel vollkommen und hätte sie nur erst jedes jüdische Kind, das die Schule verlässt! Aber allerdings erhält der Unterricht Vertiefung und mannigfachen Reiz, wenn er aus dem tief■ ־■־ TT 1 beschränkt und daneben die agrarische Bedeutung des Festes für die 6 anderen Tage desselben betont (vgl. 1«, 7 u. 8). Das Volk verliess Jerusalem und begab sieb nach Hause, um die Erntezeit abauwarten bis zur Beife der Gerste oder das Heimsen derselben zu besorgen. Das Essen der M&zzot wurde in diesen letzten 6 Tagen fortgesetzt; vielleicht waren diese auch von neuer Frucht bereitet (vgl. Raschi). So ist das וסניה בבקר und das ששח ימים verständlich. Das Volk weilte demnach nicht mehr in Jerusalem, nahm daher auch an der Opferung und Tempelfeier des 7. Tages nicht mehr Teil, aber eine Einstellung der Erntearbeit war vorgeschrieben. Die Bedeutung ״Aibeitsenthaltuug" ist durch die Wortbedeutung (עצר) gerechtfertigt. Dies wäre demnach eine Bedeutung für Azereth und zwar speziell für das Pessachfest. Anders ist es mit dem Azereth des Sukkothfestes. Zwar hängt dieses mit dem Sukkothfeste zusammen und hat Beziehung zu demselben, aber es gehört nicht zu ihm, ist nicht eins mit ihm, sondern ein besonderes Fest für sich mit gesonderter Bedeutung und eigentttmlichem Charakter. Denn die Bibel nennt ausdrücklich wieder das Sukkothfest ein 7tägiges und bestimmt den 8. Tag als Azereth. Vorgeschrieben sind für dasselbe wiederum festtägige Opfer und Arbeitsenthaltung, wie beim 7, Pessachtage, aber eine besondere Festbedeutung ist nicht angegeben, die es jedoch haben muss, da es nicht zu Sukkoth gehört und doch ein Fest ist, während vom AzeTeth des Pessach ausdrücklich gesagt ist, dass es znm Pessachfeste gehört. Das Wohnen in Hütten hört am 7. Tag des Sukkoth auf. (,Die Tradition hat das nochmalige Beziehen der Hütte am i —..M. n 1 n flnksnunk lliwl •Uta kalanrlatnaokan finit\ TM« Abgrenzung zu vollziehen, ist eine der schwierjsten Aufgaben des Religionslehrers. Ein Maximum, das uns hocherfreuen könnte, wäre die gründliche Kenntnis der hebräischen Bibel, das Minimum, welches man nicht oft wird überschreiten können, die Fähigkeit, einen Aufsatz wie den besprocheten zu verstehen und mit zu geniessen, Darlegungen folgen zu können, welche ihre Beziehungen aus der Ursprache schöpfen, also z. B. bei Predigttexten; selbst wenn nicht mehr geblieben ist von allem hebr. Unterricht, so giebt er dem Schüler einen oft bis in das Alter anhaltenden Duft, oder, um bei der Sprache zu bleiben, Reach schel tauroh, der ihn und andere erquickt. Man kann das oft bei Glaubensgenossen sehen, die im übrigen dem jüdischen Leben ganz entfremdet sind. Wenn diese Saite angeschlagen wird, daun geben sie Laut, alle Qualen des Schomarti, schomarto, der ersten Versuche Raschi zu lesen, oder gar der Gemore mit Tausfaus sind vergessen und sie erinnern sich noch mit Dank des ״heiligen Sprachunterricht“ Solche gemütliehe, Eindrücke sind nicht zu uuterschätzeu sie sind andauernder und kräftiger als man oft glaubt. Es ist dankenswert, dass der Herr Verf. den fesselnden Aufsatz aus dem ״Kalender für Israeliten für das Jahr 5654“ besonders hat abdrucken lassen. Jacob-Göttingen. Literarische Notiz. Aceretli (עצרת) ist ilie Benennung de* letzten unserer Herbstfeiertage. Darüber wird eine nachträgliche Erörterung wohl am Plätze sein. Azereth wird ausdrücklich als achter Tag des Succothfestes bezeichnet und gilt demnach als ein besonderes Fest mit besonderem Charakter und besonderer Bedeutung. Trotz dieser Selbstständigkeit hängt es aber auch mit Succoth zusammen, als dessen 8. Tag es gefeiert wird. Denn wie andere Feste bat Succoth auch in Rücksicht auf die 7-Zahl eine Dauer von 7 Tagen. Der Siebenzahl liegt zu Grunde: Der 7. Wochentag (Sabbat), das 7tägige Passah, das?wöchentliche Schabuotfest, welches von diesen 7 Wochen seinen Namen trägt, das Fest des 7. Monats, das 7tägige Succothfest, das Fest, des siebenten Jahres (Schmitta), das Fest des siebenmal siebenten Jahres (Jobei). Snccoth schliesst daher eigentlieh mit dem siebenten Tag (Hosekana rabba), der 8. Tag ist עצרת, ein besonderes Fest. Exodus (e. 34■) und Deuteronomium (c. 16) erwähnen vom Azereth des Succothfestes nichts; dagegen nennt Deuteronomium den 7. Tag Pessach auch eiu Azerethfest. Die Feier des historischen Pessachfestes wird auf den eisten Tag (15. Nissan, vgl, Exod. 1 צ) rctauig ^׳•!דיש H'yijJi BWuuem uci uuuti gvmuiuct mu, nuiujr rt5s1* tag mit besonders eigentümlicher Bedeutung sollte der 8. Tag sein; wir fragen, welcher Art war diese Bedeutung, denn ohne diese war es zwecklos, den 8. Tag als besonderen Festtag anzuordnen? Wir meinen: Ist Sukkoth Erntefest, um Gott den Dank für die erhaltene Ernte auszusprechen, 80 ist Azereth ein Saatfest, um Gottes Gnade für die neue Saat zu ertieheu, welche man jetzt der Erde anvertraut, nm darauf die Hoffnungen für die zukünftige, nächste Ernte zu bauen. Deshalb steht mit dem Feste auch die Freude der Wasserspende und das Gebet um rechtzeitigen und genügenden Be gen in Verbindung. Auch der 7. Tag Sukkoth wurde in diese Feier und Gebete mit liereingezogen, der davon den Namen ״Grosses Hosianna-Fest“ führt. Die grossen Prozessionen und Hosianna-Gebete (״ הושענא ,הושיעה נאhilf doch“) beziehen sich hauptsächlich auf Gewährung vou Tiegen. Denn der regelmässige und rechtzeitige Regen ist in den tropischen Gegenden, zn denen auch Palästina noch gehört, von solcher Bedeutung, dass, wenn er ausblieb, besondere Bet- und Busstage mit Fasten und Kasteiungen angeordnet wurden. Von einer solchen Anord• nung ans gleichem Grunde spricht Joel, der Prophet, und nennt auch einen solchen: Tag Az ar ah. Auch Jesaja(c. 1) nennt solche fottesdienstliche Versammlungen Azarah, selbst für götzendienerische wecke kommt diese Benennung vor (2, Könige 10, 20); aach gottesdienstliche Opfer werden Azarah geuannt (Arnos. 5, 21.) Die Bedeutung: ״Abgeschlossene Versammlung“ erklärt sich nun zwar etymologisch aas dem Worte ״azar“ selbst, sie kann sich indes auch aus dem Worte azereth, Bezeichnung für das bestimmte gottesdienstlichd Fest, gebildet haben. Die Bedeutung ״Versammlung, Band, Bande“ kommt auch für anderweitige, nicht gottesdienstliche Zwecke vor. Die Tergumim und Septuaginta geben daher עצרת mit ״Versammlung, Betversammlung“ wieder. Indes ist es für das Azerethfest wahrscheinlich, dass es seine Benennung mit Rücksicht auf die Gebete wegen ״Vorenthaltung des Regens“ erhalten hat. Auch für die Pessachzeit hat das richtige Eintreffen des Regens (Spätregens) seine Bedeutung, 80 dass auch hier die Bezeichnung Azeres in besonderer Hinsicht auf Regen gerechtfertigt wäre. Azeres hat auch die Bedeutung ״Schlussfest“ erhalten und zwar weil damit die Festtage ״abschliessen“. Diese Bedeutung lässt sich ebenfalls etymologisch rechtfertigen. Die LXX haben auch auvoSa{ ״Betversammlung“ und e^öStov ״Schluss“. Schabuot als Schluss von Pessach führt deshalb auch den Namen azereth 'A6ap1)6־S (Jos. Antiqu. 3, 10, 6). Diese Bezeichnung kann Schabnot indess auch in Rücksicht auf Azereth von Sukkoth erhalten haben, mit welchem das Simchas-Tora-Fest verbunden ist. Pessach und Snkkoth repräsentieren die Feste für die Ernte der leiblichen Nahrung, Schabuot und Azereth (Simchas-Tora) für die Ernte der geistigen Nahrung (vgl. Dent. 8, 3), ersteres als Fest der Offenbarung der Tora, letzteres als Fest der Vollendung der (jährlichen) Tora- Vorlesungen 1). R•!) Wegen der schwankenden Bedeutung von Azereth und selbst wegen der geschwundenen agrarischen hat der Midrasch sich der Deutung des Worts und Festes in allegorischer Weise bemächtigt, ähnlich wie bei dem Erutestrauss. Eine solche Deutung bringt auch Raschi vorn Feste (Lev. 23 a,l.) isacniesies mm »ui un» »••׳cu ..—a-■- —• —-—— . r ■ . Verantwort!, liedacteur Dr. Rahmer,Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & 00. Magdeburg. Verlag Ro nese, eipzig,