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Das jüdische Literaturblatt · 1893-10-05 · N° 40. (5.10.1893) · p. Seite 156

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 40. (5.10.1893)
Date
1893-10-05
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
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156 sich nicht von diesem ihm aufgezwuugenen Bekenntnisse frei machen.*) Ihn Abi Osaiha, ein arabischer Schriftsteiler, sagt unter andern über Maimuni: ״Man sagt, dass er in Maghrib zum Islam übergegangen sei, während weicher Zeit er den Koran auswendig gelernt und die muhamedanische Jurisprudenz stutiert hätte־‘. Ebenso erzählt Abulfarndsch: Gezwungen ging er zum S c h e i n e zum Islam über, übte aber heimlich die jüdische Religion aus. Bei einer günstigen Gelegenheit wanderte er mit seiner Familie aus Spanien, ging nach Egypten und siedelte sich iu Fostat an, wo er sich öffentlich zur jüdischen Religion bekannte und mit Edelsteinen und Perlen handelte/) Aber Graetz urteilt hierin sehr richtig und vorsichtig, wenn er sagt, dass wir durchaus nicht genötigt sind anzunehmen, die Familie Maimons hätte bereits in Spanien dem Kryptomuhamedanismus gehuldigt. Vielmehr scheint es, dass sie nur deswegen in diesem Lande umhergewandert ist. um ihre Keligiou ungehindert bekennen zu dürfen. (Fortsetzung folgt.) Eine alte Synagogenordnung. Von Rabbiner Dr. G 0 111 f a h n. (Fortsetzung.) Um Andeutungen im Pentateuche für die Fortdauer der Verpflichtung, die Esterrolle an den Purimtagen vorzulesen, handelt es sich auch in dem bekannten Dialoge, den R. Matlma mit den Einwohnern von Epiphania hält1); die Fragen der Epiphanier, wo Haman, Ester und Mordechai im Pentateuche angedeutet seien? beziehen sich eigentlich auf die Pflicht, die Esterrolle vorzulesen, wo die letztere Verpflichtung im Pentateuch augedeutet sei. Wie sein palästinensischer Freund, der vorhergenannte R. Samuel b. Nachman8), die Helden der Esterrolle in der erwähnten Prophezeiung des Jesaja augedeutet findet und daraus die fortdauernde Verpflichtung, die Esterrolle am Purim zu verlesen, deduziert, so weist R. Matlma nach, dass die Hauptmomente aus dem Leben Haman’s, Esters und Mordechai’s im Pentateuche angedeutet seien, womit also die Fortdauer der Verpflichtung, die Esterrolle vorlesen zu müssen, erwiesen sei. Der Name Haman’s und die entscheidenden Momente seines Lebens sind in der Verurteilung Adams angedeutet. Der Name Haman’s ist in dem Wörtchen 3המן) augedeutet, für welche Deutung entscheidend ist, dass in dem darautfolgenden Worte: העין und in dem Verhältnisse Adams zu dem Baume, dessen Früchte ihm, Adam, verboten waren, Typen auf Haman sich finden. העין, der Baum, heisst der Galgen Ham ans. Adam ist im Eden alles unterthan. Da reizt ihn die verläumderische Schlange nach dem Baume der Erkenntnis zu greifen und auf den Rat der listigen Schlange und auf Zureden seiner Frau isst auch Adam von der verbotenen Frucht des Baumes. Nun vollzieht sich das Gericht über Adam. Beim Nahen Gottes bedeckt ihn Scham; er wird verurteilt und aus dem Eden gestossen. Haman ist am *) Orient Jahrg. 1846 No. 24. ך Ebenso Munk: Le intimes rapports, qui existaient entre Alkifti et le disciple de Uaimonide donnent egalement en grund!legre de vraisenibleuce a ce que nous lisona dans le Turikh alhocama, surMaimonidelni meine, qui aurait dtt force, pendant quelque temps <1• se faire passer pour musulman et qui vers la fln de sa vie aurait eti accussd en Egypte par un theologien musulman, noinrnd Abul-Arab'ben Moischa, pour ötre retournö au judaisine apres avoir uuvertement professe la religion musulman. >) l'hullin 139b; Bacher, Agada der babyl. Amoräer, BudapeBter (uugar.) Programm 1878 S. 78, Anm. 4, was nach obiger Ausfüllrung zu berichtigen wäre. -) Vgl. Berliner, Beiträge zur Geogr. Babyl. '■>) Bacher a. a. < >. und Agada der babyl. Amoräer S. 499 Anm. 3. 19, 1. M. 3, 11. Hofe des Königs alles untertlmn. Da reizen ihn krieeilende Verläumder gegen Moardechai. Auf deh Rat seiner weisen Freunde und seiner Frau Seresch errichtet er den Galgen. Nun folgt das Gericht über Haman: Beschämung, Ausstossung und Verurteilung. Möglich, dass der Baum auch als Typus des frommen Moardechai, nach Psalm 1, 3 und nach Jesaja 65, 22 als Typus der Juden, des Gottesvolkes, dessen Früchte Haman verzehren, dessen Nachkommen Haman vernichten wollte, gefasst wurde. Der Name Esters ist in den Worten 5 הסתר אסתיר. Mos. 31, 18 angedeutet. Aber nicht nur der Name, sondern das ganze Wesen Esters und die Macht, durch welche sie, (Ester,) auf die Ereignisse einwirkt, ist in den zwei Worten angedeutet. Ester wirkt durch ihre Zurückgezogenheit, Bescheidenheit, woher auch sie den Namen Ester4) erhalten, die Verborgene, die Verschlossene. Sie äussert keinen Wunsch und trägt dadurch den Sieg über ihre Rivalinnen weg; sie schweigt über ihre Herkunft und ihre Angehörigen, sie schmückt sich nicht, drängt sich dem Könige nicht auf und äussert keinen Wunsch. Dadurch bewahrt sie ihre Macht über den König. Der Name Mordechai’s erinnert an den aramäischen Namen, an das Targum des erstgenannten Gewürzes in der Anordnung zur Anfertigung des heiligen Salböles, an die Myrrhe; das heilige Salböl ist ein Typus auf Mordechai, insofern das Salböl, Myrrhenöl, ein Symbol des guten Namens, des ausgebreiteten guten Rufes ist5), der gute Name, der gute, ausgebreitete Ruf aber im Leben und Wirken Mordechai’s hat die wichtigsten entscheidenden Momente herbeigeführt. Im Namen Mordechai’s theilt Ester dem Könige mit, dass man ihm, dem König, nach dem Leben trachte. Dies bewirkt die Rettung Mordechai’s und dass Haman gezwungen wird, den guten Ruf Mordechai’s zu verbreiten. Hierdurch wird Haman beschämt und so bestürzt, dass er seinem Verderben zueilt. An die Stelle Haman's tritt Mordechai; des Letzteren guter Ruf verbreitet sich in alle Provinzen des Reiches, das Ansehen Mordechai’s wächst von Tag zu Tag und das bewirkt die Rettung und das Wohlergehen der Juden6 *). So ungefähr dürften die Ausführungen des R. Mathna gelautet haben, um den Bewohnern von Epiphania zu beweisen, dass die Verpflichtung, die Esterrolle vorzu. lesen und die Purimtage zu feiern, bereits im Penta teuche angedeutet sei. Wie dem aber auch sei, so viel darf nach dem Obigen w־ohl mit Bestimmtheit behauptet werden, dass die Einführung des ״Sabbat Sachor“ eine viel spätere gewesen sei als die des ״Schabbath Paraschath Sehekalim“. An diese jüngere Einrichtung des ״Schabbath Paraschath Sachor“ knüpft R. Simon b. Lakisch an, um dem ״Schabbath Paraschath Schekalim“ eine neue Bedeutung zu vindizieren und anstatt der bis dahin üblichen Perikope von ״den ständigen Opfern“ eine neue, die von der ״Kopfsteuer“ einzuführen. 4) Vgl. meine Bemerkung Litbl. 1892 S. lfiOb Anm. 4 und Hegilla lPa. s) Hobel. 1,3; Koheleth 7, 1; vgl. Targumimu. Midraschim a. 1. ') Möglich, dass R. Mathna auch darauf hingewiesen hatte, dass die Anordnung zur Bereitung des Salböles mit demselben Wärteben קח beginnen, 2. M. 30. 23, mit welchem Wörtchen der Befehl des Königs an Haman (Ester 6, 10), die verschiedenen Kleidungsstücke für Mordechai zu nehmen, beginne. — Auch die Anordnung des rezeptioneilen Maassverhältnisses bei der Bereitung des Salb- Öles (2. M. 30, 32) mag als ein Typus auf den Befehl des Königs (Ester 1. c.), ״nichts von den erwähnten Gegenständen zu vergesse u׳‘ betrachtet worden sein. Es ist ferner möglich, dass neben dem Typus des guten Namens, das aus verschiedenen Ingredienzen bereitete Salböl auch als Typus des Lichtes und der Freude der Juden bei dem Heraus mmen Mordechai’s, bekleidet mit den verschiedenen Abzeichen seiner Würde (Ester 8,13,16), gefasst wurde.

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