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Das jüdische Literaturblatt · 1893-09-08 · N° 37. (8.9.1893) · p. Seite 146

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 37. (8.9.1893)
Date
1893-09-08
Page
Seite 146 (sequence 4)
Language
German
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der Bericht im ״zweiten Buche der Könige“10'!. Anders lautet der Bericht in dem Buche der ״Chronik“11). Hiernach hatten Athalia und ihre Anhänger den Moriateinpel beschädigt und die Tempelgelder an sich gerissen. Der Nachfolger Athalia’s, König Joasch, kümmerte sich Anfangs wenig um den beschädigten Tempel. Erst nach vielen Jahren, nachdem er, der mit sieben Jahren gekrönt und gesalbt wurde, bereits viele Jahre verheiratet gewesen war und ihm mehrere Söhne und Töchter gehören \vorden waren, fasste er, Joasch, den Entschluss, den beschädigten Tempel restaurieren zu lassen. Er berief daher die Leviten und befahl ihnen, sie, die Leviten, mögen sich beeilen und in die Städte Juda’s hinausgehen und Geld zur Ausbesserung des Tempelgebäudes von Jahr zu Jahr einsammeln. Die Leviten beeilten sich aber nicht; sie mögen sich, nachdem der grösste Teil des Volkes noch immer dem Höhendienste ergeben gewesen war, von ihren Bemühungen keinen grossen Erfolg versprochen haben. Joasch liess daher den Oberpriester Jojada rufen und frug ihn, warum er den Leviten nicht aufgetragen habe, zu bringen die Hebe Mosis und der Gemeinde Israels zum Baue des Zeltes der Gesetze. Der König liess an der Aussenseite des Tempelportales einen Kasten aufstellen und in Juda und Jerusalem öffentlich ausrufen, es bringe ein Jeder die Hebe, welche Moses den Israeliten in der Wüste auferlegt hatte12). Eine bestimmte Steuersumme findet sich auch hier nicht; es sind freiwillige Spenden zur Erhaltung des Tempels, zu denen die Bewohner Juda’s und Jerusalems von Jahr zu Jahr aufgefordert werden sollen. Von einer bestimmten Jahressteuer lesen wir zuerst Nehemia 10, 33, von den heimkehrenden Exulanten, dass sie sich verpflichtet hatten, zu den Eedürfnissen des Gotteshauses ״jährlich ein Drittel des Schekels“ beizusteuere, welche Beisteuer dazu dienen sollte, die Kosten der regelmässigen Opfer und der etwaigen Bauarbeiten zu decken. Während aber die sich verpflichtenden heimkehrenden Exulanten ausdriicklich erklären, dass die jährlichen Beiträge in erster Reihe zur Bestreitung der regelmässigen ständigen Opfer verwendet werden sollen, hatten die sadduzäischen Priester behauptet, dass die täglichen ständigen Opfer nicht aus dem Tempelfonde bestritten werden, sondern dass es Sache der einzelnen freiwilligen Spenden sei, abwechselnd für die regelmässigen ständigen Tagesopfer zu sorgen10). Als aber die Pharisäer unter der Regierung der Königin Salome Alexandra zu hohem Ansehen gelangten und unter dem Präsidium Schimeon ben Schetach’s, des Bruders der Königin, und Jehuda ben Tabba'i’s das pharisäische Synhedrin reorganisiert ward, bestimmte letzteres, dass, im Sinne der nehemianischen Verpflichtung, die regelmässigen, ständigen Opfergaben '10—5 ,12 (״. Ich kanu der Darstellung des seligen Prof. Grätz, Gesell. Ila Seite GO—Bl, welch Letzterer seiner Rollenvorlesungstheorie zu Liebe beide Berichte, den des Buches der Könige und den der ״Chronik“, miteinander verquickt, bezw. den Bericht des Buches der ״Könige“ nach dem der Chronik umformt, nicht beistimmen. ») 2. Chr. 24, 4 ff משאת (״ von נשא abgeleitet ist synonym mit: תרומה, abgeleitet von cn heben, erheben und bezieht sich nicht auf 2) ,ני תשא M. 30, 12 ff), wie die älteren Exegeten aunehtnen. sondern auf: נשאו?1בו 2. M. 35, 20 (vgl. 35,2811.38, 2). Anstatt: והקהל (v. 10) scheinen die ältesten Uebersctznngeu: ויקהליו oder 1?בהקה gelesen zu haben (das Targum zur Chronik steht mir nicht zu Gebote). Die ganze Schilderung 1. c. und viele Ausdrücke weisen auf 2. II. Kapitel 35—37 als auf die pentateuchische Vorlage hin. (Die neuere exegetische Literatur zur ״Chronik“ steht mir gleichfalls nicht zti Gebote.) >״) Vgl. Grätz Geschichte III3 Seite 78; 424; 480. aus dem gemeinsamen Tempelfond besorgtwerdensollen14). Um dieser Bestimmung festen Nachdruck zu verleihen, wurde bestimmt, dass mit dem ersten Nissan, in welchem das Pessachfest, welches in allen Festopferau- Ordnungen stets in erster Reihe genannt wird, fällt, das Opferjahr beginne, bezw. dass das Steuerjahr mit dem ersten Nissan beginne und dass vom ersten Nissan an die ständigen regelmässigen Opfer nur aus den neu eingelaufenen Beiträgen besritten werden sollen. Damit aber zu Beginn des Nissan zum Ankäufe der Opfer die nötigen neueingelaufenen Beiträge zur Verfügung stehen sollen, wurde bestimmt, dass zur Zahlung der jährlichen Beiträge die Aufrufe, deren bereits die ״Chronik“15) erwähnt, einen Monat früher, am Anfänge des Monats Adar erfolgen sollten18). War der Anfang des Monats Adar an einem Sabbate, so wurde an diesem, war jedoch der Anfang des Mouats Adar in der Mitte der Woche, so wurde am letzten voraufgehenden Sabbate entweder anstatt der regelmässigen Wochenperikope, was das wahrscheinlichere ist, oder neben der regelmässigen als ausserordentliche Perikope der Abschnitt über ״die täglichen Opfer“ verlesen17), um daran zu erinnern, dass mit dem Beginne des nächsten Monates die regelmässigen ״täglichen Opfer“ bereits aus den Beiträgen des neuen Jahres bestritten werden müssen, jeder einzelne sich betreben solle, seinen Beitrag einzuzahlen und den zu geschehenden Aufforderungen vollkommen Genüge leiste, und um nachdrücklichst feierliehst pompös gegen die Sadduzäer zu demonstrieren, dass die regelmässigen ״täglichen Opfer“ aus dem gemeins amen Fonds bestritten werden müssen. (Fortsetzung folgt) Literarische Notizen. Von Jüdischen Kalendern für das Jahr 5864 sind uns bisher zugegangen: 1. Jüdischer Volks- und Haus-Kalender mit einem Jahrbuch zur Belebrung und Unterhaltung herausgegeben von Dr. M. Brätln. 41. Jahrg. (Mk. 1,25.) Verlag von Th. S c h atz ky, Berliu Wallstr. 14b (auch durch W. Jacobsohn u. Co. in Breslau, Kupferschmiedestr. 44 zu beziehen.) 2. Dr. M. Poppelauer’s Berliuer Volkskalender für Israeliten. Verlag von M. Poppelauer's Buchhandlung, Berlin C. Neue Friedrichstrasse 61. Mit literarischen Notizen (50 Pfg.) 3. Illustrirter Israelitischer Volkskalender, mit .,Gallerie von jüdischen Denkwürdigkeiten“, gesammelt und herausgegeben von Jakob W. P a s c h e 1 e s, Prag, altstädt. Ring Nr. 930. 42 Jahrg. (40 Pf) 4. FrankfurterlsraelitischerVolkskalendernebst jüd. Hotel-Adressen. J. K auf f mann,‘Frankfurt a. M. 11. Jahrg. (25 Pfg.) 5. Israelitischer Volkskalender. Verlag von Hugo Schildberger, Berlin, Brücken-Allee 20. (Nähere Besprechung Vorbehalten.) 1‘) Ich kann der Behauptung des seligen Prof. Grätz, 1112 Seite 122, dass ״die jährlichen Beiträge zum Tempel während der sadduzäischen Verwaltung wahrscheinlich unterblieben waren, nicht beistimmen. Aus den erhaltenen Berichten folgt das Gegenteil; die jährlichen Beiträge wurden eiugesammelt, nur war nicht der erste Nissan der Beginn des ersten Festmonates, der Jahresanfang und die Opfer sind nicht aus dem Tempelfond bestritten worden. '») 2. Chronik 24, 5-9. 1‘j Schekalim I, 1 ed. Krotoschin folio 45d, wo ausdrücklich angegeben wird, dass die Aufforderungen am Anfänge des Adar eine Fortsetzung der nicht an bestimmte Zeiten gebundenen Aufforderungen zu den Tempelbeiträgen gewesen waren. Vgl. Rabbinovicz Dikduke Sofrim a. 1. Note (ר). Tobia ben Iilieser in Lekach Tob ed. Buber (Seite 194 lies anstatt: 2, Chronik 24, 9 2. Moses 36, 6. Das ist blos Schreibfehler. Uebrigens ist 2. Chr. 24, 9 eine Kopie von 2. M. 36, 6.) ■ל) Schekalim 1. c. Babbi Mgilla folio 29b, folio 30b; Friedmann, Pesikta Rabbathi pagina 33a Anmerkung 1■ Verantwortl. Redacteur Dr. Unhmer Magdeburg, Druck Friedrich Rasche & Co., Magdeburg. Verlag Rob. Friese, Leipzig

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